Alarm! Es wird immer schwerer, Insekten totzufahren

Ach, ist das immer schön gewesen, im Sommer über die Autobahn zu brettern, und Insekten knallten gegen die Windschutzscheibe, dass es eine Lust war. Platsch, platsch, platsch – eine Mücke neben der anderen ist da verröchelt. Ihr könnt mir keine juckenden Quaddeln mehr besorgen, freute sich da die geplagte Autofahrerin. Das haben die jetzt davon. Es gibt eben doch noch Gerechtigkeit. Pratsch, eine fette Schmeißfliege verteilte ihr blutig-gelbes Innenleben. Ist ja widerlich, was alles drin ist in so einem Viech! Wo der Schöpfer sich vertan hatte, korrigierte der verantwortungsbewusste Autofahrer und schaffte sich extra einen SUV an, weil die Windschutzscheibe viel größer ist und steiler in die Luft ragt, weshalb dann auch der Aufprall heftiger, was wiederum den Allradantrieb rechtfertigt. Sicher ist sicher. Wer will schon von einer dicken, fetten Schmeißfliege, so einem schillernden Mordsbrummer vor dem Herrn, aus der Spur gerammt werden? Wer weiß, wo die vor ihrem Tod gesessen hat?

Jedenfalls nicht auf einem Krefelder Hundehaufen. Da haben sie ein paar Hobbyforscher schon vermisst und ausgerechnet, dass auf Krefelder Hundehaufen 80 Prozent der Biomasse an Fluginsekten fehlen. Alarmiert beklagen die Grünen in ihrem Wahlprogramm:

„Heute kann man von Flensburg nach Freiburg fahren, ohne immer wieder die Frontscheibe seines Autos von Insekten reinigen zu müssen. Das ist keine gute Nachricht. “

Ja, früher konnte man direkt hinter Flensburg mal anhalten und mit dem Schaber über die Windschutzscheibe gehen. Da hatte man schon satt und genug für einen leckeren Bioaufstrich. Heute müssen auch die Grünen für ein Töpfchen proteinreichen Insekten-Aufstrich von Flensburg nach Freiburg und zurück fahren, womöglich noch dauernd hin und her! Da haben Heuschrecken, Mücken, Schnaken und Schmeißfliegen direkt einen riesigen ökologischen Fußabdruck. Regelrechte Quadratlatschen, das verantwortungslose Kroppzeug!

„Wieso fahren die Grünen von Flensburg bis Freiburg mit dem Auto?“, schaltet Bundes-Massentierhaltungsministerin Barbara Hendricks (SPD) in den Wahlkampfmodus und schüttelt verständnislos den Kopf:

„Wer heute übers Land fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe.“

„Ich würde auch für Bremsen bremsen!“, grinst die sympathische Grüne Karin Göring-Eckardt hinterhältig: „Weil ich finde nichts schöner als Fliegen. Aber aus ökologischen Gründen muss ich darauf verzichten und leider das Auto nehmen. Da fahre ich natürlich nicht selbst, liebe Insekten. Darum nur Konjunktiv“, sagts, schwingt ihren Hintern ins brandneue Spitzenkandidatinnen-SUV und schnauzt ihren unterwürfigen Fahrer an: „Ab nach Freiburg! Und zurück! Ich brauche lecker Aufstrich!“

Auch Barbara Hendricks lässt sich vom Insektensterben die gute Laune nicht verderben: „Hummel Hummel, Mors Mors! Ich sage nur ‚Krefelder Freizeitforscher‘, he he! Fake News, ihr Deppen! Die entscheiden bekanntlich Wahlen.“

Kirschen im Regen – ein Marktbummel

Foto: JvdL

Die wahre Bitte, die Kirschen nicht zu berühren, wirft die Frage auf, ob es denn auch eine unwahre Bitte geben kann. „Bitte hier nicht weiter lesen!“, wäre zum Beispiel eine unwahre Bitte, denn indem der Text noch weiter geht, erweist sich die Bitte als ihr Gegenteil, und das, obwohl es inzwischen regnet und damit ein Grund gegeben wäre, den Bummel über den Wochenmarkt zu beenden und nach Hause zu gehen. Jedenfalls lassen wir uns nicht weiter aufhalten und kaufen keine Kirschen, sondern denken ungefähr von hier bist da hinten darüber nach, warum es „wahre Bitte“ heißt. Will sie ihre Bitte besonders eindringlich machen, weil sie hat erleben müssen, dass eine einfache Bitte nicht reicht, ihre Kirschen vor dem Betatschen zu schützen? „Bitte nicht berühren, aber echt jetzt!“ Unlogisch erscheint das nicht.

Gut, ich gebe zu, dass die Botschaft auf dem Schild etwas anderes bedeutet, nämlich „Ware bitte nicht berühren!“ Bei einer Aufforderung aus vier Wörtern vier Orthographiefehler zu machen, ist große Kunst, in diesem Fall die Kunst der Marktfrau. Sie hat guten Grund, voller Stolz hinter ihrer Marketing-Meisterleistung zu posieren. Denn würde ich jetzt nicht lieber Erdbeeren essen als Kirschen, dann hätte das Schild mich vielleicht zum Kauf gereizt, da es einiges signalisiert, ohne dass es ausdrücklich ausgesprochen wäre. Aus den Orthographiefehlern könnte man schließen, dass die Schreiberin nur eine unzulängliche Schulbildung hat, was man für typisch halten könnte für eine Markt-Anbieterin vom Land. Sie hat da nur eine Zwergschule besucht, und wenn zu Hause auf dem Hof viel Arbeit war, dann ließ man sie die Schule schwänzen, damit sie zum Beispiel bei der Kirschenernte helfen konnte. Was soll eine Landfrau auch mit Buchstabenwissen? In ihrem Leben geht es handfest und naturverbunden zu; man hat Wichtigeres zu tun als Orthographie zu lernen.

So etwa könnte man bei flüchtigem Betrachten des handschriftlichen Textes denken und dann unzulässiger Weise darauf schließen, dass die Verfasserin nicht nur eine ungebildete Landfrau ist, sondern auch die Kirschen eigenhändig vom Kirschbaum auf der Hauswiese gepflückt hat. Da ich über WordPress eine Bloggerin kenne, die als Marktfrau arbeitet und ein abgeschlossenes Studium hat, möchte ich vor derlei Vorurteilen sowieso warnen.

Bitte halte mal kurz den Schirm, mir ist der Schuh aufgegangen, und jetzt schleift ein Schnürsenkel durch die Pfützen. Also, diese Landfrau hier. In Wahrheit ist sie bauernschlau, und Bauernschläue schlägt das Buchstabenwissen um Längen. Nirgendwo an ihrem Stand behauptet sie, dass die Produkte aus eigenem Anbau stammen. Obst und Gemüse hat sie vielleicht vom Großmarkt, und was der Discounter billig vermarktet, das haut sie mit saftigem Preisaufschlag als Hauswiesen- und Hofgartenprodukte raus. Irgendwie macht mich die Rosstäuscherei beinahe schwermütig. Doch dann denke ich, die Bauern und Marktweiber haben eigentlich schon immer gern betuppt. Sie haben quasi eine Art Gewohnheitsrecht. Und die eine da, die spezielle, hat auch meine Hochachtung. Denn mit vier Wörtern eine Botschaft zu verfassen, die das eigentlich Gemeinte ausdrückt sowie die eben geschilderten Assoziationen und Konnotationen wachruft, – vor diesem schriftsprachlichen Augennagel zöge ich meinen Hut, wenn ich einen hätte und der Regen mir nicht ohnehin schon in den Nacken seifen würde.

Semmelknödel, njam njam


„Wo haben Sie denn Semmelknödel?“, frage ich die kleine, ältere Rewe-Mitarbeiterin, die gerade den Gang entlang eilt. Sie bleibt stehen und schaut sich um. „Spontan weiß ich es auch nicht. Ich sitze normalerweise an der Kasse!“, sagt sie. Nachdem sie versuchsweise in einen Gang geeilt ist und erfolglos die Regale gemustert hat, kommt sie wieder zurück. Im Vorbeihasten sagt sie: „ Ich muss so dringend, gleich mache ich mir in die Hose.“

Ich sage: „Halt! Dafür will ich keinesfalls verantwortlich sein. Vergessen Sie die Semmelknödel!“
Doch sie gibt keine Ruhe, fühlt sich bei der Berufsehre gepackt und eilt suchend durch alle Regalgassen. Besorgt gucke ich ihr hinterher, ob sie vielleicht eine Tröpfelspur hinterlässt . . . ….. dann hätten mir die Semmelknödel auch nicht mehr geschmeckt. Zum Glück hat sie keine gefunden.

Hinter Westen liegt Osten (4) – 80000 Franken

Zwei wiederkehrende Alpträume plagen mich. Der jüngere Alptraum lässt mich als Deutschlehrer in einer Zeugniskonferenz der 10. Klasse sitzen. Gleich werde ich gefragt werden, wo die Deutschnoten sind. Ich weiß, dass ich im letzten Halbjahr keine einzige Klassenarbeit habe schreiben lassen und habe folglich keine Noten. Ängste und Schuldgefühle, Fassungslosigkeit ob meiner Versäumnisse, sinnlose Hoffnungen, das ganze werde sich noch richten lassen plagen mich auch im zweiten Alptraum. Bei mir zu Hause liegen die Manuskripte für die Disc-Jockey-Zeitschriften. Aber ich hatte keine Zeit gefunden, die Hefte zu layouten. Sie sollten längst gedruckt sein. Der neue Monat ist schon angebrochen. Die Anzeigenkunden werden nicht bezahlen, weil die Hefte nicht erscheinen. Alles wird zusammenbrechen, und es ist meine Schuld.

Obwohl der letztgenannte Alptraum in einer Zeit angesiedelt ist, die viel weiter in meiner Biographie zurückliegt als mein Lehrerdasein, ist er fast schlimmer. Es zeigt sich, unter welchem Druck ich damals gestanden habe, denn ganz nebenher studierte ich noch. Der Zusammenbruch kam tatsächlich, und zwar kurz nach einem bombastischen  Presseempfang wegen der neuen vierfarbigen Hefte in Brüssel. Ich war dazu nach Brüssel gefahren und erinnere mich noch gut, im Aachener Bahnhofkiosk als Reiselektüre die erste Ausgabe der Titanic gekauft zu haben. Meine Titelzeichnungen von drei Jahren Jahren hatte ich zuvor gerahmt und nach Brüssel verschickt, wo sie den Empfangsraum schmücken sollten.

Die erste Titanic war eine humoristische Offenbarung. Ich saß im Zug und bekam beim Lesen einen Lachanfall nach dem anderen. Es war mir peinlich, dass ich nicht wie die anderen Passagiere manierlich Zeitschrift lesen konnte. Immerhin hatte ich mich in Schale geschmissen, trug einen dunklen Anzug, hatte eine Krawatte umgebunden und vermittelte äußerlich die größtmögliche Seriosität. Aber je mehr ich mich maßregelte, um so häufiger musste ich losprusten. So fuhr ich prustlachend von Aachen nach Brüssel. Das Lachen sollte mir bald vergehen.

Indem die Hefte immer aufwändiger und umfangreicher wurden, stiegen natürlich auch die Kosten. Die UPDJ geriet mit den Honorarzahlungen an mich in Rückstand, zuletzt zwei Monate, also für vier Ausgaben. Das war eine finanzielle Katastrophe für mich und meine Familie. Denn ich hatte zuletzt aus Zeitmangel kaum noch andere Aufträge annehmen können. Le président schlug vor, mir das Honorar für die vergangenen zwei Monate in Raten zu bezahlen.

Inzwischen wurden die Zeitschriften in einer Eupener Druckerei gedruckt. Doch zwei damit befasste Mitarbeiter kündigten, machten sich selbstständig und nahmen den Auftrag mit, was gewiss ungesetzlich war. In diese Wirren fiel es, dass mir ein Monatshonorar versprochen war, das mir in der Druckerei ausgehändigt werden sollte, wenn ich die Papiermontagen des Layouts vorbeibringen würde. Ich fuhr in banger Hoffnung mit dem Bus nach Eupen, doch mein Honorar war nicht da. Also nahm ich die fertigen Seiten wieder mit nach Hause und rückte sie erst heraus, als ich mein Geld bekam. Damit endete meine Arbeit für die belgische Discjockey-Organisation. Man blieb mir das Honorar für zwei Monate schuldig. Auch meine gerahmten Zeichnungen der Titelseiten bekam ich nicht zurück.

Wochen später traf ich in Aachen den Eupener Druckereibesitzer Schwarz, dessen Mitarbeiter sich selbstständig gemacht und den Auftrag quasi gestohlen hatten. Schwarz kam gerade aus der Kreissparkasse, ich wollte hineingehen, erkannte ihn im letzten Moment am jägergrünen Janker und ebensolchem Hut. Wir blieben auf der Außentreppe der Kreissparkasse stehen und redeten über den geschilderten Fall. Er schimpfte auf die beiden Exmitarbeiter und sagte, dass er sie verklagt hätte. Dabei regte er sich immer mehr auf, geriet sogar in einen cholerischen Anfall und begann zu schreien, dass die Passanten stehen blieben und uns angstvoll musterten. Seine Stimme überschlug sich und zuletzt heulte er in seinem ulkigen Eupener Deutsch: „Ich hab der Richter in Brüssel 80.000 Franken gegeben, dass der die Halunken fertig macht!“ [80.000 Belgische Franc (BEF) etwa 2000 Euro]

Das war meine letzte Begegnung mit den Eupener Druckern und meine erste Erfahrung mit der Korruption im belgischen Rechtssystem. Ich wunderte mich vor allem, wie billig ein Brüsseler Richter zu haben war, und dass einer, der offensichtlich im Recht war, wie selbstverständlich für die Durchsetzung seines Rechtes zu zahlen bereit war. War es am Ende allgemeine Übereinkunft bei den Belgen, dass Richter immer geschmiert werden müssen?

Wie ich erfuhr, erschienen die Zeitschriften noch zwei Monate in DIN-A4, dann wieder in A5, was im Editorial gepriesen wurde als das „noveau pocket magazine.“ Es wurde kurz darauf ganz eingestellt. Ich verlor den Kontakt zu allen Beteiligten, kam einige Jahre später dann von ganz anderer Seite wieder nach Eupen und Dolhain und zwar mit dem Fünf-Uhr-Zug der Aachener Zugvögel.

Hinter Westen liegt Osten (3) – ambulantes Tanzen

Was waren das für Leute in der UPDJ? Kathys Freund Michel, dem ich den Job verdankte, war Toningenieur beim Radio et Télévision Belge Francophone (RTBF) in Brüssel, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Wallonen. Guy Grosch, der Chefredakteur der Vereinszeitschrift (Directeur de Rédaction et Rédacteur en Chef), kam frisch von der Journalistenschule und arbeitete als Redaktionsvolontär beim RTBF. Le président de UPDJ, Jean-Marie Becker, war im Hauptberuf Verwaltungschef eines Altenheimes. Er sah nicht aus wie ein Disk-Jockey-Präsident, sondern hatte sich einen seriösen Habitus zugelegt, der ihn alt aussehen ließ. Er wirkte, als wäre er niemals jung genug gewesen, um eine öffentliche Tanzveranstaltung zu besuchen. In einem der wenigen Hefte, die ich noch habe, vom März 1980, ist er auf einem Foto zu sehen. Er ist ein bisschen dicklich, trägt einen Dreiteiler, Krawatte, eine riesige Brille mit Gläsern wie Glasbausteine und wirkt wie höchstens 28. Damals kam er mir viel, viel älter vor.

Als ich erstmals mit Nebenmann nach Dolhain fuhr, sah ich zwischen Deutschland und Ostbelgien ein deutliches Wohlstandsgefälle. Hinter der Ortsgrenze von Eupen in die angrenzende Wallonie ging es noch weiter hinab, auch topographisch ins Tal der Vesdre (Weser). Auch in Eupen gibt es eine bessere Oberstadt und die im Wesertal gelegene Unterstadt. In den Ortschaften entlang der Vesdre schaute die Armut aus den Fensterhöhlen. Einst war das Wesertal bis zur Mündung in die Maas von Textilindustrie gesäumt gewesen. Doch mit dem Niedergang des Textilgewerbes sowie der Stahlindustrie in der Lütticher Region lag auch an der Weser alles darnieder. Die ganze Gegend schien in Agonie verfallen zu sein, und ich hielt es für einen typisch wallonischen Phlegmatismus, dass man überall Ruinen stehen- und verfallen ließ. Heute weiß ich, dass dieses Verhalten eine typisch menschliche Reaktion auf langwährende Hoffnungslosigkeit ist.

Es war ein düsterer Tag in einem deprimierenden Ort in einem Altbau aus dunklen Ziegeln. Der Büroraum, in den uns le president bat, war eingerichtet im flämischen Neobarock, wie viele Belgier es gerne haben, dunkle überladene Eichenmöbel, dem Aussehen nach für ein ganzes Leben gedacht, doch in der Verarbeitung zu billig, um wirklich lange zu halten. Meistens gaben die Beschläge der Schranktüren nach ein paar Jahren den Geist auf und ließen die Türen schief hängen, so auch hier. An der Längswand hing ein großes Vitrinen-Regal. Darin standen auf schmalen horizontalen Leisten an die hundert kleine LKW-Modelle. Becker sammelte Modellautos. Über uns kreiste keine Discokugel, sondern brummte und knarrte eine Neonröhre, die Becker eingeschaltet hatte, um das Tageslicht zu verstärken. Außer einer großen Karte von Belgien, die mit farbigen Stecknadeln gespickt war, wies nichts darauf hin, dass wir in der Zentrale einer Discjockey-Organisation saßen. Es war eine überaus befremdliche Szenerie. Le président war um Distanz bemüht. Dass Nebenmann alles übersetzen musste, kam ihm gelegen. Obwohl ich Nebenmanns Französischkenntnisse voll vertraute, schien mir, jede Äußerung, ob von Becker oder mir, musste beim Grenzübertritt in die jeweils andere Sprache ein bisschen Zoll bezahlen, wodurch die Nuancen verlorengingen, aus denen vertrauensvolle Übereinstimmung gemacht ist.

Die Zentrale der UPDJ machte nichts her, aber im Verein waren fast alle wallonischen Discjockeys organisiert. Es gab eine Vielzahl. Man fuhr mit seinem Equipment über Land und veranstaltete quasi ambulante Diskotheken in Kneipensälen. Manche brachten auch ein paar Hüpfdohlen mit, semiprofessionelle Tänzer und Tänzerinnen in schrillen Outfits, bei denen sich die Landbevölkerung die neuesten Tanzschritte abgucken konnten. Die UPDJ veranstaltete einen Wettbewerb, das Championat de Belgique des Disc-Jockeys, bei dem monatlich eine Rangfolge der besten Disc-Jockeys Belgiens ermittelt wurde.

Trotz diverser Kommunikationsprobleme war meine Zusammenarbeit mit der UPDJ zunächst erfolgreich. Innerhalb von zwei Jahren bekam das Heft eine parallel erscheinende niederländische Ausgabe der flämischen Schwesterorganisation Belgische Disc-Jockey’s Organisatie (BDO), wurde bei vierfarbigem Titel von DIN-A5 auf DIN-A4 umgestellt, und man plante eine Kooperation mit der flämischen Jugendzeitschrift joepie, um an den Kiosk zu gehen.

Von mir gezeichnete Titelblätter, größer: Bitte klicken!

Fortsetzung 80000 Franken

Leider haben meine Texte keine Speichen

Immer ändert sich alles, und selten macht man sich die Mühe, den augenblicklichen Zustand zu dokumentieren. Beispielsweise verändern sich Funktionsweise und Aussehen der wordpress-Software. Mal sieht der Feadreader anders aus, mal der Editor. Ich habe das nicht gern. Als würde ich Radfahren und mir wird das Fahrrad unterm Hintern umgebaut. Man kann das bei der Tour de France sehen. Ein Rennfahrer winkt seinem Begleitfahrzeug, das kommt längsseits, der Radfahrer hält sich am Auto fest, und ein Mechaniker beugt sich aus dem Seitenfenster übers Rennrad und schlüsselt daran herum.

„Der Vergleich hinkt!“, werden die Schlauberger sagen. „Bei voller Fahrt kann so ein Mechaniker kaum etwas tun, höchstens ein Stück Plastiktüte entfernen, dass sich in den Ritzeln verfangen hat, oder eine schleifende Bremse justieren, muss bei allem aber aufpassen, dass er die Finger nicht in die Speichen bekommt.“ Genau! Meine Texte haben keine gefährlichen Speichen, die werden nämlich von meinem inneren Redakteur gnadenlos heraus redigiert, und die Mechaniker, die am WordPress herumschrauben, sitzen bequem an einem Schreibtisch und verändern die Software, während ich schlafe. Und morgens reibe ich mir die Augen, mache „Huch!“ und weiß kaum noch, wie mein Fahrrad voher ausgesehen hat. Die Woche darauf habe ich gelernt, Einrad zu fahren und denke, es wäre schon immer so gewesen.

Es ist nicht nur mühsam, den alten Editor zu benutzen, man wird auch noch ständig ermahnt.