Teestübchen Sevice – Heute: Waldbaden

Waldbaden ist der ganz heiße Scheiß. Der Natur ganz nah sein. Das Original japanische „Shinrin Yoku“, was soviel heißt wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“, ist ja so gesund für Körper und Geist. Für „Shinrin Yoku“ brauchts keine lange Flugreise nach Japan, … obwohl (siehe unten). Theoretisch geht Waldbaden auch im heimischen Wald. Und gibt es keinen vor der Haustür – ruhig Hinfahren, wenn es sein muss mit dem SUV, falls man grad nicht über einen kleineren Zweitwagen verfügt. Und jetzt kommt das große Aber:


Na, das bringts doch net. Also besser gleich hinfliegen zu gesunden, kraft- und saftstrotzenden Wäldern für den echten Waldbadegenuss.

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Kuriose Rituale (3) – Riesenscheck übergeben

Eines der albernsten Rituale in den Medien ist die Übergabe von Riesenschecks. Ich hatte mich schon in der Ausgabe 08/1993 des Magazins Titanic darüber lustig gemacht, die Fotos dazu aus diversen Zeitungen ausgeschnitten. Eine ulkige Hintergrundgeschichte: Als Lehrer hatte ich gute Beziehungen zur Aachener Presse. Während einer Projektwoche im Jahr 1994 hatte ich einen Redakteur der Aachener Zeitung in die Schule eingeladen. Im Kunstraum bewahrte ich in einer Schublade die DIN-A2 große Montage der Riesenschecks. Die fand ich, als ich für den Redakteur etwas aus der Schublade nehmen wollte. Ich zeigte sie ihm. Er fiel aus allen Wolken und rief: „Also, Sie waren das!“ (Der Beitrag war unter Pseudonym erschienen.)

Er berichtete, dass man sich in den beiden Redaktionen der Aachener Zeitungen gegenseitig verdächtigt hatte, die Satire gemacht zu haben, und man war darüber in Streit geraten. Man war sich aber schon vorher nicht grün. Ursprünglich hatte ich Fotos aus verschiedenen Zeitungen an die Titanic geschickt, hatte aber den Akteuren schwarze Augenbalken geklebt. Ein Titanicredakteur rief an und fragte, ob ich noch mehr Fotos hätte, denn man bekomme die Augenbalken nicht runter. Das Ersatzmaterial, stammte aber fast ausschließlich aus den beiden Aachener Zeitungen, mit dem Effekt, dass man sich gezielt vorgeführt fühlte und die Konkurrenz dahinter vermutete. Mit derlei unwägbaren Nebeneffekten muss der Satiriker leben, wusste schon Michail Soschtschenko:

    ”Der Beruf des Satirikers ist (…) geeignet, die Zeitgenossen regelrecht zu vergrätzen. Manche denken sich: Was soll das? Darf der denn das? Muss das eigentlich sein?”

Ja, muss. Das krachend Blöde, das eitel Selbstgefällige, in diesem Fall die medial provozierte Schamlosigkeit des „Tue Gutes und sprich darüber!“, derlei mediale Inszenierungen müssen als das entlarvt werden. Die Aachener Presse war voller Fotos mit der Überreichung von Riesenschecks. Besonders oft sah man bei diesem Ritual den damaligen Oberbürgermeister Jürgen Linden. Dem ist die folgende Bildgeschichte gewidmet. Sie beginnt mit einem weiteren Ritual, dem gemeinsamen Drücken eines Startknopfes:

Bilddokumentation, Konzept und Gif: JvdL

Trithemius befragt Arbeitsminister Hubertus Heil

Screenshot Spiegel.de


Trithemius
Herr Minister Heil, warum wollen Sie beim neuen Sozialgesetzbuch die 13 vermeiden?

Hubertus Heil
Ein Sozialgesetzbuch Nr. 13 riefe bei manchen Menschen Unbehagen hervor, also würde Unbehagen hervorrufen, um es für schlichte Gemüter zu sagen.

Trithemius
Wieso denn? Der größte Teil der Bevölkerung hat es nie in den Händen gehalten, weiß noch nicht mal, dass das letzte die Nummer 12 hatte und jetzt die 13 anstünde.

Hubertus Heil
Die 14, Sie Honk!

Trithemius
Warum nicht korrekterweise die 13?

Hubertus Heil
Weil ich Angst vor der Unglückszahl 13 habe, wie die meisten Menschen. Wir alle sind mehr oder minder schwer gestörte Triskaidekaphobiker. Weshalb gibt es wohl beim ICE keine Wagennummer 13?

Trithemius
Ist das so?

Hubertus Heil
Glücklicherweise! In Hotels werden Sie die 13. Etage vergeblich suchen, ein Zimmer 13 gibt’s Gottseidank auch nicht.

Trithemius
Die 13 lässt sich nicht überall vermeiden. Jeder Mensch wird in seinem Leben mindestens einmal 13.

Hubertus Heil
Als ich 13 wurde, habe ich ein Jahr nur gewixt.

Trithemius
Die Pubertät halt…

Hubertus Heil
Ich muss doch sehr bitten, Herr Trithemnius! Muss heißen „geweint.“

Trithemius
Tut mir leid. Wir haben den Drückfelherteufel im Huas!

Hubertus Heil
Ich habe geweint. Genauso wie im Unglücksjahr 2013.

Trithemius
Bei der Bundestagswahl 2013 erzielten sie in Ihrem Wahlkreis Gifhorn-Peine mit 43,2 Prozent der Erststimmen Ihr bestes Ergebnis. Allein durch wixen weinen? Das muss ja mit dem Teufel zugegangen sein.

Hubertus Heil
Um Himmels Willen, nennen Sie den Gottseibeiuns nicht beim Namen!“

Trithemius
Warum nicht? Wenn Ihnen der Satan schon bei der Wahl geholfen hat.

Hubertus Heil
(Schlägt hastig ein Pentagramm) Wenn Sie ihn beim Namen nennen, rufen Sie ihn herbei, und das könnte Teile der Bevölkerung verunsichern.

Trithemius
Am Ende haben Sie Ihre Seele längst dem Teufel verkauft. Was kommt als nächstes?

Hubertus Heil
(Hinter vorgehaltener Hand) Wir keulen alle schwarzen Katzen. Aber nicht weitersagen, das könnte Katzenbesitzer verunsichern.

Trithemius
Abgründe des Aberglaubens.

Alarm! Es wird immer schwerer, Insekten totzufahren

Ach, ist das immer schön gewesen, im Sommer über die Autobahn zu brettern, und Insekten knallten gegen die Windschutzscheibe, dass es eine Lust war. Platsch, platsch, platsch – eine Mücke neben der anderen ist da verröchelt. Ihr könnt mir keine juckenden Quaddeln mehr besorgen, freute sich da die geplagte Autofahrerin. Das haben die jetzt davon. Es gibt eben doch noch Gerechtigkeit. Pratsch, eine fette Schmeißfliege verteilte ihr blutig-gelbes Innenleben. Ist ja widerlich, was alles drin ist in so einem Viech! Wo der Schöpfer sich vertan hatte, korrigierte der verantwortungsbewusste Autofahrer und schaffte sich extra einen SUV an, weil die Windschutzscheibe viel größer ist und steiler in die Luft ragt, weshalb dann auch der Aufprall heftiger, was wiederum den Allradantrieb rechtfertigt. Sicher ist sicher. Wer will schon von einer dicken, fetten Schmeißfliege, so einem schillernden Mordsbrummer vor dem Herrn, aus der Spur gerammt werden? Wer weiß, wo die vor ihrem Tod gesessen hat?

Jedenfalls nicht auf einem Krefelder Hundehaufen. Da haben sie ein paar Hobbyforscher schon vermisst und ausgerechnet, dass auf Krefelder Hundehaufen 80 Prozent der Biomasse an Fluginsekten fehlen. Alarmiert beklagen die Grünen in ihrem Wahlprogramm:

„Heute kann man von Flensburg nach Freiburg fahren, ohne immer wieder die Frontscheibe seines Autos von Insekten reinigen zu müssen. Das ist keine gute Nachricht. “

Ja, früher konnte man direkt hinter Flensburg mal anhalten und mit dem Schaber über die Windschutzscheibe gehen. Da hatte man schon satt und genug für einen leckeren Bioaufstrich. Heute müssen auch die Grünen für ein Töpfchen proteinreichen Insekten-Aufstrich von Flensburg nach Freiburg und zurück fahren, womöglich noch dauernd hin und her! Da haben Heuschrecken, Mücken, Schnaken und Schmeißfliegen direkt einen riesigen ökologischen Fußabdruck. Regelrechte Quadratlatschen, das verantwortungslose Kroppzeug!

„Wieso fahren die Grünen von Flensburg bis Freiburg mit dem Auto?“, schaltet Bundes-Massentierhaltungsministerin Barbara Hendricks (SPD) in den Wahlkampfmodus und schüttelt verständnislos den Kopf:

„Wer heute übers Land fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe.“

„Ich würde auch für Bremsen bremsen!“, grinst die sympathische Grüne Karin Göring-Eckardt hinterhältig: „Weil ich finde nichts schöner als Fliegen. Aber aus ökologischen Gründen muss ich darauf verzichten und leider das Auto nehmen. Da fahre ich natürlich nicht selbst, liebe Insekten. Darum nur Konjunktiv“, sagts, schwingt ihren Hintern ins brandneue Spitzenkandidatinnen-SUV und schnauzt ihren unterwürfigen Fahrer an: „Ab nach Freiburg! Und zurück! Ich brauche lecker Aufstrich!“

Auch Barbara Hendricks lässt sich vom Insektensterben die gute Laune nicht verderben: „Hummel Hummel, Mors Mors! Ich sage nur ‚Krefelder Freizeitforscher‘, he he! Fake News, ihr Deppen! Die entscheiden bekanntlich Wahlen.“

Aquarell

kategorie surrealer-AlltagMan kann ja tausend Sachen haben und Schubladen, die sich vor Zeug kaum noch bewegen lassen. Das schützt nicht davor, dass man just das nicht hat, was man gerade braucht. Ich will eine Straßenszene aquarellieren und habe kein kürschnerrot mehr. Glücklicher Weise bin ich vor acht Jahren, als ich mal einen Radiergummi gebraucht habe, da bin ich Mitglied in einem exklusiven Fachgeschäft für Künstlerbedarf geworden. In diesem sündteuren Geschäft residiert eine aparte Dame von ätherischer Schönheit an einem beinah quadratischen Infostand hinter der Theke und lächelt mich erwartungsvoll an.

„Wo finde ich denn kürschnerrot?“
Kunstvoll lackierte Fingernägel, jeder Fingernagel eine Miniaturlandschaft, eilen über eine Computertastatur. Mit Blick auf den Computerbildschirm verzieht sie ihren sorgsam geschminkten Mund zur Schnute.
„Hm, kürschnerrot fehlt! Seltsam, wir haben erst vorige Woche eine neue Charge bekommen.“
„Charge? Wie groß ist denn so eine Charge?“
„Fünfundzwanzig Näpfchen!“
„Nur fünfundzwanzig Näpfchen?! Warum bestellen Sie nicht mehr?”
„Sie hören mich seufzen. Kürschnerrot ist in letzter Zeit immer schwerer zu bekommen.“
„Warum?“
„Dieser wunderschöne Rot-Ton wird ja aus überfahrenen Kürschnern gewonnen. Die werden halt immer seltener.“
„Die Kürschner oder überfahren?“
„Kürschner! Ach, diesen ehrbaren Handwerkern wird ja von fanatischen Tierschützern so das Leben schwer gemacht!“
„Wir brauchen sie ja auch tot.“
„Ein aussterbendes Handwerk, zweifellos.“
„Bei den jährlich gut 4.000 Verkehrstoten sollten doch ein paar Kürschner sein.“
„Offenbar nicht oft genug.“
„Warum ausgerechnet Kürschner? Marderhaarpinsel gibt es ja inzwischen auch als Kunstmarderhaar.“
„Nur Kürschner haben den speziellen Unterhautton. Er lässt sich nicht künstlich synthetisieren.“
„Unterhautton?“
„Wenn die Haut abgezogen ist.“
„Was ist mit überfahrenen Bankstern oder Finanzmaklern?“
„Unter der Haut kotzgrün.“
„Politikern?“
„Kackbraun.“
„Journalisten?“
„Rotzwichsgelb.“
„Dass so schöne Lippen derart hässliche Wörter formen können, hätte ich nie gedacht.“
„O, ich kenne noch andere! Was halten Sie von ‚Geschlechtsorgananomalien’? Darüber haben wir uns gestern noch in der Sauna unterhalten, als ein wirklich bizarrer Kerl vorbeikam.“
„Brrr! Ach, wissen Sie was? Lassen wir das mit kürschnerrot. Ich will dann lieber doch keinen Verkehrsunfall aquarellieren. Mir ist grad ein bisschen schlecht.“

Es erwischt die Besten – Rapper Ramon H. ist tot – Ein Nachruf von Volontär Hanno P. Schmock

Genau ein Jahr nach David Bowie ist am 10. Januar wieder ein Wegbereiter der Popkultur von uns gegangen. Ex-Bundespräsident Ramon Herzog ist tot. Viele loben ihn, aber vergessen oft das Beste. Das beste an ihm war lange Zeit nämlich seine Frau Christiane. Ach, die wunderbaren Zeiten, als First Lady Christiane Herzog im ersten deutschen Fernsehen (wo sonst?) eine Kochsendung hatte. Wir alle durften „Zu Gast bei Christiane Herzog“ sein und konnten sehen, wie sich Christiane von einem Sternekoch mit dem passenden Namen Koch die Möhrchen schrabben ließ. Es war ungemein erfrischend, wie Christiane Herzog klarzumachen verstand, was die Deutschen vergessen hatten, wo nämlich die Trennlinie verläuft zwischen Herrschaft und Dienstboten. „Herr Koch, die Kasserolle, bitte!“

Schon der neureiche Trimalchio des römischen Schriftstellers Petron erfreute sich bekanntlich daran, dass sein Koch auf den Namen Schneid hört. So konnte Trimalchio seinen Koch beim Namen rufen und gab ihm gleichzeitig den Befehl, den mit Früchten gefüllten Ochsen aufzuschneiden. In diesem Sinne war Christiane Herzogs Wahl des Kochgehilfen Otto Koch zwar nicht neu, und trotzdem nahezu genial. „Koch!” das war und ist: Name, Berufsbezeichnung und Befehl in einem Wort. Sparsamer kann man seine Dienstboten nicht anweisen. Leider ist Christiane Herzog schon einige Jahre tot, und so war da auch niemand mehr, der den kometenhaften Aufstieg der Köche im deutschen Fernsehen hätte bremsen können.

Ramon Herzog hat sich weder um Köche noch ums Kochen (transitiv) bemüht. Wenn der habilitierte Choleriker vor Wut kochte (intransitiv), war seine Stimme eher ein Knödeln, so angenehm fürs Ohr wie Harzer Käse für die Nase. Daher beschränkte er sich auf Sprechgesang. Sein berühmter knochentrockener Hiphop: „Durch Deutschland Muss Ein Ruck Gehen“ (1997), ruckelt so weiter: „Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen.“ Wieviel er später von seinem jährlichen Ehrensold von gut 214.000 Euro an seine Dienstboten abgegeben hat, ist nicht bekannt. Vermutlich hat er deren „liebgewordenen Besitzstände“ vorbildlich auf den Mindestlohn herunter gekürzt. Sein Rap: „Wir predigen Wasser, aber trinken Wein, ihr Deppen!“, wurde von den Rundfunkanstalten nicht gespielt, feierte aber in Yachthäfen, auf exklusiven Golf- und Tennisplätzen und in anderen asozialen Kreisen große Erfolge. Herzog begründete mit „Durch Deutschland Muss Ein Ruck Gehen“ den Hauptstadt-Gangsta-Rap. Ihm folgte in direkter Tradition das Gangsta-Rapper-Duo Schröder/Fischer im Jahr 2002 mit den verstörenden Hits „Hartz IV“, „Hatch-Fonts, hehe“, „Studiengebühr“ und „Statt fördern fordern“, allesamt produziert von Liz Mohn und ihren Mannen an den goldenen Knöpfen der Bertelsmannstiftung.

„Wenn Ramon auch ein fucking One-Hit-Wonder war, sein bahnbrechender Einfluss auf uns kann gar nicht überschätzt werden“, grinst der sympathische Ganove Gerhard. „Ohne seinen Ruck-Rap hätten wir Hartz IV und all den Gangstaschrott niemals denken können.“ Das weiß auch Bankerboy Josef von der Hiphop-Formation Deutsche Bank, um den es nach den Hits „25 % Rendite“, „Systemrelevant“, „Finanzkrise“ und „Bankerrettung“ viel zu still geworden ist. Nur Angeela M., die einzige Frau im Kreis der Hauptstadt-Gangsta-Rapper konnte es nicht lassen, Wegbereiter Ramon zu dissen: „Jetzt geht es Deutschland wieder gut.“