Editorial

Meine lieben Damen und Herren,jules-van-der-ley2 Georg Christoph Lichtenberg notierte in eines seiner Sudelbücher: „Schreibt man denn Bücher bloß zum Lesen? oder nicht auch zum Unterlegen in die Haushaltung? Gegen eins, das durchgelesen wird, werden Tausende durchgeblättert, andere Tausend liegen stille, andere werden auf Mauslöcher gepreßt, nach Ratzen geworfen, auf andern wird gestanden, gesessen, getrommelt, Pfefferkuchen gebacken, mit andern werden Pfeifen angesteckt, hinter dem Fenster damit gestanden.“

In meinem Bücherregal finden sich einige Bücher, die ich nicht gelesen oder höchstens angelesen habe, und weil ich nicht weiß, wie man mit Büchern Pfefferkuchen backt, stehen sie nur ungenutzt da als stumme Zeugen meiner Ignoranz. Die armen Autoren, die doch gewiss ein bisschen von ihrem Herzblut vergossen haben. Zum Glück merken sie meine Mißachtung nicht. Wer im Printmedium publiziert, hat nur geringe Vorstellungen davon, ob einmal ein interessiertes Auge lesend erschließt, was da in Zeilen niedergelegt ist.

Einige Jahre habe ich für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung allwöchentlich eine Seite mit Schülertexten redigiert und gestaltet. Was waren wir glücklich, wenn mal ein Leserbrief eintrudelte. Es war die Ausnahme. Etwa zehn Jahre habe ich als freier Autor für das satirische Magazin Titanic gezeichnet und geschrieben, zuletzt nur noch für die Rubrik „Briefe an die Leser“. Weil Titanic keine Leserreaktionen abdruckt, habe ich in den vielen Jahren kaum jemals Leserresonanz erlebt.

lesereiseIm Jahre 2005 entdeckte ich für mich das Medium Blog und habe von Beginn an die Interaktion mit anderen Bloggerinnen und Bloggern als das Besondere dieses Mediums geschätzt und viel experimentiert. Man wechselt als Autor nicht einfach vom Papier ins Digitale. Wer sich im Netz wie ein Printautor verhält, fährt einen Porsche im Rückwärtsgang, zurück zur Einkanalmentalität, hier Sender, dort Empfänger. Das Blog bietet die Möglichkeit der wechselseitigen Kommunikation, den Gedankenaustausch quasi in Echtzeit. Man kann in faszinierende Dialoge eintreten, die oft über den Textinhalt hinaus gehen. Daher bilden Blogtext und Kommentare eine Einheit. Mein Blog ist für mich ein dynamisches soziales Kunstwerk, an dem Autor und Leser weiterbauen. Diese besondere Eigenheit des Mediums hat mich gut zehn Jahre motiviert, inspiriert und einiges gelehrt. Inzwischen habe ich mit Hilfe wohlmeinender Leserinnen und Leser gut 2000 Blogtexte verfasst, einige E-Books veröffentlicht (eines über meine Lesereise von Hannover nach Aachen (siehe Artikel aus den Aachener Nachrichten)), zwei Plattformen ausprobiert und wieder verlassen. Mein letztes Blog hatte ich mit WordPress-Software auf einer eigenen Domäne. Da war die Vernetzung schwierig und zuletzt hatte ich das Gefühl, mich festgefahren zu haben. Meine Leserzahlen waren zwar relativ hoch, aber die Interaktion fiel mager aus. Doch Kommentare sind der Lohn des Bloggers. Was nutzen einhundert Leser, die einen überwiegend anschweigen? Festgefahren hatte ich mich inhaltlich und stilistisch. Weil soziale Energie fehlte, verengte sich mein Denken.

Darum jetzt ein neues, frisches Blogprojekt: „Deutschlands erste Frauenzeitschrift für Männer.“ Die Idee dazu verdanke ich einem Blogfreund und aufmerksamen Begleiter meiner Blogs, den ich schon viele Jahre kenne. Der Blogger Graphodino aka Herr Koske beklagte sich kürzlich in einem Kommentar bei mir: „Ich finde es immer wieder schade, dass es keine guten Frauenzeitschriften für Männer gibt.“ Da habe ich kurz entschlossen eine Frauenzeitschrift für Männer gemacht. Ich genieße die perfekte Vernetzung bei WordPress, freue mich über viele neue Kontakte und verspreche, alles zu tun, aber niemals zu langweilen.

Nachzutragen wäre noch, dass ich als gebürtiger Rheinländer in Hannover lebe und manchmal Heimweh habe.

Viel Vergnügen beim Lesen, Stöbern und Kommentieren, tretet dAdA rein!
TrithemiusUnterschrift

Kontakt: Jules van der Ley
30449 Hannover
Mail: Jules_van_der_Ley[et]gmx[Punkt]net


Neuerscheinung Buchkultur im Abendrot

Meine lieben Damen und Herren!

Ich möchte Ihnen ein gerade erschienenes Buch aus der Teestübchen-Redaktion ans Herz legen, das für uns als Schreibende und Lesende von Belang ist. Unter dem Einfluss von Computer und Internet ist die klassische Buchkultur dabei, sich radikal zu wandeln. Die Demokratisierung der buchtechnischen Schrift brachte neue Kommunikationsformen, Publikationsmöglichkeiten und Rezeptionsgewohnheiten. Alle Nutzer von Internet und Smartphone sind Teil dieses Wandels, treiben ihn als Handelnde voran und sind mitverantwortlich für den kulturellen Umbruch. Wir Bloggerinnen und Blogger bedienen uns der Techniken und Stilmittel, die überwiegend aus der Buchkultur stammen, stehen also noch mit einem Bein in der dreidimensionalen Buchkultur und tappen mit dem anderen ins nulldimensionale Internet. In allem, was wir schreiben und wie wir auf Geschriebenes reagieren, sind wir noch von der Buchkultur geprägt. Was von deren Besonderheiten erfolgreich an nachfolgende Generationen weitergereicht wird, wissen wir nicht. Der Medienwissenschaftler Marshal McLuhan sah das Ende der Buchkultur schon im Jahr 1968 gekommen, als die buchtechnische Schrift sich vom Blei löste und über Fotopapier ins Körperlos-Digitale entfleuchte.

In der Rubrik „Sprache, Schrift, Medien“ sind im Teestübchen Trithemius regelmäßig Beiträge erschienen. Diese Rubrik hieß in meinem Blog Teppichhaus Trithemius bei Twoday.net „Schriftwelt im Abendrot“. Ich habe Beiträge aus beiden Blogs sorgfältig überarbeitet, erweitert und zu Sinnzusammenhängen geordnet im Buch „Buchkultur im Abendrot“ zusammengefasst. Das Buch wendet sich an alle, die sich für Sprache, Schrift und Medien interessieren und an Fachpublikum. Es gibt zwei Fassungen:
Als E-Book, Preis 9,99 Euro hier
Als gedrucktes Buch, Preis 14,99 Euro hier und über den lokalen Buchhandel – ISBN: 978-3-74506-330-1
(Book on demand – dauert etwas länger als gewohnt.)

Beste Grüße, Ihr

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23 Kommentare zu “Editorial

  1. Du bist ja richtig berühmt 😳
    Ich freue mich schon auf weitere 2000 Blogartikel von dir.
    Bei der Frankfurter Allgmeinen Sonntagszeitung hast du ja Marcel Reich Ranicki als Kollegen gehabt. Kennst du ihn etwa persönlich?

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    • Ja, liebe Marana, “die Welt ist voller Zeichen. Man muss sie alle ignorieren” (Weisheit eines alten Chinesen) 😉 Hab gerade in einem Kommentar nochmal auf deine Rolle beim PentAgrion hingewiesen.

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  2. Pingback: Lachen und Weinen in der Teestübchenredaktion |

    • Worüber staunst du? „Mai Mai“ heißt der Asia-Imbiss. Bin eben noch da gewesen, wo du jetzt nicht mehr vorbeikommst. Aber wie Videbitis schreibt, es gibt ähnliche Läden in 40 Städten.

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  3. „Mai Mai“, an dem bin ich heute vorbei auf der Suche nach Asia-Gourmet. Aber stimmt schon, sie sind sich alle irgendwie ähnlich.

    Und ich staune darüber, dass ich über das Internet von einem hier bei mir um die Ecke erfahre, der auch immer einmal wieder Heimweh nach dem Rheinland hat. Bisher mögen wir x mal aneinander vorbei gegangen sein, ohne uns wahrzunehmen. Ab jetzt werde ich eine zeitlang wenigstens an das Geschriebene hier denken, wenn ich in der Passarelle am Kröpke das Mai Mai erblicke. So ist das nämlich 😀

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    • Liebe Andrea,
      gerade fiel mir auf, dass ich auf deine Nominierung nicht reagiert habe, entschuldige bitte meine Unhöflichkeit. Ich hoffe, dass ich dir an anderer Stelle geantwortet habe, dass ich mich an diesen Kettenbriefaktionen in den elf Jahre als Blogger nie beteiligt habe. Früher hießen vergleichbare Aktionen „Stöckchen“, und ich habe immer gesagt „Ich apportiere nicht.“ Deine Fragen wären mit Sicherheit lesenswert gewesen, was ich von meinen Antworten nicht schlankweg behaupten wollte.

      Liebe Grüße von,
      Jules

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  4. Pingback: Editorial – Bildchen zum Anklicken

  5. So jetzt bin ich auch ein wenig schlauer. Schmunzle gerade meine Bücherecken an und bin mir sicher, dass auch bei mir so manches Buch darin untergegangen ist. Dafür gibt es bei mir mindestens 3-5 Plätze an denen immer ein Buch in Griffweite liegt. Denn ich gehöre zu den Menschen die auch schon mal, mehrere Bücher zeitgleich immer wieder anblättern, bis sie entweder nicht weiter gelesen werden oder aber und dann freue ich mich sehr, darauf bestehen, umgehend verschlungen zu werden. ,-)

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    • Uff, die Turbulenzen, entschuldige bitte, derzeit komme ich mit dem Antworten kaum nach. So wie du es beschreibst, geht es vermutlich vielen. Tasächlich gibt es ähnliche Effekte auch im Medium Blog, wie ich gerade feststelle. Das Schreibprojekt begeistert manche so sehr, dass sie die Texte anderer Teilnehmer kaum beachten, und so nähern wir uns dem Zustand, dass es bald mehr Schreiber als Leser gibt 😉

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      • Und manchmal greift man sich ans eigene Näschen. 🙂 Habe mich jetzt erst einmal durchgelesen durch einige der Geschichten und werde sicher wieder vorbei kommen. um sie alle zu lesen.
        Doch jetzt muss ich erst einmal aufschreiben, was da in meiner Erinnerung duftet. ,-)

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  6. Pingback: Wer nicht hören will, wühlt in fremden Haufen | Notizen aus der Provinz

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