Trithemius stellt den Sommer zur Rede – im Teestübchen-5-Minuten-Theater

Trithemius
Aha, Sie sind also der Sommer.

Sommer
Ich bin keinesfalls der Sommer, sondern heiße nur Sommer. Sie sollten wissen, dass Namen keine Artikel haben. Es heißt „der Sommer“ im Sinne der Jahreszeit oder „Herr Sommer“ und „Frau Sommer“ bei Namen.

Trithemius
Da haben Herr und Frau Sommer sich wohl auf der Yacht in der Karibik vergnügt und sich „höhö!“ – „hihi!“ köstlich amüsiert über das zurückgelassene Sauwetter, während unsereins im Regen steht.

Sommer
Wir Sommer sind nicht verantwortlich für den Regen in Deutschland.

Trithemius
Typisch. Egal, was passiert, verantwortlich ist keiner mehr, nicht mal der Sommer persönlich.

Sommer
„Herr Sommer persönlich“, ohne Artikel.

Trithemius
Da, jetzt haben Sie Ihre persönliche Beteiligung zugegeben. Verzeihen Sie, aber zu solch einem Sommer, den Sie uns zu ertragen gekonnt haben müssen zu sein, kann ich nicht „Herr“ sagen.

Sommer
Weil Ihr Sprachzentrum nicht funzt. Ich kann nichts ändern am Regen.

Trithemius
Ihretwegen sind schon Leute gestorben.

Sommer
Ach ja, wer denn?

Trithemius
Rudi Carrell. Der hat immer wieder vergeblich nach Ihnen gefragt, und während Sie den Arsch nicht aus Ihrem karibischen Liegestuhl hoch bekommen haben, ist er vor Gram gestorben.

Sommer
Das ist doch Unsinn, ich kannte den gar nicht, also kann er mich auch nicht vermisst haben.

Trithemius
Ignorant.

Sommer
Flegel.

Trithemius
R a b e n s o m m e r.

Sommer
Namenwitzler.

Trithemius
Was? „Namenwitzler“? Ich mache keine Namenwitze. Dass der Sommer ein Witz ist, geht auf Ihre Kappe.

Sommer
„Hallo, Herr Witzpolizist, hier macht sich einer über meinen Namen lustig!“

Witzpolizist
Hehe, was gibt’s?

Trithemius
Der Sommer will sich beschweren.

Witzpolizist
Beschweren? Das wäre ja noch schöner. Den sauberen Herrn stecke ich gleich mal ins Sommerloch.

Trithemius (beiseite)
Jetzt kriegt der Sommer sein Fett. Das hat der jetzt davon.

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Vor 500 Jahren starb Johannes Trithemius, der Namenspatron von Teestübchen und Teppichhaus

Kategorie MedienHeute vor 500 Jahren, am 13.12.1516, ist Johannes Trithemius gestorben, nach dem das Teestübchen und das assoziierte Teppichhaus benannt sind. Trithemius, eigentlich Johannes Heidenberg oder Johannes Zeller, (* 01. 02. 1462 in Trittenheim) war der gelehrte Abt des Klosters Sponheim. Trithemius ist die latinisierte Form seines Geburtsortes. Trithemius machte das Kloster Sponheim zu einem Zentrum des geistigen Austauschs. Die Klosterbibliothek war weithin berühmt und galt mit ihrem Bestand von mehr als 2000 Büchern als eine der größten Deutschlands. Sie zog einen Strom gelehrter Besucher an. Das ging nicht ohne Konflikte.

Die vielen Besuchern im Kloster, die aufwändig bewirtet werden mussten, erweckten den Unmut der Mönche. Drum steckten sie seine geliebte Bibliothek in Brand, als er einmal krank darnieder lag. Trithemius hat die Beschwerlichkeit von Reisen beklagt, die für den Kontakt nötig waren. Damals waren Wege und Wasserläufe das Kommunikationsnetz, und in diesem Netz konnte man sich nur langsam bewegen. Am schnellsten floss die Kommunikation durch das Netzwerk der Flüsse, aber ihr natürlicher Verlauf richtete sich nicht nach den Wünschen der Kommunizierenden. Auch der Buchdruck hat sich zuerst entlang der Flüsse ausgebreitet. Hätte Trithemius ein Netz wie das Internet gekannt, er hätte sich im Paradies gewähnt. Irgendwo las ich einmal vom Jammer des Trithemius über die Schwierigkeit der Kontakte, und ich habe ihn bedauert. Als ich 2005 das Bloggen für mich entdeckte, nannte ich mich zum Andenken Trithemius, weil mir just das zur Verfügung steht, was ihm verwehrt war. Außerdem war er Lehrer des ersten deutschen Philosophen Agrippa von Nettesheim, und Nettesheim ist mein Geburtsort.

Von Trithemius stammt die erste deutsche Geheimschrift. Während im Vatikan bereits Generationen von Geheimschriftensekretären immer komplexere Geheimschriften entwickelt hatten, waren in Deutschland Geheimschriften kaum bekannt. Matteo Argenti, dessen Familie von 1590 das Amt des päpstlichen Chiffrensekretärs innehatte, schätzte die Gefahr für päpstliche Geheimbotschaften von Seiten der europäischen Herrscherhöfe als verschwindend gering ein. Hundert Jahre nach Trithemius  wurde berichtet, dass auch die Deutschen so wenig von Chiffren verständen, dass sie abgefangene Nachrichten lieber verbrannten und  zerrissen, als sie zu entziffern versuchten.

Trithemius warnt im Vorwort seines Werks über die im Jahr 1500 von ihm erfundene Steganographie, sie bringe die eheliche Treue in Gefahr, denn mit Hilfe der Verschlüsselung könnte ein Liebhaber der untreuen Ehefrau geheime Botschaften zukommen lassen, „wobei der Ehemann noch den Überbringer machen und den Inhalt loben würde. Auf eben dieselbe Weise könnte die Frau ganz unbesorgt ihre Wünsche in beredeten Worten zurücksenden.“ Wegen seiner Steganographie geriet er in den Verruf der schwarzen Magie, weil er in einem Brief an einen Freund, den Karmeliter Arnold Bostius zu Gent dunkle Anspielungen über seine Erfindung gemacht hatte. Der Brief erreichte Bostius nicht mehr, weil er vorher verstarb. Der Prior des Genter Klosters öffnete ihn und machte seinen Inhalt bekannt.

aus : Strasser, Gerhard; Lingua Universalis, Wiesbaden 1988

aus : Strasser, Gerhard; Lingua Universalis, Wiesbaden 1988

Passagen wie diese nährten das Gerücht, Trithemius sei ein Magier und habe irgendeinen dienstbaren Geist. Er selbst schreibt nicht ohne Stolz, dass deshalb „viele gelehrte Männer aus den entferntesten Grenzen Frankreichs (nach Sponheim) gekommen sind, um Trithemius zu sehen.“ Unter uns Magiern: Eine beschwerliche Anreise ist unnötig. Im folgenden Gif ist die Steganographie demonstriert und Trithemius zu sehen.

Textbeispiel aus Weiß, Hans; Jocosa, München, Oldenburg, 1952 - Grafik und Gifanimation: JvdL

Textbeispiel aus Weiß, Hans; Jocosa, München, Oldenburg 1952 – Typografie & Gif: JvdL

Frauen und Schrift – Einiges über Verschlüsselung

Wido sagte: „Hat Gott kein Mitleid mit den Toma? Andere Völker kennen die Schrift. Nur die Toma bleiben unwissend.“ Gott sprach: „Ich fürchte, daß ihr keine Achtung mehr vor dem Glauben und den Überlieferungen haben werdet, wenn ihr fähig seid, euch schriftlich auszudrücken.“ „Gar nicht“, erwiderte Wido, „wir werden weiterleben wie vorher. Ich verspreche es.“ „Wenn es so ist“, sagte Gott, „will ich euch die Kenntnis der Schrift gewähren, aber nehmt euch in acht, dass ihr sie nicht einer Frau verratet.“

(aus: Gelb, Ignace; A Study of Writing, Chicago 1952)

Es muss einmal gesagt werden, dass auch der Abt Johannes Trithemius (1462-1516), nach dem das Teestübchen benannt ist, nicht besonders gut über die Frauen dachte, und so warnt er in der Praefatio zur „Steganographia“, seine Geheimschrift, die von ihm um 1500 erfundene Steganographie, bringe die eheliche Treue in Gefahr, denn mit Hilfe der Verschlüsselung könnte ein Liebhaber der untreuen Ehefrau geheime Botschaften zukommen lassen, „wobei der Ehemann noch den Überbringer machen und den Inhalt loben würde. Auf eben dieselbe Weise könnte die Frau ganz unbesorgt ihre Wünsche in beredeten Worten zurücksenden.“

Zur Erläuterung: Steganographische Systeme sind nicht als Geheimschriften zu erkennen, sondern spiegeln dem unbefangenen Betrachter einen Sinn vor, um den es gar nicht geht. So besteht das steganographische System des Trithemius aus lateinischen Vokabeln, die sich beliebig zu grammatisch korrekten Sätzen kombinieren lassen. Die geheime Botschaft enthüllt sich, wenn man nur die Anfangsbuchstaben hintereinander weg liest.

Grafik: (c) Jules van der Ley

Grafik: (c) Jules van der Ley

Weil die Einstellung des gelehrten Abtes zu den Frauen durchaus tadelnswert ist, zeige ich heute nicht seine Steganographie, sondern eine andere Geheimschrift: die „Freimaurerische Winkelschrift“. Wer die Botschaft links entschlüsselt, wird eine „Ehrenrettung der Frau“ durch den Kaffeeröster Albert Darboven lesen können. Das Konstruktionsprinzip der Freimaurerischen Winkelschrift ist recht einfach, weshalb der Universalgelehrte Giambattista della Porta sie hochmütig als Schreibweise verspottete „derer sich Landleute, Dämchen und sogar Kinder bedienen könnten.“ Eine kompliziertere Geheimschrift ist freilich  nicht nötig, wo die meisten Leute Analphabeten sind. 18 Buchstaben des Alphabets stehen paarweise in einer Matrix. Zum Verschlüsseln zeichnet man jeweils das zugehörige Winkelelement. Der 2. Buchstabe im jeweiligen Feld der Matrix wird mit einem Punkt angezeigt. Zum Entschlüsseln liest man die Buchstaben aus den Matrixen aus. Das ist kinderleicht, kann jeder Landmann und erst recht jedes „Dämchen“. Diese Verschlüsselung nach dem sogenannten Substitutionsprinzip (Buchstabenersetzung) ist mehr intellektuelle Spielerei als Geheimnis, weil ebenso leicht zu ver- wie entschlüsseln, und ist in Europa spätestens mit allgemeiner Literalität nicht mehr gebräuchlich.

Wieso hat hier das Alphabet nur 18 Buchstaben? Es fehlen „j“, „k“, „u“ und „w“, denn sie sind historisch gesehen erst später dem lateinischen Alphabet zugefügt worden. Das kleine „i“ ist ein Halbvokal und kann „i“ oder „j“ bedeuten, „c“ hat zwei Lautwerte, „c“ oder „k“. Das „u“ ist ebenfalls ein Halbvokal und kann „u“, oder „v“ bedeuten. Mit dem doppelten „u“ (engl. double-u) kann man das „w“ schreiben. U-x-y-z haben eine eigene Matrix.

Viel Vergnügen beim Entschlüsseln, liebe Landleute, liebe Dämchen und liebe Kinderlein!