Kein intergalaktischer Weltfriede für Friseure

Gestern Mittag, ich liege so auf dem Sofa und gucke ein bisschen in die Luft, da fliegt ein winziger schwarzer Punkt vor meiner Nase vorbei. Ich versuche, mit den Augen zu folgen, aber der Punkt verschwindet im Dunst unter meiner Zimmerdecke. Also, da hängt nicht wirklich Dunst. Aber angenommen man flöge mit einem winzigen schwarzen Punkt durch die Gegend, dann wäre meine Zimmerdecke ja nicht zweieinhalb Meter von meiner liegenden Nase entfernt, sondern ungefähr viertausend Meter und eventuell gegebenenfalls vorhandene Luftfeuchtigkeit würde sich wie Dunst ausnehmen. Der Punkt ist jedenfalls verschwunden. Aber wie ich in der Küche stehe, um mir einen Kaffee zu machen, gondelt der winzige schwarze Punkt schon wieder vorbei, und nachdem er, derweil ich das aufschreibe, erneut vorbei zischt, muss ich mir eingestehen, dass es keine zufällige Begegnung ist. Das ist ein Kontaktversuch, ganz klar.

Ich öffne also meinen Geist und lausche. Bald habe ich ein winziges Stimmchen im Kopf, das zuerst ein bisschen fremdländisch klingt, ein bisschen so wie nie zuvor gehört.
Ich sage: „Häh?!“ und bereue es im nächsten Augenblick. „Häh?!“ muss sich ja für winzige Stimmchenbesitzer ausnehmen wie Donnerhall. Außerdem ist es nicht wirklich eine sprachliche Äußerung zu nennen, sondern gilt selbst unter Menschen nur als nicht besonders höfliche Interjektion. Die Antwort ist aufgeregtes Geblubber, jetzt offenbar von mehreren Stimmchen.
Mir ist klar, dass ich überhaupt keine Schallwellen erzeugen muss. Sie würden den winzigen schwarzen Punkt nur unkontrolliert herumschleudern.
Ich reiße mich zusammen und denke ganz leise, „Wie bitte? Ich habe nichts verstanden, mein Fehler, gewiss!“
„Abl nn“, blubbert es zurück, „unser Kommunikationsexperte konnte leider Ihre Sprache nicht rechtzeitig analysieren. Es tut uns Leid, dabei ist sie so simpel, und bei Ihrem winzig kleinen Wortschatz…“
„Wie bitte?! Ich habe studiert!“
„Sehen Sie: Ihre erste Äußerung lautete: ‚Wie bitte? Ich habe nichts verstanden…‘,
die zweite: ‚Wie bitte!? Ich habe studiert!‘ Wo ist denn da der Unterschied?“
„Äh! Haben Sie Kontakt zu mir aufgenommen, um mich zu beleidigen? Worum geht’s eigentlich?“
„Wir sind Botschafter der intergalaktischen Vereinsmeierei.“
„Ihr seht nicht aus wie Botschafter.“
„Wie müssten wir denn aussehen, um Ihren Vorstellungen von intergalaktischen Botschaftern zu entsprechen?“
„Irgendwie größer und mächtiger. Vielleicht wie Bademeister mit lauter Muskel- und Samensträngen. Halt! Das war nur Spaß! Irgendwie prächtig, vielleicht mit bunten Uniformen wie die Beatles auf dem Sgt.-Pepper’s-Album?“
Bautz.
Schon habe ich die Beatles in Phantasie-Uniformen im Kopf.
„Und jetzt?“
„Hallo Erdbewohner!“, sagt Ringo, „Wir grüßen euch und bieten euch den intergalaktischen Weltfrieden! Gehet hin und verbreitet die frohe Botschaft!“
„Wie bitte? Soll ich etwa damit an die Öffentlichkeit gehen? Die Leute werden sagen, was kümmern uns Friedensangebote von Außerirdischen, deren Raumschiffe wie winzige Fruchtfliegen aussehen?“
„Unser Raumschiff ist leider im Wurmloch geschrumpft, ein unangenehmer Nebeneffekt von Reisen durch die 4. Dimension.“
„Sorry, Ringo, sowas traue ich mich nicht mal, meinem Friseur zu erzählen, obwohl es hübsch wäre, wenn wenigstens die Friseure intergalaktischen Weltfrieden hätten.“
„Dann muss ich unsere Mission leider als gescheitert ansehen“, sagt Ringo. „Wir reisen ab, und eure Scheiß-Friseure können uns mal!“
“Ich hätte nichts anderes gedacht, Ringo! Genauso seht ihr doch aus! GENAUSO!“

Hätte ich mal besser die Bademeister genommen.

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