Warum ich den Kriegsdienst verweigert habe

Ein Manöver. Wir biwakten in einem Wald. Ein Feldwebel hatte sich von Rekruten eine Dusche bauen lassen. Eine Gießkanne hing oben im Baum an einem Ast, und wenn er an einer Schnur zog, konnte er duschen. War das ein Spaß und Gejohle, wie er prustend seinen durchtrainierten Körper einschäumte und abbrauste. Da wurde auch ein langer Graben ausgehoben, ein Baum gefällt, entastet, entrindet und vor den Graben gelegt – das war wohl der Donnerbalken. Das alles war derart kurios, dass ich dachte, es kann nicht sein, dass erwachsene Männer so einen Quatsch machen.

Am Waldrand mussten wir Schützenlöcher ausheben, so tief, dass man bis zur Brust drin versinken konnte. Vor uns ein Abhang. Als wir in unsere Löcher gestiegen waren, kam per Flüsterpost durch, dass am Fuß des Abhangs der Feind gesichtet worden war. Er hatte sich wohl gut getarnt, denn ich sah ihn nicht. Plötzlich erhoben sich aus dem Abhang etwa 100 Leute und stürmten schreiend und schießend auf uns zu. Dann kam der Schießbefehl. Ich dachte: Moment. Diese Leute kenne ich nicht. Warum soll ich auf die schießen? Und mir wurde schlagartig klar, dass es im Ernstfall keine Möglichkeit des Innehaltens gibt, dass dann Kriegshandwerk gefordert ist, dass ich mir in der heranstürmende Meute junger Männer einen aussuchen und ihm den Leib zerschießen, ihn möglichst ermorden muss, egal ob er einer Mutter Sohn, eines Mädchens Liebster, eines Kindleins Vater ist, und dass ich froh sein werde, ihn abgeknallt zu haben, weil er das hat mit mir machen wollen.

Und warum? Weil Politiker ihre Macht ausweiten wollen, weil sie Rache wollen für vergangene Schmach, weil sie dem Wahn verfallen sind, weil sie den Einflüsterungen mordlustiger Militärs gelauscht haben, weil Lobbyisten von Rüstungsfirmen sie dusslig gequatscht haben, weil die Medien Hass geschürt haben, weil Aktionäre der Rüstungsunternehmen Rendite wollen, weil einfach Scheißkerle an Schreibtischen sich für Krieg entschieden haben, darum soll ich dich jetzt zum Krüppel schießen, armer Junge, besser dich alle machen, du armer Hund, darum soll ich dir und deinen Lieben Leid antun.

Am Tag nach dieser Manöverübung habe ich den Kriegsdienst verweigert. Sollen sie doch selbst in Schützenlöcher steigen, die Putins, die Stoltenbergs, die Bidens, du auch, Christian Lindner, der du von der „schlagkräftigsten Armee“ Europas schwafelst. Steigt in die Dreckslöcher, besudelt euch mit fremdem Blut, lasst euch von Kugeln und Granaten zerfetzen, und wenn ihr Schiss bekommt, dann habt ihr ja den Donnerbalken.

Schöne Aussichten für Saarländer

Astronaut Matthias Maurer aus dem Saarland ist am 12. November auf der internationalen Raumstation ISS angekommen. Zufällig hörte ich seine Botschaft aus dem All, wiedergegeben vom Wettermann des Heute-Journals, „die Aussicht“ sei irgendwas „wunderbar“ oder „grandios“, jedenfalls schön. Gut zu wissen, aber hätte man sich für den Mann nichts Besseres überlegen können? Etwa, was Neil Armstrong sagte, als er im Jahr 1969 als erster Mensch den Mond betrat. Man kann sich die Tondatei sogar bei Wikipedia anhören, und es klingt wie abgelesen:

“That’s one small step for ‹a› man… one… giant leap for mankind!”
„Das ist ein kleiner Schritt für (einen) Menschen… ein… großer Sprung für die Menschheit!“

Die NASA hatte sicher ein paar Ghostwriter aus Hollywood beauftragt, sich einen guten Spruch zu überlegen, denn es wäre doch zu blöd, die aufwendige Mondlandung zu inszenieren und Neil Amstrong würde sagen, was ihm gerade durch den Kopf geht, nämlich: „Good Luck, Mr. Gorsky“ oder: „Schöne Aussicht!“

Matthias Maurer hat, wie zu lesen, einen Doktortitel in Materialwissenschaft, was nicht bedeutet, dass er gut mit Wortmaterial umgehen kann. Man hätte ihm schon etwas aufschreiben müssen, etwa: „Eine schöne Aussicht für mich, aber ein gigantischer Ausblick für alle Saarländer.“ Das wäre angemessen bescheiden, denn dass Matthias Maurers schöne Aussicht irgendeine Bedeutung für die Menschheit hätte, kann niemand behaupten. Diese Menschheit blickt gerade in den Abgrund, an den Rand getrieben von eigener Unvernunft und Blödheit, was Saarländer und uns alle betrifft; der ärmere Teil der Weltbevölkerung hat die düstere Aussicht gierigen Superreichen und korrupten Politikern zu verdanken. Da helfen keine Klimakonferenz und kein „Druck von der Straße“, keine Greta (‚This is greenwashing‘) Thunberg, kein „Fridays for Future.“ All die Folklore der Apokalypse in den letzten Tagen dürfen wir für kurze Zeit vergessen und uns freuen über Matthias Maurers schöne Aussicht im Zirkus des schlechten Geschmacks. Weiterlesen

Uhrenvergleich – Einiges über Zeit und Fernkontakte

Heute Morgen ist die Sonne in Görlitz um 7:06 Uhr aufgegangen, in Aachen jedoch erst um 7:41 Uhr, also etwas mehr als eine halbe Stunde später. Eine Sonnenuhr in Görlitz im äußersten Osten Deutschlands zeigt den Höchststand der Sonne 35 Minuten früher an als eine in Aachen, der westlichsten Stadt Deutschlands. Denn eine Sonnenuhr zeigt die Ortszeit. Das heißt, wenn die Sonne an einem bestimmten Ort im Zenit steht, wirft sie den Schatten des Stabes genau auf die Zwölf der Sonnenuhr. In alter Zeit entsprach die Mitte des Tages, der Mittag, genau dem Augenblick, wenn die Sonne im Zenit stand. Die innere Uhr der Menschen war nach dem Sonnenstand getaktet, was bedeutet, dass der Takt sich zum Beispiel bei Aachenern und Görlitzern deutlich unterschied. Aber sie merkten es nicht, denn ihre Lebenswelten waren ja nicht miteinander verbunden. Wenn je nach Sonnenstand die Dämmerung einbrach, endete der Tag. Dann begaben sich die Eulen auf die Jagd, weshalb die Dämmerung einst „Eulenflucht“ hieß. Das anschauliche Wort Eulenflucht ist leider versunken wie die Orientierung des Menschen am Sonnenstand.

Erst die Fernkommunikation bringt die Idee der Einheitszeit mit sich. Die Notwendigkeit einer Einheitszeit entstand im Jahr 1830 mit der heute weitgehend vergessenen optischen Telegrafie. Die etwa 550 Kilometer lange preußische Telegrafenlinie reichte von Berlin bis Koblenz. Diese frühe Form der Telegrafie bestand aus Türmen mit Signalmasten. Sie waren im Sichtabstand von etwa sechs Kilometern auf Anhöhen errichtet, meistens außerhalb von Ortschaften, weshalb die Turmbesatzung, zwei Telegrafisten, mit ihren Familien in Wohngebäuden beim Turm lebten. Auf der Telegrafenlinie galt Berliner Ortszeit. Sie wurde allmorgendlich mit dem Kode B4 durchtelegrafiert und auf Schwarzwälder Kuckucksuhren eingestellt. Die Telegrafenbesatzungen waren also nicht nur räumlich isoliert, sondern auch zeitlich, lebten in einer fiktiven Einheitszeit, während die Menschen in den Ortschaften ringsum ihre Kirchturmuhren nach dem Sonnenstand stellten. Die Einheitszeit ist eine technische Idee, eine Idee der Fernkommunikation und später der Eisenbahn, die ja einen einheitlichen Fahrplan benötigt. Die Einheitszeit entspricht nicht dem menschlichen Maß, sondern ist ein Kompromiss, dessen Nützlichkeit man nicht bestreiten kann.

UhrenvergleichFotomontage: Trithemius

Doch in keiner Weise nützlich ist das alljährliche Hin und Her der Zeitumstellung von Sommerzeit auf Winterzeit und zurück. Der Mensch benötigt vier Tage bis zu vier Wochen, um seine Innere Uhr umzustellen, weshalb auch an den Montagen nach der Zeitumstellung die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich ansteigt. Die Idee, mit der Sommerzeit ließe sich Energie sparen, hat sich als trügerisch erwiesen. Es wird sogar mehr Energie verbraucht.

Laut einer aktuellen repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK sind nur 26 Prozent der Bevölkerung für die Zeitumstellung, aber 71 Prozent wollen diesen Humbug nicht. Ein Kompromiss wäre doch, die Uhren ein für alle mal eine halbe Stunde vor- oder zurückzustellen. Dann entspräche zwar der Sonnenstand noch immer nicht der einheitlichen Uhrzeit, doch wir müssten uns nicht zweimal im Jahr quälen.

Leider neigen einmal eingeführte Systeme dazu, sich zu erhalten, auch wenn ihre Nützlichkeit fragwürdig ist. Und natürlich sind es immer die Herrschenden, die uns die Zeit diktieren. Diese technokratische Arroganz der EU erinnert an den rumänischen Diktator Ceauşescu, der in einem harten Winter sogar die offiziellen Temperaturangaben nach oben korrigieren ließ, als sein Volk wegen des Ölmangels fror.

Den Eulen ist übrigens egal, was die Uhr des Menschen anzeigt. Sie fliegen nach wie vor bei Einbruch der Dämmerung. Doch alle Haustiere leiden unter dem willkürlichen Eingriff des Menschen, was der Bauer vor allem bei seinen Kühen erkennt, die einfach nicht einsehen wollen, dass es plötzlich eine Stunde später zum Melken geht. Wie soll die Kuh auch verstehen, dass dem Menschen nach und nach jedes natürliche Maß abhanden kommt.


    Literatur: Herbarth, Dieter; Die Entwicklung der optischen Telegraphie in Preussen, Köln 1978

Die Dämonen der Selbstinszenierung

Etwa drei Jahre redigierte und gestaltete ich wöchentlich eine Seite zu Umweltthemen mit Texten von Schülerinnen und Schülern für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Es war mühsam. Von den betreuenden Deutschlehrern hatte es kaum einer geschafft, den Schülerinnen und Schülern die Ichform auszutreiben. Demgemäß musste ich viele Reportagen umschreiben. Die Person des Reporters soll die Aufmerksamkeit nicht beanspruchen und den Blick auf das Geschehen nicht verstellen. Diese stilistische Vorgabe des Printmediums wird bei Fernsehreportagen oft missachtet.

Es ist die moderne Pest des TV-Reportage-Entertainments, dass ständig Blödmänner und natürlich auch Blödfrauen mit Mikrophon in der Hand im Bild sein wollen. Sie dürften eigentlich nicht bezahlt werden, sondern müssten für die Befriedigung ihrer Eitelkeit Vergnügungssteuer entrichten.

Wir machen was mit Medien – Foto: JvdL

Augenfällig ist das wieder bei den derzeitigen Berichten aus Überflutungsgebieten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, besonders der Landesprogramme. Statt Betroffene oder Helfer ins Bild zu setzen und anzuhören, stehen und standen Reporter*innen im Weg, und gaben klägliche Beispiele ihrer sprachlichen Unfähigkeit ab, die Verheerungen durch die Wassermassen, das Entsetzen über Verlust, Leid und Tod in Worte zu fassen. Rasch hatte man zu den üblichen Floskeln gefunden, sprach von oben herab über „die Menschen“, denen das Wasser Hab und Gut, Existenzgrundlagen und sogar das Leben genommen hatte.

Natürlich befriedigte man nicht nur die Eitelkeit eigener Reporter, sondern setzte beflissen Politiker ins Bild, die in Gummistiefeln in Katastrophengebieten auftauchten, um Sprechblasen abzusondern. Was sonst? Das politische Personal, weil verantwortlich für Infrastruktur und Katastrophenschutz, muss natürlich Anteilnahme darstellen. Eher versehentlich zeigten die Fernsehbilder, wie es wirklich darum gestellt ist, als während einer salbungsvollen Rede des Bundespräsidenten Franz-Walter Steinmeier in Erftstadt im Hintergrund NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mit einem Landrat feixte und lachte.[vom Kollegen noemix kongenial bedichtet]

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer wollte dabei gezeigt werden, wie er im Katastrophengebiet unbürokratische Hilfen versprach, ohne aufwändige Angaben zum Vermögensstand zu verlangen, worüber sich gewiss jene gefreut haben, die über Vermögen in der Hinterhand verfügen. Darüber hinaus sind derlei flott daher kommenden Versprechungen immer mit Vorsicht zu genießen, zumal sowohl Bayern wie NRW erst 2019 die Soforthilferichtlinie verändert hatten. Da heißt es in NRW laut Frankfurter Rundschau: „Schäden, die wirtschaftlich vertretbar versichert werden können, sind grundsätzlich nicht soforthilfefähig.“ Dazu gehören: „Schäden, verursacht beispielsweise durch Überschwemmungen, Rückstau, Erdbeben, Erdfall, Eisregen, Starkfrost, Schneedruck et cetera.“ Man streicht Rechtsansprüche, damit Politiker sie medienwirksam gewähren können. So geht „schlanker Staat.“ Bürger verlieren Rechtsansprüche und werden zu Almosenempfängern.

Zurück zu den Dämonen der journalistischen Selbstinszenierung. Die ganze Absurdität zeigte sich bei den ARD-Tagesthemen vom 22.07.2021. Aufgrund einer Bildstörung präsentierte man Reporterin Iris Völlnagel als Standbild – mit Ton aus dem Off. [Im Video ab 4:57]

Ulkiges am Rande: „Um einen Beitrag über die Hochwasserkatastrophe authentischer wirken zu lassen, beschmierte sich RTL-Reporterin Susanna Ohlen heimlich mit Schlamm.“ [t-online]

Knalljournaille

Das flämisch/niederländische Wort „Valpartej“ – wörtlich Fallpartie klingt in meinen Ohren verharmlosend, weil es ans deutsche „Kahnpartie“ erinnert, mithin an ein gesellschaftliches Ereignis. Unser „Massensturz“ ist eindeutiger. Die Frau, die am Sonntag bei der Tour de France mit einem Pappschild einen Massensturz auslöste, ist flüchtig. Die Gendarmerie des Departements Finisterre in der Bretagne konnte sie nicht finden und geht davon aus, dass sie das Land verlassen hat. Vermutlich ist sie wieder zu Hause in Schilda, wie die FAZ weiß. Oder ist die Überschrift einfach nur dummes Zeug?

[Zum Artikel bitte Screenshot anklicken!]

Horribel

Als ich noch ADAC-Mitglied war, irgendwann in den 1990-er Jahren, sah ich mir gerne den gruseligen Anzeigenteil in der ADAC-Hauszeitschrift „Motorwelt“ an. Dabei dachte ich, dass die werbenden Unternehmen durch Marktforschung doch eine Vorstellung von ihrer Zielgruppe haben müssten. Man verplemperte schließlich kein Geld an Leute, die die beworbenen Produkte nicht brauchen. Folglich ließ sich von den Anzeigen rückschließen auf das durchschnittliche ADAC-Mitglied. Es wäre ziemlich kurios, wie meine Aufstellung aus dem Tagebuch von Januar 1995 zeigt. (Größer: Bitte Klicken!)

Die Werbespots im Vorabendprogramm der ARD zeichnen ebenso ein Zerrbild des typischen Zuschauers. Er/sie ist vergesslich, hat Ohrgeräusche (Tebonin), nächtlichen Hardrang (Granufink), Verstopfung (Dulcolax), kann abends nicht einschlafen (Neurexan), kommt morgens nicht in die Gänge (Vitasprint). Suggeriert wird ein naiver Medikamentenglaube. Man redet den Leuten ein, sie wären Maschinen mit Fehlfunktionen, die sich quasi auf Knopfdruck medikamentös ausschalten lassen würden. Um ihnen den restlichen Verstand zu rauben, bietet die ARD im sogenannten anzeigenfreundlichen Umfeld dümmliche Quizshows vom Format „Wer weiß denn sowas?“ oder „Quizduell.“

Dass das kontextlose Abfragen und Wissen in Kreuzworträtsel und Quiz nicht die Intelligenz fördert, habe ich hier schon mal begründet. Der dumme Konsument ist ein guter Konsument. Folglich verkleistert man seinen Verstand mit Quatschwissen.

Du lieber Himmel, jetzt habe ich alle Medikamente gegoogelt, um sie zu verifizieren, denn es darf ja nichts Falsches im Teestübchen veröffentlicht werden. Hoffentlich überschütten mich die fürsorglichen Pharma-Unternehmen jetzt nicht mit einschlägigen Angeboten. Und alles nur, weil ich über die horrible Werbung im ARD-Vorabendprogramm geschrieben habe.

    Holla? Meine Rechtschreibprüfung kennt „horribel“ nicht? Der Duden schimpft das Adjektiv aus dem Französischen „veraltet.“ Also beuge dich, horribel, damit du wieder gelenkig wirst!
    Positiv horribel,
    Komparativ horribler,
    Superlativ am horribelsten.
    Klingt komisch.

Adjektive klingen meistens komisch. Eine Anekdote, mit der Journalisten-Stilpapst Wolf Schneider in seinem Ratgeber Deutsch fürs Leben aufwartet, handelt von Clemenceau und geht so: „Der französische Zeitungsverleger und spätere Ministerpräsident hängte in seine Redaktionen ein Schild, auf dem es hieß: ‚Bevor Sie ein Adjektiv hinschreiben, kommen Sie zu mir in den 3. Stock und fragen, ob es nötig ist‘.“ Ein Rat für alle, die von der Ausschmückeritis befallen sind. Wer unbedingt auf der „Glatze Locken drehen“ [Karl Kraus] muss, dem hilft auch nichts von Ratiopharm.

„Muchas gracias. ?Como puedo iniciar sesion?“

Irgendwo auf der Welt sitzt ein lästiger Mensch, der einen Spam-Bot so eingerichtet hat, dass er mir ständig den Kommentarbereich zumüllt mit „Muchas gracias. ?Como puedo iniciar sesion?“ [Ich danke Ihnen vielmals. Wie melde ich mich an?]. Den Satz erkennt DeepL als Spanisch. Korrekt wäre freilich „… ¿Cómo me inscribo?“ Eine spanische Tastatur sollte das kopfstehende Fragezeichen bereitstellen. Gegen den Sitz in Spanien spricht auch, dass das Statistik-Tool nicht immer Spanien ausweist, wenn derlei Spam-Kommentare eingetrudelt sind. Wenn ich einige Tage nicht zu Hause war, können das schon mal an die hundert sein, und als erstes lösche ich also Spam. Derweil ich mich mit dieser sinnlosen Müh befasse, frage ich mich, was denn der Veranlasser davon hat? Sitzt irgendwo ein pickliger Pubertätsinvalider in seinem zugemüllten Kinderzimmer zwischen Pizzakartons und leeren Coladosen und freut sich darüber, dass WordPress-Nutzer auf der ganzen Welt seine Spams sehen und löschen? Das entzieht sich doch seiner Wahrnehmung.

Vielleicht hat er aber vergessen, dass er ehedem aus purer Langeweile diesen Spam bot auf WordPress gehetzt hat, attackiert inzwischen irgendwo E- und Wasserwerke, zerschlägt Flaschen auf Fahrradwegen oder wirft Stinkbomben in Supermärkte. Im WordPressforum hat schon jemand gefragt, was gegen diesen Spam zu unternehmen wäre. Da wurden ihm die diversen Filter geraten, die das Akismet-Tool sowieso bereitstellt. Bei konsequenter Löschung werde der Spammer irgendwann aufgeben. Ich glaube nicht daran, denn ich lösche den Mist wenigstens ein Jahr schon.

Allein die CO2-Bilanz der Spam-Aktion ist verheerend. Jeder Spam-Kommentar wird ja über Seekabel in die USA geschickt, dort geprüft und dann auf meinem Account entsprechend klassifiziert. Ich wünschte, das schädliche Bürschchen würde mal einen Monat täglich acht Stunden aufs aufgebockte Fahrrad steigen müssen, um wenigstens einen Bruchteil des Stromverbrauchs per Dynamo zu erzeugen.
¿Cómo me inscribo?
Puedes apuntarte a pedalear si quieres, idiota.
[Zum Strampeln kannst du dich gerne anmelden, du Tuppes!]

UPDATE 19.11.2020

Bei mir hat geholfen, die Phrase „Muchas gracias“ unter Admin>Einstellungen>Diskussion>Kommentar-Sperrliste einzugeben. Seither ist Ruhe.

Besoffen in Unterhosen

Was typisch für die Flamen sei, versuchte ein holländischer Kabarettist in Flandern herauszufinden und sprach darüber mit einer Moderatorin von Studio Brussel, einem öffentlich-rechtlichen Musiksender. Typisch sei, dass Flamen zu Hause in Unterhose umherlaufen, sagte sie. Man komme nach Hause und entledige sich zuerst der Hose. Daran wurde ich erinnert, als mir gestern eine liebe Freundin unten zu sehende Karte mit einem finnischen Verb schenkte, wobei das keine Anspielung auf meine Gewohnheiten war. Was skurril ist an meinen Gewohnheiten, dafür haben noch nicht mal die Finnen ein Verb.

Die Karte stammt aus dem Museums-Shop des Hannoveraner Landesmuseums. Wir hatten uns dort eine Multimedia-Show über Leonardo da Vinci angesehen und waren überwältigt. Kalsarikännit wäre durchaus angebracht gewesen. Ich habe mir verkniffen, im Museum zu fragen, wer die Show verbrochen hatte, eine Leihgabe aus Mailand übrigens. Den Menschen will ich lieber nicht kennen, obwohl es gewiss große Kunst ist, das umfangreiche Werk eines Universalgenies hinter eigenen Ambitionen verschwinden zu lassen. Mir schwirrte der Kopf vor lauter visuellem und akustischem Bombast, immer hart an der Grenze zum Kitsch, für den die Hannoversche Allgemeine (HAZ) die freundlichen Worte fand: „Die Inszenierung ist ein synästhetisches Gesamtkunstwerk. Kraft ihrer multimedialen Wucht überwältigt sie die Besucher – und zeigt in ihrer futuristischen Ästhetik wie zeitlos sich der Genius Leonardos ausnimmt.“ Mir raubte es den Atem, was aber an der geforderten Mund-Nasen-Bedeckung (Maske) lag. Die multimediale Show wurde sicher ins Museum verlegt, weil die Rummelplätze noch geschlossen sind.

Was bedeutet „futuristische Ästhetik?“ Die Begrifflichkeit überhöht die Sache, oder sollte die Gemeinsamkeit mit dem Futurismus darin bestehen, dass die multimediale Da-Vinci-Show von einem Italiener geschaffen wurde? Profan ausgedrückt: Hier hat sich einer selbst verwirklicht und war schlicht besoffen von seinem Werk, wobei nicht klar ist, ob er bei der Planung der Show wenigstens eine Unterhose getragen hat.

Zirkus des schlechten Geschmacks – Weißes Fähnchen

Seit 15 Jahren schreibe ich in meinen Blogs in dieser Rubrik gelegentlich meine Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen. Zum ersten Mal wünsche ich mir, völlig falsch zu liegen, wünsche mir, bald von den Entwicklungen widerlegt zu werden. Liege ich falsch, macht es nichts, denn so oder so wird mein Text wie ein weißes Fähnchen sein, das im medialen Sperrfeuer untergeht. Seit Beginn der sogenannten Corona-Krise, habe ich alle Maßnahmen gegen die ausgerufene Pandemie misstrauisch beäugt, habe mich innerlich aufgelehnt gegen die plötzliche Erhebung von Virologen zu medialen Popstars. Für mich waren diese Leute die falschen Propheten der Apokalypse. Dabei sind sie vermutlich nur die nützlichen Fachidioten einer weltweiten sozialen Krise und sich der Tragweite ihrer nassforsch ausgeplauderten Weisheiten nicht bewusst. Wie sollten sie auch? Die Vorlesungen zur medizinischen Soziologie haben sie vermutlich geschwänzt, und niemand hat ihnen beigebracht, den Verlockungen medialer Aufmerksamkeit zu widerstehen. Ich würde den Drohszenarien der Virologen und epidemiologischen Mathematiker gerne vertrauen, wie sie täglich von den durchgeknallten Medien getrommelt werden, wenn durch sie nicht die Abschaffung demokratischer Rechte in erschreckendem Ausmaß legitimiert würden.

Wenn es einst hieß, dass unsere Kampagnenjournalisten mal wieder eine Sau durchs Dorf treiben, so war ein Ende des Leidenswegs abzusehen, doch derzeit wird die arme geschundene Sau von einem Ende zum anderen gepeitscht, so dass sie kopflos hin und her prescht. Unklar ist, wer in der Rolle der Sau steckt, vielleicht die meisten von uns.

Derzeit wird bundesweit eine Maskenpflicht eingeführt. Zehntausende sitzen zu Hause und nähen Masken, deren Wirksamkeit umstritten ist. Kürzlich berichtete ein Publizist von zwei Leuten im Auto. Beide trugen einen Mund-Nasen-Schutz. Er fand das Szenario dadaistisch. Dada ist unschuldig, aber Gaga könnte man die absurdistischen Geschehnisse nennen. Sie sind Ausdruck einer gigantischen Desorientierung. Ich würde glauben, dass es bei allem um den Schutz unserer Gesundheit geht. Doch kann man das glauben, wenn unsere Regierenden Maßnahmen beschließen, die sich mit unfassbarer Brutalität gegen die Schwächsten in unserer Gesellschaft richten? Ist nicht der Schutz der Familie sowie der Schutz des Kindes ein ebenso hohes Gut? Alles wäre weniger verdächtig, wenn es nicht daherkäme wie aus dem Drehbuch des Neoliberalismus zur Abschaffung der lästigen Demokratie. Dazu gehören die propagierte „soziale Distanz“, Apps zum Bewegungstracking, das zunehmende Diktat der bargeldlosen Bezahlung, die Knechtung der Armen. (Vergl. den Kommentar von Arno Luik) An ein Drehbuch des Neoliberalismus dachte ich von Beginn der Corona-Krise an, aber konnte mir die Frage „cui bono?“ nicht beantworten. Wenn man liest, dass große Unternehmen Milliarden Staatshilfen kassieren, doch Dividenden in ebensolcher Höhe zahlen wollen, wissen wir, wer die Nutznießer sind.

Die apokalyptischen Reiter und eine Reiterin, (die in der Johannes-Offenbarung vergessen wurde), (Fotomontage aus der HAZ)

Ein Virologe namens Drosten beobachtet nach eigenem Bekunden, dass die Covid-Fälle in der Berliner Charité zunehmen, das gerade, wenn es überall heißt, dass die berühmte Kennzahl „R“ der neu Infizierten zurückgegangen sei. Wäre Professor Drosten ein guter Arzt und läge es ihm tatsächlich am Gesundheitsschutz der Bevölkerung, würde er ebenso berichten, wie viele Patienten die Charité geheilt verlassen hätten. Denn ein guter Arzt verbreitet keine Panik, sondern spricht Mut zu, weil nur so die Immunabwehr gestärkt wird und die Selbstheilungskräfte von Patienten aktiviert werden. Werden die Geheilten überhaupt gezählt? Höchst verdächtig ist der Umgang unserer Medien mit den Fallzahlen, vergleichen wir mit ihren Jubelarien zu den Verkehrstoten. Da heißt es alljährlich: „Zahl der Verkehrstoten gesunken!“ Warum lesen wir nicht „Zahl der Geheilten von Covid 19 auf Höchstwert gestiegen!“? Warum gibt es nicht ein verlässliches Medium, das Zuversicht verbreitet? Selbst auf die Satiriker ist kein Verlass. Auf dem öffentlich-rechtliche 3Sat macht allabendlich ein Berufszyniker namens Puffpaff den Kaspar und alle lächerlich, die es wagen, den medial verbreiteten Coronawahn zu hinterfragen. Satire tritt nicht nach unten, habe ich gelernt.

In der Sendung Extra3 tritt Satiriker Christian Ehring tatsächlich nicht nach unten, sondern völlig folgenlos nach Donald Trump. Als ob dessen hirnrissige Ideen eine Bemerkung wert wären. Satire soll auch nicht banal sein, keinen Witz machen, den jeder machen könnte, sondern wachen Blickes das Handeln der Mächtigen beobachten. Da reicht es nicht, ihnen per Photoshop eine Pappnase zu verpassen.

Die härtesten Maßnahmen gegen die eigene Bevölkerung beschließt und vertritt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Sehe ich sein durchaus sympathisches Durchschnittsgesicht im Fernsehen, finde ich, dass er die perfekte Verkörperung von Orwells Big Brother ist. Die verdächtigen Floskeln des Neusprech kamen aber von anderen. Da war die Rede von “Wiedereröffnungs-Diskussions-Orgien“ (Angela Merkel) und „neuer Normalität“, an die wir uns gewöhnen müssten (Jens Span, Olaf Scholz). Es darf also laut Merkel nicht diskutiert werden, was Verfassungsrechtler fordern, dass nämlich jede Beschneidung demokratischer Rechte überprüft werden muss hinsichtlich der Nützlichkeit im erklärten Sinne. Damit ist nicht die Nützlichkeit im Sinne einer Abschaffung unserer Demokratie gemeint. Ich hätte nie gedacht, dass mal ein Jens oder ein Olaf versuchen würde, mir Diktatur als „Normalität“ zu verkaufen – im Zirkus des schlechten Geschmacks.

 

Wer hat uns betrogen? Mediengeile Virologen

Schon vor fünf (!) Jahren hat im visionären Teestübchen Ihres Vertrauens eine Warnung vor den Ampeldruckknöpfen gestanden. So lange schon bin ich der warnende Rufer in der Wüste, dass diese Warnung schon ins Buch „Die schönsten Augen nördlich der Alpen“ eingeflossen ist. Auf diesen Ampeldruckknöpfen wimmelt es nur so vor reiselustiger Mikroben, Pappnase Corona ist auch dabei und streckt den Daumen raus. Der Freund, dessen Asche ich aufbewahre, ist in Aachen Stadtplaner gewesen. Da war es seine Profession, sich Gedanken zu machen über Fußgängerströme und wie sie zu leiten wären. Er hat mir verraten, dass die meisten Druckknöpfe an Ampeln funktionslos sind und nur zur Beruhigung der Wartenden blinken.

Man kann sich vorstellen, dass viele Mikroben sich an der menschlichen Hand aufhalten. Ein öffentlich angebrachter Schaltknopf, der mit der Hand berührt werden soll, wird naturgemäß mit Mikroben kontaminiert. Eine weitere Hand nimmt einen Teil der Mikroben wieder auf und transportiert sie zu anderen Wirten an einem ganz anderen Ende der Stadt. So sind also die Ampeldruckknöpfe mikrobiotischen Reisezentren, auf denen ein Gedränge herrscht wie im Kölner Hauptbahnhof vor Corona Zeiten bei perfektem Reisewetter. Solange keine lästigen Antikörper in der Nähe sind, besuchen Coronaviren lustig Ausflugsorte und vermehren sich glücklich unter der Sonne ihrer befallenen Wirte.

Warum werden öffentliche Tischtennisplatten mit einem rotweißen Absperrband versehen, die Ampeldruckknöpfe aber nicht? Neuerdings werden wir mit Bußgeldkatalogen darauf eingeschworen, der Obrigkeit zu gehorchen. Verunsicherte Mitbürger stehen händeringend an der Fußgängerampel, können ihre Hände kaum bei sich lassen. Man will ja alles richtig machen. Besonders der ältere Mensch, schon ein bisschen ängstlich im Straßenverkehr, traut sich nicht, die Aufforderung „Bitte berühren“ zu ignorieren. Am Ende heißt es wieder, die Alten hören den Schuss nicht mehr. Die müssen entmündigt werden. Hallo, Herr Spahn!  Hier hülfe nur, die Ampeldruckknöpfe zu sperren. Warum geschieht das nicht? Letztens erklärte ein professoraler Fernsehvirologe, der mit der schönen Frisur, wie viele virale Tröpfchen aus der Atemluft wie lange in der Raumluft stehen. Man habe die in zwei Studien gezählt. Hallo! Klopfklopf! Jemand zu Hause?! Die meisten Corona-Tröpfchen stehen nicht rum; sie sitzen bequem auf dem Ampeldruckknopf und warten auf den nächsten Tünnes! Und kein Virologe in der Nähe, der mahnend den Zeigefinger hebt. Sie zählen lieber Tröpfchen in der Atemluft. Bei allem Verständnis für deren Selbstbezogenheit wegen tieftrauriger Früherfahrungen, „narzistische Kränkung“, nennt es die Psychologie.  Wer hat schon früher einem Virologen zugehört? „Statt mich mit einem Virologen zu verabreden, lackiere ich mir lieber die Fußnägel“, sagte meine Referendarin Marion und ging mit mir Pataphysiker aus.

Gif-Animation aus Schlaraffia-Filmmaterial: JvdL

In Belgien, hörte ich im Rundfunk, werden Ampeldruckknöpfe automatisch geschaltet, damit niemand mehr diese Mikrobenverschiebebahnhöfe berühren muss. Von Absperrband wurde nichts gesagt. Die Mikroben müssen mächtigen Einfluss auf unsere Entscheidungsträger haben. Alle Welt steht wegen Corona still, und letztlich müssen alle Fußgänger sterben wegen Millionen überflüssiger Ampeldruckknöpfe. Hauptsache, der Autoverkehr kann rollen. Hand drauf!