Radio Gaga – Geräusche in der Nase

Die folgende Gif-Animation ist ein Dachboden- Festplattenfund, ursprünglich veröffentlicht im Teppichhaus Trithemius auf der versunkenen Plattform Blog.de. Ich fand nämlich die Quelldatei wieder und konnte sie für das Teestübchen anpassen. Zu sehen sind Standbilder von der Webcam eines Radiosenders aus dem Jahr 2009. Von wegen „Ist ja Radio.“
Die Webcam sieht alles.
Viel Vergnügen!

Hier gibt es keine Rezepte – Webcam-Standbilder, Text und Animation: JvdL

Kurt Schwitters – Automayers (1924)

Guten Abend, liebe Hörerinnen und Hörer an den Empfangsgeräten. Heute einmal zur Abwechslung kein Text, sondern eine Tondatei in Ihrem Teestübchen Trithemius, nämlich das kuriose Stück „Automayers“ von Kurt Schwitters. Sein Werk ist seit dem Jahr 2019 gemeinfrei. Ich habe die Tondatei allerdings schon am 9. Dezember 2006 eingesprochen, also vor ziemlich genau 14 Jahren. Viel Vergnügen beim Hören.

Schmutziger Eintrag zum Weltputzfrauentag

Am heutigen 8. November ist der Weltputzfrauentag. Da erinnere ich mich, dass ganz hinten im Teestübchenlager eine Gif-Animation liegt, die mal dringend abgestaubt werden muss. Die Fotovorlage stammt übrigens aus einer Anzeige in der längst eingestellten Zeitschrift Kristall aus den 1950-er Jahren, die ich einmal antiquarisch im Aachener Zeitungsmuseum erstanden habe – mitsamt ihrer antiquierten Rollenbilder. Ich veröffentliche den „Schmutzigen Eintrag“ auch als kleine Atempause von „Jüngling der Schwarzen Kunst.“ Da geht es morgen weiter.

Gif-Animation JvdL

Was zum Lachen

Ich kann keine Witze erzählen, weil ich die Pointe immer verlache. Dabei heißt es doch, man könnte sich selbst keinen Witz erzählen, weil man die überraschende Pointe schon kennt, sie folglich nicht überraschend kommen kann. Bei mir geht das schon. Verlacht habe ich auch das Gedicht Himmelsklöße von Joachim Ringelnatz, als ich es meiner Freundin vorlesen wollte. Es ist zu lustig. Lesen Sie selbst [Abdruck in originaler Orthographie]:

Himmelsklöße
(Das Spiel, das Frau Geheime Hofrat Anette von Belghausen Berlin S. W., Königgrätzerstr. 77I, als Kind so gern gespielt hat.)

Je mehr Kinder dabei mitmachen,
Umso mehr giebt es nachher zu lachen.

Dicke Papiere sind nicht zu gebrauchen.
Man muß Zeitung oder Briefe von Vaters Schreibtisch nehmen.
Keiner darf sich schämen,
Das Papier mit der Hand in den Nachttopf zu tauchen.
Wenn es ganz weich ist, wird es zu Klößen geballt
Und mit aller Wucht gegen die Decke geknallt.
Man darf auch vorher schnell noch Popel hineinkneten.
Solche Klöße bleiben oben minutenlang kleben.
Jedes Kind muß nun unter einen der Klöße treten
Und den offenen Mund nach der Decke erheben.
Vorher singen alle im Rund:
„Lieber Himmel tu uns kund,
Wer hat einen bösen Mund.“
Bis der erste Kloß runterfällt
Und trifft zum Beispiel Fannis Gesicht.
Dann wird die Fanni umstellt.
Und alle singen (nur Fanni nicht):
„Schweinehündin, Schweinehund!
Himmelsklöße taten kund:
Du hast einen bösen Mund.
Sperrt sie in den Kleiderschrank
Wegen ihrem Mordsgestank.“

Steckt eurem Vater frech die Zunge
Heraus. Und ruft: „Prost Lausejunge!“
Dann — wenn er vorher auch noch grollte —
Vergißt er, daß er euch prügeln wollte
(1924)

Aus dem Off – Bitte wappnen Sie sich

Heute gegen sechs Uhr erwachte ich, mochte nicht aufstehen und geriet in einen dösigen Schlaf, einen von diesen, die gefährlich sind für die geistige Gesundheit. Da träumte ich den Unterschied zwischen einem Polizeieinsatz und einem Polizei-Einsatzkommando. Letzteres muss aus gegebenem Anlass angefordert werden. Ein Polizeieinsatz aber kann auch eine Gruppe von Polizisten sein, die eine Tonne hochvoll mit leeren Bierflaschen zur Pfandrückgabe bringt. Denn eine solche Tonne ist schwer zu fassen und zu tragen, so dass schon mal fünf (!) Polizisten Hand anlegen müssen.

Natürlich darf eine solche Polizeieinsatzgruppe mit Blaulicht zum Supermarkt fahren. Dort springen alle raus, die Leute denken: „Huch! Jetzt wird die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert!“ Wer keine Maske hat, zerrt wie dereinst Mr. Bean die Unterhose durch ein Loch in der Hosenttasche und zieht sich [Achtung! Bitte wappnen Sie sich! Jetzt folgt das hässlichste Wort der Welt] zieht sich den Schlüpper übern Kopf – aus virologischer Sicht hochproblematisch, aus linguistischer Sicht schwerst bedenklich. Die Polizei drückt ein Auge zu und lässt den Beschiss gelten, wenns kein Schlüpper mit Eingriff ist.

Derweil stürmt das Polizei-Einsatzkommando eine Veranstaltung namens Freiwillige-Corona-Ermüdungs-Abschlussvorstellung und knüppelt auf alle Besucherinnen und Besucher ein. Die meisten sind nämlich illegal. Geladen sind nur Haubitzen und Baulöwen.
Sie lesen, meine lieben Damen und Herren, wie es derzeit bestellt ist um mich. Drum muss ich die Blogpause leiderleider verlängern, etwa 20 Zentimeter für jedes Ohr.
Übrigens: Gummibänder sind das neue Klopapier.

Hart an der Wirklichkeit: Krieg mit den Killerkeimen – ein SF-Kurzroman

Wahnsinnige Wissenschaftler, wer sonst, erfinden in einem Geheimlabor winzige Killerkeime. Die Killerkeime entkommen dem Labor, schwärmen aus und machen sich über die Menschheit her. Sie betrachten uns lediglich als Nahrungsmittel. Nichts kann sie stoppen, nicht einmal eine Atombombe kann sie vernichten, nicht die todesmutige Bundeswehr. Aber ein evangelischer Pastor erzählt den Killerkeimen, dass es Gott gibt, worauf sie sich in scheußliche Schleimklumpen verwandeln und hinfort nur noch die Hirne von Boulevard-Redakteuren zerfressen. Die befallenen Zeitungsschreiber können glücklicher Weise leicht vertrieben werden, in Hamburg durch die Küstenwache, in Österreich durch die fliegende Gebirgsmarine und sonst wo durch eine Schar Bauern mit Fackeln und Dreschflegeln. Und wir alle sind gerettet.

Geschrieben nach einem Plot-Generator von Gahan Wilson – Ende-Grafik: JvdL

Alljährlich das gleiche Gedöns – Zwei Anrufe im Bus

Im vollbesetzten Bus der Linie 100 telefoniert einer.
„Reg dich nicht auf, Schatz, am 19. kommt die Fußbodenheizung rein.“
Ich frage die Frau neben mir: „Wann kommt die Fußbodenheizung rein?“
„Ich weiß nicht“, sagt sie, weil sie offenbar in Gedanken gewesen ist.
„Am 19.“, sagt der Mann, der neben uns im Gang steht.
„Wieso erst am 19.?“, fragt die Frau mit Kinderwagen.
Die Busfahrerin bläst ins Mikrophon: „Ich finde es auch knapp, so kurz vor Weihnachten. Kein Wunder, dass Frau Schatz in Panik gerät.“

Alle gucken Herrn Schatz an, der rasch sein Smartphone wegsteckt und sich im Sitz aufrichtet:
„Ich heiße überhaupt nicht Schatz!“
„Aber Ihre Frau!“, sage ich.
„Nein, ich nenne sie nur Schatz. Ein Kosenamen!“
„Nennt sie Schatz und mutet ihr vor Weihnachten so einen Dreck zu!“, sagt die Frau mit Kinderwagen kämpferisch.
„Ja, genau!“, rufe ich. „In der Vorweihnachtszeit will Frau es doch gemütlich haben und Plätzchen backen!“
„Und keine staubigen Handwerker mit dreckigen Schuhen im Haus haben“, pflichtet der Mann im Gang mir bei.
„Handwerker mit dreckigen Schuhen oder Handwerkerinnen mit dreckigen Schuhen!”, korrigiert Frau Kinderwagen, „soviel Zeit muss sein!”
„Wieso sollte nur die Frau immer Plätzchen backen?“, fragt meine Sitznachbarin jetzt auch noch keck. „Sie haben ja altmodische Vorstellungen.“
„Wieso ich? Herr Schatz ist es doch, der sich nicht um die Plätzchenbäckerei kümmert, sondern kurz vor Weihnachten noch eine Fußbodenheizung einbauen lässt.“
„Soll meine Familie Weihnachten denn frieren?“, fragt Herr Schatz, der ganz anders heißt, aufgebracht.
„Das hätten Sie sich auch früher überlegen können!“, sagt Frau Kinderwagen.
„Aber die Finanzierung war vorher nicht gesichert“, sagt der Schatz kleinlaut.
Da tönt die Busfahrerin über alle Lautsprecher im Bus: „Wer im Sommer nicht spart, dem ist der Winter zu hart!“
„Äsop“, murmelt der graumelierte Herr im teuren Mantel.
„Das hat sie wohl eher aus einer Fabel von La Fontaine“, sagt Herr Schatz, der froh ist, von sich ablenken zu können. “Die Heuschrecke fiedelt den ganzen Sommer und …”
„Ich wüsste nicht, dass unser Oskar Fabeln geschrieben hätte“, mischt sich jetzt der Mann in Anstreicherhose ein.
„Mischen Sie sich nicht ein, mischen Sie besser Farbe“, sagt Frau Kinderwagen spitz, „Herr Schatz meint nicht Ihren Oskar Lafontaine, sondern den französischen Dichter Jean de La Fontaine.“
„Und backen Sie besser Plätzchen, aber das können Sie Kampfemanze vermutlich nicht!“, sagt der Anstreicher.
„Ich kann Ihnen aber eine langen“, sagt Frau Kinderwagen, „Macho, Frechdachs, Banause und wer weiß was!“
„Ruhe im Bus!“ herrscht die Busfahrerin, „sonst halte ich die Luft an, bis ich blau im Gesicht bin.“
„Der Mann hat angefangen!“, rufen alle und zeigen auf mich.
Das Telefon von Herrn Schatz klingelt wieder.
“Schatz”, meldet er sich, “jetzt hör auf, im Bus rumzunerven! Die Heilige Familie hatte auch keine Fußbodenheizung!”

Das war ein ganz neues Argument, dem ich mich gern gewidmet hätte. Leider fiept mein Smartphone Wecker und ich muss aussteigen, äh, aufstehen, um den Bus zu kriegen. Da ging natürlich alles wieder von vorne los.