Zehn Jahre Warten auf den Weltuntergang

Krankheitsbedingt habe ich die Zeitmarke verpasst: Am 10. September 2008, also vorvorgestern vor zehn Jahren ging der Teilchenbeschleuniger LHC an den Start. An der allgemeinen Panik, die Kollision von hochbeschleunigten Teilchen könnte ein Schwarzes Loch hervorrufen, das nach und nach die ganze Erde verschlingt, beteiligte sich natürlich auch das Teppichhaus Trithemius. Offenbar hat man am Cern bislang kein ordentliches Schwarzes Loch zustande gebracht. Teuer genug mit 3 Milliarden Euro wäre es. Darum ungetrübtes Viel Vergnügen!

Fotos vom Aachener Münsterplatz, Text und Animation: JvdL

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Vorsicht Wespe sticht! Drama in zwei Sprachen

Meine Apfel-Zucchini-Suppe ist für die kleine Wespe zu verlocken gewesen. Sie fiel hinein und ertrank vermutlich. Ich fischte sie zwar sofort mit dem Löffel heraus, aber was sollte ich machen? Mund-zu-Mund-Beatmung? Ihr Schicksal war besiegelt. Ich kippte die Wespe in die Serviette, die ich faltete, wobei ich überlegte, ob ich eventuell noch vorhandenes Restleben aus ihr herausquetschen sollte, aber brachte es nicht über mich. Am Ende wär’s nur Leichenschändung. Ich bat die Kellnerin um eine neue Serviette und warnte sie prophylaktisch vor dem Inhalt der alten.

Gestern wurde vor dem Marktcafé eine Kundin gestochen. Die Wirtin holte eine aufgeschnittene Zwiebel zum Auflegen. Angeblich lässt der Schmerz schon nach Sekunden nach. Anbei in Wiederholung vom September 2015 ein weiteres Wespendrama, fotografiert auf dem Aachener Münsterplatz:

Ab 18 – Teestübchen-Schocker „Alarm in den Alpen“

Die Welt in einem Zustand, dass man nicht hinsehen mag. Derweil die realen Bedrohungen durchaus benenn- und erkennbar sind, hat Hollywood die schlimmste Bedrohung in der Tiefsee ausgemacht, mit einem urzeitlichen Riesenhai, dem Megalodon, kurz Meg. Wer jetzt denkt: Ich geh einfach nicht ins tiefe Wasser, dann kann mir kein Haifisch was tun. Von wegen! In einer kopfstehenden Welt ist keiner nirgendwo sicher, das ist sicher. Sehen Sie deshalb in Wiederholung vom 19. September 2015 den weltweit unbekannten Teestübchen-Schocker „Alarm in den Alpen!“ Kinder bitte fernhalten!

Mit Dank an Kollegin FrauHemingistunterwegs für den Hinweis auf The Meg.

Fehlerwoche (4) -Die längst fällige Teufelsaustreibung

Die Originalzeichnungen der folgenden Gif-Animation waren schon vor langerlanger Zeit in der Hochschulzeitschrift Aachener Prisma abgedruckt. Mich hat die Möglichkeit gereizt, den Cartoon zu dynamisieren, also den Text in zwei verschiedenen Versionen erscheinen zu lassen. Tatsächlich ist die Macht des Fehlerteufels erfolgreich gebrochen. Wer einigermaßen auf das Korrekturtool der Textverarbeitungen achtet, kann grobe Fehler vermeiden, nicht aber sinnentstellende. Nach den eher trockenen Beiträgen zur Theorie des Schreibfehlers wünsche ich viel Vergnügen.

Zeichnung und Gif-Animation: JvdL

Auch vor solchen Fehlern bewahrt nicht einmal das Korrekturtool:

Die Erschaffung der Welt in zwei Fassungen

Ein Gedicht in landkölscher Mundart vom Dürener Heimatdichter Josef Schregel, von mir vor gut 20 Jahren abgeschrieben aus der Kirchspieler Dorfchronik. Die Übertragung ins Hochdeutsche ist nicht wörtlich, denn ich musste manches verändern, um Versmaß und Endreim zu erhalten. (Verbesserungsvorschläge willkommen). Das Gedicht spiegelt die Weise, in der noch bis in die 1960-er Jahre den Kindern auf dem Land der Glaube beigebogen wurde, wie ich es selbst noch erlebt habe. Schulische Körperstrafen sind in der Bundesrepublik erst seit 1973 gesetzlich verboten.

Die Erschaffung der Welt

Zom Fritzsche sproch der Lihre:
– Dä Jong wor fürchbar domm-
„Wer hät de Welt erschaffe?
Flöck! … sprääch! ..,. No, beß de stomm?

Ich sehn, du fuule Bengel, häß wedde nex geliehrt!
Dä Hemmel mag et wesse, wat späder us dir wied!
Mir schenk, et beste Meddel, wat eenzig bei dir notz,
Eß, datt ich dir gehürig ens spanne jetz de Botz!“

Dä Lihre nohm dat Fritzsche,
Hä schlog sich en de Hetz:
„Wer hät de Welt erschaffe?
Na, Lömmel! Werd et jetz?!“
„Auwih! Auwih! Här Lire,
Hahlt en, hürt op met schlohn!
Ihr könnt et werklich glöve,
Ich han et net gedohn!“

Die Erschaffung der Welt (Hochdeutsch)

Zum Fritzchen sprach der Lehrer
– der Fritz war furchtbar dumm –
Wer hat die Welt erschaffen
Flugs! … sprich! … Nun, bist du stumm?

Ich seh, du fauler Bengel,
Du hast es nicht mit lernen!
Was einmal aus dir werden soll,
Das steht noch in den Sternen!
Es gibt nur noch ein Mittel,
Dir etwas beizubringen:
Auf deinem Hosenboden
Den Zeigestock zu schwingen!

Der Lehrer nahm sich Fritzchen,
Er schlug es mit Gewalt:
„Wer hat die Welt erschaffen?
Na, Lümmel! Wird es bald?!“
„Auweh, auweh, Herr Lehrer,
Ihr schlagt mich auf Verdacht!
Sie könnens wirklich glauben,
Ich hab es nicht gemacht.“

Mutmaßung über Männer und Müll

Gestern im Marktcafé. Ich sitze am Fenster und beobachte das Geschehen auf dem besonnten Markt, derweil ich meine Suppe löffle. Plötzlich eilt ein Mann heran, der aussieht wie Julian Reichelt, der talentierte neue Chefredakteur der Bildzeitung. Ich denke, nein, er ist es nicht. Warum sollte Reichelt über den Lindener Markt eilen? Zudem hat er einen Brüller in der Hose, wie diese Hosen früher genannt wurden, deren Schritt zwischen den Knien hängt, dass es aussieht, als hätte der Träger ein Ei rein gelegt und trüge es jetzt spazieren, weil er keine Gelegenheit gefunden, es heimlich zu entsorgen.

In solche Verlegenheit würde ein distinguierter Boulevardjournalist nie kommen, da er doch mit seiner Zeitung immer einen Wisch zur Hand hat, groß genug, jedes fäkale Unglück einzupacken, zumal, das wäre noch nachzutragen, der Mann, der wie Julian Reichelt aussieht, einen prallen schwarzen Müllsack trägt und mit der anderen Hand eine Mülltonne zieht. Das ist nicht so einfach wie es sich liest, denn der Lindener Markt ist an manchen Stellen grob gepflastert, wo eine beräderte Mülltonne ins Taumeln gerät, wenn man sie hinter sich her zieht. Plötzlich schaut der Mann, den wir der Einfachheit halber Reichelt nennen, der schaut auf und schaut sich um, sieht noch mehr aus wie sein eigener Doppelgänger, schaut sich heischend um und ist plötzlich von einer Horde junger Männer umschwärmt, die ihrerseits taumelnde Mülleimer hinter sich herziehen und prallvolle Müllsäcke tragen.

Bei dieser interessanten Choreographie gibt Reichelt den Ton an, wie es sich für einen Chef gehört, zerrt seine widerspenstige Mülltonne seitlich heran und bringt sie zum Stehen, öffnet die Klappe und versucht, den prallen Müllsack hineinzuzwängen, obwohl jeder verständige Mensch klar sieht, dass die randvolle Mülltonne nicht auch noch einen prallen Müllsack aufnehmen kann. Da hilft kein ungeduldiges Stopfen. Seine Gefolgsleute versuchen ihrerseits, die Säcke in ihre Mülltonnen zu stopfen, denn sie vertrauen ihrem Chef und denken: Wenn der das gegen alle Vernunft versucht, versuche ich es auch. Es wäre ja möglich, dass der Chef seinen Sack erfolgreich reinzwängt, und wie stünde man dann da, wenn man seinem guten Vorbild nicht gefolgt wäre? Der Reihe nach geben sie auf, Reichelt zuerst, dann seine Adepten. Dann streben sie wieder voran mit ihren taumelnden Mülltonnen und den Säcken, die hindernd gegen ihre Beine schlagen, und verschwinden aus meinem Blickfeld. Was für ein herrliches Fenstertheater, denke ich noch und löffle den Rest meiner Minestrone.

Wenig später fuhr ich mit dem Rad zum Einkauf und überquerte den Platz „Am Küchengarten.“ Dort stand ein großer Müllcontainer, und Reichelt wie ein Feldherr oben auf der Leiter leitete seine Vasallen an, die Tonnen zu leeren und die Säcke abzuladen. Den naheliegenden Schluss, ich hätte die Redaktion von Bild Hannover bei der Arbeit gesehen, will ich korrekterweise von mir weisen. Ich fuhr viel zu schnell vorbei, als dass ich hätte sehen können, was die Kerle da genau gemacht haben.