Neues vom Schwamm

Ein schwammiger Kerl, schwammiges Gesicht, schwammige Aussagen, – solche Attribute haben eine ganz andere Qualität, seit bekannt wurde, dass Mensch und Schwamm eng verwandt sind. Ein Forscherteam unter Beteiligung zweier Professoren von der Universität Göttingen behauptet nämlich, dass bei Schwamm und Mensch ganze 70 Prozent der Erbmasse identisch sind. Um das herauszufinden, sind die Wissenschaftler fünf Jahre ins Great Barrier Reef abgetaucht, und jetzt ist auch nicht auszuschließen, dass an Stelle eines Wissenschaftlers schon mal der eine andere Schwamm wieder aufgetaucht ist und an Bord des Forschungsschiffes ging. Sie sehen sich ja so verteufelt ähnlich. Nur dass der Schwamm keine Taucherbrille braucht und man Göttinger Professoren nicht in einen Eimer tauchen kann, um das Auto zu putzen; ganze 30 Prozent passen nicht in den Eimer. Das sind so ziemlich die einzigen Unterschiede. Derweil flirtete der Wissenschaftler da unten mit einer Schwämmin, musste dann aber feststellen, dass Schwämme Zwitter sind und zur Fortpflanzung keine Geschlechtspartner benötigen. Also wurde es nichts mit Professorenkinderschwämmen. Wäre sowieso quasi Inzucht gewesen. Hoffentlich war das Schiff noch da, als der/die Schwamm dem Wissenschaftler endgültig einen Korb gab.

Bevor jetzt aber der Schwamm Stimmrecht in der UNO bekommt, wäre es doch gut zu wissen, ob uns nicht andere Lebewesen ein bisschen näher verwandt sind. Was ist beispielsweise mit der Banane, dem Nacktmull oder dem Schwein? Egal jetzt. Fast visionär vorausgesehen hat die enge Verwandtschaft zwischen Mensch und Schwamm mein Freund Rudolf. Es ist nämlich so: Wozu der Wissenschaftler jahrelang ins Great Barrier Reef abtaucht, das weiß der Künstler längst. Tretet dAdA rein!

    Ein Schwamm schwamm im Schlamm.
    Dann verschwand der Schwamm im Schlamm.
    Und dann schwamm ein Mann im Schlamm.
    Dann verschwand der Mann im Schlamm.
    Und dann verschwand der Schlamm.
    Und dann?

    (Rudolf Löhrer)
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Teestübchen Sevice – Heute: Waldbaden

Waldbaden ist der ganz heiße Scheiß. Der Natur ganz nah sein. Das Original japanische „Shinrin Yoku“, was soviel heißt wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“, ist ja so gesund für Körper und Geist. Für „Shinrin Yoku“ brauchts keine lange Flugreise nach Japan, … obwohl (siehe unten). Theoretisch geht Waldbaden auch im heimischen Wald. Und gibt es keinen vor der Haustür – ruhig Hinfahren, wenn es sein muss mit dem SUV, falls man grad nicht über einen kleineren Zweitwagen verfügt. Und jetzt kommt das große Aber:


Na, das bringts doch net. Also besser gleich hinfliegen zu gesunden, kraft- und saftstrotzenden Wäldern für den echten Waldbadegenuss.

Kuriose Rituale (4) – Sitzbank stiften

Blogkollegin KaetheMargarethe erinnerte in einem Kommentar zu den Riesenschecks an „Theaterstühle, verziert mit Plaketten, auf denen der Spendername in Messing graviert, Bänke an Wanderwegen mit eingebrannten Gebernamen.“ Einen Sitz oder eine Bank zu stiften und mit Messingplakette zu versehen, ist auch eine kuriose Weise, sich selbst zu feiern, ist quasi ein geheimes Ritual, obwohl sich im Netz auch hierzu Fotos finden. Hier das Beispiel einer Eigentumsplakette aus Hannover mit Foto und Gedicht von mir:

Kuriose Rituale (3) – Riesenscheck übergeben

Eines der albernsten Rituale in den Medien ist die Übergabe von Riesenschecks. Ich hatte mich schon in der Ausgabe 08/1993 des Magazins Titanic darüber lustig gemacht, die Fotos dazu aus diversen Zeitungen ausgeschnitten. Eine ulkige Hintergrundgeschichte: Als Lehrer hatte ich gute Beziehungen zur Aachener Presse. Während einer Projektwoche im Jahr 1994 hatte ich einen Redakteur der Aachener Zeitung in die Schule eingeladen. Im Kunstraum bewahrte ich in einer Schublade die DIN-A2 große Montage der Riesenschecks. Die fand ich, als ich für den Redakteur etwas aus der Schublade nehmen wollte. Ich zeigte sie ihm. Er fiel aus allen Wolken und rief: „Also, Sie waren das!“ (Der Beitrag war unter Pseudonym erschienen.)

Er berichtete, dass man sich in den beiden Redaktionen der Aachener Zeitungen gegenseitig verdächtigt hatte, die Satire gemacht zu haben, und man war darüber in Streit geraten. Man war sich aber schon vorher nicht grün. Ursprünglich hatte ich Fotos aus verschiedenen Zeitungen an die Titanic geschickt, hatte aber den Akteuren schwarze Augenbalken geklebt. Ein Titanicredakteur rief an und fragte, ob ich noch mehr Fotos hätte, denn man bekomme die Augenbalken nicht runter. Das Ersatzmaterial, stammte aber fast ausschließlich aus den beiden Aachener Zeitungen, mit dem Effekt, dass man sich gezielt vorgeführt fühlte und die Konkurrenz dahinter vermutete. Mit derlei unwägbaren Nebeneffekten muss der Satiriker leben, wusste schon Michail Soschtschenko:

    ”Der Beruf des Satirikers ist (…) geeignet, die Zeitgenossen regelrecht zu vergrätzen. Manche denken sich: Was soll das? Darf der denn das? Muss das eigentlich sein?”

Ja, muss. Das krachend Blöde, das eitel Selbstgefällige, in diesem Fall die medial provozierte Schamlosigkeit des „Tue Gutes und sprich darüber!“, derlei mediale Inszenierungen müssen als das entlarvt werden. Die Aachener Presse war voller Fotos mit der Überreichung von Riesenschecks. Besonders oft sah man bei diesem Ritual den damaligen Oberbürgermeister Jürgen Linden. Dem ist die folgende Bildgeschichte gewidmet. Sie beginnt mit einem weiteren Ritual, dem gemeinsamen Drücken eines Startknopfes:

Bilddokumentation, Konzept und Gif: JvdL

Kuriose Rituale (2) – Der erste Spatenstich

Die Teestübchen-Redaktion verwahrt sich entschieden gegen den liebedienerisch sich anbietenden Reim „Polen“ auf „Vestohlen.“ In Wahrheit liegt uns keinerlei Erkentnis vor, wer den Erweiterungsneubau des Städelmuseums errichtet hat. Foto: User Dontworry via Wikipedia