„Wer zwei paar Hosen hat, mache eine zu Geld …“

Meine lieben Damen und Herren,

frohe Kunde: In der Edition Teestübchen Trithemius ist ein neues Buch aus meiner Feder erschienen.

Das Buch hat 228 hübsche Seiten, wurde professionell layoutet vom Buchgestalter Christian Dümmler, ist das dritte der Reihe „schräge Geschichten“ und ergänzt die Vorgänger Die schönsten Augen nördlich der Alpen und Goethes bunter Elefant. Es kostet nur 9.99 Euro.

Gönnen Sie sich ein Ostergeschenk! Das feine Buch gibt es hier, am schnellsten hier – für Geduldige im Buchhandel unter der ISBN 9783754958735

„Wer zwei paar Hosen hat, mache eine zu Geld und kaufe dieses Buch!“

(Georg Christoph Lichtenberg)

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen!

Vorschau auf: Das Ächzen der Dinge

Anders als böse Zungen behaupten, habe ich den letzten Jahren fleißig geschrieben. Um das zu sichern wird in der EDITION TEESTÜBCHEN bald ein neues Buch erscheinen. Das Manuskript ist lektoriert. Am Wochenende werde ich mit Freund Christian Dümmler, dem „Overlord of Bookdesign“ (Jason Koxvold), in seinem Nürnberger Atelier das Layout besprechen. Den Umschlag habe ich entworfen und die Qual der Wahl. Christian, mein Sohn Malte und ich, wir favorisieren den zuletzt gezeigten Entwurf. Leider muss eine Entscheidung fallen, denn es kann nur einen Umschlag geben.

Größer anschauen, bitte Klicken! Was meinst du, werter Teestübchenbesucher, werte Teestübchenbesucherin? Gerne lese ich deine Meinung und Argumente.

Teestübchen intern

Die Vignetten am Anfang meiner Texte zeigen die jeweilige Rubrik an. Sie stammen zum Teil noch aus Blog-de-Zeiten. Wenn es möglich ist, setze ich den ersten Textabschnitt bündig daneben, (was freilich auf kleineren Bildschirmen wie Tablet und Smartphone nicht zu sehen ist). Das zwingt mich oft, den ersten Abschnitt zu kürzen. Seit geraumer Zeit gestalte ich neue Vignetten größer (215 * 296), denn ich finde ich die frühen Vignetten zu klein (106 * 150). Aber eine schlichte Vergrößerung macht die Motive unscharf. Auch hatte ich die oft verwendete Schrifttype nicht mehr und ich wusste nicht mal mehr ihren Namen. Kürzlich entdeckte ich eine alte Datei (*.psd), in der die Schriftebene noch zugänglich war.

Photoshop zeigte den Namen der Schrift an, Gill sans mt pro bold extra condensed, und ich konnte sie mir aus dem Netz besorgen. Nachdem ich die Bildmotive wieder aufgesucht hatte, war eine Vergrößerung möglich.


Es wäre vielleicht nicht aufgefallen, wenn ich die Motive einfach vergrößert hätte. Doch leider kann ich derlei nicht gelten lassen. Was formale Gestaltungsaspekte betrifft, bin ich Perfektionist. Und sollte ich der einzige sein, den eine schwammige, matschige Darstellung stört, ist es schon einer zu viel.

Editorial – panta rhei

Meine lieben Damen und Herren

Ein unbedachter Augenblick brachte mir eine Woche Krankenhaus und sieben Wochen Kurzzeitpflege. Die liegen jetzt hinter mir. Oft habe ich gedacht, dass ich diesen Zeitpunkt nie erreichen würde, zu gewaltig war das Gebirge aus Zeit, das erklommen werden musste, um meinen Knochenbruch zu heilen. Man kann sich vorstellen, wie langsam das geht, wenn einer nur auf einem Bein hüpfen kann. Es ist etwas Seltsames mit Gebirgen aus Zeit. Wer am Fuß steht und hinauf schaut, kann sich den Augenblick vorstellen, in dem er von oben hinabschauen wird. Warum kann einer nicht der Hinabschauende sein, derweil er hinaufschaut?

Rückblickend sind die Tage geschrumpft, so dass der Zeitpunkt des Hinaufschauens und der des Hinabschauens dicht nebeneinander liegen könnten. Der Schritt hinüber erscheint plötzlich winzig, so klein, als wäre ich einfach aus dem Rollstuhl aufgestanden und hätte den Schritt getan. Ob es aber erstrebenswert wäre, zwischen Momenten durch die Zeit zu reisen? Was ist, wenn der Zeitreisende zurück will in eine schönere Vergangenheit, was wäre, ich könnte zurückgehen zum Moment, als ich nach dem geselligen Abend Geschirr in die Küche gebracht hatte und sicher am Küchentisch saß. Bei der Reise zu diesem Augenblick, würde mir dann der angetrunkene Mann entgegenkommen, auf dem Weg, sich ein Bein zu brechen?

Inzwischen ist aus dem Moment für mich und alle Beteiligten ein anderer Lebensweg entstanden. Ich bin nicht mehr der leichtsinnige Kerl auf der Treppe, und auch sie sind nicht mehr dieselben. panta rhei [altgriechisch ‚alles fließt‘] oder landläufig: „Du steigst nicht zweimal in denselben Fluss.“ Zwischen Schlüsselmomenten findet das Leben statt. Der Mensch hat die Gelegenheit, sich weiter zu entwickeln.
Den nächsten Text werde ich aus meiner alten Heimat Aachen veröffentlichen, wo ich ab Montag eine dreiwöchige Anschlussheilbehandlung antrete. Man liest sich.

Bis bald, Ihr und euer

Digital Detox – Halbzeit


Liebe Leute,

das ist ein vorproduzierter Beitrag, denn aus Gründen steht mir am Ort meines Aufenthaltes kein Computer zur Verfügung und hier hineinschauen kann ich nur übers kleine Smartphone-Fensterchen. Ich danke allen für die guten Wünsche zu meiner digitalen Entgiftung und sende herzliche Grüße aus dem Off.

Bis bald

Digital Detox – Ein Selbstversuch

Der Begründer der Waldorfpädagogik und Anthroposoph, Rudolf Steiner, hat während seiner Vorträge häufig Tafelbilder erstellt. Um die flüchtigen Kreidezeichnungen zu sichern, bespannten seine Anhänger die Tafel zuvor mit schwarzem Papier. Heute wirken derartige Verfahren eigenartig und umständlich. Irgendwo, gerade unauffindbar, habe ich die Fotografie eines solchen Tafelbildes. Aber ich würde ein reales Tafelbild, das unhandlich ist und zu verwischen droht, wenn es nicht nicht konserviert wird (hier hülfe Haarspray) jederzeit einer Fotografie der Tafel vorziehen, einem Digitalfoto erst recht. Das Materielle in der Kommunikation schlägt das Digitale um Längen. Ab heute für gut vier Wochen werde ich mich aus der digitalen Welt zurückziehen und neu orientieren. Das Teestübchen bleibt offen, ist dann mehr Bibliothek. Warum nicht mal im Frühling 2016 oder im Mai 2017 stöbern? Natürlich werde ich ab und zu nach dem Rechten sehen, aber erst einmal schweigen. Nach meiner Intenernetpause gelingt mir sicher wieder der eine oder andere lesbare Text. „Digital Detox“ ist ein großes Wort. Doch ich versuche es.
Bis bald, Ihr und euer

Gif-Animation: JvdL – Zum Wikipedia-Eintrag „Digital Detox“ klicke Animation

Mal was stapeln

Einmal fuhr ich mit dem ICE von Hamburg nach Hannover. Mit mir im Zugabteil saßen eine junge Frau und ein junger Mann. Beide kramten ihre Laptops hervor und im Nu war das Abteil erfüllt vom Prasseln der Tastaturen. Schon in den 1980-er Jahren schwärmte Umberto Eco davon, der Computer ermögliche, so schnell zu schreiben wie man denkt. Namentlich die junge Frau vor mir schien mir schneller zu schreiben als ich denke. Vielleicht beschleunigt sich das zielgerichtete Denken mit der Schreibgeschwindigkeit. Ich sehe das Denken dem Wirbel der Finger hinterherhecheln, und am Ende verliert es ganz die Bodenhaftung und wird atemlos mit fortgerissen. Eventuell macht man aber auch einfach zu viele Worte.

Ich habe mal zu lernen versucht, mit zehn Fingern zu schreiben, besorgte mir Übungshefte und übte auf einer mechanischen Schreibmaschine, wo die verquere Anordnung des Tastenfeldes besonders auffällt. Die Übungsbücher geben keine Auskunft über den Grund für die unhandliche Tastaturanordnung, sondern lehren tumb die Anpassung des Menschen an die Maschine. Ich begann in der Bibliothek zu recherchieren, und als ich den banalen Grund herausgefunden hatte [nachzulesen hier], verließ mich die Lust, das 10-Finger-System zu üben. Wissen kann manchmal hinderlich sein.

Bis zum Schlaganfall kamen wenigstens einige meiner Finger zum Einsatz. Seither tippe ich mit dem Zeigefinger der rechten Hand nach dem polizeibekannten Terroristensystem (jede Sekunde ist mit einem Anschlag zu rechnen). Der Daumen hat die Ehre, das Nichts hervorzubringen, nämlich den Wortzwischenraum. Benutze ich auch Finger der linken Hand, häufen sich die Fehler, und ich muss fast jedes Wort nachbearbeiten. Die technische Schrift, wie sie sich hier darstellt, tilgt all die expressiven Spuren, an denen man sonst leicht ablesen könnte, wie mühsam das Tippen für mich ist.

Mir ist jedoch klar, dass nur Herausforderungen den Menschen voran bringen. „Mit Material kann jeder arbeiten“, sagte der Geselle in meiner Lehrzeit zu mir, wenn ich mich über fehlendes Setzmaterial beklagte. Abgewandelt: „Unter guten Bedingungen etwas zu leisten, ist keine Kunst.“ Ich habe einen Berg Arbeit vor mir, weshalb ich mich ein bisschen in die Emigration zurückziehen muss. Denn ich werde wieder mit der Hand zeichnen. Seit Tagen versuche ich mich innerlich darauf einzustellen, war kürzlich im Laden für Künstlerbedarf und habe mir neues Zeichengerät und -material besorgt. Gut zehn Illustrationen werden nötig sein.

Mal was stapeln

Vor Jahren fand ich dieses ermutigende Foto. Der Brikettberg ist ein einziges Chaos. Man darf sich davon nicht abschrecken lassen, muss es machen wie der Mann, der sich heiter auf dem Berg niedergelassen hat und einfach irgendwo zu stapeln anfängt. An ihm will ich mir ein Beispiel nehmen. Wünschen Sie mir eine glückliche Hand. Ich werde gelegentlich berichten.

Wir lesen uns, Ihr

Frohe Weihnachten im Teestübchen

Heuer hat mich in der Vorweihnachtszeit erstmals nicht der Trübsinn erfasst. Für diesen Trübsinn war ein Ereignis meiner Kindheit verantwortlich. Da freute ich mich nämlich auf Weihnachten, und ganz unerwartet ist mein Vater gestorben. Er wurde nur 49 Jahre alt. Viel weiß ich nicht von ihm, denn an Wochentagen kam er erst von der Arbeit im fernen Düsseldorf, wenn ich schon schlief. In seiner knappen Freizeit musste er eine Modelleisenbahn für meinen älteren Bruder und mich gebaut haben, was ich erst später realisierte, denn ich glaubte noch, das Christkind hätte die gebracht.

Wenn mein Bruder abwesend war, durfte ich die kostbare Anlage nicht bedienen, allenfalls einige Waggons mit dem Finger auf den Schienen vor und zurückschieben. Dann aber kam Pater Arnold, ein Mönch aus dem nahen Kloster, der schon mal in der Gemeinde aushalf. Eigentlich besuchte er uns, um meiner Mutter seelsorgerischen Beistand zu leisten, doch nachdem er seinen langen roten Schal vom Hals gewickelt hatte, galt sein Interesse unserer Modellbahn. Und ganz destruktiv war er vorrangig an Zugunglücken interessiert. Er stachelte meinen älteren Bruder immer wieder an: „Friedrich, lass uns nochmal Zusammenstoß spielen!“ Zu meinem Entsetzen wurden zwei Loks auf eine Schienenstrecke gestellt, die dann mit Karacho gegeneinander fuhren und aus dem Gleis kippten. Noch heute mag ich keine Zerstörungsorgien, wie sie Hollywood so gerne darstellt.

Ist schon etwas länger her, als ich entdeckte, dass die Technik des Graphics Interchange Formats (GIF) erlaubt, aus Einzelbildern Trickfilme zu gestalten. Da reizte es mich, für mein damaliges Teppichhaus-Blog eine digitale Modellbahn auf die Schienen zu bringen. Vorlage war diese uralte Zeichnung von mir.

Ich weiß, dass bei der Fülle der Daten mein damaliger Rechner fast in die Knie ging. Heute läuft die Animation bei mir ohne zu ruckeln und ich hoffe, bei Ihnen und euch auch. Im Trickfilm passiert nicht viel, vor allem gibt es keinen fatalen Gegenzug auf Kollisionskurs. Es gab eine Version, bei der zum Schluss frohe Weihnachten gewünscht wird. Die finde ich aber nicht mehr. Drum hier mündlich/schriftlich: Allen treuen Besucherinnen und Besuchern wünsche ich ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest sowie Glück und Gesundheit fürs neue Jahr,
Ihr und euer

Teestübchen Hausmitteilung – Erzählen im Grenzbereich zwischen Schriftlich und Mündlich

Meine lieben Damen und Herren,
mit Folge sieben endet Jüngling der Schwarzen Kunst hier im Teestübchen Blog. Ich habe fehlende Passagen schreiben können. Was jetzt noch käme, wäre zu sehr aus dem Kontext gerissen. In den folgenden Wochen hoffe ich, den Roman fertigzustellen, die folgerichtige Chronologie herzustellen und alles zu unterfüttern mit fachlichen Aspekten.
Schreiben im Blog verdirbt zwar nicht den Charakter, verändert aber die Haltung zum Schreiben. Während ich in den 1990-er Jahren überwiegend für die Schublade und mein Tagebuch geschrieben und nicht darauf geschielt habe, dass jemals andere das lesen würden, hat mich das Bloggen daran gewöhnt, mich mit Leserinnen und Lesern über Texte auszutauschen. Das freilich ist keine neue Erscheinung. Erzählen ist, wie das Wort vermuten lässt, eine mündliche Kunst. In den Anfängen der geschriebenen Erzählungen, also in den Anfängen der Literatur haben die Schriftsteller sich immer noch den Anschein einer mündlichen Erzählsituation gegeben. Wir kennen das aus den Rahmenhandlungen von Tausendundeine Nacht und den Canterbury Tales des Geoffrey Chaucer. Noch Rabelais behauptete, er habe seinen Romanzyklus um die beiden Riesen „Gargantua“ und „Pantagruel“ während eines Trinkgelages diktiert. Ein modernes Beispiel finden wir bei dem 1938 erschienenen Kinder- und Jugendbuch „Die grüne Wolke“ (orig. The Last Man Alive) des schottischen Schriftstellers und Pädagogen Alexander Sutherland Neill. Der Autor erzählt die einzelnen Kapitel den Kindern von Summerhill und verzeichnet hinter jedem Kapitel deren Bemerkungen und Anregungen. Anregungen und Kritik bestimmen den weiteren Verlauf der Handlung.

Wir Bloggerinnen und Blogger befinden uns in einer imaginären Erzählsituation, wie es sie vor dem Internet nicht geben konnte. Wenn’s gut kommt, regen Kommentare neue Erzählideen an oder lassen einen reflektieren, sogar ändern, was man geschrieben hat. Als ich am 9. Oktober 2009 ein literarisches Projekt im Stammhaus TeppichhausTrithemius, den Internetroman „Die Papiere des PentAgrion“ begann, wollte ich erproben, wie sich die fiktive Erzählsituation im Blog auf den Text auswirkt. Nach kurzer Zeit fanden sich Mitautoren, die eigene Handlungsstränge entwickelten, wie die langjährigen Freunde des Teppichhauses Careca und Videbitis, und zwei Chronisten, Einhard und Marana. Einhard hat ein tiefschürfendes Register zu den Papieren erstellt, das er ständig erweiterte, Marana hat innere Bezüge der PentAgrion-Texte zu anderen Texten im Teppichhaus Trithemius aufgesucht, dargestellt und eine Kartei dazu angelegt. Leider ist vieles mit der Plattform Blog.de versunken. Das Projekt hat aber gezeigt, was das Schreiben im Internet Neues hervorbringen kann, indem es die Rolle der stummen Rezipienten aufbricht.

Jüngling der Schwarzen Kunst ist ein Entwicklungsroman, in dessen Verlauf der Protagonist heranreift und erkennbare Fortschritte macht, während die klassische Buchdruckerkunst ihrem Niedergang entgegen strebt. Diese Endphase wird nicht mehr Gegenstand des Romans sein, sondern bliebe einem Folgeband vorbehalten. Doch einstweilen muss ich diesen ersten Band zum Abschluss bringen. Das hoffe ich zu schaffen, ohne das Teestübchen-Blog zu vernachlässigen. Ich danke allen Leserinnen und Lesern, die hier ein Like oder einen Kommentar hinterlassen haben, herzlich für die Aufmerksamkeit, die ja trotz der Textfülle beachtlich war. Vielleicht hätte ich die obigen Überlegungen eher mitteilen müssen und die Interaktion wäre lebhafter ausgefallen. Aber es war gut so.
Beste Grüße