Sprachpflege – Kleingärtnern im Regenwald

Die immergrüne Kletterpflanze Efeu hat einmal Ep-heu geheißen und wurde mit Recht so geschrieben, denn Epheu stammt vom ahd. ebihouwi (Reiterpflanze) ab. Das ph wurde als griechisches Φ (Phi) verlesen und fälschlich zum f eingedeutscht, was den Lautwandel mit sich brachte. Sagst du: „Ep-heu ist die Arzneipflanze des Jahres 2010“, weiß niemand, was gemeint ist. Es geht aber noch absurder: Das Wort Maulwurf lässt uns fälschlich glauben, das Tierlein würde die Erdhügel in der Wiese mit dem Maul aufwerfen. Unsere Ahnen nannten den Maulwurf noch mūwerfo (ahd.) ‚Haufenwerfer‘. Die Nachfahren machten daraus „Moltwurf“ (mhd.) ‘Erdwerfer’, und in jüngerer Zeit wurde daraus missverstanden ‘Maulwurf’. Denn selbstverständlich gräbt der Maulwurf seine Gangsysteme nicht mit dem Maul, sondern mit den kräftig ausgebildeten Schaufelhänden. Kurios ist auch die Entstehung des Wortes Zenit. Es ist entlehnt aus dem Arabischen. Da heißt es samt. Da die arabische Schrift eine Konsonantenschrift ist, wurde es im Italienischen zu „Zemt“. Der Überlieferung nach führte Fliegendreck über dem 3. Beinchen des m*) dazu, dass es zu i verlesen wurde. Zenit tönt viel schöner als das einsilbige Zemt. Wer hätte gedacht, dass ein Fliegenschiss solchen Wohlklang hervorbringen kann. Weiterlesen

Trocken oder nass – Wo beten nicht hilft

Wenn Frühling und Sonnenschein mich locken, fahre ich mit dem Rad durch den Georgengarten zur Mensa auf dem Conti-Campus. Ich muss freilich vor 12 Uhr da sein, denn zwischen 12 und 13 Uhr wird es schlagartig derart hömmele voll in der Contine, das es schwer ist, einen Platz zu finden. Letztens saß ich dicht an dicht mit welchen, die ihrem geschniegelten Auftreten nach von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hereingeschneit waren. Aus dem allgemeinen Lärm wehten gelegentlich Gesprächsfetzen an mein Ohr. Man sprach tatsächlich über Tischgebete.

Einer verkündete, dass bei ihm zu Hause keine Mahlzeit ohne Tischgebet denkbar wäre. Und er sagte eines auf, das offenbar exemplarisch war: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“ Die dabei sitzende Studentin staunte und schwieg andächtig. Da wollte sich ihr Gegenüber ein bisschen locker hervortun und sagte, sein Vater würde so beten: „Trocken oder nass, deo gratias!“ fertig.

“Trocken oder nass”? Tischgebete beziehen sich in der Regel auf den Gegenstand der Mahlzeit. Gläubige Menschen danken Gott für das, was sie auf dem Teller haben. Bei welchen Gerichten stellt sich denn die Frage nach trocken oder nass? Ich kam nicht gleich drauf, aber es ist Hunde- und Katzenfutter. Man hat ja schon mal gehört, dass manche aus den besseren Kreisen ziemlich geizig sind. Dass welche im dicken Mercedes bei Aldi vorfahren, geht ja noch, aber kann Gott es gut heißen, wenn die Herrschaften armen Rentnern das Futter streitig machen? Was war das hier für ein wunderliches Völkchen?

Ich weiß natürlich nicht wirklich, ob sie Wirtschaftswissenschaft studieren, dachte aber es würde schon passen, denn diese seltsame Studienrichtung hat viel mehr mit Glauben als mit Wissenschaft zu tun. Schon allein, dass man bis zum Ausbruch der Finanzkrise unverbrüchlich an die “Unsichtbare Hand” geglaubt hat, die den Markt regelt und all die Verrücktheiten ausgleicht, die geldgierige Menschen angerichtet haben, ist ja ein verkappter Gottesglaube. Und wenn deutsche Ökonomen unverdrossen propagieren, dass der Sparkurs für die in Schwierigkeiten geratene Mittelmeerländer das einzige Heilmittel wäre, obwohl doch die reale Entwicklung zeigt, dass deren Bevölkerung verelendet, die Wirtschaft schwindet und die Schulden wachsen, dann hat es wohl was mit Aberglauben zu tun, nah am Irrsinn. Den nämlich definiert Albert Einstein so: “Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.” Sollte Katzenfutter, trocken oder nass, nicht munden, muss man es ohne Not kein zweites Mal probieren. Da hilft nicht mal beten.

Musiktipp
The Mighty Mighty Bosstones
The Impression That I Get

Deutschland zum Spartarif – schön schäbig

Eine Ärztin schickte mir die Mahnung einer zehn Monate alten Rechnung, von der ich dachte, sie längst bezahlt zu haben. Dann konnte ich aber keine Unterlagen über den Bezahlvorgang finden und überwies den Betrag sofort, denn die Sache tat mir leid, vor allem der sozialen Härten wegen, denen sie vermutlich durch meine Säumigkeit ausgesetzt gewesen war. Deshalb hatte sie die Mahnung auch durch den privaten Postdienstleister zustellen lassen. Die 40 Cent für eine Briefmarke der blauen City-Post hatte sie vermutlich gerade noch zusammenkratzen können. Wie traurig. Und ich hatte dem Briefträger nicht mal aufgemacht, als er bei mir klingelte, um an die Hausbriefkästen zu kommen.
Das mache ich aus zwei Gründen nicht. Erstens ist meistens ein Mitbewohner des Hauses schneller als ich, so dass der Briefträger schon im Hausflur unten hantiert, wenn ich den Hörer der Sprechanlage am Ohr habe, zweitens mag ich seine Stimme nicht hören, in der immer ein Anflug von stillem Leid mitschwingt. Nur kurz nach Weihnachten klang sie kräftiger, und ich dachte, aha, er hat über die freien Tage Kraft getankt, guckte mal aus dem Fenster, und dann war er es gar nicht gewesen, sondern der Briefbote der gelben Post. Es strampeln nämlich am Vormittag zwei Briefträger durch die Gegend, einer von der blauen Citypost und ein gelber von der Deutschen Post. Der Gelbe mit der kräftigeren Stimme verdient mit 1800 Euro etwa 600 Euro mehr als sein blauer Kollege. Was will man machen? Botendienste können eben nicht besser bezahlt werden. Es ist ja fast nur Beinarbeit. Die Kopfarbeiter dieses Dienstleisters müssen schließlich angemessen bezahlt werden, und für die Kapitaleigner muss auch noch ein bisschen was übrig bleiben, was sich lohnt, der Steuer zu hinterziehen.

spartarifKein Geld für eine Jacke? Kann sich abstrampeln – Foto: Trithemius

Eigentlich verdient der von der blauen Post nicht zu wenig, sondern der von der gelben Post viel zu viel, noch von den Zeiten her, als der Postdienst eine hoheitliche Aufgabe war, die von Beamten wahrgenommen wurde. Entsprechend prächtig und repräsentativ waren die alten Postgebäude, in deren Hallen man sich ganz klein vorkam. Die Zeiten sind glücklicher Weise vorbei. Die alten Postgebäude sind längst an Investoren verhökert, die Deutsche Post hat ihre Filialen überwiegend in piefige Zeitungsläden verlegt, und die Postboten der blauen Post sortieren die Post überhaupt bei sich zu Hause am Küchentisch. Man kann sich ungefähr vorstellen wie es zu Hause bei einem aussieht, der grad mal 850 Euro netto verdient. Das reicht vielleicht nur für ein ungeheiztes Zimmer und Klosett. Da steht der Tisch neben Klo und Bett, wenn es einen gibt. Aber auf dem Bett ist sowieso mehr Platz zum Sortieren als zwischen Toastbrot und Aldi-Marmelade. Zur Not ist da noch der Klodeckel.

Ist es nicht wunderbar, wie die einst so arrogante und selbstherrliche Post zurückgestutzt wurde auf Verhältnisse, die an das 18. Jahrhundert gemahnen, wo selbst Lehrer so schlecht bezahlt wurden, dass sie im Klassenraum, in dem sie auch wohnten, noch eine Ziege halten mussten. Das wäre doch mal ein Idee, die sich wiederzubeleben lohnt. Oder lieber doch nicht. Am Ende frisst die Ziege den Brief oder er riecht ein bisschen streng. Und ich bekomme von meiner durch meine Schuld verarmten Ärztin eine Mahnung, die ich nur mit ausgestrecktem Arm lesen mag. Dann fällt mir vielleicht gar nicht auf, dass sie mir bei 40 Cent Porto nur 2,50 Euro Mahngebühr berechnet hat. Deutschland herrlich Billigland!

Wissenswertes und Unterhaltsames vom Dienstag

Gleipnir hieß der magische Faden, mit dem die germanischen Götter des Geschlechts der Asen den Fenriswolf gefesselt haben. Gleipnir war unsichtbar. Die Zwerge hatten ihn geflochten aus lauter Dingen, die es seither nicht mehr gibt, aus den Wurzeln der Berge, dem Trittgeräusch der Katze, den Bärten der Frauen, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel. Der Fenriswolf war den Asen zu groß geworden, so dass man sich vor ihm fürchtete. Alle vorherigen Versuche, ihn zu fesseln, waren gescheitert. Er hatte selbst die schweren Ketten Leding und Dromi zerrissen. Als die Asen mit Gleipnir an den Fenriswolf herantraten, wurde er misstrauisch und wollte sich nicht binden lassen. Die Götter versprachen, ihn wieder zu befreien, sollte sich Gleipnir als unzerreißbar erweisen. Der Fenriswolf traute ihnen aber nicht und verlangte eine Garantie.
Tyr_and_Fenrir-John_BauerDer Kriegsgott Tyr legt ihm zum Pfand die rechte Hand ins Maul. Weil Gleipnir standhielt, die Götter sich aber weigerten, den Fenriswolf wieder loszubinden, biss er Tyr die rechte Hand ab, genau am Handgelenk, weshalb der dort am Außenriss zu tastende Knochen Tyrsknochen heißt. Was hat der Tyrsknochen mit dem Dienstag zu tun, diesem Untag, diesem Tag nicht Fleisch nicht Fisch? Der Dienstag ist genauso nach dem einhändigen germanischen Kriegsgott Tyr (auch Tiwaz, Tiu, Dies, bei den Römern: Mars) benannt wie der Knochen am Handgelenk, was freilich versinkendes Wissen zu sein scheint. Vier Einträge findet Google zum „Tyrsknochen“, drei sind von mir.
(Bildquelle: Wikipedia)

An diesem Dienstag heißt eine Kurzgeschichte aus dem 2. Weltkrieg von Wolfgang Borchert. In einer Episode wird ein Leutnant an der Front zum Nachfolger seines erkrankten Hauptmanns ernannt. Obwohl er ermahnt wurde, im Dunkeln nicht zu rauchen, zündet sich der Leutnant eine Zigarette an und wird prompt von einem Scharfschützen erschossen. „Nach dem Motto zum einen Ohr rein, zum anderen raus“, schrieb mal ein Schüler von mir in einem Aufsatz, womit er natürlich die ausgeschlagene Mahnung meinte, aber ungewollt eine ulkige Stilblüte schuf, die ich nie vergessen werde. Dieses ungewollt Komische ist irgendwie typisch für Dienstag.

The Rolling Stones, Ruby Tuesday (1966/67)

Föppes, Pierro und ich – oder: Vakantie, vakantie – Treppe zur Selbstbestimmung

Gut 45 Jahre zurück, Föppes, Pierro und ich, wir stehen auf dem Bahnsteig unseres Dorfes und warten auf den Zug. Man erreicht den Bahnsteig durch einen hässlichen Tunnel. Dort sah ich damals mein bis heute liebstes Graffito. Rechts an der Wand der Bahnsteigtreppe, entlang der ersten Stufen, genau in Augenhöhe, stand in weißer Schrift auf grauem Putz: „Arbeiter, nutze deine Aufstiegschance!“
Über den Spruch des unbekannten kritischen Poeten kann ich heute noch lachen. Er trifft die Realität auf herzlich boshafte Weise, denn er ist zugleich Verhöhnung, bittere Einsicht und Aufforderung.

Es fühlt sich nicht gut an, wenn du Arbeiter bist und an einem grauen Morgen diesen Aufstieg nimmst. Unterm Arm hast du eine braune Ledertasche, und darin liegt kein Marschallstab, in deiner Tasche stehen ein Henkelmann und eine Thermosflasche. Oben stehst auch du, mitten unter anderen grauen Gestalten. Ihr verkriecht euch in eure Jacken und seid maulfaul. Denn was habt ihr schon zu sagen? Was ihr denkt, ist ohne Belang. Und hier an diesem frühen kalten Morgen, du warst noch schlafwarm als du aus dem Hause gegangen bist, da wird dir die Wärme entzogen, förmlich ausgesaugt vom Morgenwind. Da zeigt sich dir deine Ohnmacht in ihrer Gänze. Du bist verfügt, andere befinden über dich, und es sind viele: dein Geselle, dein Meister, der Betriebsleiter, der Geschäftsführer, die Gesellschafter und Kapitaleigner, Gewerkschaftler, Politiker. Nur den unteren Vertretern dieser Hierarchie, die sich vor dir auftürmt bis in die Wolken über deinem Kopf, nur den Geringsten von ihnen bist du je begegnet. Die weiter oben thronen kennen dich ebenfalls nicht. Wie sollten sie auch, du bist aus ihrer Sicht viel zu klein.

Du kannst dich mit deinem Los bescheiden. Dann wird das Graffito am Treppenaufgang mit den Jahren immer bitterer für dich. Falls du Chancen hattest, tatsächlich aufzusteigen, dann hast du sie übersehen. Du bist erst später darauf gekommen, was du hättest tun sollen mit deinem Leben. Jetzt hast du keine Wahl mehr, denn du steckst über und über in Zwängen. Das ist gruselig, aber zum Glück gewöhnt sich der Mensch an fast alles.

Wer genug Kraft in sich spürt, wer sich reckt und der Kälte auf dem Bahnsteig Widerstand leistet, der wird sich nach Chancen umsehen, gesellschaftlich aufzusteigen. Das ist dann so, als hätte man dir statt Thermoskanne und Henkelmann bleierne Buchbindergewichte in deine Arbeitertasche gelegt. Eventuell hast du einen langen Atem und kämpfst beharrlich. Dann werden sich auch Glücksfälle für dich ergeben. Je mehr du dich ausbreitest, desto leichter können sich die Umstände zu deinen Gunsten fügen. So schaffst du Platz für dich, und das ist gewiss besser als die tägliche Müh, sich trotz enger Zwänge zu bewegen.

Ach, ich bin ganz vom Thema abgekommen. Wir stehen auf dem Bahnsteig, Föppes, Pierro und ich, wir frieren nicht, denn es ist ein heller Sommermorgen, neun Uhr zehn. Gleich kommt unser Zug, der Nahschnellverkehrszug von Köln nach Roermond. Da werden wir umsteigen in den Zug nach Amsterdam. „Ben jullie op vakantie?“, werden uns einige Mädchen fragen. Und keiner von uns weiß, was „vakantie“ verflixt noch mal bedeutet. Pierro hat Ferien, Föppes und ich, wir haben drei Wochen Urlaub, da will man sich doch keinen Kopp über „vakantie“ machen. Auf dem Bahnsteig unseres Dorfes wissen wir natürlich noch nichts davon. Wir sind einfach nur guter Dinge, hampeln ein bisschen herum und lachen.

Da steht auch ein Alter, schon ausgemustert, und der wird langsam verdrießlich. Er quatscht uns rein und beschwert sich über die Jugend. Auf die „Hippies!”, schimpft er, auf “die Studentens” und auf uns „Gammlers!“ Zum Glück kommt sein Zug und nimmt ihn mit Richtung Köln. Er hat uns mit dem überflüssigen Plural-s ein herrliches Sprachspiel hinterlassen: „Arbeiters nutzt eure Aufstiegschancen!“ Machen wir bald. Aber zuerst besuchen wir „die Holländers“ und „besonders die Mädchens“. Da lernen wir, dass „vakantie“ „Ferien“ heißt und überhaupt, dass es Spaß macht, Niederländisch zu sprechen. „Der Esel kommt mir vor wie ein Pferd ins Holländische übersetzt“, sagt Lichtenberg. Vielleicht sah das Niederländische aus dem fernen Göttingen tatsächlich so aus. Für uns war die Sprache die Musik unserer Ferien. Und wir gaben uns redliche Mühe, sie nach Noten zu singen, wie sie von den Mädchen vorgesungen wurden.

Kapitaleigner, Finanzjongleure und Wirtschaftskriminelle haben sich im Olymp zu unsern Köpfen ganz nach oben gearbeitet. Ihr Gewicht drückt alles nieder. Das fühlen besonders stark die grauen Gestalten, frühmorgens auf den Bahnsteigen. Doch am stärksten fühlen es jene, die keinen guten Grund mehr haben, überhaupt noch aufzustehen. Alle sind die Opfer von „Bezitters“, „Kassiers“ und „Gangsters“. Diese Halbgötter, die den Himmel okkupiert haben, können sich wer weiß was dünken. In Wahrheit sind sie nur Ezeldrijvers, ins Holländische übersetzte Herrenreiter.

Föppes, Pierro und ich, wir hatten keine Ahnung davon, wie einfach es einmal sein würde, sich Bildung zu verschaffen, und zwar außerhalb von Schule und Hochschule. Wer sich heute bilden will, muss nicht mal verreisen, sondern verfügt über ein unerschöpfliches Angebot per Bibliothek und Internet. Denn es geht bei der Bildung nicht allein um berufliche Zwecke, sondern vor allem um Vakantie, Ferien von der Fremdbestimmung, also wesentlich darum, kein Esel mehr zu sein. Dem solcherart frei Gebildeten können die Diener der Herrschenden nicht mehr das Blaue vom Himmel erzählen. Man hat längst selbst nachgesehen und weiß, dass auch im Olymp mit Wasser gekocht wird. Und man hat erkannt, dass die Halbgötter sich schlimmer gebärden als eine Horde Barbaren und längst ihr Recht verwirkt haben, über das Leben der auf den Bahnsteigen zu bestimmen.

Unterhaltung am Wochenende: Außerdem trinken wir sowieso lieber Bier – Eine Geschichte aus alten Tagen

In den 90-er Jahren habe ich eine Reihe kleiner Erzählungen in mein Tagebuch geschrieben, die Theo-Geschichten hießen, weil in ihnen einer der Protagonisten jeweils Theo hieß, ein in meiner Jugend verbreiteter Vorname. Es waren aber immer verschiedene Personen gleichen Namens. Der Theo in dieser Geschichte war einer meiner besten Jugendfreunde. Die folgende Erzählung ist freilich bis auf die Rahmenbedingungen rein fiktiv. Die im Text genannte Genossenschaft befand sich in einem zweistöckigen Bürogebäude, das wie eine winzige Schachtel an ein gut 40 Meter hohes Hochsilo geklebt war.

Theo und ich bogen in die Einfahrt der Genossenschaft. Wir bestiegen eine Rampe über das stirnseitige Treppchen und betraten das Büro. Theo sagte: „Du öffnest die Tür, und bumm…“, er schlug mir die Faust vors Brustbein, „steht er da.“ Weiterlesen

Maulspitzen gilt nicht, gepfiffen muss sein – 3 Versuche

Eiche
Gestern am Nachmittag versuchten zwei Jungen die Eiche vor meinen Fenstern zu ersteigen. Als ich zum Einkaufen ging, hatten sie ein Seil über den untersten Ast geworfen, und derweil einer sicherte, versuchte der zweite, sich hochzuziehen. Später fand ich ihn zufrieden rittlings auf dem Ast sitzen. Schon vorher war mir ein Schwank eingefallen, den ich in einem gut 200 Jahre alten Buch bei Jacob Grimm gelesen hatte. Im Internet fand ich zwei Varianten der Geschichte, womit die Herkunft des folgenden Sprichworts erklärt wird: „Maulspitzen gilt nicht, gepfiffen muss sein.“ Weiterlesen