Vagabundierende Texte – Ethnologie des Alltags

Textvagabunden sind von mir so genannte launige, auch erotische Texte ohne Autorenkennzeichnung. In der Zeit vor dem Internet kursierten sie in getippter Form, später wurden sie als Fotokopien weitergegeben. Ich habe in den 1990-er Jahren solche Zeugnisse der Volkskultur gesammelt.

Das erste Beispiel eines vagabundierenden Textes habe ich in den 1960-er Jahren während meiner Schriftsetzerlehre gesehen. Der Juniorchef der Druckerei war unser Setzereileiter. Nachmittags hängte er seinen grauen Kittel an den Haken, zog ein Jackett an und begab sich auf Kundenbesuch, um neue Aufträge zu akquirieren. Die Gesellen machten sich dann über seinen Kittel her, denn in der Brusttasche klemmten hinter ein paar Papiermustern ein pornografisches Foto, und dahinter ein zusammengefaltetes DIN-A4-Blatt, worauf mit Schreibmaschine ein pornografischer Text geschrieben war. Es ging um die sexuellen Abenteuer einer Frau namens Rosi. Das Blatt war so oft geöffnet und wieder gefaltet worden, dass die Kanten schon Risse hatten. Solche Blätter waren immer Originale, denn wer sie weitergeben wollte, musste sie abtippen.

Das änderte sich, als der Fotokopierer in die Büros einzog. Es wurden natürlich nicht nur pornografische Texte kopiert und per Hand weitergegeben. In vielen Büros der Verwaltungen hingen launige Sprüche oder längere Texte an der Wand, an der Tür oder am Schwarzen Brett, mit denen man sich den Büroalltag versüßt. Inzwischen werden solche Texte auch per E-Mail, über Messenger wie WhatsApp, Telegram usw. weitergereicht und verbreiten sich im Internet, so beispielsweise die Typbeschreibung des Trabbis 601 S auf Sächsisch, die Geschichte vom Hund des Gewerkschafters [in den 1980-er Jahren am Schwarzen Brett unserer Schule gesehen] oder die Anleitung Wie man andere in den Wahnsinn treibt. Hier nun ein authentisches Beispiel in Papierform:

Eigentlich habe ich heute die Betriebsanleitung für meine Heizungsterme gesucht, bekam aber plötzlich Lust, selten geöffnete Schubladen aufzuziehen und deren Inhalt anzuschauen. Ich fand mancherley Interessantes, unter anderem einen Textvagabund. Diesen Textvagabund hat mir eine Schülerin aus der siebten Jahrgangsstufe gegeben. Er trägt die Datumsangabe 1980, wäre demnach mindestens 40 Jahre alt. Wie die umseitige Quellenangabe zeigt, bekam ich den Brief am 26.September 1994. Zu diesem Zeitpunkt kursierte der Brief bereits 14 Jahre. Möglicherweise ist er noch älter, war ursprünglich handschriftlich, wurde später getippt und wieder abgetippt und erst im Jahr 1980 fotokopiert. Mich faszinieren daran die verhaltene Komik und surrealen Elemente.
Viel Vergnügen beim Lesen.

    Nachtrag: Am Freitagabend in geselliger HaCK-Runde sprachen wir kurz über den vor einem Monat gestorbenen Komiker Fips Asmussen. Herr Putzig wusste noch etwas über Asmussens Witztechnik. Ich erinnerte mich gar nicht, fand aber bei Youtube einige Beiträge. Sein Witz, in Erzählhandlungen eingebettet, erinnert stark an den Witz des Briefes.

Forschungsreise (6) – Aachener Wasser und Datenschutz

Im völlig leeren Zug nach Rheydt erwischt mich die junge Zugbegleiterin zweimal mit herunter geschobener Mund-Nasen-Bedeckung und droht: „Beim nächsten Mal hole ich die Polizei!“
„Und was passiert dann?“
„Das kostet 25.000 Euro!“
Da werde ich wohl einen Kredit aufnehmen müssen. Die Überreaktion der Schaffnerin ist zu erklären, weil wir uns der besonders von Corona betroffenen Region Heinsberg nähern. Selber schuld, wird mancher denken. Wieso fährt einer auch ohne Not nach Rheydt? Ging nicht anders. Umsteigen in Rheydt ist die kürzeste Verbindung von Rommerskirchen-Eckum nach Aachen.

Wenigstens gibt es unterwegs etwas Kurioses zu sehen, ein hässliches gelettertes Graffito, dessen derbe Aussage noch durch die nicht minder derbe Orthographie unterstrichen wird. Einheit von Form und Inhalt. Der bedauerliche Sprühschriftverfall der Wandbeschriftung wirft jedenfalls ein bezeichnendes Licht auf die Region. Der Bützer soll uns trotzdem noch eine Weile erheitern, nicht zuletzt wegen der Darstellung eines schuldbewusst aus einem Gebüsch hervorlinsenden Mannes, der leider aus dieser Perspektive nicht gut zu sehen ist.

Foto: Susanne B.

Man könnte ja glauben, die Wendung „Alles rennet, rettet, flüchtet“ wäre von der legendären Donald-Duck-Übersetzerin Erika Fuchs, aber es war mal wieder Friedrich Schiller. Unser erster Abend in Aachen plagt uns mit einem heftigen Gewitter und Regen wie aus Eimern. Wir flüchten in die Wandelhalle des Elisenbrunnens. Das Wasser der 46 Grad heißen Kaiserquelle sprudelt aus zwei Löwenmäulern in Granitschalen. Einst kamen die gekrönten Häupter Europas her, um es zu trinken. Ihre Namen sind auf Steintafeln verweigt. Mir wurde einmal zugetragen, dass das Thermalwasser als Heilmittel gegen Syphilis galt. Demnach verrät die Tafel, wer davon befallen war. Heute warnt ein Schild: „Kein Trinkwasser.“ Wer trotzdem kostet, wird nicht mehr amtlich erfasst, schon aus Gründen des Datenschutzes.

Aachener Regen – Foto: JvdL


Die Bedeutung des Aachener Regens hat ultimativ der damalige Aachener Oberbürgermeister Jürgen Linden im Jahr 2008 kundgetan, als nämlich unsere geliebte Bundeskanzlin A. Merkel die begehrte Händlerkarte den begehrten Karlspreis an den Hals bekam. Derweil die illustre Gesellschaft geladener Ehrengäste auf die Bühne hinterm Rathaus trat, um sich bejubeln zu lassen, kam ein ordentlicher Guss von oben. Da gab der Aachener Oberbürgermeister Jürgen Linden ein Beispiel des Aachener Minderwertigkeitskomplexes und rief:

    „Ich kann Ihnen versichern, werte gekrönte Häupter, Staatspräsidenten, Wirtschaftskapitäne und geehelichte Büromiezen – äh – Kindermädchen, wenn es in Aachen regnet, dann ist es der schönste Regen überhaupt!“

Es war Hagel. Derweil sich die Köpfe staunend nach oben richteten in den durchaus heftig durchnässenden Hagelschauer, kam es beinah zu einem Eklat. Der spanische König Juan Carlos ließ dolmetschen, er wolle den besonderen Aachener Regen gern mit nach Spanien nehmen. Sogleich rückten aufmerksame Polizeikräfte zusammen, „Gruppe sechs hierher!“ wurde gerufen, und bald schloss Gruppe sechs den Kordon der Polizisten und Polizistinnen, und man sicherte Seit an Seit die Sperrgitter gegen die Begehrlichkeiten des spanischen Königs. Wasserdiebstahl ist ein beliebter Sport in Spanien.

Meine aufmerksame Begleiterin hat im Aachener Rathaus übrigens festgestellt, dass unter den 61 dort verewigten Karlspreisträgern nur fünf Frauen sind, wobei das Adverb „unter“ natürlich nicht wörtlich zu nehmen ist, da sei der schöne Hut der niederländischen Königin Königin Beatrix vor.

Forschungsreise (5) – Heimat im Tomatenglühen

Fritz, meine Begleiterin und ich stehen am Schulgebäude, wo meine Familie in den 1960-er Jahren zunächst die Dachwohnung, später auch die Lehrerwohnung auf der ersten Etage bewohnt hat. Mehr darüber findet sich in diesem Text. [Vorsicht, ist ein bisschen gruselig]. Fritzens [Name geändert] Elternhaus lag schräg gegenüber. Abends kam er gerne vorbei, setzte sich zu uns, sprach wenig und ging bald wieder. Indem wir gut 50 Jahre später vor dem Schulgebäude stehen, erinnere ich daran. Fritz weiß das kaum noch und erklärt, dass er sich damals wohl dessen gar nicht bewusst war. Vermutlich habe er als Einzelkind die Lebendigkeit einer größeren Familie genossen.

Wir fahren wieder zurück in den Ort, in die Straße, wo wir bei Fritz zu Gast sind. Unweit bin ich als Jugendlicher in der Nacht zum ersten Mai beschossen worden. In meiner Heimat ist diese Nacht eine Freinacht. Man darf dann allerhand Dinge, die man üblicherweise nicht darf, beispielsweise Fensterläden und Hoftüren aushängen und aufs Maifeuer legen und natürlich Maibäume setzen. Uns war gegen Morgen eingefallen, dass wir einem Mädchen in Rommerskirchen noch einen Maibaum setzen mussten. Fritz besaß damals einen VW-Käfer. Wir fuhren also im Morgengrauen nach Rommerskirchen. Dort versuchte ich im Vorgarten eines Hauses, ein Bäumchen zu besorgen. Der Baum war hartnäckig, ich bekam ihn nicht ab, da ich nur eine kleine Axt hatte. Da trat der Hausbesitzer im Schlafanzug auf den Balkon, in der Hand eine Flobert. Er legte wortlos sein Luftgewehr an und beschoss mich – aus heutiger Sicht mit einem gewissen Recht. Zum Glück hat er mich Flüchtenden in der Dämmerung nicht getroffen. Das Mädchen bekam dann leider keinen Maibaum. Das Setzen von Maibäumen ist ein altes Fruchtbarkeitsritual. Sie wird wohl kinderlos geblieben sein. (Foto oben: Susanne B.)

KW Neurath 2 vorne [Foto Wikipedia]
Das Land wir überragt von den neuen 172 Meter hohen Kühltürmen des Neurather Kraftwerks – oben auf der Hühnerberg heißenden Anhöhe. Dieses zweitgrößte Braunkohlekraftwerk Europas ist fast von überall her zu sehen, zumindest aber die Wolkenfahne aus den Kühltürmen. Wer gerne Kinder anlügt, könnte ihnen hier glaubhaft machen, dass mit diesen gewaltigen Maschinen unser Wetter gemacht wird. Je nach Wetterlage lässt der sorgsam auf Farb-Luft-Perspektive kalkulierte Anstrich die riesigen Kesselhäuser beinah mit dem Horizont verschmelzen. In Zeiten der massiven Kritik an der Braunkohleverstromung, macht der Betreiber RWE sich und seine Kraftwerkmonster lieber unsichtbar oder fördert nebenher ökologische Projekte. Unweit vom Kraftwerk liegen die Gewächshäuser der Neurather Gärtner.

Mit der Abwärme des Kraftwerks produziert man auf 16 Hektar jährlich 6000 Tonnen Tomaten für die Supermärkte der Region. Das Unvorstellbare einmal anschaulich gemacht, bitteschön: Der Mensch isst durchschnittlich 240 Kilogramm Tomaten jährlich, müsste also 525 Jahre leben, um 6000 Tonnen Tomaten mit einem Gewicht von je 200 Gramm zu verzehren. Aufeinandergestapelt reichen 6000 Tonnen Tomaten von hier bis zum Mond, wenn sie nicht unter ihrem Eigengewicht zu Mus werden. Dann schwappt der Tomatenbrei bis Timbuktu oder eben bis hier, falls Sie das hier in Timbuktu lesen. Noch stärker verzagt die Vorstellung vor den unmenschlichen Dimensionen des Braunkohleabbaus, was schon alleine ein guter Grund wäre, ihn ganz zu verbieten. Übrigens, im Hambacher Forst wurden von der Polizei wieder Baumhäuser geräumt. Sie hat ja sonst nichts zu tun.

Das geheimnisvolle Tomatenleuchten – Foto: Ulrike S.

Nachzutragen wäre das wundersame Tomatenleuchten, was angeblich vom Mond aus zu sehen war oder jedenfalls sogar bis Holland. Schuld waren Studenten einer Kölner Filmhochschule. Die wollten einfach ein bisschen Quatsch mit der Beleuchtung von Tomaten machen.

Forschungsreise Rheinland (4) – Am Gillbach

Fritz ist uns so weit wie möglich entgegen gefahren. Im Wolkenbruch geben meine Sneakers auf und lassen die Nässe durch, links und rechts, beide gleichzeitig. Ein Fall von Quantenmechanik? Vor nun 27 Jahren bin ich mit dem Rennrad hier gewesen und stand am Eingang des Hohlwegs, wo Fritz uns erwartet. Einmal im Sommer fuhr ich damals von Aachen die 85 Kilometer zur Zollfeste Zons am Rhein. Dazu wartete ich eine stabile Wetterlage mit Ostwind ab, damit ich bei der Heimfahrt Rückenwind hatte. Damals schrieb ich diese Notiz in mein Tagebuch, spekulierte auch, ob nach so langer Zeit noch ein Molekül aus der Vergangenheit von mir rumschwirrte, sammelte einen Holundertrieb auf, den ich unter Folie konservierte.

Ich habe im Sommer 1993 auch am Grab meiner Eltern gestanden. Nach so vielen Jahren ist es aufgehoben. Wo das Grab gewesen ist, zeigt der Friedhof heute eine Wiese. Ich bin betroffen, schelte mich, dass ich mich nie gekümmert und alles meinen Geschwistern überlassen habe. Im Zentrum des Dorfes fließt noch das künstliche Bächlein, das der Künstler Anatol Herzfeld gestaltet hat. Im Untergrund gurgelt der kräftige Gillbach, der einst Grenzbach zwischen den Dörfern Butzheim/Nettesheim war. Damals verband die Dörfer eine Brücke „Tollbrücke“ genannt, was gewiss „Zollbrücke“ bedeutet hat. Eventuell gehörten beide Dörfer einst verschiedenen Verwaltungsbezirken an, und es wurde Zoll erhoben.

Krankenhaus Maria-Hilf Nettesheim, gestiftet 1889, inzwischen abgerissen – von einer alten Ansichtskarte

Der Gillbach tritt erst weiter nördlich wieder ans Tageslicht. Gleich nebenan erhob sich früher das Nettesheimer Krankenhaus, in dem ich geboren bin. Meine Großmutter erzählte oftmals die Geschichte von einem verheerenden Hochwasser:

    Nach tagelangen Regenfällen hatte der Gillbach die ans Krankenhaus angrenzenden Wiesen überschwemmt. Nur ein kleine Insel ragte noch hervor. Darauf drängten sich die Kühe des Gutshofes von gegenüber. Die Kühe muhten gar jämmerlich, weil sie schon Tage nicht gemolken worden waren. Der Bauer hatte sie auf der Anhöhe im Stich gelassen. Im Nettesheimer Krankenhaus lag ein junger Mann, der gerade am Blinddarm operiert worden war. Er konnte in seinem Krankenbett das jammervolle Blöken nicht mehr mit anhören, stand auf, ging im Schlafanzug hinaus in den Regen, stieg in die Fluten und schwamm hinüber zu den Kühen. Dann führte er sie aufs Trockene. Der Gutsbesitzer soll ihn Tags darauf im Krankenhaus besucht haben und ihm mit einem Fünfmarkstück gedankt haben. Das wurde allgemein als schäbig angesehen.

Fortsetzung

Forschungsreise Rheinland (3) – Ein altes Heimatlied

Die Straße meiner Kindheit heißt jetzt Am Eichelberg. Die Umbenennung wurde nötig, weil mehrere Dörfer, auch das Doppeldorf Butzheim/Nettesheim zur Gemeinde Rommerskirchen zusammengefasst wurden. Einige Dörfer hatten eine „Bruchstraße“ gehabt. Fritz [Name geändert], mein Freund aus Kinder- und Jugendtagen fährt uns die Straße hoch zu der Stelle, wo sie in einen Hohlweg eintaucht. Er wird hier auf uns warten, denn der Hohlweg kann schon lange nicht mehr befahren werden. Die Natur ist dabei, ihn zurückzuerobern. Ich erinnere mich, dass einst die Gespanne der Bauern durch den Hohlweg schaukelten. Da war die Straße noch breit und festgefügt. Inzwischen ist die Bruchstraße sich selbst überlassen.

Die Bruchstraße ist ein langer Weg mit wechselnden Gesichtern. Sie beginnt an der Landstraße am Ortsrand und stößt genau nach Osten. In einem der Häuser nahe bei der Landstraße bin ich aufgewachsen. Am letzten Gehöft auf der linken Seite endete für mich der heimische Bereich. Es war Rufweite. Dahinter steigt die Straße leicht an, bis sie an der Wegkreuzung oben im Feld wieder abschüssig wird. Von dort konnte ich unser Haus noch sehen. Dann taucht die Straße zweimal in tiefe Gräben, deren Hänge dicht mit Holunder, Hasel und Brombeere bewachsen sind. Hier begann das kleine Abenteuer. Die Mutter eines Jungen hatte eine Trillerpfeife. Die konnten wir manchmal hören, und dann rannte er flugs nach Hause.

In den fernen Hohlweg trauten wir uns erst, als wir größer waren. Doch selten waren wir an seinem Ende, wo die Straße auf einem Damm ein altes Moor überquert, das im 19. Jahrhundert trocken gelegt wurde. Ein Kanal mit brackigem Wasser erinnert daran. Ein kurzes Stück durchzieht die Straße den schmalen Ausläufer eines alten Auwaldes. Er gehört zu einem verschwundenen Altarm des Rheins. Dann ein Gehöft. Wenige Meter hinter dessen Hauswiese stößt die Bruchstraße an ein Feld und ist einfach weg, als hätte man sie umgepflügt. Als Junge habe ich dort manchmal mit dem Fahrrad gestanden und bedauert, dass unsere Straße nach so vielen zielstrebigen Kilometern gen Osten ohne Sinn und Verstand ein sang- und klangloses Ende im Acker fand. Mir war, als wäre sie unter der Ackerkrume noch zu finden.

Da wusste ich nicht, dass ich auf einer alten Römerstraße stand. Dort wo ich zu Hause war, zweigte sie von der römischen Fernstraße ab, die von den südlichen Provinzen zur Nordsee führte. Die Bruchstraße war die Verbindung zu einem römischen Kastell am Rhein gewesen. Vielleicht rührte daher ihr seltsamer Zauber, den ich immer gespürt habe, und der wuchs, je weiter ich von zu Hause fort war. Dass es eine Heeresstraße war, erklärt auch ihr seltsames Ende. Nachdem der letzte römische Legionär durchgezogen war, hatten die Leute dort den Weg verlegt, und später untergepflügt. Sie hatten einfach das Tor geschlossen, wie es sich gehört, wenn der letzte Gast gegangen ist.

Was ich als Kind nicht wusste – Infotafel zum Vergrößern klicken – Foto Susanne B.

An den Hängen der Hohlwege steht der Mergel an, auch Löß genannt, wie die Informationstafel ausweist. Da und dort leuchtet er gelb zwischen Holunderbüschen, Brennnesseln und Brombeerranken. Im Mergel kann man prächtig graben und Höhlen ausschachten. Dachs und Fuchs hatten es uns vorgemacht. Doch wir schachteten rechteckige Kammern. Darin saßen wir und bewachten den Hohlweg. Pfeil und Bogen hielten wir bereit. Nur die ahnungslosen Legionäre in leichter Marschordnung kamen nicht.

Ich möchte meiner Begleiterin das Tal zeigen, das die beiden Hohlwege trennt. Ein alter Rheinarm hat es ausgeschwemmt, als der Rhein noch nicht gebändigt war. An seinen Ufern hatte eine Siedlung gelegen, die längst versunken ist und deren Namen niemand recht weiß. Nur Scherben pflügen die Bauern dort aus dem Boden.

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass dem erwachsenen Besucher die Straßen und Häuser der Kindheit klein vorkommen. Die Bruchstraße trotzt dem. Sie streckt und längt sich, dass wir eilen müssen, denn am Himmel hinter uns ballt sich eine tiefgraue Gewitterformation. Als wir das Tal erreichen, brennt uns die Sonne noch heiß in den Nacken, doch mit einem Mal ist die Formation über uns und verfinstert das Land. Wir erblicken das Tal und den fernen Einschnitt des zweiten Hohlwegs, da geht auch schon ein heftiger Schauer nieder. Meine Begleiterin ist eine geschwinde Geherin. Obwohl ich hinter ihr her jogge, bleibe ich bald zurück. Na, macht nichts, ist ja meine Bruchstraße und vertrauter Regen.

Fortsetzung

Forschungsreise Rheinland (2) – Bonner Geschichte

„Man glaubt es nicht“, sagt die Frau hinter mir, “wenn das alles stimmt, was in dem Buch steht, dann ist die ganze Politik eine einzige Korruption, bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht. Wenn da ein Staatsanwalt anfängt zu ermitteln, wird der sofort von seinem Fall abgezogen.“ (Entschuldigung, kleine Panne: Falscher Notizzettel. Die Worte hörte ich nicht im Bonner Haus der deutschen Geschichte, sondern irgendwann in einem Café. Und nochmals Pardon: Die Erklärung ist so ausführlich geraten, damit der Text so hoch ist wie das Kategoriebild, was natürlich nur auf einem Computerbildschirm passt, nicht auf Tablet oder Smartphone. Als Typograf ignoriere ich gern die Ortlosigkeit der digitalen Schrift.)

Obwohl wir natürlich nicht wissen, was da alles im ungenannten Buch enthüllt worden ist, Buch und Frau schon längst im Orkus des Vergessens verschwunden sind, geben ihre Worte auf dem falschen Notizzettel einen wichtigen Fingerzeig zur Beurteilung einer positivistischen Ausstellung, wie sie im Bonner „Haus der deutschen Geschichte“ präsentiert wird. Zu sehen ist die Oberfläche: der Salonwagen auf einem Abstellgleis, mit dem die Bundeskanzler von Adenauer bis Brand durch die Republik geschaukelt sind und natürlich ein schwarzes Bakelit-Telefon mit Wählscheibe zur Hand hatten.

Ich setze mich auch in eine enge Hinterbank des Bonner Plenarsaals, quetsche mir beim Hinsetzen den Oberschenkel und spüre genau, dass der sprichwörtliche Hinterbänkler ein hartes Los hatte, auch wenn er sich geschickter in die Bank gedrückt hat als ich. Wenigstens das sollte er gekonnt haben. Im Pult vor sich hatte er wie alle Abgeordnete vier Tasten für Abstimmungen, doch wie und warum abgestimmt wurde, von den Vorgängen hinter den Kulissen, der Kungelei in den Fraktionen, den inzwischen aktenkundigen Bestechungen wie etwa beim gescheiterten Misstrauensvotum gegen Willy Brandt, von den Einflüssen durch Lobbyisten auf politische Entscheidungen erfährt der staunende Betrachter nichts, wie uns ja auch heute nur die offizielle Lesart präsentiert wird und unsere Medien sich brav zu regierungsamtlichen Verlautbarungsorganen herabgestuft haben.

Trotzdem lohnt sich der Besuch, der Fülle von Artefakten wegen, die Auskunft geben darüber, was mal ganz nomales Leben war. Die Rückschau zeigt die Plastizität des Normalen, dass nämlich das scheinbar alltäglich Festgefügte im ständigen Wandel ist, der sich an den Ecken und Rändern vollzieht und deshalb kaum wahrgenommen wird. Es gehörten zu diesen versunkenen Zeiten andere Menschen. Noch in den 1980-er Jahren wollten sie sich nicht zählen lassen und hätten die medial gefeierte Corona-Tracking-App unserer fürsorglichen Bundesregierung in die Tonne getreten.

Nebenher: Wer sich über die Rechten und Neonazis in deutschen Parlamenten beunruhigt, die eine solche App hoffentlich nie in die Hände bekommen, damals saßen unsere Parlamente voller Altnazis. Mit Kurt Georg Kiesinger war sogar ein Blockwart der NSDAP Bundeskanzler, vom KZ-Bauten-Planer Heinrich Bundespräsident Lübke ganz zu schweigen. Dass die alten Nazis inzwischen glücklich verröchelt sind, beruhigt natürlich nicht wirklich, denn Seilschaften und Netzwerke sind beständiger als die Personen. Ehemalige Nazis saßen auch in den Redaktionen der Zeitungen.

In der Ausstellung halte ich die erste Ausgabe der Aachner Nachrichten in Händen. Sie hat vier Seiten. Aachen als westlichste deutsche Großstadt hatte mit den Aachener Nachrichten am 24. Januar 1945 das erste freie Publikationsorgan, lizensiert von den Allierten. Nach dem endgültigen Zusammenbruch des 3. Reiches schufen die westlichen Alliierten in ihrem Einflussbereich eine Presselandschaft, mit der sie ein Mindestmaß an Meinungsvielfalt sichern wollten, indem sie in den Städten und Regionen je eine rechtskonservative und eine linksliberale Zeitung ins Leben riefen. So wurde den von der Nazi-Propaganda geistig und moralisch paralysierten Deutschen eine Ahnung von Meinungsvielfalt beigebracht. Leider ist das Konzept in unserer Zeit durch Verlagsfusionen, Blatteinstellungen und Redaktionsnetzwerke verloren gegangen. Mehr zum Wesen und Unwesen unserer Medien bietet folgender Auszug aus meinem Buch Buchkultur im Abendrot:

Exkurs Medien von der frühen Bundesrepublik bis heute Weiterlesen

Forschungsreise Rheinland (1) – Pommes in Bonn

Niemand fährt nach Bonn, um Pommes Frites zu essen. Trotzdem befällt mich dort ein unbändiger Pommeshunger. Leider finden wir nur McDonalds, wo ein junger Mann, Typ „Hauptschulabschluss nicht geschafft“, in seinem Element ist. Er darf die Masken kontrollieren, Meldezettel ausgeben und Plätze zuweisen. Mit geschultem Blick erkennt er mein Befremden angesichts dreier Bestellbildschirme und befindet: „Ältere Herrschaften mögen ja nicht am Tuch-Screen bestellen. Sie dürfen durchgehen zur Bestelltheke.“ Anschließend weist er uns großzügig einen Platz „in der Spiele-Ecke“ zu, wo „ältere Herrschaften“ wohl am besten hinpassen. Die Spielgeräte sind vorsorglich gesperrt.

Seit wann es Fastfood gebe, will beim Abendessen unser junger Gastgeber wissen. Staunend erfahren die jungen Leute, dass es in der Republik tatsächlich mal eine Zeit ohne Fastfood gegeben hat. Ich erinnere mich, wie im Jahr 1961 erstmals von einer Pommes-Bude am Freibad unserer Kreisstadt geredet wurde. Damals hat sich mir unbefangenem Kind nicht erschlossen, was damit gewonnen wäre, Bratkartoffeln für unterwegs zu kaufen. Nach dem ersten Kauf war ich enttäuscht vom laffen Geschmack, der erst durch den Klacks Majonäse aufgehübscht wurde. Anfang der 1970-er Jahre tauchte in den Städten erstmals die Hamburger-Kette „Wimpy“ auf. Sie wurde aber bald von anderen Ketten mit besser konfektionierten Hamburgern verdrängt. Aus McDonalds verdrängt man offenbar das Verkaufspersonal. Kunden dürfen sich zukünftig mit frigiden Automaten herumschlagen. Trotzdem ein hoffnungsfroher Anfang. Dann müssen die nur noch Automaten bauen, die den Fastfood-Dreck unbeschadet fressen können.

Aachener Automatenschicksal: „cabot“ (kaputt) – Foto: JvdL – größer: Klicken

Dass auch Automaten ein Alterungsproblem haben, erfahren wir Tage später in Aachen. Die Bildschirme der Fahrschein-Automaten der Aachener Verkehrsbetriebe (ASEAG) sind allesamt tot. Wir halten das für eine der widersinnigen Corona-Schutz-Maßnahmen, wie ja auch am Vatertag nur Bollerwagen erlaubt waren, denen man das vierte Rad blockiert hat. Eine Frau in der ASEAG-Fahrkarten-Verkaufsstelle teilt uns mit, dass die Automaten schon vor Corona abgestellt worden sind:
„Die sind esu alt, dafür jibt et keine Ersatzteile mehr.“ Doch in Aachen sind wir noch lange nicht.
Fazit Bonn: Wäre ich König von Deutschland, würde ich im schönen Bonn residieren, nicht im überschätzten Berlin.

Fortsetzung

Die Malkunst der Virologen

„Haben Sie viele Coronafälle?“, frage ich meine Ärztin., die ich quasi routinemäßig aufgesucht hatte.
„Nein!“, sagt sie.
„Bei den geringen Fallzahlen in Hannover ist es wohl wahrscheinlicher von einem Auto überfahren zu werden“, ergänze ich. Das findet sie auch und sagt, dass sie diesem Coronagedöns [mein Wort] kritisch gegenüber stehe. Sie halte sich natürlich an die Vorgaben, was ich bestätigen kann. So setzt sie sich eine Maske auf, bevor sie mein Herz abhört, aber sagt: „Im letzten Jahr hatten wir 20.000 Grippetote. Da krähte kein Hahn nach.“ Ein Aushang an der Tür besagt, dass nur eine Maske tragen solle, wer eine Atemwegserkrankung habe. Bei anderen bestünde keine Evidenz des Nutzens. Ich bin zweimal beruhigt, einmal eine Meinung aus der ärztlichen Praxis zu hören, die meine Ansichten bestätigt, und zum anderen, weil mein Herz brav geklopft hat.

Die Praxishelferinnen tragen zur Tastaturbenutzung Latexhandschuhe. Ich sehe bei der einen schweißfeuchte Stellen in den Handschuhen, der Nährboden für Bakterien. Arme Frau. Warum sind die Schutzmaßnahmen so disfunktional? Denkt da keiner richtig nach? Sind denn alle einem kollektiven Irrsinn verfallen? Wenn man böse Drahtzieher wie dem James-Bond-Film entsprungen ausschließt, bleibt nur dieser Schluss. Unsere Entscheidungsträger sind Opfer der von ihnen selbst geschürten Panik, haben den Teufel an die Wand gemalt und erschrecken jedes Mal, wenn sie seiner ansichtig werden. Freilich lassen sie ab und zu einen Virologen mit dem Farbtopf ran, damit die Darstellung nicht verblasst. Und die Kerle können nicht mal gut malen. Zum Erschrecken reicht wohl deren schlichte Maumännchen-Kunst.

Ein Spaziergang führte uns über einen recht breiten Weg an einem Waldrand entlang. Auf der anderen Seite war ein Graben. Vor uns hielten zwei Radfahrer am Wegesrand. Das ältere Paar betrachtete uns ängstlich und wäre wohl lieber in den Graben gefallen als unsere Nähe zu ertragen. Soziale Distanz kann auch gefährlich sein.

Fragen eines mündigen Bürgers

„Bisweilen übliche Übertreibungen und Zuspitzungen“ hat mir eine Kommentatorin attestiert, und ich will mich diesbezüglich zurückhalten, nichts behaupten oder interpretieren, sondern darlegen, was in mir denkt und fragen. Was geschieht derzeit mit uns? Wohin driftet unsere Gesellschaft? Mit welchem Recht stellen sich gewählte Politiker über unsere Verfassung? Warum ist unser Grundgesetz nicht mehr Richtschnur des politischen Handelns, sondern der Rat von wenigen Virologen? Wieso werden uns Maßnahmen zur Coronabekämpfung auferlegt, obwohl die Zahlen der Erkrankungen das nicht hergeben? Wozu die Panikmache in unseren Medien? Wieso verspielen Politik und Medien leichtfertig ihre Glaubwürdigkeit? Als vor Wochen die Bedrohung durch das Coronavirus festgestellt wurde, als uns Bilder von der Situation in Italien erreichten, mag es sein, dass unsere politische Entscheidungsträger erschrocken waren. Man hatte unser Gesundheitssystem privatisiert und dem Profitstreben von Kapitaleignern ausgeliefert, hatte auf Rat der Bertelsmannstiftung „unrentable“ Krankenhäuser geschlossen, wusste um den Pflegenotstand in der Altenpflege. Die Angst, dass ihnen das alles auf die Füße fallen würde, muss groß gewesen sein. Zwar wurde Gesundheitsminister Jens Spahn noch am 27. Januar vom ZDF zitiert mit: „Wir sind gut vorbereitet“, doch war das vermutlich ein Pfeifen im dunklen Wald. Denn vorbereitet war man nicht, obwohl das RKI schon im Jahr 2012 vor einer drohenden Pandemie und vor Versorgungsengpässen bei Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung gewarnt hatte.

Die nun folgende Überreaktion brachte eine unfassbare Brutalität von Maßnahmen. Darüber habe ich bereits hier geschrieben. Noch heute staune ich, wie irrational das alles ist. Man hört auf Virologen, die sich überwiegend mit Partikeln beschäftigen, virale Tröpfchen zählen und deren Verbreitung in der Atemluft erforschen und bei dieser perspektivischen Verengung keinen Blick haben für das, was gesamtgesellschaftlich geschieht. Wenn es um den gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung geht, wieso setzt man Kinder, Familien und Alte einer unfassbaren psychischen Belastung aus? Wieso lässt man zu, dass Menschen krank werden, weil sie massive Existenzängste haben? Wieso predigt man soziale Distanz, appelliert aber gleichzeitig an Zusammenhalt? Was soll die Maskierung, dass man seinen Mitmenschen nicht mehr ins Gesicht sehen kann?

Ein persönliches Wort: Ich gehöre per Definition zur Risikogruppe, mit einer Vorerkrankung des Herz-Kreislaufsystems. Wenn ich beim Einkauf eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen muss, bekomme ich Atemnot. Seit Wochen stolpert mein Herzschlag. Ich müsste zum Arzt gehen, um mir ein Attest zu holen, dass ich von der Maskenpflicht befreit werde. Wie soll das praktisch gehen? Muss ich beim Betreten eines Geschäfts mit dem Attest wedeln? Und soll ich misstrauischen MitbürgerInnen auf die Nase binden, dass ich vom Tragen einer Maske befreit bin, weil … Das geht doch niemanden was an. Das alles wegen einer Maßnahme, deren Sinn höchst umstritten, in meinem und in vielen Fällen sogar schädlich ist?

Selbstdiagnose rettet den Jasper nicht.
Text: Bitte Bild klicken!

Ich stelle nur Fragen, damit ich nicht in den Ruch komme, Verschwörungstheoretiker zu sein. Aber auch wer fragt oder sich rein sachlich mit Statistiken und der berühmten R-Zahl beschäftigt, wird sogleich mit Aluhutträgern und Rechtsextremen in einen Sack gesteckt. Wer nicht glaubt, ist Ketzer und wird ins Glied zurückgetreten.Woher kommt der rüde Ton gegenüber Andersdenkenden, für die FAZ-Geistesgröße Jasper von Altenbockum ein beschämendes Beispiel gibt? Wenn schon unsere verfassungsmäßigen Rechte außer Kraft gesetzt sind, muss doch eine Diskussion dessen erlaubt sein. Vor Tagen hatte ich bereits über das kollektive Versagen der TV-Satiriker, Welke, Puffpaff, Ehring geschrieben. Bislang war auf die Verlass, wenn unsere Leitmedien ihre Kontrollfunktion nicht mehr wahrnehmen, sondern zu regierungsamtlichen Verlautbarungsorganen verkommen. Der Kabarettist Matthias Richling muss von diesem Vorwurf ausgenommen werden, wie ich hier gelesen habe.

Wie wäre es mit einer zweiten Meinung, wie sie bei ärztlichem Rat immer angezeigt ist?

Wer sich die aktuellen Zahlen anschauen möchte:

Als die Glocken nach Rom geflogen waren

Wie die Glocken nach Rom geflogen sind, habe ich nicht gesehen, obwohl meine Mutter meinen Blick in den bewölkten Himmel gelenkt hatte. „Da!“, sie hätte die Glocken gesehen, sagte sie. Weil ich aber Wange an Wange mit ihr nach oben geschaut hatte, glaubte ich kaum, dass die Glocken auf dem Weg nach Rom über unser Haus geflogen waren. Dass die Glocken in Rom wären, um beim Papst Milchbrei zu essen, so wurde bei uns auf dem Dorf erklärt, warum die Glocken von Gründonnerstag bis zum Ostersonntag schwiegen. Stattdessen zogen die Messdiener dreimal am Tag mit Rasseln durchs Dorf.

Mein fünf Jahre älterer Bruder war Messdiener. An diesem Karfreitagmorgen durfte ich an seiner Statt mit dem Fahrrad unsere Straße hochfahren und die Rassel schwingen. Es hatte gerade geregnet. Ein milder Frühlingsregen war das gewesen. Die Natur hatte ihn bereitwillig aufgesogen. Ich erinnere mich an den erdigen Duft, der von der Straße aufstieg. Sie war zu dieser Zeit noch nicht asphaltiert und von den Regentropfen feucht gesprenkelt. Ich wusste, dass meine Aufgabe wichtig war und schwang die Rassel voller Inbrunst. Aus heutiger Sicht nichts Besonderes, doch für mich im Alter von fünf Jahren ein kleines Hochamt.

Aus meinem Tagebuch vom März 1997

(Der Beitrag ist eine Wiederveröffentlichung vom 25. März 2016)