Die Arbeit der Paläographen (2) – Über schreibenlernen

Der Paläograph Wilhelm Wattenbach gibt Auskunft über das Schreibenlernen in der Antike und im Mittelalter (Das Schriftwesen im Mittelalter, Leipzig 1871). Aus Bequemlichkeit zeige ich nur die Scans meiner Karteikarten mit handschriftliche Notizen und Übersetzungen der lateinischen Passagen durch meinen Freund und Kollegen Wolfgang B. Hier Berichte über das Schreibenlernen durch das Nachfahren von Spuren in Wachstafeln (in der Antike) und das Führen der Hand:



Es geht aber auch einfacher. Der Überlieferung nach lernte der Hl. Columban (* 521/522, † 597) Lesen und Schreiben, indem er einen Alphabetkuchen aß.

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Teestübchen Wissen – Die Arbeit der Paläographen (1)

Kollege Der Emil hat in seinem Blog über mittelalterliche Kopisten geschrieben und die Frage aufgeworfen, wie lange sie wohl an einem Buch geschrieben haben. Die Wissenschaft, die unter anderem solche Frage beantwortet, heißt Paläografie (Handschriftenkunde). Ihr verdanken wir auch eine Vorstellung von der Entwicklung unserer Schrift, wie ich sie rechts exklusiv fürs Teestübchen in einem Stammbaum aufgezeigt habe (größer: Klicken), beginnend bei der römischen Antike, der Capitalis Monumentalis, einer gemeißelten Schrift aus dem 2. Jahrhundert. Paläographen wie Wilhelm Wattenbach oder Bernhard Bischoff haben durch Sichtung alter Dokumente und Bücher die wesentlichen Formmerkmale unserer Schrift festgehalten und kategorisiert. Das machte möglich, Schriftstücke zeitlich und räumlich zuzuordnen, was unerlässliche Hilfe war bei der Überprüfung alter Urkunden. Als nur wenige des Schreibens mächtig waren, konnte man Urkunden leicht fälschen. Der Historiker Horst Fuhrmann nennt das Mittelalter „Zeit der Fälschungen“. Die Wissenschaft der Paläographie verdankt ihr Entstehen den unzähligen gefälschten Urkunden. Als man erkannt hatte, dass Rechtstitel und Privilegien in großer Zahl auf Fälschungen zurückgingen, wuchs der Wunsch nach Beurteilungskriterien, nach denen Fälschungen erkannt werden konnten. Die „Konstantinische Schenkung“, die dem Bischof von Rom auf ewig die päpstliche Vormachtstellung über die katholische Kirche einräumt, ist eine solche Fälschung. Sie wurde Mitte des 15. Jahrhunderts schon entdeckt. An ihr ist auch zu sehen, dass derlei Fälschungen Fakten schaffen, die nicht mehr zurückgenommen werden können und sich deshalb vom Postfaktischen zum Faktischen wandeln. Von der Paläographie wissen wir auch einiges über das Wirken mittelalterlicher Schreiber, so von Othlo einem St. Emmeramer Mönch des 11. Jahrhunderts. Er hatte sich als Schulknabe in Tegernsee zuerst ohne Lehrer im Schreiben versucht und berichtet:
Darum geschah es mir, dass ich mich daran gewöhnte, die Feder beim Schreiben in unrichtigem Gebrauch festzuhalten, und auch später konnte ich von keinem Lehrenden darin berichtigt werden. Denn ein allzu großer Gebrauch hinderte mich, es zu verbessern. Viele Leute, die das sahen, glaubten, dass ich niemals würde gut schreiben können.)

Die Leute täuschten sich jedoch, indem Othlo bald großen Ruhm als Schönschreiber gewann. (abgeschrieben von mir, übersetzt von Freund Wolfgang B., einem Kollegen Lateinlehrer). Preisfrage: Welche Schrift wird Othlo geschrieben haben?
Auch über das Schreibtempo ist einiges bekannt. Da ich mir vorgenommen habe, wieder mehr Handschrift zu üben, habe ich etwas dazu abgeschrieben (Zwischen dem Dokument oben und diesem liegen 25 Jahre. Jetzt zeigt sich für mich dramatisch die mangelnde Übung, wenn auch Schrift und Schreibwerkzeug anders sind. (Oben kursiv nach Alfred Fairbank, mit der Wechselzugfeder geschrieben, rechts Füller mit Gleichzugfeder und freie Groteskschrift).
(Zum Vergrößern klicken)

Teestübchen Wissen – Was ist ein Linienspender?

Was ist ein Linienspender? Er sei umgefallen, hieß es im Text „Die Frau auf der Treppe.“ Tags zuvor hatte ich das Teil in meiner Schublade mit grafischen Utensilien und Gerätschaften gefunden. Es hatte dort wohl seit 1980 gelegen, also 38 Jahre. Ich kenne Leute, die jünger sind. Wie das Teil hieß, versuchte ich zu recherchieren. Weil ich nicht fündig wurde, nannte ich es Linienspender. Die Firma Letraset, die einst neben Anreibschriften solche Linien von der Rolle vertrieben hat, existiert nicht mehr als eigenständiges Unternehmen. Mit Letraset begann in Deutschland in den 1970-er Jahren die Demokratisierung der Druckschriften. Bis dahin waren sie Eigentum der Bleigießereien gewesen und standen nur den Druckereien zur Verfügung. Die Idee, sie allgemein zugänglich zu machen, stammt vom US-Grafik-Designer Herb Lubalin, über den ich bereits hier geschrieben habe.

Leider besitze ich auch keinen Letrasetkatalog aus der Blütezeit der Letrasetschriften mehr. Da ich mein Studium mit grafischen und typografischen Arbeiten finanziert habe, war ich bestrebt, jährlich den neuen Letrasetkatalog zu bekommen, weil ich immer auf der Suche nach neuen Schriften und typografischen Gestaltungsideen war. Die Google-Bildersuche eröffnet einen Überblick über die längst versunkene Technologie. (Alle Bilder im Text lassen sich durch Klicken vergrößern.)

Ich weiß noch genau, wo ich diese gewellte Linie damals verwendet habe, nämlich in der niederländischsprachigen Märzausgabe der belgischen Monatszeitschrift „Disc-Jockey“, mit dem mir peinlichen Schreibfehler „mar“ statt „maar“ auf der von mir gezeichneten und gestalteten Titelseite. Man sieht, dass die Anschlüsse an den Ecken des Kastens ein bisschen schwierig waren. Das ganze war noch echtes Handwerk, weil die Druckseiten auf Papier montiert wurden. Etwa zehn Jahre später war auch diese Technologie der Satzherstellung vom Desktop-Publishing per Computer abgelöst. Ich habe also zweimal erlebt, dass meine Kenntnisse und Fertigkeiten überflüssig wurden, einmal beim Bleisatz und einmal bei der Papiermontage.

Zum Abschluss der Teestübchen Briefaktion

Mit dem Internet und dem Medium Blog bekam der Mensch die Gelegenheit, seiner real fassbaren analogen Identität eine imaginäre digitale Identität hinzuzufügen und mit ebensolchen Identitäten zu kommunizieren. Welche Gemeinsamkeiten analoge und digitale Identität haben, also welche der digitalen Merkmale auf die analoge Identität verweisen, ihnen sogar real entsprechen, lässt sich von außen nicht beurteilen. Theoretisch kann eine Frau sich als Mann ausgeben oder umgekehrt, oder ein Mann kann sich eine zweite Identität als Frau schaffen und mit ihr in einen Dialog eintreten, wie es in diesem Blog mit Trithemius und Frau Nettesheim geschieht. Da das Medium der Kommunikation die aus der analogen Welt stammende Schriftsprache ist, kommt digitaler Kommunikation eine gewisse Form der Glaubwürdigkeit zu. Gleich einer Theaterbühne wird in den verschiedenen Blogs ein Stück aufgeführt, dessen Autor und Dramaturg die oder der jeweilige Blogbetreiberin/Blogbetreiber ist. Wie ein Theaterpublikum akzeptieren die lesenden Zuschauer das So-tun-als-ob, reagieren darauf mit ihrem realen analogen Verstand und ihrem Gefühl und äußern sich fernschriftlich dazu, treten ggf. in einen zeitnahen Dialog mit dem Stück und der Person dahinter ein. Da sie selbst als imaginäre Individuen agieren, kann sich jeder Austausch auf dieses imaginäre So-tun-als-ob reduzieren.

Das Unterscheidende mithin Trennende zwischen digitaler und analoger Welt, die damit verbundene Anonymität der handelnden Personen aufzuheben, ist ein Schritt, der vom Medium weder gefordert noch begünstigt wird. Trotzdem habe ich in 13 Jahren Bloggen immer wieder den realen Kontakt in der analogen Welt zwar nicht unbedingt gesucht, doch gebilligt. Nach meiner Zählung habe ich in dieser Zeit 21 Bloggerinnen und Blogger real getroffen, woraus sich unterschiedlich intensive Kontakte in der analogen Welt ergaben, zum Teil auch wieder verloren gingen, denn ein Wesen der digitalen Fernkommunikation ist die räumliche und zeitliche Trennung der Akteure.

Fernkommunikation ist auch in der analogen Welt möglich, durch Fernsprecheinrichtungen oder durch Briefpost. Mit den realen Personen hinter den digitalen Existenzen in brieflichen Kontakt zu treten, also „einen kleinen Spalt in der Mauer der digitalen Welt“ zu öffnen, „durch den man einen Blick von den mitbloggenden Personen aus Fleisch und Blut erhaschen konnte“, wie Blogfreund Lo es ausdrückte, war neben dem gestalterischen Aspekt Ziel und Ergebnis der Teestübchen-Briefaktion. Es haben sich fünf Bloggerinnen und ein Blogger beteiligt. Die Ergebnisse sind sehenswert und unter dem Link nochmals zu betrachten.

Lo
Feldlilie
Frauhemingistunterwegs
Lamamma
Karfunkelfee
Socopuk

Bleibt noch mein Part. Da Lo und Lamamma jeweils Porto (4,80 und 5 Euro) gespendet haben, will ich anders als ursprünglich vorgesehen, weitere Ansichtskarten herstellen lassen und jedem/jeder TeilnehmerIn ein Ansichtskartenset von vier Karten brieflich zusenden. Ich bitte euch, aus den 12 folgenden Karten vier auszuwählen (auch identische möglich). Die Karten zeigen Zeichnungen, Collagen und Kalligraphien von mir. (Das Cartoon von Karte 10 war übrigens in Titanic 1/1996 abgedruckt.) Ich werde nur die produzieren lassen, die gewählt wurden.


Teestübchen Briefaktion (6) – Annas Karten

Um 5 Uhr bin ich wach. Es ist noch dunkel. Weil Sonntag ist, kann ich das Fenster öffnen. Selbst auf dem nahen Westschnellweg wird jetzt noch nichts los sein. Es ist still, und ich wundere mich. Um fünf Uhr darf man doch schon Vogelgesang erwarten? Als ich noch in Aachen in unserem Haus lebte, hatten meine Kinder sogar eine Vogeluhr. Auf ihr konnte man ablesen, wie spät es ist. Unsere heimische Singvogelwelt verteilt sich mit dem Aufwachen auf einen Zeitraum von etwa zwei Stunden. Wenn im Mai der Buchfink tschilpt, ist es fünf Uhr. Weil mich eine selbstauferlegte Pflicht rief und ich eigentlich aufstehen wollte, fand ich nicht mehr richtig in den Schlaf, sondern wühlte Halbschlafgedanken ins Kissen, ob etwa die welschen Feinschmecker unsere schöne Vogeluhr weggeputzt haben. In diesem Kontext kriegt das Wort „Feinschmecker“ etwas von schmatzenden Idioten. Andererseits, welche Rechte hat ein Singvogel dem Huhn voraus? Darf das Huhn sich am Bratspieß drehen, weil es nicht schön genug singt? Letztlich muss ich darüber eingeschlafen sein, und der Text, den ich mir bis ins Kleinste überlegt hatte, war um 8 Uhr im Kopfkissen nicht aufzufinden.

So ist mir leider entfallen, was Singvögel und die Vogeluhr mit den Einsendungen von Anna socopuk zu tun haben. Als vor einigen Wochen eine collagierte Ansichtskarte in meinem Briefkasten lehnte, war mir klar, dass es die erste von mehreren sein sollte. Die Collage zeigt im Untergrund zwei Streifen aus kariertem Papier, worauf mit Siena einige Antiquabuchstaben kalligrafiert sind. Darüber klebt ein blauer Zettel mit meiner Anschrift in Schreibmaschinenschrift, darüber mit Überlappungen am unteren Rand ein Ausschnitt der fotografischen Abbildung einer Schreibmaschine. Zu sehen ist der sorgfältig ausgeschnittene Bügel, der den Anschlag des nächsten Buchstabenhebels anzeigt. Der Wagen scheint bis hinter den letzten Buchstaben von Hannover vorgerückt zu sein. Zum linken Bildrand erstreckt sich eine Abbildung von Bleilettern in einem Steckkasten, ausgeschnitten in Form einer länglichen Blase, am oberen Bildrand der Ausschnitt einer Schulter mit einigen aufliegenden Fingern, verkehrt herum aufgeklebt. Die gesamte Collage wirkt wie ein Bilderrätsel, dessen Thema eindeutig Sprache, Schrift und Schreiben ist.

Ein Absender schien zu fehlen. Aber ich erkannte die Handschrift sofort und vergewisserte mich noch beim Video, das Anna socopuk im Rahmen des Handschriftseminars erstellt und veröffentlicht hat. Tag für Tag trudelten weitere Karten ein. Nur die letzte von sechs brauchte etwas länger, so dass wir uns per Mail sorgten, sie könnte verlorengegangen sein. Ist sie aber nicht, und so konnte ich das Bild vervollständigen. In einer Mail schrieb Anna auch: „Außerdem fand ich es eine witzige Vorstellung, dass du von Anfang an meine Adresse & das Rückporto hast, aber es nicht weißt.“ Ein Zettelchen mit ihrer Adresse und der Briefmarke war nämlich unter der oben erwähnten Schreibmaschine versteckt. Puh, manche Frauen lieben es rätselhaft.

Wenn alle Karten richtig zusammengelegt sind (beim Scannen sind leider einige etwas verrutscht, weil ich die Karten nicht zusammenkleben wollte), erklärt sich einiges. Zu sehen ist das beschnittene Foto einer Frau im Halbprofil von hinten, der ein Scankode auf die Schulter tätowiert wird. Die auf der Schulter aufliegenden Finger gehören dem Tätowierer. Das blasenförmige Element der ersten Karte ist eine Sprechblase. Alle Karten tragen blaue Zettel mit meiner Adresse, jedesmal in einer anderen Schrifttype. Unten rechts trägt der Zettel meine Druckschrift (von einem Gestaltungsbeispiel), mit einem ins Bild ragenden roten Fineliner nachgeschrieben. Zentral ist ein Zitat von vermutlich Gerhard Roth zu lesen, der Name klebt jedenfalls gestürzt neben dem sorgfältig ausgeschnittenen Foto einer lesenden Frau. Diese Frau sitzt auf einer fett umrandeten Adresse. Das Zitat ist scheints von einer seltsam geformten Schreibfeder geschrieben, deren Halter in eigenwillige grafische Formen ausläuft. Ich hoffe, alle wesentlichen Bildelemente beachtet zu haben. Vielleicht verbirgt sich noch irgendwo eine Anspielung, aber ich sehe sie nicht.

Auf den Rückseiten schreibt Anna von und mit ihrer Glasfeder. Wie hübsch! Noch nie zuvor hat mir jemand mit einer Glasfeder geschrieben! Weiterhin reflektiert sie über die Vorzüge der Handschrift. Rechts unten verrät eine Bleistiftnotiz, dass ihre Anschrift und das Rückporto auf der ersten Karte unter der Schreibmaschine versteckt sind. Alles in allem bin ich sehr angetan von dieser aufwändigen sechsteiligen Einsendung. Sie ist komplex, sorgsam bedacht, entschieden konzeptionell und grafisch ansprechend ausgeführt.

Liebe Anna, herzlichen Dank für diese beeindruckene Einsendung, wert an einem Sonntag präsentiert zu werden!

Teestübchen Briefaktion (5) – Eine Fee trifft Fairbank

Was war heute vor 25 Jahren? Die Aachener Zeitung meldete: „Beim offiziellen Schießen der Kgl. Sankt-Johannes-Enthauptung-Bogenschützen-Gesellschaft Eupen-Nisbert wurde Hermann Schumacher Osterkönig.“ Im Tagebuch fragte ich mich, ob man die nicht kürzen könnte, – um einen Kopf vielleicht? Was war noch? In der Schule sagte mein Direktor: „Die neuen Richtlinien sind Zucker! Der Lehrer darf nur noch von seinen Schülern verlangen, was sie durch seine Förderung erreichen können.“ Schöne Idee. Bis vor kurzem hatten wir Deutschlehrer noch Noten für Handschrift vergeben müssen, ohne dass wir laut Richtlinien auch nur eine Unterrichtsstunde auf das Thema hätten verwenden dürfen. Die Handschriftnote ist glücklicherweise abgeschafft worden. Aber dass sich die weiterführenden Schulen bis auf Benotung nie mit dem Thema Handschrift befasst haben, ist ein Manko, unter dem viele Schreiberinnen und Schreiber noch heute leiden.

Im Verlauf des Seminars Theorie und Praxis der Handschrift erfuhr ich von der lieben Kollegin Karfunkelfee, wie unglücklich sie mit ihrer Handschrift war. Sie hatte die Lateinische Ausgangsschrift (LA) gelernt und als Linkshänderin auf rechtshändiges Schreiben umstellen müssen, trug also eine doppelte Hypothek. Schon als Rechtshänder LA schreiben zu müssen, hatte mich derart unzufrieden mit meiner Handschrift gemacht, dass ich mich später ausgiebig mit Alternativen beschäftigen musste, um das Manko auszugleichen. Im Jahr 1993 war ich auf Alfred Fairbanks schöne Schulausgangsschrift gestoßen und hatte sie geübt, wie die folgenden Tagebuchaufzeichnungen zeigen.


Dass ich 25 Jahre später eine Frau im fernen Teutoburger Wald mit der Fairbank-Schriftvorlage glücklich machen würde, ist ein Nachhall, der mich ungemein freut. Dass es mir sogar aus der digitalen Distanz des Internets gelang, ist hauptsächlich der wunderbaren Anleitung Fairbanks zu danken. Aus dem Teutoburger Wald erreichte mich Karfunkelfees farbenfroher Brief, auf Vor- und Rückseite gestaltet. (Größer: Bitte klicken!)

Das zentrale Bildmotiv der Vorseite ist die Farbstiftzeichnung eines Apfels, an den Rändern noch Zartgrün, über Gelb und Orange zur Mitte hin errötend. Begrenzt ist er von einer grünen Linie, aus der einige Schnörkel erwachsen. Sie zeigt unmissverständlich an, dass es um die im Apfel platzierte Adresse geht, damit sich die Post nicht von anderen Bildelementen und Beschriftungen ablenken lässt und am Ende vergeblich nach dem „Elefantenvogel“, nach „Marilyn Monroe“, oder einem „Mann in Gedanken“, sucht, der eine „Plume“ im Sinn hat. Der linke Rand des Briefes trägt eine farbige Schmuckleiste, die sich ein wenig noch auf den oberen Rand erstreckt. Vor der assoziativen farbenfrohen Gestaltung hat aber der Postcomputer kapituliert und glatt das Stempeln der Briefmarke verweigert. Auf der Rückseite sehen wir ein „Selbstportrait betiteltes Gesicht, also zwei weit auseinanderdriftende grüne Augen, die Nase der Umschlagsklappe ist durch ein liegendes Blatt markiert am unteren Bildrand findet sich der rote geschlossene Mund. Links davon ein „Elvis“ getiteltes Strichmännchen, rechts das Gegenstück zum „Elefantenvogel“ der Vorderseite, nämlich der „Vogelelefant.“ Alles ist mit Tusche gezeichnet und mit Buntstift coloriert. Ein Schüler bat mich einmal im Kunstunterricht um die Erweiterung der Gestaltungsaufgabe. Er wolle nämlich seine „Phantasie ein wenig hüpfen lassen.“ So wirkt die gesamte Gestaltung auf mich, wie das Ergebnis einer hüpfenden Phantasie. Wer die Texte von Karfunkelfee oder ihre Kommentare im Teestübchen kennt, findet genug verbale Entsprechungen.

Der Umschlag enthielt einen kalligrafischen Brief, in dem sie ihre Freude über die Fairbank-Schriftvorlage betont. Weil sie jetzt wieder mit Links schreibt, haben die Buchstaben keine Rechtsneigung, sondern stehen aufrecht, was ihnen eine gewisse Feierlichkeit verleiht. Das wird noch verstärkt durch die Betonung der Ober- und Unterlängen. Obwohl der gesamte Text viel Regelmaß aufweist, bekommt Fairbanks schöne Ausgangsschrift in Karfunkelfees neu gelernter Handschrift ihre individuelle Ausprägung. Kompliment!

Liebe Stefanie, herzlichen Dank für deinen Brief und deine positive Bewertung des Handschriftenseminars!