Doodeln ohne Draht – Ein Mitmachprojekt gegen das Verschwinden einer Kulturtechnik

zeichne-mal-wiederFrüher habe ich zum Telefonieren am Schreibtisch gesessen, weil die Telefonschnur mich quasi an den Schreibtisch fesselte. Bei längeren Gesprächen habe ich oft gekritzelt, und wenn ich mit einer Frau telefonierte, dann wurde das Blatt voll, denn Frauen telefonieren offenbar lieber und länger als ich. Dieses Kritzeln heißt „doodeln“. Der Duden erklärt: „doodeln – schwaches Verb – nebenher in Gedanken kleine Männchen o. Ä. malen, kritzeln.“ Doodles haben nicht immer künstlerischen Wert, aber eine Kulturleistung sind die spielerischen Kritzeleien wohl. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sagt Friedrich Schiller.

Auf den schleichenden Untergang der Kulturtechnik Doodeln hat mich einst eine Freundin während eines ziemlich langen Telefongesprächs nebenher hingewiesen. Normalerweise hätte ich gedoodelt, aber ich saß im Sessel. Das private Doodeln wird selten werden. Allenfalls in Büros wird es noch etwas länger vorkommen. Allerdings war ich einmal in einer großen Werbeagentur, deren Chef stolz sagte: “Sie finden hier im ganzen Haus keinen Bleistift mehr.” Da konnten die Angestellten natürlich auch nicht doodeln

Anregung zum Doodeln: Zeichne kleine Männchen/Fräuchen und zeige sie in deinem Blog! Das könnnte hübsch werden: Ein ganze Blogosphäre voller kleiner Männchen, einfach so hingedoodelt, nur die Größe ist hier vorgegeben, damit sie zueinander passen. Ich würde mir gerne möglichst viele aus den beteiligten Blogs kopieren und sie zu einer Menschenmenge zusammenfügen (natürlich mit Herkunftsnachweis durch Verlinkung zur Quelle). Also losgedoodelt und bitte Bescheid sagen!

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52 Kommentare zu “Doodeln ohne Draht – Ein Mitmachprojekt gegen das Verschwinden einer Kulturtechnik

  1. ….das stimmt….wo sind die Kritzeleien nur hin?? Da ich zeichnerisch völlig unbegabt war und bin, hatte ich am liebsten ein kariertes Blatt und bemalte die Felder und es entstanden wunderbare Muster! Ich bin gespannt, welch liebe kleine Figuren die Blogerwelt bald erfreuen werden ❤ !
    Eine sehr schöne Idee – lieben Gruß Karin

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  3. Pingback: Ein Doodle für Herrn Trittenheim | Mitzi Irsaj

  4. Eine wirklich schöne Idee. Es gab dazu sogar schon Kunstprojekte. Du hast sicher recht, durch die veränderten Telefongewohnheiten sind die Doodle vom Aussterben bedroht. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich selbst nie gedoodelt habe – auch nicht, als ich noch im wahrsten Sinne des wortes „an der Strippe hing“. Und das wäre nun auch eine interessante Frage: Was unterscheidet den Doodler vom Nicht-Doodler?

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    • Intuitive Gestaltungsimpulse können sich vielfältig äußern, (manche biegen Büroklammern) auch manchmal ausbleiben. Ich hatte Phasen, da habe ich in jeder Konferenz gedoodelt, dann wieder gar nicht. Wie unterschied ich mich von mir? Warum blieb der Impuls manchmal aus? Warum haben manche ihn gar nicht? Ist es eventuell Trägheit? Oder der Verlust der Unbefangenheit? Hab vorläufig keine Ahnung, werde aber die Frage weiter verfolgen..

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  6. Komisch, lieber Schreibfreund, ich habe nie beim telefonieren vor mich hin gedoodelt…
    stelle ich gerade fest…

    Wenn ich telefoniere, dann summe ich immer (in mir drin)…
    bei mir geht eben nix über Musik, beim Zeichnen bin ich eine (schwarze) Null *gg*

    Liebe Herbstsonnengrüße vom Lu Finbar

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    • Danke für diesen Kommentar, lieber Lu! Weiter oben hat ja Christa die Frage aufgeworfen, warum manche doodeln, andere nicht. Du gibst mit deinem Hinweis auf ein quasi musikalisches Doodeln ein Beispiel, dass es bei künstlerischen Spontanäußerungen sehr wohl unterschiedliche Veranlagungen gibt, zum Glück! Trotzdem könntest du ja mal versuchen zu doodeln.

      Lieben Gruß und danke für die Herbstsonne (In Hannover ist sie heute nicht zu sehen),
      Jules

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