Volontär Hanno P. Schmocks Wochenrückblick – Frikadellenbrötchen ohne Frikadelle, bei dem das Brötchen fehlt – und ein toter Elefant

schmocks-wochenrückblickDer Playboy in den USA will keine Nacktfotos mehr veröffentlichen, von Frauen versteht sich. Nacktfotos von Männer hat man sowieso nicht gedruckt. Beispielsweise den ungefähr 90-jährigen Playboyerfinder Hugh Hefner hat man nie nackt gezeigt, obwohl der doch Zeit seines Lebens im seidenen Bademantel rumgelaufen ist, so dass er jederzeit und allerorten die Hülle hätte fallen lassen können. Man hatte vermutlich Angst, die überwiegend männlichen Playboyleser würden ins Heft brechen. Mitten ins lackierte Centerfold, zu Deutsch Mittendrinausklappbild, wo immer eine von Hefners aktuellen Gespielinnen sich nackt geräkelt hat. Könnte man abputzen. Die Lackierung war aber eigentlich für eine andere Körperflüssigkeit gedacht. Damit soll jetzt Schluss sein. Der Chefredakteur hat verlauten lassen, Nacktheit gäbe es im Internet massenhaft, wäre demnach nichts Besonderes mehr. Der Chefredakteur der belgisch/niederländischen Ausgabe will allerdings weiter Nacktfotos drucken, denn ohne nackt wäre wie „een Broodje Kroket zonder Kroket.“

Mein Freund Herr Leisetöne sagte jüngst im Vogelfrei, im Autoradio habe er zum Thema Playboy ein Interview mit einem Sexualwissenschaftler gehört. Der habe gesagt, die Entscheidung wäre aus rein ökonomischen Gründen gefällt worden.
„Aha, ökonomische Gründe! Für die Erkenntnis, dass Magazine herausgegeben werden, weil man damit Geld verdienen will, muss man doch keinen Sexualwissenschaftler fragen“, sage ich.
„Was hätte ich denn machen sollen?“, sagt Herr Leisetöne, „hätte ich etwa aus dem Auto aussteigen sollen, weil im Autoradio ein blödes Interview lief?“

Warum eigentlich nicht? Wäre doch hübsch, wenn allerorten die Autofahrer rechts ranfahren und aussteigen würden, und man wüsste sogleich, aha, da läuft mal wieder ein blödes Interview im Autoradio. Man hat wieder einen Experten ins Studio geholt und der sagt Sachen, die jeder Depp auch sagen könnte, aber der Depp darf nichts sagen, dafür braucht man einen Experten. Dann würden dumme Expertenbefragungen hoffentlich bald verboten, weil gesundheitsgefährdend, wenn nämlich dauernd Autofahrer neben ihrem Auto in der nassen Kälte stehen müssten, nur weil der geladene Experte nicht schlau genug war, eine Interviewanfrage abzulehnen und zu sagen: „Für diese blöde Frage brauchen Sie keinen Experten. Da rasiere ich mir lieber in Ruhe die Füße.“

Früher hieß es ja, das Kraftfahrtbundesamt wäre der Bettvorleger der Autoindustrie. Jetzt hat sich der Bettvorleger trotzig erhoben und zwingt VW, demnächst 2,4 Millionen Autos zurückrufen. Ich bin gespannt, ob wir das bei der Verkehrsdichte merken, ob sich da ab und zu Lücken im Verkehrsfluss auftun, und du weißt, aha, da fehlt mal wieder eine VW-Dreckschleuder. Könnte aber sein, dass da nur einer rechts rangefahren ist, weil im Radio wieder ein blöder Experte sprach, etwa verkündet hat, VW habe aus rein ökonomischen Gründen bei den Abgaswerten betrogen und nicht etwa aus kulturellen Gründen, weil man dachte, ein Auto, aus dem hinten kein dreckiges Abgas rauskommt ist wie ein Auspuff ohne Puff.

zucker-für-das-Ohr Zucker ins Ohr kippen?
Davor kann ich nur warnen.


Während der
letzten Fußballweltmeisterschaft ist bei Spielen der belgischen Roode duivels den Medien die 17-jährige schöne Flamin Axelle Despiegelaere unter den Zuschauern aufgefallen. Über Nacht wurde sie weltberühmt, weshalb sie sogar einen Werbevertrag von Loreal bekam. Im Übermut twitterte sie darob ein Bild von sich, wie sie neben einer erlegten Antilope posiert. Dazu schrieb sie verschwurbelt, bei der Jagd gehe es nicht nur um Leben und Tod. “Het is veel belangrijker dan dat.“ (Es ist viel wichtiger als das (der Tod).) Bei ihren 200.00 Followers handelte sie sich damit einen Shitstorm ein, und Loreal kündigte den Werbevertrag wieder. (Wir berichteten.)

Im simbabwischen Gonarezhou Nationalpark hat jetzt ein deutscher Hobbyjäger den größten Elefanten erschossen, der dort seit 30 Jahren erlegt worden war, wofür der verwirrte Mensch geschätzte 53.000 Euro bezahlt hat. Ich weiß nicht, wie der erfolgreiche Jäger seine Mordlust erklärt, dieses ruchlose Hobby verrohter Männer mit zuviel Geld. Im Internet kursiert ein Foto, worauf er stolz neben dem erlegten Elefanten posiert. Dieses Posieren ist nämlich noch wichtiger als der Lustmord an einem alten Elefanten. Obwohl Hugh Hefner sich nicht ausgezogen hat, würde ich jetzt doch am liebsten in den Playboy brechen, ersatzweise in den Aldi-Prospekt.

Musiktipp
Damon Albarn
Mister Tembo

Die einen schießen Elefanten tot, die anderen besingen sie. ”Tembo” bedeutet “Elefant” auf Suaheli. Mr Tembo ist ein kleiner Elefant.

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31 Kommentare zu “Volontär Hanno P. Schmocks Wochenrückblick – Frikadellenbrötchen ohne Frikadelle, bei dem das Brötchen fehlt – und ein toter Elefant

  1. Es ist sehr lange her, dass ich den amerikanischen Playboy in der Hand hatte. Es war eine wirklich gute Zeitschrift mit sehr interessanten Artikeln, eigentlich passten da die nackten Ladies schon nicht mehr hinein. Ich denke, man passte sich auch dem Geschmack des Publikums an….aus Kostengründen 😉

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  2. Einerseits könnte ja der Playboy künftig Autoteile abbilden … unverpackt, versteht sich, damit er nicht ohne „Bildchen“ auskommen muss.
    Andererseits, wie WV deutlich zeigt, spielt heutzutage die Software eine bedeutendere Rolle als die Hardware, sprich Auspuff, Spurstange und dergleichen.
    Spränge man auf diesen Zug auf, dann würde da ziemlich schnell ein neues Computermagazin raus kommen. Leider konnte ich die Meinung des Experten dazu nicht mehr hören, da ich rechts ran fahren musste, aus Gründen, die ich hier lieber verschweige …

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    • Gute Idee, manche Männer stehen auf Autoteile! Auf jeden Fall ist ein Heckspoiler erotischer als eine Software, wobei ich einmal einen Wissenschaftler kennenlernte, der am Supercomputer der Kernforschungsanlage Jülich arbeitete. Der sagt, manche Programme wären wie Poesie, neudeutsch endgeil!

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    • Verehrte Frau Waldfrau, Sie haben natürlich vollkommen Recht mit Ihrer Aussage. Aber meines Wissens werden die „überflüssigen halbnackten Frauen“, wie Sie sie bezeichnen, nicht zu ihrem überflüssigem, halbnacktem Tun gezwungen, sondern die machen das bis dato immer noch freiwillig.

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  3. als Mann würde ich mich fragen, für wie instinktgesteuert mich die Marketingabteilung hält ;-)….und als Frau, die da steht, wie schlecht ist das Auto eigentlich, dass man mich da noch braucht 😉

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  4. Wie jetzt – keine nackten Frauen mehr im Playboy? Werden denn noch Briefmarken im Philatelistenmagazin abgedruckt? Und was ist mit den Bunnies in den Playboylokalen? Da zapft jetzt Jupp Schmitz aus der Nachbarschaft? Na, schöne Aussichten …

    Fahrräder werden ja bald mit Allradantrieb angeboten (ich bin immer noch verblüfft, wenn ein pfeifender Opa bergauf an mir vorbeizieht – mit einem Ebike), vielleicht kommen wir Fahrradfreunde dann auch in den Genuß von dümmlich lächelnden halbnackten Damen.

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    • Hehe, Briefmarken sind weit überschätzt. Die Bunnies, habe ich mir sagen lassen, waren nie ganz nackt, können also bleiben, wobei der Schmitze Jupp sicher auch ein guter Zappes wäre.

      Die E-Bikes sind dermaßen hip, da braucht es keine halbnackten Mädels, um den Verkauf anzukurbeln.

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  5. Als Bloggerin über Sprache hat mir besonders die Übersetzung von „kroket“ mit „Frikadelle“ zu denken gegeben. Wenn der Chefredakteur der belgisch/niederländischen Ausgabe des Playboys „een broodje kroket zonder kroket“ schreibt, ist natürlich gemeint, daß das Fleisch fehlt – die holländische „kroket“ ist ja in der Tat meistens eine (äußerst dubiose) Fleischkrokette. Vielleicht käme das Wort „Fleischklops“ der Sache etwas näher.

    Die klangliche Nähe zu „kokett“ geht im Deutschen leider unweigerlich verloren.

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    • Prinzipiell gebe ich dir Recht. Die Übersetzung „kroket“ mit „Frikadelle“ ist nicht optimal. Aber eine wirkliche Alternative ist der Fleischklops nicht, denn im Deutschen kennt man zwar das Frikadellenbrötchen, nicht aber das Fleischklopsbrötchen. Es klingt für mich jedenfalls fremd, aber Ahnung von derlei Nahrung habe ich als Vegetarier nicht wirklich, sondern habe nur nach den Komposita gegoogelt. Obwohl der Frikadelle böswillig nachgesagt wird, sie enthalte gar kein Fleisch, gilt sie doch als Fleischspeise.

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      • Die klangliche Nähe zu „kokett“ existiert sowieso nur im Deutschen, denn im Niederländischen gibt es das Wort meines Wissens nicht. Offenbar ist aber deiner Aufmerksamkeit entgangen, dass ich für die nicht übersetzbare holländische Spezialität im Text gar keine Übersetzung angeboten habe. Die Überschrift sollte lediglich als Orientierung dienen, denn die lautlich ähnlichen Kroketten sind ja in Deutschland ein frittiertes Kartoffelprodukt.

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