Kaffeeplausch mit Frau Nettesheim – Atempause

Frau Nettesheim
Gewähren Sie mal eine Atempause, Sire!

Trithemius
Warum, Frau Nettesheim?

Frau Nettesheim
Weil Sie das Teestübchen gerade in den Keller schreiben. Die immer seltener vorbeikommenden Besucherinnen und Besucher des Teestübchens verstummen, und ich habe die Vision, dass sie den Kopf einziehen wie unter einem plötzlichen Wolkenbruch und hoffen, dass es bald vorbei ist mit dem Fragment.

Trithemius
Ich kann es nicht ändern. Einmal muss ich mal was Längeres zu Ende bringen, nicht nur so kurzatmige Texte schreiben.

Frau Nettesheim
Aber ist das Blog dafür ein passendes Medium?

Trithemius
Natürlich nicht. Aber ich kann nicht beides, kann nicht in Ruhe an einem längeren Manuskript arbeiten und zudem noch irgendwas bloggen. Das schaffe ich zeitlich und emotional nicht.

Frau Nettesheim
Warum emotional?

Trithemius
Sie wissen doch, Frau Nettesheim, dass ich in meinen Texten lebe. Wenn ich eine neue Welt erdenke, zieht es mich unweigerlich hinein, und die Grenzen zwischen tatsächlich erlebter Realität und fiktionaler Realität verwischen.

Frau Nettesheim
Kein Wunder, wenn Sie auch immer Fakten mit Fiktion vermischen.

Trithemius
Magischer Realismus, Frau Nettesheim. Ich glaube, anders kann ich es gar nicht mehr. Damit ich mich nicht verliere, hoffe ich zwischendrin immer mal auf eine Rückmeldung.

Frau Nettesheim
Sie können nicht erwarten, dass jemand den immer länger werdenden Text liest.

Trithemius
Ist überhaupt nicht nötig. Jedes Kapitel ist in sich geschlossen und steht nur im losen Zusammenhang zum vorangehenden. Nicht mal die Reihenfolge ist wichtig. Ich habs doch schon beim PentAgrion so gemacht. Da hatte ich freilich mehr Rückmeldung aus der Leserschaft.

Frau Nettesheim
Gehts denn ohne?

Trithemius
Erinnern Sie sich an A.S. Neills Roman „Die grüne Wolke?“

Frau Nettesheim
Ist in eine Erzählsituation eingebettet. Neill erzählt den Roman den Schülerinnen und Schülern von Summerhill.

Trithemius
Genau, interaktives Schreiben! Und nach jedem Kapitel wird kritisiert, mal ist es nicht spannend genug, mal fehlt dies, mal das. Für Neill immer der Ansporn, die Geschichte zu entwickeln.

Frau Nettesheim
Dann übernehme ich jetzt mal den Part. In Ihrer Geschichte fehlt eine Frau.

Trithemius
Gut, wird geliefert.

Frau Nettesheim
Wenn das mal keine Feministin liest.

13 Kommentare zu “Kaffeeplausch mit Frau Nettesheim – Atempause

  1. Fühle mich ertappt. Ich hatte zwar geliket (beugt man das so?), aber jetzt erst gelesen… Also mir gefällt die Story, obwohl ich mit dem Lesen nicht immer so hinterherkomme. Und Frau Nettersheim hat vollkommen Recht, es fehlt eine Frau. Wenn ich es mir aussuchen dürfte…mein persönlicher Eskapismus… mehr Paranatürliches und weniger Rechtes.

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  2. Wäre das nicht überhaupt ein Lösung für Menschen mit Bindungsphobie?
    Sie schreiben sich ganz mutig eine Frau / einen Mann. Und wenn´s nicht klappt, greifen sie zum Radiergummi.
    (manchmal fällt mir auch nur Nonsens ein…) 😉

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  3. Was das „Fragment“ anbelangt, so war ich diese Tage ein jedes Mal unentschlossen. Blick auf die Uhr …oh, die Zeit ist knapp. Was tun? Querlesen? Nein, ich denke dann zwar, ich lese es später noch einmal in aller Ruhe durch, aber mein Gehirn scheint sogar Quergelesenes als abgehakt einzuordnen, so dass ich es schließlich vergesse. Und weil ich es einfach vergesse, bemerke ich nicht mal, dass ich es vergessen habe. Deshalb habe ich mich zum Nichtlesen gezwungen, legte Fragment für Fragment in Gedanken beiseite, um bei ausreichend vorhandener Zeit in Ruhe und mit Genuss zu lesen.

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    • Danke für deine Rückmeldung. Ich verstehe das Problem. Genau deshalb habe ich die Kapitel so angelegt, dass man sie unabhängig voneinander lesen kann. Auch ist es mir meistens gelungen, den Umfang auf eine Textseite in meinem Schreibprogramm zu begrenzen. Die meisten meiner anderen Texte sind auch so lang. Es macht also kaum einen Unterschied. Für den Lesegenuss plane ich eine Buchfassung, vorausgesetzt, dass das Projekt nicht schon wieder ein Fragment bleibt.

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  4. Ich weiß es zu schätzen, dass die Kapitel auch einzeln zu lesen sind, lieber Jules.
    Man müsste sich von dem Feedback frei machen und es hinnehmen, dass mal mehr und mal weniger kommentiert wird. Dass wir Blogger das nicht können, weiß ich aber auch 😉
    Mir fehlt übrigens keine Frau. Ich hatte ja eben das Vergnügen Frau Nettesheim wieder zu treffen.

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    • Das, liebe Mitzi, zwingt mich natürlich zu einer Form, die letztlich durch das Blog geprägt ist, und ich bedauere manchmal, dass ich einen Faden abreißen lassen muss. Vielleicht sollte ich mich tatsächlich mehr um das Manuskript kümmern und das Bloggen ein paar Tage lassen. Dann würden mich auch die wenigen Likes nicht runterziehen. Denn obwohl ich es besser weiß, wirkt das doch wie ein abschätziges Urteil.

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      • Ich weiß, lieber Jules. Es geht mir ja ähnlich. Wir setzten uns selbst unter Druck – sei es beim Lesen, beim Kommentieren und natürlich beim Schreiben. Ich fürchte, da kommen wir nicht aus. Dennoch….an der Qualität deiner Texte liegt es nicht. Lag es noch nie :-*

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