Plausch mit Frau Nettesheim – Aufruf zum zivilen Ungehorsam wider die DSGVO


Trithemius
Heißt es eigentlich der oder das Ungehorsam, Frau Nettesheim?

Frau Nettesheim
Der Rechtsbegriff ist ziviler Ungehorsam , also Maskulinum, aber ich bevorzuge „das“, weil geschlechtsneutral.
Trithemius
Dann starte ich hiermit einen Aufruf zum zivilen Ungehorsam gegen die DSGVO.

Frau Nettesheim
Warum?

Trithemius
Als Konsequenz meiner gestern angestellten Überlegungen und nach Auswertung der Kommentare, worin mir Bloggerinnen und Blogger von üblen Erfahrungen mit einem Impressum berichtet haben. Demzufolge schützt die DSGVO uns nicht, sondern exponiert uns auf eine Weise, die Gefahr für das eigene Leib und Leben und das der Familie bedeutet, wenn wir unser Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen. Überdies betrachte ich Bloggen als soziale Kunstform. Das Teestübchen ist ein soziales Kunstwerk.

Frau Nettesheim
Haben Sie immer schon gesagt.

Trithemius
Also schränkt die DSGVO nicht nur die freie Meinungsäußerung ein, sondern auch die Kunstfreiheit. Als erstes nehme ich Straße, Hausnummer und Telefonnummer wieder aus meinem Impressum. Und wenn ich nicht ohnehin unter Pseudonym bloggen würde …

Frau Nettesheim
einem amtlichen, wohlgemerkt.

Trithemius
… würde ich mich Fiete Appelschnut nennen, wohnhaft Bielefeld, Backpulverstraße 1 und Telefon: „Rufen Sie mich nicht an, ich rufe bei Bedarf Sie an.“ Das ist doch mal ein mustergültiges Impressum.

Frau Nettesheim
Ob Sie damit durchkommen?

Trithemius
Ich komme ja auch nicht durch, wenn ich die DSGVO umsetzen will. Mir fehlen einfach die Kenntnisse, mein Publikationsmittel, die WordPress-Software, dem Datenschutz gemäß einzurichten. Beispielsweise las ich, dass der integrierte Spamfilter Akismet illegal sei, weil die IP-Adressen von Kommentatoren zur Prüfung auf einen Server in den USA gesandt werden. Akismet zählt 1101 Spams, vor denen es mich geschützt hat. Soll ich unser schönes Teestübchen jetzt also zuspammen lassen? Was ist denn das für ein Datenschutz? Wen schützt er, wenn nicht mich?

Frau Nettesheim
Immerhin die Zeitungsverleger dürfen sich freuen, wenn jetzt endlich die lästigen Blogs verschwinden.

Trithemius
Von wegen! Wir bloggen weiter und widersetzen uns! Die ganze Nation ist damit beschäftigt, eine EU-Verordnung umzusetzen, ohne zu wissen, was genau zu tun ist. Ich hörte von einem international tätigen Unternehmen, dass man vier (!) Anwaltskanzleien damit beschäftigt. Gemeinnützige Vereine wissen nicht, wie sie mit ihren Datenbeständen umgehen sollen und erwägen, lieber dichtzumachen, als horrende Strafzahlungen zu leisten. Das kann doch alles nicht wahr sein, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Ja, aber … ist es ratsam, den Rechtsbruch zu propagieren, nur weil man sich selbst vor dem Datenschutz schützen muss?

Trithemius
Rhetorische Frage, Frau Nettesheim, und suggestiv obendrein. JA und dreimal JA! Jetzt ist ziviler Ungehorsam unbedingt nötig. Müssen sich nur genug Leute anschließen und helfen, diesem undemokratischen Irrsinn einen Riegel vorzuschieben.

Zur freien Verfügung, klick mich! Grafik: JvdL

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34 Kommentare zu “Plausch mit Frau Nettesheim – Aufruf zum zivilen Ungehorsam wider die DSGVO

  1. Ich gehöre zu denen, die privat stellen mussten (und keine persönlichen Daten offenlegen KÖNNEN, danke, ich möchte keine weiteren Drohungen, ich will nicht, dass dem Kind oder dem psychischkranken Menschen etwas passiert, ich habe auch Verantwortung für meine Schutzbefohlenen und die gilt höher, denn ich muss potentiell Gefahr für Leib und Leben ausschließen – so!), wollte aber fairerweise Bescheid sagen, dass durch den „Privat“-Zustand, die Blogs, die in meiner wöchentlichen Linkschau erscheinen nicht mehr per Pingback benachrichtigt werden. Da ich diesen Artikel gern verlinken würde, haben Sie also hiermit Ihre Opt-Out-Option aus der Verlinkung. „Nein“ wird – darauf muss ich Sie ja hinweisen – vollends akzeptiert.

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      • Es ist schade, aber die Alternative wäre der Löschknopf gewesen, so mache ich in geschlossener Gesellschaft weiter. (Ich vermute übrigens, dass unter anderem Kinder der Grund sein können warum auch reihenweise Handarbeitsblogs etc. verschwunden sind, die nicht noch nebenher Onlineshops machen. Durch ein Impressum mit dem Elternnamen wird ein Kind ergooglebar und es gibt böse Menschen, die beispielsweise Schulwege ausnutzen.)

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  2. Pingback: Demokratie kaputt – dank DSGVO

  3. Endlich! Je länger je mehr scheint mir das Problem v.a. ein deutsches zu sein. Das für die Anwälte rentable Abmahnwesen. Das sitzt in den Köpfen. In vielen andern Ländern ist privates Klagen aufwendig und mit Risiko verbunden. Und wenn wir schon bei andern Ländern sind: Ein paar haben Art. 85 DSGVO genutzt, um z.B. den Fotografen Rechtssicherheit zu geben. Eben Kunst! Wie das Teestübchen.
    Aber eigentlich geht es hier ums Impressum. In einem kleinen, z.Z. nur halbbetroffenem Nachbarland gibt es zwar für Blogs keine Name-Anschrift-Impressumspflicht, dafür für Domains. Dann registriert halt die unbekannte Freundin von Frau Nettesheim in einer andern Stadt …
    Kein Impressum hilft bei schneller Suche, Zufallsfunden etc. Arbeitgeber, Stalker, Nachbarn, was weiss ich. Bei Scientology nicht. Wenn es heikel wird, braucht es raffiniertere Methoden, um sich zu schützten.
    Und zuletzt – ich hoffe, ich habe die Gastfreundschaft nicht zu sehr strapaziert: Blödheit – oder etwas philosophischer – unbeabsichtigte Handlungsfolgen prägen die Welt. Gehen wir gelassen und phantasievoll damit um!

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    • So, hab mich nochmal zu finden und zwecks Überprüfung geguggelt…denn nur versuch macht kluch!Suche ich nur mit meinem Namen, finde ich mich nicht oder nur über xing, weil ich da registriert bin. Gebe ich meinen Namen und den Wohnort an, werde ich fast sofort zu meinem bei wp hinterlegten Impressum geführt, bei Straßenangabe sowieso. Also wird das schnelle Finden zumindest wesentlich vereinfacht. Was sicherlich auch davon abhängt, wie viele Zeitgenossen es gibt, die denselben Namen führen und welche alle bei Google fein säuberlich mit ihren Aktivitäten und Umtrieben gelistet werden…

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      • Rechtlich korrekt formuliert heisst der Satz (DSGVO Art. ??: keine verkürzte Schreibweise nur weil es eleganter tönt): Wenn Leute mal kurz suchen und eben kein Impressum vorhanden ist, dann finden die dich nicht einfach so über Namen und/oder Adresse. Ich weiss, wovon ich spreche: Ich wohne an einer weltweit einmaligen Strasse (ups, wieder zwei Sachen verraten). Strasse mit Hausnummer, moment mal, aha, die WG oben, Nachbarin ist im Sommer 8 Wochen weg, sucht jemanden fürs Zimmer … und noch einiges mehr, das ich nicht gewusst habe und nicht wissen muss …

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    • Ja, ich brauchte eine Weile, um die Brisanz des Themas zu erfassen und zu erkennen, was die Konsequenz aus meinem gestrigen Beitrag und den Erfahrungsberichten in Kommentaren sein muss. Ziviler Ungehorsam ist m.E. nicht Sache von Abmahnanwälten. Danke für die Unterstützung, unbekannter Herr Datenchutz, und gerne wieder.

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      • Danke auch. Ist schön und auch schön lustig hier. Meinerseits war es auch ein Versuch, wirklich anonym zu kommentieren. Keine brauchbaren IP-Adressen, E-Mail-Adresse nur als Kennung.

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  4. Fiete Appelschnut aus Bielefeld:
    Erstma: Woher zum Donnerdrummel wissen Sie überhaupt wo ich wohne und was mache ich bloß als Max Mustermann in Ihrem Beitrag? Aus der Backpulverstraße 1 wurde ich rausgemoppt, weil ich immer den Klodeckel an die Wand knallte und den ehrenwerten Nachbarn zu laut war. Ohne Abmahnungsfeudel haben die mich einfach da rausgemoppt, pfuideibel. Wer sind Sie überhaupt? Was ist ein „Impressum“? Ich suche mich manchmal im Internett. Find mich nicht immer gleich, doch jetzt schon ah, Sie mich ja auch…das ist bedenklich!. Mein Chef fand mich leider auch vor zwei Tagen. Da hat der mich rausgemoppt aus meiner Bude, in der ich schaffen ging. Jetzt bin ich arbeitslos und wohne nur noch in der Vitalisstraße in dieser verhexten Stadt, wegen der mich immer alle meine Freunde, die woanders wohnen, auslachen und in der es an unmöglichen Stellen nach Vanillepudding riecht, Sie wissen schon…jedenfalls haben Sie mich als Unterstützung hinzugewonnen, denn ich bin ja grundsätzlich immer erst einmal gegen alles. Also für etwas zu sein ist ja sowieso immer so eine verfängliche Sache, darum will ich auch hier erstma tüchtig gegenhalten und meiner westfälischen Urnatur gemäß ordentlich herumsitzen und in Ruhe abwarten was noch so passiert. Ich habe so ein komisches Rechtsgegurke in meinem weblog (den mir mein Fußballkumpel einrichtete, denn ich bin echt zu schlicht dafür), das Gegurke und Paragraphengefummele habe ich mir von einem Anwalt namens Streitbürzel, Diensterburg & Co. frech von irgendwoher geklaut. Da steht auch noch meine alte Backpulveradresse drin. Die werde ich jetzt auch davonpusten wie einen Hauch im Wind und dass nur meine Freunde mich Fietchen aus Bielefeldchen nennen dürfen, verrate ich auch zur Sicherheit und am besten überhaupt niemandem, denn am Ende besucht mich noch jemand, den ich gar nicht kenne und von dem ich überhaupt nix wissen will?
    Meine herzlichsten Grüße,
    Ihr Fiete Appelschnut

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  5. Ich grüble die ganze Zeit darüber nach… ist das nun ziviler Ungehorsam, wenn ich mich dem Impressum verweigere, weil ich einfach Angst vor den Konsequenzen habe – MEHR Angst als vor Abmahnanwälten? Entsteht ziviler Ungehörsam nicht mehr aus dem Wunsch heraus, zu kämpfen und etwas zu verändern, als eben genau das nicht zu tun und sich am liebsten die Decke über den Kopf zu ziehen und zu warten, bis alles vorbei ist? Oder ist das völlig egal, aus welchen Gründen man etwas nicht macht?

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    • Im verlinkten Wikipediaartikel ist’s ganz gut erklärt. u.a. „Demjenigen, der zivilen Ungehorsam übt, geht es damit um die Durchsetzung von Bürger- und Menschenrechten innerhalb der bestehenden Ordnung (…)“ Wir verlangen bei der Ausübung unseres Rechts auf freie Meinungsäußerung nur den Schutz unserer Privatsphäre, der durch die Impressumspflicht nicht gewährleistet ist.

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  6. Für das „Fiete“ Impressum und der schnoddrigen Antwort bei der Angabe der Telefonnummer hast du eine Orden verdient, lieber Jules.

    Wir bekommen das hin. Diese blöde Vorschriften. Und ich bin sicher, dass sich in ein paar Monaten einiges geklärt hat. Oder wir versinken im Chaos 🙈 Dann aber gemeinsam.

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    • Ne, nicht für den Link. Der ist Scheiße und im Grunde will niemand wissen was dort steht.

      Es geht doch um etwas ganz anderes: Das, wovon Du sprichst, kommt doch erheblich spät. Nicht zu spät, sondern nur erheblich. Analysieren wir doch mal die Situation. Der Katzenloverblog, die Dame mit den Zuckerkügelchen und die Backrezepte-Fraktion interessieren sich einen Scheißdreck für so einen grottigen Politblog wie den meinen. Die Grottenolme von den Grünen sich weder für Katzen noch für Politik, die Racer von »Mofas jetzt noch schneller« verachten sowieso uns allesamt. Ich kann mich davon auch nicht frei machen – ich verachte Motorroller und Mofas, die weniger PS haben als der Anlasser meiner Yamaha.
      Aber das nur nebenbei.
      Das Problem ist eben, daß es UNS gar nicht gibt. Nicht mal im Ansatz. Nicht der Hauch von Lobby. Ich könnte kotzen: Seit Wochen verlinke ich Artikel, Plugins, Gesetzestexte und den ganzen Müll, um an anderer Stelle irgend einen Schwachsinn zu lesen wie »Ich kenne einen Anwalt, der sieht das völlig gelassen…«, »Ist doch endlich alles total verbraucherfreundlich!« oder »Gegen die unsichtbare Gefahr aus dem Netz setzt Brüssel nun auf die Macht demokratischer Instrumente.« Letzteres aus der Hauspostille der Grünen, der taz. Wenn das Gehirn als weißes Rinnsal aus dem Ohr läuft, sollte man zum Arzt. Echt jetzt. Eine intellektuelle Müllabfuhr.

      Das Problem zerfällt doch in drei Teile. Einen technischen, einen sozialen und einen politischen.

      Der technische Teil des Problems ist am leichtesten zu bewältigen. Nerds gibt es im Netz genug und die sind eitel. Die helfen gerne, weil… na ja, sonst redet ja niemand mit ihnen. Aber sie wissen, was technisch machbar ist und wie man das ohne Aufwand realisieren kann. Eigenartigerweise wären damit 80% der Probleme zu erschlagen.

      Der soziale Teil ist schon erheblich schwieriger. Da steht der schmierige Politblogger neben der Zuchtkatze und den Bücherrezensionen. Wie man die dazu bringt, an einem Strick zu ziehen, weiß ich auch nicht. Zuhören wäre jedenfalls mal ein Ansatz.

      Politisch gesehen braucht man gar nicht darüber nachzudenken. Das wäre so etwas wie eine Organisation – das wiederum hätte mit Arbeit und nicht zuletzt Geld zu tun. Eher etwas für Parteien, wobei mir gerade keine Partei einfällt, die ein übertriebenes Interesse an Bürgerrechten hätte.

      Vor geraumer Zeit hatte ich mal mit einigen Kollegen und Kolleginnen darüber spekuliert, ob und wie ein Bloggerkollektiv sinnvoll wäre. Für diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer ihren Realname für sich behalten müssen, wäre es eine denkbare Lösung. Den Namen dafür müßten andere bereitstellen – was ich in Anbetracht der realen Situation aber auch für möglich halte.
      Es gibt leider zuviele kriminelle »Blogger« und anderen Fußpilz. Die verhindern, daß man sich den Luxus von anonymer Meinungsäußerung nunmehr leisten kann. Das hat dieser Bodensatz bedauerlicherweise zulasten der Zivilgesellschaft vergeigt. Oder konkret gesagt: Die Argumente derjenigen, die für eine Impressumspflicht sprechen, sind leider nicht vollkommen von der Hand zu weisen.

      Aber das ist bereits ein weiterer Schritt – zu allererst sollte man mal miteinander reden. Widerstand ist ja ganz schön, aber noch schöner wenn man nicht ganz allein ist.

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      • Zum technischen Teil: Nicht eigenartigerweise, sondern ganz einfach in Sinne des Datenschutzes. Ich würde es bevorzugen, wenn auch in Blogs Google, Facebook u.v.a.m. nicht standardmässig benachrichtigt würden. Was ich in den letzten Tagen gelernt habe: Dazu braucht es klare, einfach zu verstehende Anleitungen. Nicht abfällig für Dummies, sondern einfach für User.

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      • @ Pantoufle
        Doch es ist richtig, dass zu sehen ist, welche Auswirkungen die DSGVO auf die Bloggerszene hat, damit die Sache nicht so abstrakt bleibt. Ich habe schon seit dem Beginn meines Bloggens im Jahr 2005 nichts davon gehalten, Blogs gegeneinander aufzuwiegen, denn das fördert doch die Vereinzelung, von der du schreibst. Bei aller Unterschiedlichkeit der Themen, was uns eint, ist dieses wunderbare Publikationsmedium. Es lebt von gepflegten Netzwerken, die leider alle etwas Hermetisches haben und deren Größe begrenzt ist. Ich kann nicht mit 100 Leuten kommunizieren, schaffe nur etwa zehn Blogs zu verfolgen, also mich aktiv lesend und kommentierend darin zu beteiligen. Aber das ist systeminhärent; wenn man es anders macht, 1000 oder mehr Leser hat, dünnt sich die Interaktion aus, so dass auch ein Blog zum Einkanalmedium verkommt. Um wie du eine Motorenmetapher zu bemühen: Wer ohne intensive Interaktion mit Leserinnen und Lesern bloggt, fährt einen Porsche im Rückwärtsgang. Deshalb eignet sich unser Medium nicht, eine soziale Bewegung ins Leben zu rufen. In sozialer Hinsicht spiegelt aber unsere Vereinzelung die in der Gesellschaft. Solidarität ist nur schwer aufzufinden, was sicher ein Effekt der neoliberalen Ideologie ist, die uns alle seuchenhaft befallen hat. Als letztens vermeldet wurde, dass die Bundesregierung die Hartz-IV-Regelsätze mit Vorsatz zu niedrig berechnet hat, hätte das doch eigentlich eine Welle der Empörung hervorrufen müssen, auch und besonders unter denen, die nicht von Hartz IV betroffen sind. Ebenso wissen alle vom ausufernden Billiglohnsektor. Es ist schamlos und erbärmlich von einer Regierung, die einen Amtseid auf das Volk abgelegt hat, dass sie Arbeitsverhältnisse begünstigt, von denen einer nicht leben kann, so dass zwei oder drei Jobs nötig werden.

        Ich hatte mich in letzter Zeit mit Texten zur Gesellschaftspolitik zurückgehalten, weil ich das Gefühl hatte, meine Energie an eine verlorene Sache zu verschwenden. Ehrlich gesagt, bin ich noch immer sehr mit meiner Gesundheit beschäftigt und habe bedingt durch Herzinfarkt, Schlaganfall und natürliche Alterung nicht mehr soviel Kraft zur Verfügung. Indem ich schon zweimal nachhaltig mit meiner Endlichkeit konfrontiert wurde, denke ich oft: Macht doch euren Kram alleene. Die meisten sind sowieso nicht mehr zu retten. Schon in den 1990-er Jahren titelte mal eine Zeitung „Dem Freizeitmensch droht die Verblödung.“ Es ist soviel Blödheit und Strunzdoofheit gepaart mit Egomanie in der Welt, dass man an der menschlichen Spezies verzweifeln mag. Diese Leute kriegen gar nicht mit, wie neoliberale Kräfte so nach und nach unsere Gesellschaft umbauen zu etwas Hässlichem, das auf jeden abfärbt und uns alle hässlich und zu Mittätern macht.

        Es tut mir leid, dass ich mich so spät um die Auswirkungen der DSGVO gekümmert habe, fand auch zunächst nichts Schlimmes an der Impressumspflicht, habe aber vielen Kommentaren entnommen, dass sie große Ängste hervorruft. In diesem Sinne ist meine Aktion des zivilen Ungehorsams zu sehen. Ich hoffe, dass sie Mut macht und wir gemeinsam noch bessere Taktiken finden, die drohende Kebelung zu unterlaufen.

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  7. Ich kann diese allgegenwärtige Panikmache nicht nachempfinden. Wenn Ihr Euch alle so fürchtet, und wenn Ihr sowieso nur ganz privat für Freunde und Familie bloggt, setzt Euer Blog auf privat und schon seid Ihr von Impressumspflicht und Datenschutzerklärung befreit. Das passt doch auch ganz hervorragend zu Jules‘ Aussage „[ich] schaffe nur etwa zehn Blogs zu verfolgen, also mich aktiv lesend und kommentierend darin zu beteiligen.“

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    • Als alternatives Medium der freien Meinungsäußerung sind Blogs dann gestorben. Das ist besonders dramatisch in Ländern wie Polen, Ungarn und Malta, wo Blogs tatsächlich Garanten der Meinungsfreiheit sind oder besser gesagt waren, denn für sie gilt die DSGVO ja auch. Blogs ganz aus der öffentlichen Erreichbarkeit zu verbannen, ist doch keine sinnvolle Alternative und wird auch nicht durch meine Aussage gedeckt, denn ich kann durchaus mehr lesen als zehn Blogs, nur nicht überall kommentieren. Wenn du kein Problem siehst, werde ich dich nicht überzeugen können. Aber ich weiß es bereits aus vorherigen Äußerungen von dir.

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      • Ich bin ja wirklich nur gegen diese derzeitige extreme Panikmache, die auch du betreibst, wenn du vom Ende der freien Meinungsäußerung durch die DSVGO schreibst. Und du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass staatliche Stellen nicht in der Lage wären, einen unbequemen Blogger auch ohne Offenbarung im Impressum aufzuspüren (dank der allgegenwärtigen Datensammelei ist das nicht so schwer, einen Richtervorbehalt braucht‘s in vielen Staaten dafür eh nicht, und wenn die Polizeigesetze weiter verschärft werden, wird das auch hier so sein). Mit ein bisschen geschicktem Social Engineering gelingt das oft auch nichtstaatlichen Stellen.

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        • Gut. Ich meinte, dass Blogs als alternatives Medium der freien Meinungsäußerung ihre Bedeutung verlieren, wenn sie privat gestellt werden. Allerdings finde ich die Idee zunehmend verlockend, nur noch für einen klar begrenzten Kreis zugänglich zu sein. Es bietet jedenfalls die Gewähr, dass aus den Tiefen des Internets kein idiotischer Troll auftauchen kann, der einem die ganze Freude verleidet. Das Gegenteil gilt dann leider auch. Es kommt niemand Neues hinzu, der sich für eines der von mir behandelten Themen interessiert.
          Offenbar sind die Ängste und Befürchtungen allgemein so real, dass schon Hunderte, wenn nicht Tausende Blogs verschwunden sind. Ich persönlich teile sie nicht, finde auch, dasss man nicht so hasenfüßig gleich die Flucht ergreifen sollte, nur wenns mal ein bisschen Gegenwind gibt.

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