Wertegemeinschaft Egomanie und Gleichgültigkeit – ein Jammer

Man glaubt es kaum, die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Berliner CDU (MIT) glänzte jüngst mit dem christlichen Vorschlag, Hartz-IV-Empfängern unter 50 die staatliche Unterstützung zu streichen. Es wäre ein Grund gewesen, sich zu empören. Doch es geschieht nicht. Denn Hartz-IV-Empfänger sind unsere neuen Aussätzigen. Zur neoliberalen Strategie gehört, die Verlierer der Agenda 2010 verächtlich zu machen, ihre Nöte herabzuwürdigen in medialen Kampagnen der Springer-Presse und mit Gallionsfiguren wie Thilo Sarrazin und Jens Spahn. Auch das „Deutschland-geht- es-gut-Geschwafel“ der Bundeskanzlerin spart einen Teil der Gesellschaft aus und erklärt Verlierer zu Unpersonen. Das Bild des faulen Hartz-IV-Empfängers, der nichts Ordentliches schafft, sondern den ganzen Tag im Bademantel herumläuft, an der Bierflasche nuckelt und dummes Zeug verzapft, wird auch entscheidend geprägt durch die populäre Kunstfigur „Ditsche“ des Olli Dittrich, die passend zum Start von Schröders Agenda 2010 seit 2004 die öffentlich-rechtlichen Programme rauf- und runtergesendet wird. Dieser inhumane, würdelose Mist wird mit Medienpreisen überhäuft, was nur geht, wenn man einen entscheidenden Unterschied vergessen hat: Guter Witz ist, mit den Schwachen zu lachen und nicht über sie. Inzwischen sind wir derart verroht, dass uns das Zerrbild der Schwachen in unserer Wertegemeinschaft gar nicht mehr störend auffällt, wobei „Wertegemeinschaft“ ein verlogener Euphemismus ist, der eigentlich Werte- und Unwertegemeinschaft bedeutet. Die Unwerte werden uns nicht nur vorgelebt wie jüngst durch die Akteure im VW-Abgasskandal, sondern auch, indem eine Figur wie der Cum-Ex-Betrüger Carsten Maschmeyer hemdsärmlich von Plakatwänden grüßt und in TV-Sendungen hofiert wird. Das Wortspiel „ärmlich“ muss hier leider sein.

Die gewollte Armut in Deutschland wird durch Initiativen wie die Tafel unterstützend begleitet, dass aber in Deutschland die Menschen nicht protestierend auf die Straße gehen, ist letztlich ein Verdienst der „Alles-Billig“-Discounter. Discounter kaufen unter anderem auch Ware aus dem Ausland, und indem sie fast nichts dafür bezahlen („Das Geld wird im Einkauf verdient, hehe!“), importieren sie Waren und exportieren die deutsche Armut. Das gilt auch und besonders für Discounter der Modebranche wie KIK und Primark.

Ein weiterer Unwert ist durch die „Geiz-ist-geil“-Kampagne eines Elektronik-Discounters verbreitet worden. Wer „Geiz ist geil“ in Ordnung findet, findet auch nichts dabei, dass es Menschen gibt, die für ihre Arbeit nicht richtig bezahlt werden, dass es nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ein Heer erbärmlich schuftender Billiglöhner gibt. Der „Geiz-ist-geil“-Verblendete findet es nicht skandalös, dass Deutschland den größten Billiglohnsektor Europas hat, sondern konsumiert fröhlich, was andere Menschen mit bitteren Existenzsorgen bezahlen. Das herumschleichende Gespenst heißt Entsolidarisierung und verseucht alle, die seinen Ungeist einatmen.

Anstiftung zur Spaßverblödung, Foto: JvdL

Dabei trifft es auf die weit aufgerissenen, schnappenden Mäuler der „Hauptsache-ihr-habt-Spaß“-Infantilen, und weil ein aufgerissenes Maul das menschliche Antlitz zum Zerrbild macht, schaut von denen niemand mehr in den Spiegel und reflektiert mal sein tägliches Handeln. Stattdessen posiert man für Selfies. Im TV wurde über Wasserknappheit in der Region Stade berichtet. Der Trinkwasserverband appellierte an seine Kunden, auf Rasen sprengen und Auto waschen zu verzichten. Ein Bauer, bei dem nur noch ein Rinnsal aus dem Wasserhahn tropfte, so dass die Melkmaschine nicht funktioniert und er seine Kühe nicht tränken konnte, fand befremdlich, dass Leute sich „bei Facebook abfeiern, sie würden ihren Rasen trotzdem weiter sprengen.“ Der Mann sprach von „sozialen Medien.“

Im Mikrobloggin dieser „sozialen Medien“, wo nicht weiter gedacht werden muss als bis zur eigenen Nasenspitze, finden wir einen Gradmesser für den verheerenden Zustand unserer Gesellschaft. Denn seit Jahren wird sie unter dem neoliberalen Credo umgebaut zu etwas Hässlichem. Ihre Hässlichkeit färbt leider ab, und so sind weite Teile unserer Eliten sehr sehr hässlich. In deren Raubtierwelt, wie sie uns mustergültig vorgeführt wird im TV-Format „Die Höhle der Löwen“ ist Solidarität nicht opportun. Jeder sei nur auf seinen Vorteil bedacht. Wenn einer aus der Herde gerissen wird, sieht der Rest der Herde gleichmütig mampfend zu. Genauso gleichgültig schaufelt der tumbe Gierhals, der wenigstens in seiner Freizeit auch mal Löwe sein will, Billigfleisch auf seinen Tankstellengrill, obwohl er schon von den barbarischen Bedingungen der Billigfleisch-Erzeugung und -Verarbeitung gehört hat. Der Pestvirus, an dem die Menschheit zugrunde gehen wird, heißt Spaß, Egomanie und Entsolidarisierung.

Aufforderung zur Solidarisierung, klick mich, verbreite mich! Grafik: JvdL

Zum neoliberalen Umbau der Gesellschaften gehört auch die DSGVO, die mit der Impressumspflicht für Blogs exakt das Gegenteil der erklärten Absicht bewirkt. Man stelle sich nur vor, wie es den ungarischen Bloggerinnen und Bloggern in Orbanland ergeht oder denen in Polen oder auf Malta. Dort Widerstand zu leisten, bedroht mehr als die Geldbörse, was ja bei uns den größten Schrecken verbreitet. Man wünscht sich eine wache Zivilgesellschaft wie in den 1980-er Jahren, die durch massenhafte Verweigerung die Volkszählung verhindert hat. Kollege Pantoufle verlinkte in einem Kommentar zum Nettesheim-Dialog zu einer Liste von 320 bereits aufgegebenen Blogs. Völlig ignoriert vom herrschenden Kulturbetrieb, verbrennen Tausende digitaler Bibliotheken. Es stirbt eine bunte lebendige Netzkultur, und Blogs werden in naher Zukunft nur noch eine Fußnote der Mediengeschichte sein, wenn wir keine Lösung des Problems finden. Eigentlich hülfe Solidarität aller Bloggerinnen und Blogger. Ersatzweise eine Klage vor dem Menschenrechtsgerichtshof der EU.

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35 Kommentare zu “Wertegemeinschaft Egomanie und Gleichgültigkeit – ein Jammer

  1. Viel Konjunktiv, lieber Jules aber der Text ist ja auch nur ein Gejammer.

    Große Maßstäbe interessieren mich schon länger nicht mehr, dafür reicht meine Motivation nicht. Traurig? Mag sein, aber es leugnen hilft nicht. Also Handelsreichweite anpassen an den Rahmen meiner Motivation und dort die Welt ändern wo ich hin reiche. So sieht mein Leben aus und so lebe ich.
    Besser als im Konjunktiv meiner eigenen Ereiferung verbleiben. (ich merke, das klingt anprangernd für dich, so sei es bitte nicht verstanden)
    Neulich las ich nebenbei irgendwo, dass es nicht zu klagewellen kommen soll. Es war ein ‚clickbait‘ link, sonst hätte ich mehr Informationen dazu gesammelt.

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    • Das kannst du für dich so halten, lieber Censay, aber hier setzt du mit einem ersten Kommentar überhaupt ein kontraproduktives Zeichen, das zwar die Aussage meines Textes teilweise bekräftigt, seine Intention aber torpediert. Meinem Wunsch einer solidarischen Zivilgesellschaft setzt du den Rückzug aufs Private entgegen, ohne daraus eine Perspektive für gesellschaftlichen Zusammenhalt entwickeln zu können.

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      • Weil ich den nicht in großen, weltumspannenden Dingen sehe. Zusammenhalten wird, was sich zusammenhalten kann. Rein haptisch gesprochen. Der soziale Kampf meiner „Brüder und Schwestern“ in Sonstwo sind nicht, was mir das Gefühl von Zugehörigkeit gibt. Die alte Dame, mit der ich spazierengehe und in Austausch trete schon.
        Das Große regeln Menschen die dazu motiviert sind. Das „Kleine“ wird dabei jedoch gerne vergessen. Und eine Gesellschaft die darin bröckelt ihren kleinen Alltag zugewandt zu verbringen, die wird sich auch im Großen nicht positivieren.
        So denke ich zumindest.
        Das was kein Problem darzustellen scheint kann dennoch elementar sein um Probleme zu lösen.

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  2. Wow, dieser Text!

    Damit dies überall möglich wird, ist ab sofort

    Fiete Appelschnut
    2018 Vanilla Sugar Blvd
    Nassau, Bahamas

    für alle Blogs dieser Welt verantwortlich. Elektronische Post wird umweltgerecht entsorgt.

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  3. Wahre Worte. Solidarität ist nicht viel. Meine Erfahrung aus dem letzten Monat, die die am lautesten geschrien haben, wer privat stelle sei feige und anderes, sind die ersten die den Kopf einziehen, wenn man gegenfragt ob sie einem/r aus der Sch… helfen, wenn es ernst wird. Wir Inklusionsblogger regen uns dauernd auf, wir prangern dauernd was an, aber wir sind auch die ersten die böse Kommentare, fiese Mails und Drohungen bekommen, während die „Feige!“-Schreier noch grinsen. Wenn man dann sagt „Ja, dann maul nicht, sondern hilf mir, wenn die Hütte brennt“ ist plötzlich „keine/r“ mehr da. (Eine über die Inklusion ihres Sohnes gebloggt habende Mutter – jetzt privat gegangen – hat die Leute, die ihr Feigheit vorwarfen offensiv gefragt „Macht ihr Crowdfunding für die Anwaltskosten, wenn Firma XY mich anzeigt weil ich gegen deren Therapie bin?“ – plötzlich alle nicht selbst vom Thema betroffen kleinlaut.)

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    • Danke! Wie dürfen von Bloggerinnen und Bloggern nicht mehr erwarten, als Solidarität generell noch ein Wert in unserer Gesellschaft ist. Vor allem und zuerst ist leider die Solidarität mit den Schwachen verloren gegangen. Ich vermute Inklusionsblogger haben sich auch deshalb zusammengefunden. Darüber hinaus bietet ja gerade unser Medium Barrierefreiheit, wie ich an zwei ehemaligen BlogfreundInnen gesehen habe, die im Rollstuhl saßen, was aber in der Blogsphäre keine Rolle spielte. Die von dir geschilderten Erfahrungen sind nicht gut, aber spiegeln genau, was ich versucht habe zu verallgemeinern.
      Beste Grüße!

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      • Ob man sich wirklich zusammengefunden hat per se kann ich nicht sagen, man hat sicher jeweils ein gewisses stützendes oder schützendes Umfeld. Großer Zusammenhalt ist unter jenen auf Twitter. Zur Barrierefreiheit: Ich habe viele nichtbetroffene Lesende (gehabt, aber die meisten sind mitgetaucht), ob für die so unwichtig wäre, dass ich zu den Assistenznutzenden zähle wenn man sich zuerst real gekannt hätte ist genauso fraglich wie ob der psychisch kranke Mensch, der in meinem Blog oft vorkommt real nicht sofort einen Stempel bekommen hätte, weil das, was im Schreiben als Hintergrundinfo gegeben werden kann eben in der Akutsituation nicht sieht.

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  4. Du schreibst mir aus der Seele (allerdings mit viel besseren Formulierungen).

    Ich frage mich, ob ziviler Ungehorsam das richtige Protestmittel für das Internet ist. Ich vermute, eher nicht: Ziviler Ungehorsam als offene, provokative illegale Aktion mit politischer Zielsetzung wirkt ja nur dann, wenn ihm viele folgen. Wenn man sich die Dynamik vergangener Aktionen ansieht, waren da immer Gruppen von Leuten, die sich kannten und vertrauten, die Gruppen erfuhren voneinander, und es entstand eine solidarische Stimmung mit nachfolgenden Aktionen, die immer größere Ausmaße annahmen (ganz kurz und sicherlich nicht hinreichend zusammengefaßt). Das ist im Internet leider nicht der Fall: Wir sind zwar alle miteinander blog-befreundet, aber wir kennen uns nicht wirklich. Was passiert, wenn man öffentlich den Finger hebt, um auf sich aufmerksam zu machen, und sagt: „Hallo, ich verhalte mich nun bewußt illegal und möchte damit meinem Protest Ausdruck verleihen gegen diese meiner Ansicht nach falsche Verordnung!“? Wahrscheinlich ist man einer von höchstens 20, der im ungünstigsten Fall eine kostspielige Abmahnung erhält, und damit hat sich die Sache.
    So könnte es jedenfalls passieren, und ich kann Leute gut verstehen, die genau davor Angst haben.

    Was hältst Du von der relativ neuen Protestform der Online-Petition? Bringt auch nichts, sagen viele, aber ich bin mir da nicht so sicher. Die Online-Petition hat den Vorteil, daß man sich nicht ungeschützt den Folgen einer inzwischen illegalen Handlung aussetzt; daß auch Leute unterschreiben, die selbst gar nicht betroffen, aber von der Richtigkeit der Sache überzeugt sind. Wenn da ein paar Tausend Unterschriften zusammen kommen, dann sind das alles potentielle Wähler, die ins Gewicht fallen können.

    Ich habe noch einen Einwand: Egal, welche Protestform, sie muß zum richtigen Zeitpunkt einsetzen, sonst läuft sie ja ins Leere. Wir wissen aber immer noch nicht ganz genau, ob es wirklich einen Impressumszwang auch für rein private (also unkommerzielle) Blogs gibt, oder sehe ich das falsch? Und selbst, wenn die Tendenz dahin geht, also zu einem Zwang, ist immer noch nicht klar, ob ein Vestoß dagegen tatsächlich geahndet wird. Ich glaube, es muß erst was passieren, eine Abmahnwelle oder ähnliches, damit ein Protest auf eine breite Resonanz stoßen kann. Wer sein Blog jetzt schon auf „privat“ stellt oder gar löscht, hat zwar mein vollstes Verständnis, handelt aber in vorauseilendem Gehorsam.
    Ich laß bei mir erstmal alles so, wie es ist, gehe das (in meinen Augen kleine) Risiko ein und warte ab.

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    • Freut mich, dass du meinen Befund teilst. Und danke für deinen klugen, ausgewogenen Kommentar. Ich gebe dir in allem Recht. Eine Aktion wie die von mir angeregte, hätte nur Erfolg, wenn sich ihr viele anschließen. Das ist nicht zu erwarten. Also warten wir erst mal ab und versuchen es mit einer Petition, sobald Klarheit herrscht.
      Wie du weißt, habe ich seit langem ein rudimentäres Impressum und grundsätzlich kein Problem damit, anders als viele Bloggerinnen und Blogger, wie ich gelernt habe. Bei dieser Form eines Impressums (Name, Stadt, Mailadresse) bleibe ich vorerst.

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    • Zur vermeintlichen Impressumspflicht gibt es ein Urteil des Landgericht Köln: 28 O 402/10. Zitat: „Nicht kennzeichnungspflichtig sei demnach private Kommunikation, auch wenn sie über die reine Telekommunikation hinausgehe. Dies betreffe etwa die Einstellung von Meinungsäußerungen in Foren. In diesen Fällen sei über den Plattformanbieter sichergestellt, dass die schutzwürdigen Belange der Beteiligten gewahrt werden können.“ Und zum Thema eines „privaten“ bzw. „persönlichen“ Blogs findet sich folgendes in dem Urteil: „„Persönlich“ bezieht sich nach dem Wortlaut auf die Zwecke der Kommunikation, nicht etwa auf das behandelte Thema. Persönlich ist der Zweck der Kommunikation aber auch dann, wenn der sich Äußernde dem persönlichen Bedürfnis nach Kommunikation politischer Meinungen, persönlichen Ärgers oder Enttäuschung nachkommt.“ Das heißt: Weder durch die gesamte Gestaltung des Blogs noch durch die Berührung geschäftlicher Belange bedeutet, dass damit ein „privater“ bzw. „persönlicher“ Blog zu einem „geschäftlichen“ wird. Das wurde damit vom LG Köln eindeutig klar gestellt. Und wer die DSGVO durchliest, merkt dass diesem Urteil keinen Deut genommen wird.

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        • Jules, weil diffuse Angst gesät wird.
          Gerüchte kreieren Gerüchte, Angst ist irrational und setzt Ratio außer Kraft. Beim Golfkrieg Nummer 2 („Desert Storm“) wurden in Aachen Gasmasken verkauft, weil der Hussein Giftgas und Mittelstreckenraketen haben sollte. Und die Gasmasken hatten sich beim damaligen Outdoor-Handel (Ecke Karlsgraben/Königstraße) wunderbar verkauft. Der Laden kam damals den Bestellungen nicht hinterher.
          Die DSGVO hat Arbeitskräfte gebunden und darüber haben die Klein- bis Mittelständler gestöhnt. Verständlich. Die haben nicht so viel Geld. Und Gemeinnützige erst recht nicht.
          Die Big Player haben nicht gestöhnt. Wenn Google, Facebook, Twitter, Amazon, Microsoft und Apple die Aufsichtsbehörden beschäftigen, dann stehen da pro Big Player an die bis zu 20 sehr gut qualifizierte (und bezahlte) RAs auf dem Teppich, insgesamt 100 High-Potential-RAs, und produzieren entsprechenden Aufwand bei den Behörden. Und die 100 RAs werden locker von deren Big Player bezahlt.
          Was kostet das zusammen? Und dagegen steht eine Behörde, die mit Geldmitteln (Mitarbeitern und Zeitaufwand) dagegen halten muss. Was denkst du, wie dieses Spiel für die Big Player ausgeht? Und wann? Das dauert und kostet und die Zeit geht ins Land und dann werden die Gesetze angepasst, weil die Kosten weglaufen und die Big Player fühlen sich wie die Oligarchen im Osten, die hier so von Politikern als Widerständler Putins u.ä. gebauchpinselt werden. Angepasst werden die Gesetze nicht wegen uns Kleinkrautern. Niemals. Angepasst wird immer aufgrund von Effektivität und Effizienz und Kontostand und Budget.

          Du hast absolut recht (zweifach unterstrichen), wenn du schreibst, dass den tradierten Informationsmedien Blogger ein Dorn im Auge sind. Aber selbst pi-news wird als solcher Stachel gesehen, so wie auch die Nachdenkseiten als Falschnachdenker abklassifiziert werden. Aber auch bestimmte Blogger sind anderen Bloggern ein Dorn im Auge. Da hackt die eine Krähe der anderen Krähe ein Auge aus, weil es gerade opportun ist. Die Angst hat gewirkt, private Blogger lassen die Rolladen runter und machen dicht. Die Angst war immer schon der natürliche Gegner und die wohlfeile Waffe gegenüber der Aufklärung.

          Ich hatte mir die DSGVO in Gänze durchgelesen und meine vorherigen Informationen damit verknüpft. Darüber schreibe ich ja bereits hier immer in deinen Kommentarfeldern und werde von dir gebürstet. Das obig zitierte Urteil hilft sogar dir zu sagen, dass du keinen „geschäftlichen“ Blog führst (das ich hiermit offiziell zurück nehme, was ich in einem andern Kommentar schrieb).

          Und wenn du dir durchliest, wie die ersten Abmahnungen aufgrund der DSGVO ablaufen (siehe bei heise(punkt)de), dann wirst du bemerken, dass die Basis der Abmahnungen das „Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb“ (BGBI. I S. 233) ist. Das heißt, die Abmahner klagen nur gegen Mitwettbewerber aufgrund unlauteren Wettbewerb aufgrund eines ungerechtfertigten Vorteils im Wettbewerb, der aufgrund der Nichtbefolgung der DSGVO stattgefunden haben soll. Da gehen „geschäftlich“ gegen „geschäftlich“ vor. Erstmal. Andere werden wahrscheinlich folgen und versuchen ebenso Kasse zu machen. Aber scheitern. Die bisherigen Abmahnungen passen zur DSGVO, in der von Strafen von x-tausend Euro bis zu 4% des Umsatzes gesprochen wird, was deutlich auf die Natur der DSGVO zurück blicken lässt.

          Jules, ich habe zuviel geschrieben. Mehr schreibe ich dazu nicht und werde versuchen, dich mit meinen Recherchen nicht mehr zu behelligen. Du musst sie selber durchführen und selber zu eigenen Schlussfolgerungen kommen. Dabei werde ich dir nicht mehr helfen. Ich werde jetzt eh wieder von dir abgebürstet werden. Ja, es könnte auch sein, dass ich komplett falsch liege, nicht wahr, wenn du deine eigenen juristischen Recherchen abgeschlossen hast und zu einem ganz anderen Urteil kommst. Jeder (auch ich) hat eine Chance auf abgrundtiefen Irrtum schon bei der Geburt in seine Seele gelegt bekommen ….

          Ich ende nur noch mit dem Satz, der freilich auch für mich jederzeit gilt:

          Aufklärung ist der unausweichliche Tod der selbsternannten „Ich-weiss-alles“-Attitüden …

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          • In dieser Sache lasse ich mich gern belehren. Und ich teile deine Einschätzung, was die allgemeine Angstmache betrifft. Kann schon sein, dass ich mich habe anstecken lassen, denn selbst habe ich doch schon lange ein Impressum. Es ist nur so: Man kann als Nichtjurist keinen juristischen Rat geben. (Das hatte ich mit „fahrlässig “ gemeint.) Und wenn Blogerinnen und Blogger Angst haben, dann eben nicht leichthin sagen, es ist gegenstandslos. Immerhin gibt es reale Befürchtungen. Also, die „Ich-weiss-alles“-Attitüde habe ich gar nicht. Ich lasse mich gerne belehren, wie ich ja bei Videbitis schon habe durchblicken lassen.

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  5. Ich stampf schon auf dem Tisch herum vor Begeisterung, darin bin ich Lilo Pulver ähnlich. Des Weiteren habe ich meinen Protest heute Morgen kund getan, meine persönlichen Daten herausgenommen, mit dem Verweis, dass ich mich im Fall der Fälle jederzeit erreichbar mache. Verrohung ist das, was mir auf vielen gesellschaftlichen Ebenen begegnet, ja, leider. Umso wichtiger, diese Zusammenhänge herzustellen, denn es alles miteinander verbunden und nicht zu vergessen: die Politik wird durch die Gesellschaft geformt und zu dem was sie ist, sie ist ein Symptom und die Ursache ist zu suchen in der kleinsten Struktur: der Familie, bei sich selbst und im Umgang mit anderen. Es ist natürlich leichter, sich mit einer Figur wie Dittsche jemandes zu bedienen, der als bequemes Klischee alle Voraussetzungen für ein innerlich beruhigtes „aber ich bin ja zum Glück so ganz anders und mir passiert sowas Faules wie Arbeitslosigkeit auch nicht….“ mehr als schadenfroh herhält. Ich habe diese Serie nie gesehen, meine Eltern fanden sie klasse, ich fand sie hingegen diskriminierend und herabzotend auf Schicksale, aus denen eins herausgegriffen wurde. „Hartzer“, das ist unter den Kindern von heute, ein Schimpfwort. Eins der allerbösesten, gleich nach: „du Kevin!“ Mit Kevin ist laut Jugendphilosophie jener gemeint, der einen dem Alkohol munter zusprechenden „Hartzer“ als Vater oder Mutter hat und selbst plant, einer zu werden. Durch Serienformate wie „Dittsche“ wird dieses Vorurteil munter weiter gezüchtet. Fragt sich warum so etwas mit Preisen ausgezeichnet wird? Weil es so „sozialkritisch “ ist? Das erscheint mir so plump und so derb und roh wie die Art und Weise, wie in Deutschland Viecher geschlachtet werden. Massenmentalitäten, Konformklone entstehen in Ideen, so leicht verständlich wie möglich und schön bequem. Danke für Deinen Beitrag, Jules. Ich leistete den meinigen so gut ich es vermochte und verwies auf Deinen blog. Nun hoffe und stoßgebete ich und weigere mich herumzukassiopeiern. Dumpfes Brüten überlasse ich lieber Hennen auf Eiern.
    Liebe Mittwochsgrüße von der Fee

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    • Eine Fee, die begeistert um den Tisch stampft, ist nun schon mal eine hübsche Belohnung für diesen Text. Es brodelte diesbezüglich schon eine Weile in mir. Eigentlich will ich lieber über andere Themen schreiben, aber das hier war mal nötig, damit ich den Kopf frei bekomme. Freut mich, dass du meinen Befund teilst, liebe Fee. Aber die Ursachen für die Entwicklung in der Familie als kleinste gesellschaftliche Gruppe zu suchen, lädt den Familien zuviel auf. Wird nicht eher umgekehrt ein Schuh draus? Eine Politik gegen die Armen in unserer Gesellschaft trifft als erstes die Familien, stürzt sie in Sorgen und Ausweglosigkeit und löst da Konflikte aus, die allen guten Willen torpedieren. Aus ihrer Machtlosigkeit heraus können sie keine gesellschaftliche Veränderung anstoßen, sondern brauchen die Unterstützung von Menschen, denen es besser geht und die Möglichkeiten haben wie wir, nämlich schreibend für eine andere und eine bessere Welt einzustehen.
      Was nun die unselige Kevin-Schmähung betrifft, habe ich ja schon geschrieben, woher sie kommt und was daran problematisch ist, wenn sogenannte Comedians den Namen als Schablone benutzen, um sich über bildungsferne Menschen lustig zu machen, genauso wie sich Dittrich über den Prototyp des Hartz-IV-Empfängers lustig macht.
      https://trittenheim.wordpress.com/2015/08/24/wenn-kevin-allen-am-liebsten-ist/
      Lieben Gruß,
      Jules

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  6. Ich war ja schon dabei, gefällt mir sehr zu denken (bei Ditsche kann ich genauso wenig lachen wie bei Nuhr), aber dann kam leider wieder diese Tirade gegen die DSGVO. Wie schon anderswo geschrieben, ist es vollkommen naiv zu denken, dass staatliche Stellen in den angeführten Ländern (und bei uns) auf ein Impressum angewiesen wären, um die Identität eines Bloggers herauszufinden.

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    • Immerhin, das ist ja schon was. Das Problem bei Ländern mit schon geschwächter Demokratie sind nicht nur die staatlichen Stellen, von denen du mit Recht sagst, dass sie Blogger auch ohne Impressum finden können. Gefahr geht auch von rechten Schlägerbanden oder der Mafia (Malta) aus. Solchen möchte man es nicht leicht machen, mal eben „vorbeizuschauen“
      oder ein bisschen Telefonterror zu machen. Generell fühlt man sich durch ein komplettes Impressum exponiert und unbehaglich, so dass man sich lieber zurücknimmt. Ich würde mich beispielsweise nicht trauen, etwas über den Mann von den Hells Angels zu schreiben, der morgens um 6 Uhr mit laufendem Motor seines Motorrads fünf Minuten vor dem Haus wartete, und als er sicher sein konnte, die ganze Nachbarschaft aufgeweckt zu haben, fuhr er davon.

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    • Eigentlich wollt ich es gut sein lassen … Aber selbst staatlichen Stellen kann man das Leben schwer machen. Wenn man will. Tor, OpenNIC, Wire, konsequente Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ect. Einfach mal das eine oder andere ausprobieren. Ist angewandter Datenschutz für seine eigenen Daten.

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  7. Wobei diese … fast hätte ich Dame gesagt … diese Dingens, die ständig von Wertegemeinschaft faselt, naja, noch ich habe noch keinen einzigen Wert gefunden, den ich mit ihr teilen könnte …

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