Im Mahlstrom der Zeit

Freitagabend bei Filipe d’accord im Garten erzählte Herr Putzig, er sei noch mal am „Strandleben“ gewesen. Das ist eine mit Sand aufgeschüttete Halbinsel am Zusammenfluss von Leine und Ihme, wo er und Leisetöne während ihres Studiums hinter der Theke der Strandbar die Kunden im von Putzig sogenannten „Theken-Capoeira“ bedient hatten, das heißt, sie wetteiferten in ökonomischen, aber tänzerisch flüssigen Bewegungsabläufen, beispielsweise im Vorbeugen eine dem Kühlschrank entnommene Flasche zu entkorken und gleichzeitig rücklings mit dem Fuß die Kühlschranktür zu schließen.

Die Zeiten des Theken-Capoeira sind vorbei. Die neue Thekencrew weiß nicht mal mehr von Herrn Putzig, was sich ihm darin zeigte, dass ein bedienendes Mädel ihm das Pfandmarkensystem erklärt habe, als er sich eine Flasche Jever holte. Da wurde mir ganz schwermütig bewusst, dass auch das schönste Capoeira nicht den Mahlstrom der Zeit aufhalten kann. Ich bin dann auch bald nach Hause gegangen.

Die Leine im Frühling 2010, im Hintergrund das Strandleben, gesehen von der Dornröschenbrücke – Foto: JvdL

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