Den Affen gehts gut – sind glücklich tot

„Eine Affenschande“ titel heute die Bildzeitung. Und Tagesschau.de veröffentlicht das Bild eines zerknirscht schauenden Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller mit der frohen Botschaft: „VW kündigte an, in Zukunft auf Tierversuche zu verzichten.“ Das klingt nebenbei, als wären Tierversuche bei VW in der Vergangenheit immer üblich gewesen. Ein neuerdings um das Wohl von Affen besorgter Tagesschau.de-Forist fragt: „Wie geht es denen eigentlich???“, während sich ein anderer zu der komplett ahnungslosen Behauptung aufschwingt „Keiner ist dabei gestorben.“

Quelle: Tagesschau.de


Die scheinheilige Aufregungsunkultur bei der Bildzeitung, ein Vorstandsvorsitzender, der mal wieder nichts gewusst hat, oder die Naivität der Foristen, alles ist gleichermaßen deprimierend. Vivisektion bedeutet, dass nach Abschluss einer Versuchsreihe sämtliche Versuchstiere getötet werden, auch wenn sie körperlich unversehrt geblieben sind und nicht durch bestialische Eingriffe dauerhaft geschädigt wurden. Man tötet die Versuchstiere, weil sie in wissenschaftlicher Hinsicht verbraucht sind. Ihr erneuter Einsatz in einer Versuchsreihe könnte das Ergebnis verfälschen, wobei die Aussagekraft von Tierversuchen ohnehin umstritten ist, nicht nur, wenn Affen Dieselabgase einatmen müssen.

Ein Wort noch zur Bildzeitung. Im Februar 2014 stellte Bild einen „herzlosen Zoochef zur Rede“, den Dänen, der die Tötung des „Giraffen-Jungen Marius“ und dessen Verfütterung an die Raubtiere zu verantworten hatte. Wie hier die Volksseele zum Sieden gebracht und wieder heruntergekühlt wird, ist ekelhaft. Es hilft nichts, sich von Bild was in die Tasche lügen zu lassen. Letztlich scheint es doch so zu sein, dass der Verzehr von Fleisch den Menschen abstumpft gegenüber dem Leid anderer Lebewesen, und er ist bereit, zu seinem Genuss jegliche Barbarei zu akzeptieren. So ist der brutale Umgang mit dem Tier alltägliche Praxis in unseren Gesellschaften. Wer eingekerkerte Raubtiere im Zoo besichtigen möchte, ist auch Täter, nicht allein ein Zoodirektor, der ihm das ermöglicht. Wer Huhn essen will, begünstigt auch das Kükenschreddern. Wer sich um das Wohlergehen der VW-Versuchsaffen sorgt, glaubt auch, dass Raubtiere im Zoo oder Zirkus mit Reiswaffeln gefüttert werden. All dieser unfassbare Selbstbetrug, man denkt nicht, es mit vernunftbegabten Erwachsenen zu tun zu haben.

Letztlich wird die „Affenschande“ VW nicht schaden. Es hat einen morbiden Charme, ein Auto aus einem Konzern zu fahren, der aus Nazi-Ungeist entstanden ist und in schauerlicher Tradition VerBegasungen anordnet, ohne dass sich irgendein Verantwortlicher findet – im Zirkus des schlechten Geschmacks.

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13 Kommentare zu “Den Affen gehts gut – sind glücklich tot

  1. Lieber Jules,
    bei Dir herrscht so dicke Luft, dass ich kaum zu atmen wage. Ich kann es ja verstehen, dass Du auf der Palme bist – aus Solidarität mit den Affen und vielleicht auch, weil da oben die Luft besser ist.

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  2. Lieber Jules, ich kann Deine Empörung verstehen und teile sie. Manche Foristen auf der von Dir verlinkten Seite schreiben übrigens ganz vernünftige Sachen. Zum Beispiel über Wahlen und über die Doppelmoral (warum verdienen Affen Mitleid, Schweine und Hühner aber nicht?). Und man kann auch nicht leugnen, daß gerade der Verzehr von Eiern (auch Bio-) zum millionenfachen Kükenschreddern erheblich beiträgt: https://www.peta.de/eier#.WnDz6RaDPUI
    (OT: Hier noch ein Link zu einer sehenswerten, 8minütigen Sendung über brandenburgische Bio-Eier-Produktion, die zu 90 % Massentierhaltung ist:
    http://mediathek.rbb-online.de/tv/SUPER-MARKT/Bio-Eier-in-Massen-gar-nicht-so-bio/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=42596636&documentId=49351870)

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  3. Über die Auswirkungen des Essens von getöteten Tieren auf das eigene Verhalten mag ich nicht spekulieren. Ich weiß aber, dass das Nicht-Essen von Tieren auch nicht hilft – wenn stimmt, dass Hitler Vegetarier war.

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