Wenn das Eichhörnchen frühstückt …

Wenn das Eichhörnchen frühstückt, gerät die Vogelwelt in Aufruhr. Wenn plötzlich Elstern, Krähen, und kleinere Singvögel umherfliegen, wenn ich diese Aufregung im Gehölz vor meinem Fenstern wahrnehme, brauche ich nicht lange auszuschauen, um das Eichhörnchen zu entdecken. Es spürt offenbar, im Fokus der Aufmerksamkeit zu sein und schränkt seine Bewegungen ein, verharrt lange an einer Stelle, scharrt wie absichtslos unter der Eiche, ja versteckt sich manchmal hinter einem Stamm oder Ast, wobei es Arme und Beine ausbreitet und soviel Halt findet, dass es sich sogar an der Unterseite eines Astes verbergen kann. Erst wenn es sich unbeobachtet glaubt, eilt es den Stamm der Eiche hinab, quert den Fußweg und jagt zu meinem Küchenbaum, der sein Fressplatz ist und in dessen Nähe es wohl die Leckerbissen vergraben hat. Rund um den Stamm liegen verstreut die Schalen von irgendwas, wo die Vogelschar aber offenbar nichts Verwertbares mehr findet. In dieser Welt muss großer Hunger herrschen. Ich bedauere, bislang nichts dagegen unternommen zu haben.

Vor zwei Jahren hing in meinem Küchenbaum auf meiner Augenhöhe ein Meisenknödel, der mich rätseln ließ, wie er dort hingekommen war. Es musste ihn jemand von den oberen Etagen heruntergeworfen haben, in der Hoffnung, dass sich seine Schlaufe im Gewirr der Zweige verfing. Seit über einem Jahr schaukelt das leere Plastiknetz im Wind. So bin ich, total verstädtert. Beobachte, stelle mir Fragen, ziehe Rückschlüsse, aber selten handele ich selbst.

Eben warf ich eine handvoll Mandeln aus dem Fenster. Das Eichhörnchen griff sich eine und knabberte ausgiebig daran. Mir sind die Mandeln zu hart, aber so ein Eichhörnchen kann sogar Haselnüsse aufnagen und das Innere herausholen. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, beim nächsten Einkauf sowohl an die Vögel zu denken wie auch ans Eichhörnchen. Vorher will ich mich aber im Internet informieren. Die Welt nebenan ein klein wenig besser zu machen, sollte nicht schwierig sein.

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