Gekritzelt – Bahn bewaffnet Schaf

Biertrinken gegen Sprachmagie
Bei unserem letzten HaCK-Treffen in der Kneipe zweifelte Herr Putzig aus soziologischer Sicht den Vereinbarungscharakter der Sprache an, der unter Linguisten seit Saussure unumstritten ist. Um das Willkürliche zu beweisen, schlug ich vor, wir sollten vereinbaren, unsere Biergläser künftig Nähmaschinen zu nennen. Dann stießen wir mit unseren vollen Nähmaschinen an und prosteten uns zu. Filipe d’Accord guckte ganz erstaunt. Vermutlich hätte er nicht gedacht, dass es geht.

Erinnerung an Colomans Fliege
Auf meiner Fensterbank lagen Ausdrucke eines Manuskripts, das ich gerade in Arbeit habe. Gestern saß eine kleine schwarze Spinne auf den Zeilen gleich Colomans Fliege. Der irische Mönch Coloman († 17. Juli 1012) hatte der Überlieferung nach eine Fliege, die auf dem Codex saß, in dem Coloman las. Immer wenn er eine Lesepause einlegen wollte, befahl er der Fliege, auf der zuletzt gelesenen Zeile sitzen zu bleiben, was die Fliege auch tat. Dieses lebendige Lesezeichen wird ihm leider irgendwann vom Codex weggestorben sein, ohne ihre Fähigkeit zu vererben, denn ähnliche Dienstleistungen wurden nie mehr von Fliegen berichtet. Das Spinnchen hatte ich allerdings nicht gerufen, und ich dachte, meine Texte sind auch nichts für Spinnenhirne.

Ich folgte einer Vampirin

„Sie lächeln so fein, dabei wollen Sie nur mein Blut“, sagte ich der aparten medizinischen Fachangestellten, als sie mich zur Blutabnahme bat. „Wenn ich grimmig schauen würde, käme doch keiner freiwillig mit“, entgegnete sie. Gut gegeben.

Die Sorge des Atheisten
Wenn es dunkel ist und ich vom Schreibtisch nach links schaue, blinkt durch das wirre Gezweig der entlaubten Vogelkirsche ein Stern. Er strahlt vermutlich von der Turmspitze der Bethlehem-Kirche. Als ich von Aachen nach Hannover zog, hätte ich nebenan, am Bethlehemplatz auch eine schöne Wohnung mieten können. Ich habe mich gegen sie entschieden, weil ich die Adresse „Betlehemplatz“ nicht haben wollte. Da würde man doch denken, da wohnt eine Betschwester.

Aber warum denn?

Schnappschuss: JvdL

Ach so, vong da her
Wie Jugendsprache in den Medien verbreitet wird, ist sie schon immer künstlich gewesen. Das gilt auch für die diversen Lexika der Jugendsprache. Um seines zu bewerben, kürt der Langenscheidt-Verlag das „Jugendwort des Jahres.“ Diesmal lautet es „I bims“, eine Verballhornung von „Ich bin’s“ aus der parodistischen Vong-Sprache, mit der die schlechten Deutschkenntnisse von Jugendlichen und Erwachsenen ironisiert werden. Obwohl Vong eine Erfindung ist, die durch eine facebook-Seite populär wurde, greift „I bims“ eine Entwicklung der Umgangslautung auf, die der Grammatikduden schon 1984 verzeichnet, ähnlich „fümf“ statt „fünf“, „ampassen“ statt „anpassen“ und dergleichen. Vielleicht werden unsere Ururenkel Vong sprechen.

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Gekritzelt – Der Weg des Fettklumpens

Unnötige Sorge
Ich habe gelesen, in meiner Jugend sei man entweder Fan der Beatles oder der Stones gewesen. Für mich gilt das nicht. Ich fand beide Musikgruppen gut und habe mich gefreut, dass bei den Aufnahmen von All You Need Is Love im Studio auch Mick Jagger zu sehen war. Dies geschah vor 50 Jahren bei der ersten weltweit per Satellit  von der BBC live ausgestrahlten Fernsehsendung im Jahr 1967. Ich erinnere mich gut, die Sendung im Fernsehen gesehen zu haben als einer von  700 Millionen Menschen in 31 Ländern.

John Lennon hat bei der Aufnahme einen Kaugummi gekaut, was ich ziemlich cool fand, obwohl ich wirklich Sorge hatte, er würde einen Einsatz verpassen, weil er nicht rechtzeitig zu kauen aufhören, also die Kaubewegung falsch takten würde. Immerhin hat All You Need Is Love den relativ komplizierten 7/4 Takt. Das Video zeigt, dass es tatsächlich passiert. Es ist aber nicht zu hören, denn das ganze war Playback, wie ich dank Wikipedia heute weiß.

Beatles – All You Need Is Love from SimDo on Vimeo.

Mediendidaktik
Jedes Jahr müssten im ganzen Land die Fernsehgeräte eingesammelt und durch neue ersetzt werden, die technisch schlechter sind als ihre Vorgänger. Das müsste so lange gehen, bis Fernseher nur noch ein Standbild zeigen. Das könnte dann meinetwegen wöchentlich wechseln.

Sprachgefühl

Der Wiener Kaffeehausdichter Peter Altenberg (1859-1919) berichtete, über den Titel seines Buches „Wie ich es sehe“ habe es Diskussionen gegeben, wie er auszusprechen wäre:
Wie ich es sehe; Wie ich es sehe; Wie ich es sehe; Wie ich es sehe
Man kann das abtun als kalten Kaffeehausdunst, den heute keiner mehr beachtenswert findet. Heute könnten derlei Diskussionen nicht mehr stattfinden, weil nicht nur das Interesse, sondern auch das nötige Sprachgefühl fehlen.

Eisenbahnromantik
Im Jahr 1995 hat die Deutsche Bundesbahn den Eilzug abgeschafft. Die Süddeutsche widmete dem Eilzug damals ein Streiflicht, worin der Autor daran erinnerte, dass auf Bahnhöfen, durch die der Eilzug ohne Halt gebraust ist, der Stationsvorsteher herausgetreten ist und salutiert habe. Mit dem Eilzug ist nicht nur das schöne Wort versunken, sondern eine ganze Eisenbahnwelt.

Der Weg des Fettklumpens
Mein mittlerer Sohn zu Besuch sagte mir, die Feuchttücher, die ich auch im Bad hätte, wären hauptverantwortlich für die riesigen Fettklumpen in der Kanalisation, weil die Leute sie nach Gebrauch in die Toilette werfen würden. Wie vor einiger Zeit in London sei jetzt auch in Leipzig so ein Ungetüm gefunden worden. Und die Firma, die solche Fettklumpen entsorge, mache wieder Seife daraus.

Verhinderte Kollektivbeleidigung

Der gute Sohn hat mir auch ausgeredet, eine Polemik „Generation Meldedoof“ zu schreiben.

Gekritzelt – Finaler Jahreslauf und Die letzte Frage

Etwas über lahme Botenstoffe
Wieder glaubte ich, etwas verloren zu haben. Zu Hause stellt sich das als Irrtum heraus, weil ich, was ich verloren glaubte, gar nicht mitgenommen hatte. Schon oft habe ich beobachtet, dass sich in solchen Fällen zwar Erleichterung einstellt, aber das Verlustgefühl noch nicht weicht. Offenbar werden bei solchem Verlust Botenstoffe ausgeschüttet, die sich erst langsam abbauen. Ähnlich umgekehrt. Nach einer angenehmen Begegnung bringt man ein Lächeln mit, trägt es noch eine Weile vor sich her.

Finaler Jahreslauf

Vielleicht gibt es ein Tier, dessen Lebenszyklus mit dem Jahreslauf korrespondiert. Stell dir vor, du wärst das, und dein Heimatplanet würde innerhalb deiner Lebenszeit nur einmal um die Sonne kreisen. Dann gewännst du im Fallen der Blätter den Eindruck, mit dir würde die ganze Welt absterben. Du würdest dich nicht am Farbenspiel roter und gelber Blätter erfreuen, würdest nicht durch raschelndes Laub rennen, dass es links und rechts von dir aufstiebt, sondern hättest Angst vor diesem Verfall. Wenn dann die Männer mit den Laubbläsern kämen, würdest du denken, die schickt ein kosmisches Abbruchunternehmen und gleich geht es mir an den Kragen. Der Schnitter streicht schon mit dem Wetzstein über die Sensenklinge.

Triumph des Menschen über die Maschine
Es ist hübsch, richtige Wörter zu schreiben, die die Rechtschreibprüfung nicht kennt – wie etwa „Schnitter“, wozu sie mir neben „Schnitte“ (lechz) und „Schnitzel“ auch „Schwitters“ vorschlägt.

Clash of Civilisations – im letzten Moment verhindert
Am Käsestand auf dem Markt verlangte ich drei Scheiben mittelalten Gouda. Die Verkäuferin verneinte, Scheiben ginge nicht, weil ihre Schneidemaschine nicht funktioniere, bot mir stattdessen an, von einem großen Stück, das sie aus der Auslage nahm, ein kleineres abzuschneiden. Ich zögerte, lehnte dann aber ab, obwohl sie mich mit all ihrem Marktfrauencharme anlächelte. Ich hatte vorher missbilligend gesehen, dass sie mit ihren Fingerkuppen einfach auf die Schnittfläche des Käses gefasst hatte. Da wusste ich, dass ich zu Hause immer würde denken müssen an die Königreiche von Mikroben, die auf ihren Fingerkuppen gesiedelt hatten und jetzt auf den Käse verpflanzt worden waren. Die will man doch nicht mit Mann und Maus verschlingen.

Die letzte Frage

Meine Lieblingsfigur in SF- und Horrorfilmen aus Hollywood ist der stereotyp auftauchende Kerl, der in einer rätselhaft-bedrohlichen Situation ausruft: „Was zum Teufel soll das?!!!“ Und schon beißt ihm irgendwas den Kopf ab.

Die Pernod-Ricard-Malbuch-Panne
Frau Anke Erdt von Pernod-Ricard hat auf meine Mail geantwortet, man habe keinesfalls mit 88 die Nähe zu Heil Hitler beabsichtigt, sondern es habe der Außendienstkollege „vergessen, das Display mit einem Preis zu versehen. Wir werden unsere Kolleginnen und Kollegen an diesen Schritt erinnern.“ Dass die Sache jetzt am gestressten Außendienstler hängen bleibt, der das Display nur in Ruhe hätte ausmalen müssen, einmal in groß und einmal in klein, ist wirklich perfide. Bei Rewe hatte auch niemand Lust dazu. Man klebte weiter unten ein eigenes Preisschild auf. Verantwortlich für die Panne ist der gewiss hochbezahlte Mensch bei Pernod-Ricard, der das Design des Aufstellers genehmigt hat. Er hätte voraussehen müssen, dass die Display-Anzeige zum Ausmalen nicht alltagstauglich ist und dass möglicherweise viermal 88 (= viermal „Heil Hitler“) zu lesen sein wird.

Preis-Display zum Ausmalen, Bild links: So wars gedacht – rechts: So wars zu sehen – Foto und Retusche: JvdL

Der VW-Konzern ist vor Jahren in Griechenland mit einer Anzeigenkampagne gescheitert, weil neben dem Auto eine Person abgebildet war, die mit offener Handfläche grüßte, was in Griechenland als grobe Beleidigung gilt. Hier war auch nicht der Plakatkleber verantwortlich, sondern die Agentur und wer im Unternehmen das depperte Plakatmotiv genehmigt hat.

Gekritzelt – Peinliche Marketingpanne

Der Name der Jecken steht an allen Ecken
Till Eulenspiegel hinterließ an den Orten seiner Streiche ein Rebus, eine Eule mit Spiegel, und schrieb dazu: »Hic fuit«. (Hier ist Eulenspiegel gewesen). Der Wiener Hofbeamte und Alpinist Joseph Kyselak wollte im ganzen Kaiserreich bekannt werden, indem er an vielen Orten, auch an schwierig zu erreichenden Stellen im Hochgebirge, den Spruch „Kyselak war hier“ hinterließ. Mein Name wird in einem Jahr auf dem Mars landen, wie hier bei Freund Merzmensch zu lesen, von dem ich mich habe anstiften lassen.

Bekannt auch in der Schweiz und in Österreich

Nachdem der Schweizer Graphologenverband sich schon positiv über „Buchkultur im Abend(b)rot“ geäußert hat, ist jetzt auch eine Rezension in Österreich erschienen, und zwar auf der Wiener Seite abi-Lehre (Infos zur Lehre Archiv-, Bibliotheks- und InformationsassistentIn) Wer also noch ein gutes Weihnachtsgeschenk sucht …

Wo war Gott?
Beim pompösen Event zum Reformationstag „Projekt der 1000 Stimmen“ mit 4000 Sängerinnen und Sängern in der Mercedes-Benz-Arena, übertragen vom ZDF, erbrachte ein feixend moderierender Dr. Eckart von Hirschhausen den negativen Gottesbeweis mit Sätzen wie: „Martin Luther war wirklich eine coole Socke.“ Gäbe es einen Gott, hätte der doch mindestens den Moderator beim Scheißen erschlagen.

gesehen in Hannover-Linden – Foto: JvdL

Aus der Abteilung:
Peinliche Marketingpannen

Gleich viermal „88“ ließ Pernod Ricard Deutschland auf einen Werbeaufsteller für ein Mixgetränk drucken. Wie man weiß, steht 88 für den zweimaligen 8. Buchstaben in der Alphabetreihe, das H, und bedeutet unter Neonazis „Heil Hitler!“ Ich habe Pernod Ricard angeschrieben und gefragt, obs Absicht war oder ein Versehen, aber noch keine Antwort. Der Aufsteller war jedoch schon am nächsten Tag verschwunden. Vermutlich wird man sich herausreden, dass der jeweilig anbietende Einzelhändler in der 7-Segmentschrift die überflüssigen Segmente hätte schwärzen sollen, um seinen Einzelhandelspreis anzugeben. Das aber hat man im REWE-Markt Hannover-Linden wohl nicht verstanden und weiter unten den eigenen Preis aufgeklebt (nicht im Bild).

Einladung zum Sprachspiel:
Acht beleibte Cellisten drohen England.
Fünf große Heilige irritieren jetzt Kanada.
Laute Metzger näseln ohne Pathos.
Querulanten rufen schön tiefgründigen Unsinn.
Verzehren welke Xanthippen Yamswurzeln zuhauf?

Alle beleibten Chemiker dürfen einwandern.
F… G… H… I… J… K…
L… M… N… O… P…
Q… R… S… T… U…
V… W… X… Y… Z…

(Mach mit. Ich sammle die Ergebnisse vorerst auf einer eigens eingerichteten Seite)

Gekritzelt – Kühe wundern sich über neue Melkzeiten

Weil ich vergessen hatte, Öl zu kaufen
Vor 20 Jahren nahm ich an einem bundesweiten Fortbildungsseminar teil. Bei einer gemeinsamen Busfahrt saß ich neben einer Kollegin aus dem Ruhrgebiet. Sie erzählte mir, dort existiere ein Geheimcode zur sexuellen Kontaktaufnahme im Supermarkt. Er: „Wissen Sie, wo hier das Öl ist?“ Sie: Kochöl oder Körperöl?“, schon ist der Kontakt hergestellt. Der Kode hat sich wohl in den 20 Jahren nicht verbreitet. Ich bin noch nie von einem Mann nach Öl gefragt worden.

Die Kühe wundern sich über veränderte Melkzeiten

Habe brav die Uhren umgestellt. Keiner kann einen vernünftigen Grund benennen, 60 Prozent der Bevölkerung und Politiker, ganze Parteien sind dagegen, aber gemacht wird es trotzdem. Warum? Weil die mächtige EU-Kommission es kann. In der Pädagogik gibt es den Begriff des „heimlichen Lehrplans“ [hidden curriculum]. Das erklärte Lernziel der Schule ist Selbstständigkeit und Emanzipation, aber gelernt werden Anpassung und Unterwürfigkeit. Der heimliche Lehrplan der Zeitumstellung ist eine halbjährliche Einübung in Ohnmacht und Unterwerfung.

Heute-Show (ZDF)

Satire und Show sind siamesische Zwillinge, die sich gegenseitig besinnungslos schlagen. Die satirische Heute Show greift politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen auf, und ein vom Anheizer (Warm-Upper) aufgedrehtes Publikum hüpft klatschend und Füße stampfend auf den Sitzen, als würden sie ihren eigenen Kriechgang in die Verarsche bejubeln. Da diese Duracell-Äffchen stellvertretend für das Millionenpublikum vor den Bildschirmen agieren, wirkt auch hier ein heimlicher Lehrplan: Allwöchentlich wird mit Witz und Dollerei der Irrsinn unserer Welt gezeigt. So wird Kritik zum folgenlosen Konsum aufbereitet. Es reicht, wenn wir mal ordentlich ablachen, damit es gleich weitergehen kann wie vorher.

Nach oben offene Liste der TV-Plagegeister, bei denen ich nicht schnell genug wegzappen kann

– Dieter Nuhr (penetranter Namenwitz)
– Hazel Brugger (Schweiz gewordener Sauertopf)
– Guido Cantz (grinsender Priapismus)
– Barbara Schöneberger (unerlaubte Bilokation)
– Dr. Eckart von Hirsch (Keine Praxis, nur Hausbesuche)
– Olaf Schubert (Faselhannes)

Aus der Abteilung: Schlechte Witze

„Wer ist denn da drüben das kurzbeinige Kind mit dem furchtbaren Wasserkopf?“
„Bitte?! Das ist mein Sohn!“
„Oh! Steht ihm aber gut.“

Gekritzelt – Kosmische Spielerei

Kosmische Spieler

Zu denken, dass kosmische Wesen uns spielen wie Handpuppen oder Marionetten. Bist du gut drauf, spielt dich der eine Puppenspieler, bist du schlecht drauf, spielt dich der andere. Aber egal, wer dich spielt, dein Charakter bleibt natürlich erhalten, wie ein musikalisches Werk unangetastet bleibt, wenn es von schlechten Musikern gespielt wird. Ich bin früh aufgewacht, doch mir scheint, heute spielt mich ein Penner.

Experiment

Wohlgenährt
Vielleicht gibt es Pflanzen, die ähnlich denen, die in Sumpf und in Verrottung gedeihen, vom Leiden anderer Lebewesen sich ernähren. Der Rasen vor dem Zimmer der Schwerkranken war fett und satt.

Aus der Abteilung: Rätselhafte Piktogramme
Ein Piktogramm ist ein abbildhaftes Zeichen, semiotisch „icon“, das einen sprachunabhängigen Informationsaustausch ermöglichen soll. Die Darstellung ist möglichst reduziert und sollte trotzdem eindeutig sein. Wer erklärt mir die Bedeutung dieser Piktogramme aus meinen Sneakers? (Größer: Klicken)

(Mehr „Gekritzelt“, klicke Vignette)

Gekritzelt – Bekannt aus Funk und Fernsehen

networking
Als ich noch in Aachen lebte, hat einmal ein Handwerker das Klingelbrett repariert. Da musste er zum Test gelegentlich bei mir klingeln. Jedesmal, wenn ich “Ja?“ in den Hörer der Haussprechanlage gesagt habe, hat er seinen Namen genannt und erklärt, dass der Hausbesitzer ihn beauftragt habe, das Klingelbrett zu erneuern. Und dann hat er gefragt: “Sind Sie Herr Dingens?“ Und ich habe „nein“ gesagt, als er meine Stimme schon hätte wiedererkennen müssen, habe ich „noch immer nicht“ gesagt.

Später war ich einkaufen, und als ich zurückkam, fummelte er weiter an den Kabeln. Da wurde mir erst richtig klar, wie kompliziert das Netzwerk eines Klingelbretts ist. Man nimmt alles so selbstverständlich hin, obwohl nichts selbstverständlich ist. Das ganze gesellschaftliche Leben ist in komplizierten Netzwerken organisiert. Die meisten nimmt man nur wahr, wenn sie nicht mehr funktionieren. Von anderen weiß man gar nichts oder wenig, weil man dem Netzwerk nicht angeschlossen ist.

LukeGiovanni, Ich bin dein VaterOnkel!
In Hannover-Linden sehe ich gelegentlich einen Stadtstreicher. Er trägt seine Habe in einer abgerockten Plastik-Einkaufstüte der Ladenkette NP. Manchmal kommt er mittags mit kleinen Trippelschritten ins Marktcafé, um ein Glas Rotwein zu trinken. Letztens saßen eine Freundin ich im rückwärtigen Raum des Marktcafés. Da kam der Stadtstreicher hinzu und setzte sich mit seinem Rotwein an einen Tisch auf der anderen Seite des Raums.

Vote2 – Montage: JvdL

Wir besprachen, dass Chefredakteure von Printmedien meistens arrogante Pinsel sind und lachten darüber, dass Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bei der Europawahl aus lauter Selbstgefälligkeit zweimal gewählt hatte, weshalb eine Weile gegen ihn wegen Wahlbetrugs ermittelte wurde. Die Freundin wusste zu erzählen, wie Di Lorenzo sich in einer Bäckerei über eine Verkäuferin geärgert hatte und entrüstet gefragt habe: „Ja, wissen Sie denn gar nicht, wer ich bin?“ Da fragte der Stadtstreicher quer durch den Raum: „Der Giovanni? Der ist ganz berühmt, kommt sogar im Fernsehen. Ich bin sein Onkel.“

Das Kleinknechtsyndrom
Ein Kollege erzählte aus seiner ostpreußischen Heimat, auf dem Gut habe ein geistig behinderter Mann als Kleinknecht gearbeitet. Der hatte Anspruch auf mittags eine Mahlzeit, eine „Schettel“ (Schüssel) voll. Einmal sei man bei der Feldarbeit gewesen und hatte für den Knecht die Schüssel vergessen. Stattdessen gab man ihm reichlich in einen Eimer. Da murrte der Kleinknecht, weil er nicht voll war, denn er hatte Anspruch auf eine Schettel voll. Ich habe den Verdacht, dass wir in vielerlei Hinsicht nicht anders sind als der Kleinknecht, dass wir nämlich die Dinge oft mit dem falschen Maß bewerten. Nur ist es selten so offensichtlich wie im Beispiel des Kleinknechts.

Abteilung: Blöde T-Shirt-Aufdrucke
„Kaltes Bier und heiße Weiber
sind die schönsten Zeitvertreiber“ –
und das über einem Schmerbauch. Da waren wohl viele Biere gewesen und heiße Weiber nur vom Hörensagen.