Gekritzelt – Kühe wundern sich über neue Melkzeiten

Weil ich vergessen hatte, Öl zu kaufen
Vor 20 Jahren nahm ich an einem bundesweiten Fortbildungsseminar teil. Bei einer gemeinsamen Busfahrt saß ich neben einer Kollegin aus dem Ruhrgebiet. Sie erzählte mir, dort existiere ein Geheimcode zur sexuellen Kontaktaufnahme im Supermarkt. Er: „Wissen Sie, wo hier das Öl ist?“ Sie: Kochöl oder Körperöl?“, schon ist der Kontakt hergestellt. Der Kode hat sich wohl in den 20 Jahren nicht verbreitet. Ich bin noch nie von einem Mann nach Öl gefragt worden.

Die Kühe wundern sich über veränderte Melkzeiten

Habe brav die Uhren umgestellt. Keiner kann einen vernünftigen Grund benennen, 60 Prozent der Bevölkerung und Politiker, ganze Parteien sind dagegen, aber gemacht wird es trotzdem. Warum? Weil die mächtige EU-Kommission es kann. In der Pädagogik gibt es den Begriff des „heimlichen Lehrplans“ [hidden curriculum]. Das erklärte Lernziel der Schule ist Selbstständigkeit und Emanzipation, aber gelernt werden Anpassung und Unterwürfigkeit. Der heimliche Lehrplan der Zeitumstellung ist eine halbjährliche Einübung in Ohnmacht und Unterwerfung.

Heute-Show (ZDF)

Satire und Show sind siamesische Zwillinge, die sich gegenseitig besinnungslos schlagen. Die satirische Heute Show greift politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen auf, und ein vom Anheizer (Warm-Upper) aufgedrehtes Publikum hüpft klatschend und Füße stampfend auf den Sitzen, als würden sie ihren eigenen Kriechgang in die Verarsche bejubeln. Da diese Duracell-Äffchen stellvertretend für das Millionenpublikum vor den Bildschirmen agieren, wirkt auch hier ein heimlicher Lehrplan: Allwöchentlich wird mit Witz und Dollerei der Irrsinn unserer Welt gezeigt. So wird Kritik zum folgenlosen Konsum aufbereitet. Es reicht, wenn wir mal ordentlich ablachen, damit es gleich weitergehen kann wie vorher.

Nach oben offene Liste der TV-Plagegeister, bei denen ich nicht schnell genug wegzappen kann

– Dieter Nuhr (penetranter Namenwitz)
– Hazel Brugger (Schweiz gewordener Sauertopf)
– Guido Cantz (grinsender Priapismus)
– Barbara Schöneberger (unerlaubte Bilokation)
– Dr. Eckart von Hirsch (Keine Praxis, nur Hausbesuche)
– Olaf Schubert (Faselhannes)

Aus der Abteilung: Schlechte Witze

„Wer ist denn da drüben das kurzbeinige Kind mit dem furchtbaren Wasserkopf?“
„Bitte?! Das ist mein Sohn!“
„Oh! Steht ihm aber gut.“

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NSU, Zeitumstellung und die Sau Panama papers

Soeben bekam ich eine Mail des Pressedienstes Blendle mit dem Betreff: „So verstecken Sie Ihre Milliarden vor dem Finanzamt. Dieser Insider packt aus.“ Will ich das wissen? Natürlich hatte ich mich verlesen. Da stand „So verstecken Reiche Milliarden vor dem Finanzamt.“ – Muss ich das wissen? Mietmäuler wie der smarte Anwalt Wolfgang Kubicki, nebenher stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP, teilen ja längst mit, Briefkastenfirmen wären nicht grundsätzlich illegal. Andere weisen mich darauf hin, dass jeder, auch ich schon mal bei der Steuererklärung geschummelt hätte, mir letztlich nur die Gelegenheit fehlen würde, Milliarden zu hinterziehen. Wenn das die Erkenntnis ist, dann wäre doch die Konsequenz, dass es Gesetze und Kontrollen geben muss, die geeignet sind, unsere durch und durch unmoralische Haltung und das daraus folgende egomane Verhalten in Grenzen zu halten. Dass wir solche engmaschigen Gesetze und Kontrollen bei Hartz-IV-Empfängern haben, bei Reichen aber nicht, ist  das Komplettversagen von Regierungen, die sich auf das Volk haben vereidigen lassen. Zur Erinnerung. Der Amtseid lautet: Weiterlesen

Uhrenvergleich – Einiges über die Zeitumstellung

Heute Morgen ist die Sonne in Görlitz um 7:06 Uhr aufgegangen, in Aachen jedoch erst um 7:41 Uhr, also etwas mehr als eine halbe Stunde später. Eine Sonnenuhr in Görlitz im äußersten Osten Deutschlands zeigt den Höchststand der Sonne 35 Minuten früher an als eine in Aachen, der westlichsten Stadt Deutschlands. Denn eine Sonnenuhr zeigt die Ortszeit. Das heißt, wenn die Sonne an einem bestimmten Ort im Zenit steht, wirft sie den Schatten des Stabes genau auf die Zwölf der Sonnenuhr. In alter Zeit entsprach die Mitte des Tages, der Mittag, genau dem Augenblick, wenn die Sonne im Zenit stand. Die innere Uhr der Menschen war nach dem Sonnenstand getaktet, was bedeutet, dass der Takt sich zum Beispiel bei Aachenern und Görlitzern deutlich unterschied. Aber sie merkten es nicht, denn ihre Lebenswelten waren ja nicht miteinander verbunden. Wenn je nach Sonnenstand die Dämmerung einbrach, endete der Tag. Dann begaben sich die Eulen auf die Jagd, weshalb die Dämmerung einst „Eulenflucht“ hieß. Das schöne anschauliche Wort Eulenflucht ist leider versunken wie die Orientierung des Menschen am Sonnenstand.

Erst die Fernkommunikation bringt die Idee der Einheitszeit mit sich. Die Notwendigkeit einer Einheitszeit entstand im Jahr 1830 mit der heute weitgehend vergessenen optischen Telegrafie. Die etwa 550 Kilometer lange preußische Telegrafenlinie reichte von Berlin bis Koblenz. Diese frühe Form der Telegrafie bestand aus Türmen mit Signalmasten. Sie waren im Sichtabstand von etwa sechs Kilometern auf Anhöhen errichtet, meistens außerhalb von Ortschaften, weshalb die Turmbesatzung, zwei Telegrafisten, mit ihren Familien in Wohngebäuden beim Turm lebten. Auf der Telegrafenlinie galt Berliner Ortszeit. Sie wurde allmorgendlich mit dem Kode B4 durchtelegrafiert und auf Schwarzwälder Kuckucksuhren eingestellt. Die Telegrafenbesatzungen waren also nicht nur räumlich isoliert, sondern auch zeitlich, lebten in einer fiktiven Einheitszeit, während die Menschen in den Ortschaften ringsum ihre Kirchturmuhren nach dem Sonnenstand stellten. Die Einheitszeit ist eine technische Idee, eine Idee der Fernkommunikation und später der Eisenbahn, die ja einen einheitlichen Fahrplan benötigt. Die Einheitszeit entspricht nicht dem menschlichen Maß, sondern ist ein Kompromiss, dessen Nützlichkeit man nicht bestreiten kann.

UhrenvergleichFotomontage: Trithemius

Doch in keiner Weise nützlich ist das alljährliche Hin und Her der Zeitumstellung von Sommerzeit auf Winterzeit und zurück. Der Mensch benötigt vier Tage bis zu vier Wochen, um seine Innere Uhr umzustellen, weshalb auch an den Montagen nach der Zeitumstellung die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich ansteigt. Die Idee, mit der Sommerzeit ließe sich Energie sparen, hat sich als trügerisch erwiesen. Es wird sogar mehr Energie verbraucht.

Laut einer aktuellen repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK sind nur 26 Prozent der Bevölkerung für die Zeitumstellung, aber 71 Prozent wollen diesen Humbug nicht. Ein Kompromiss wäre doch, die Uhren ein für alle mal eine halbe Stunde vor- oder zurückzustellen. Dann entspräche zwar der Sonnenstand noch immer nicht der einheitlichen Uhrzeit, doch wir müssten uns nicht zweimal im Jahr quälen.

Leider neigen einmal eingeführte Systeme dazu, sich zu erhalten, auch wenn ihre Nützlichkeit fragwürdig ist. Und natürlich sind es immer die Herrschenden, die uns die Zeit diktieren. Diese technokratische Arroganz der EU erinnert an den rumänischen Diktator Ceauşescu, der in einem harten Winter sogar die offiziellen Temperaturangaben nach oben korrigieren ließ, als sein Volk wegen des Ölmangels fror.

Den Eulen ist übrigens egal, was die Uhr des Menschen anzeigt. Sie fliegen nach wie vor bei Einbruch der Dämmerung. Doch alle Haustiere leiden unter dem willkürlichen Eingriff des Menschen, was der Bauer vor allem bei seinen Kühen erkennt, die einfach nicht einsehen wollen, dass es plötzlich eine Stunde später zum Melken geht. Wie soll die Kuh auch verstehen, dass dem Menschen nach und nach jedes natürliche Maß abhanden kommt.


Am 24. Dezember gibt es im Teestübchen ein Hörspiel vom Leben in einem Telegrafenturm nach einem Text von mir, aufgenommen bei der Deutschen Welle