Warum den Alten die Zeit davonrennt – eine Spekulation von Jeremias Coster

„Ich habe meine eigene Theorie, warum die Zeit mit steigendem Lebensalter immer schneller zu vergehen scheint“, sagte Jeremias Coster, der dubiose Professor für Pataphysik und Leiter des Institus für Nachrichtengeräte an der Technischen Hochschule Aachen. „Willst du sie hören, Trithemius?“

„Nur zu. Allerdings zweifele ich den linearen Zeitenlauf an. In Wahrheit vergeht die Zeit ruckartig. Wir merken es nicht, weil wir den Sonnenlauf beobachten können. Darum der Mythos des Sonnenwagens. Wäre die Sonne immer durch Wolken verdeckt, hätte die Menschheit ein ganz anderes Zeitgefühl entwickelt.“

„Interessant. Doch, nachdem du ’nur zu‘ gesagt hattest, wollte ich darlegen, warum die Zeit mit steigendem Lebensalter immer schneller zu vergehen scheint. Deine Hypothese ist nämlich nicht hilfreich, weil wir nicht unter einer ständigen Wolkendecke leben, obwohl es gerade regnet wie Sau. An anderen Tagen können wir den Sonnenlauf beobachten, nimm nur als Beispiel den wandernden Schatten auf der Sonnenuhr.“

„Niemand beobachtet den wandernden Schatten unentwegt 12 Stunden lang. Wie kann die sporadisch beobachtete Sonnenuhr meine Annahme widerlegen?“

„Verd…! Schau auf die Überschrift. Da steht ‚Warum den Alten die Zeit davonrennt – eine Spekulation von Jeremias Coster‘ und nicht: ‚derweil Trithemius ständig dazwischen quatscht‘.“

„Entschuldigen Sie mal, Coster, die Überschrift habe ich geschrieben und könnte sie jederzeit in meinem Sinne ändern. Aber ich will mal nicht so sein. Also, warum, glauben Sie, vergeht die Zeit mit steigendem Alter immer schneller?“

„Es scheint so, um genau zu sein. Wenn ein einjähriges Kind und ein Hundertjähriger in einem Haushalt leben, dann vergeht die Zeit der beiden natürlich gleich schnell, sonst würde der Hundertjährige ja in der Zeit davoneilen. Es geht um das Empfinden der beiden. Sieh, für das genannte Kind ist ein Jahr 100 Prozent seines Lebens. Für den Greis ist ein Jahr 1 Prozent seines Lebens. Beide überblicken die gleiche Zeitspanne von einem Jahr und empfinden sie riesig (bei 100 Prozent) oder winzig (bei einem Prozent).

„Hm, es hört sich plausibel an, aber das sage ich nur wegen meiner anerzogenen Höflichkeit. Sie könnten Recht haben, Coster. Und nur weil ich Ihre Erklärung nicht ganz verstehe, muss sie nicht falsch sein.“

Am Beispiel des 100-jährigen und des Einjährigen im gemeinsamen Haushalt lässt sich ebenso deine Annahme widerlegen, die Zeit vergehe ruckartig. Ich nehme an, du meinst das Phänomen, dass beim Warten die Zeit schleicht, während sie davoneilt, wenn man sich anderweitig beschäftigt. Auch hier würde ein Wartender, sei es Kind oder Greis, das gemeinsame Zeitkontinuum verlassen. Der Wartende würde sozusagen zurückbleiben. Es ist demnach sinnvoller die Zeit als Größe anzusehen, die vom subjektiven Zeiterleben nicht tangiert wird.“

„ Ist demnach alles eine Frage der Wahrnehmung?“

„Wenn du Wahrnehmung mit Falschnehmung übersetzt. Auch bei der Zeit ist der Mensch ein großer Falschnehmer.“

„Das erinnert mich an die perspektivische Wahrnehmung. Obwohl wir alles ständig verzerrt wahrnehmen, bewirkt das Gehirn eine Entzerrung. Niemand bezweifelt, dass ein Teller rund ist, obwohl er auf dem Tisch eliptisch wirkt. Das ist die sogenannte Konstanzleistung des Gehirns, so dass die Menschen bis ins 15. Jahrhundert die perspektivische Verzerrung nicht richtig sehen konnten. Könnte die einheitliche Zeitwahrnehmung nicht auch eine Konstanzleistung des Gehirns sein?“

„Du meinst, im Alter eilt der Mensch in der Zeit voraus, aber die Jungen bemerken das nicht? Innerhalb einer derartigen Zeitverzerrung müsste es dann eine Toleranz geben, die eine Einheitszeit suggeriert.“

„Mir gefällt die Idee, dass ich in der Zukunft lebe. Nur deshalb kann ich ein Gespräch mit Ihnen aufschreiben, bevor wir es überhaupt geführt haben.“

Zwei Worte für und gegen den Schmerz

„Gute Besserung!“, haben mir liebe Menschen gewünscht, nachdem ich mir eine Rippe gebrochen hatte. „Gute Besserung“ steht auf der Packung Papiertaschentücher, die mir die Apothekerin schenkte. Ärzte wünschen einem nie „gute Besserung!“ Ihr Geschäft ist das Kranksein, nicht die gute Besserung. Auch wenn sie über die professionelle Haltung hinaus ein wenig Anteil nehmen, kommt ihnen „gute Besserung!“ nicht über die Lippen. Dass es Wochen dauert, bis ich beschwerdefrei bin, haben mir alle gesagt. Da sie wissen, dass diese Geschichte ihre Zeit braucht, sparen sie sich die Floskel.

Ich las, als es mir einmal sehr schlecht ging, eine andere Floskel: Meine Schmerzen glichen denen der gebrochenen Rippe. Man glaubt es kaum, aber wann immer derzeit der Schmerz die Schmerzmittel glutheiß überstrahlt, dann denke ich, dass ich solche Schmerzen, diese sengenden Stiche zwischen den Rippen, schon einmal zuvor erlebt habe. Aus Gründen hatte ich mich im Sommer 2005 von Lisette getrennt und all ihre Versuche, mich zurückzugewinnen abgewehrt.

Bei der Bundestagswahl im September war ich Wahlvorstand, musste nach der Stimmauszählung den Koffer mit den Stimmzetteln und Wahlunterlagen ins Verwaltungsgebäude der Stadt Aachen bringen. Danach bummelte ich zum Rathaus. Dort war ich mit meinem jüngsten Sohn verabredet. Wir wollten im Krönungssaal zusammen die Wahlpartie erleben. Er kam nicht. Nachdem ich etwa eine Stunde gewartet hatte, beschloss ich zu gehen, stieg die Treppe hinab, und da kam mir entgegen – Lisette! Wir hatten uns Wochen nicht gesehen und waren elektrisiert. Wie selbstverständlich begleitete ich sie zurück in den Krönungssaal, wo wir einige Stunden verzaubert nebeneinander standen. Auf großen Bildschirmen lief die „Elefantenrunde“ mit den Spitzenkandidaten der Parteien. Gerhard Schröders arroganter Auftritt sollte legendär werden, in dessen Folge Angela Merkel Bundskanzlerin wurde. Ich habe gelegentlich zu den Bildschirmen hochgeschaut, doch nichts, aber auch nichts mitbekommen.
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Uit de tijd gegleden – Aus der Zeit gerutscht

Zounds! Ik heb me verslapen. Ik moet uit de tijd zijn gegleden, omdat het overal rustig is. Hoewel ik een paar auto’s in de verte hoor rijden, tsjilpen er ook vogels. Maar het geluid zou een misleiding kunnen zijn. Zij zouden van de band kunnen loskomen. De akoestische illusie hoeft niet eens van de band te komen. Het is genoeg om mijn hoorzorgcentrum een beetje te stimuleren, zodat ik denk dat ik verafgelegen autogeluiden, vogelgeluiden en het stille ventilatieluid van mijn laptop kan horen. Als ik over het scherm kijk, zie ik drie ramen, twee frontale ramen, één diagonaal van opzij. Het linker venster van het frontale venster heeft twee vleugels. De witte gordijnen worden volledig opzij geschoven, zodat juist dit raam zicht biedt op het dichte gebladerte van verschillende bomen, die zich in schijnbaar verschillende diepten van de ruimte bevinden. Recht vooruit zie ik een meidoornstruik die in de bladeren van een eik is gegleden. Ik zie niet veel door het zijraam. Het gordijn wordt niet ver genoeg naar de zijkant geduwd. Ik herken tenminste een hoge, lichtrode gemetselde huisgevel en wat ramen erin. Ze zijn wit geschilderd en hebben een oud wit schietgat. Uit hun symmetrische rangschikking maak ik op dat er meer ramen in de voorkant van de bulk moeten zijn. Echter, het grootste deel van de voorkant van het huis is bedekt met de bladeren van een boom.

augadoro (oogpoort) was de naam die de Teuten aan hun ramen gaven. Net als bij de akoestische waarnemingen, alles wat de oogpoorten me konden laten zien en wat er allemaal in de kamer is. Dit alles zou kunnen worden voorwendseld als mijn visueel centrum. Mijn scherm en wat er schriftelijk op verschijnt bleef behouden wanneer ik bepaalde toetsen in een ordelijke volgorde indruk. Ervan uitgaande dat dat ook illusie zou zijn zoals de tastbare waarneming van de computer op mijn schoot, de knopen onder mijn vingers, zoals mijn linkervoet op de grond, mijn rechtervoet vrij zwevend in de lucht omdat ik dit been over het andere been raak en de computer op de dij van mijn rechterbeen houd, de druk van mijn lichaam op de rugleuning terwijl ik op de zitting weeg, mijn innerlijke waarnemingen, de afdronk van koffie in mijn mond enzovoort. Er is geen bewijs dat ik niet uit de wereld ben gegleden. Niets bewijst dat ik hier nog steeds ben. En je lieve lezer, je hebt nog minder aanwijzingen. U zegt: Ik lees uw tekst. Maar doen jullie dat überhaupt? Ik heb geen bewijs dat ik niet weet of alle percepties ook voor jou gespeeld zullen worden. Wat als ik de tekst helemaal niet schreef? Misschien zat het gewoon in je hoofd? Het ontstaat zeker in je hoofd op dat moment. Nederlands!

Goede dag!

Vertaald met http://www.DeepL.com/Translator – Mit Dank an Dieter Kayser

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Vom Wirken der Zeit

»in Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Stunde in die Höhe, eine Stunde in die Breite und eine Stunde in die Tiefe; dahin kommt alle hundert Jahr ein Vöglein und wetzt sein Schnäbelein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Sekunde von der Ewigkeit vorbei.« (Jacob und Wilhelm Grimm; Das Hirtenbüblein)

Drei Jahre war Hauptlehrer Schmidt mein Lehrer in der Oberklasse gewesen, in der drei Schuljahre gleichzeitig saßen, doch schon in den unteren Klassen hatte ich diesen Mann mehr gefürchtet als geachtet. Während jeder Pause stand er seitlich auf der Eingangstreppe auf einem flachen Sockel aus Ziegelsteinen, in den das Geländer eingelassen war. Gegen das Geländer gelehnt, überwachte er das Treiben auf dem Schulhof. Im Lauf der Jahrzehnte hatte er in den Sockel eine Mulde getreten.

Der Maurer, der den Sockel einst aus Ziegeln hochgezogen hatte, konnte am Abend seine Arbeitsleistung sehen, ein Lehrer kann das nicht. Er sieht seine Schüler mit den Jahren heranwachsen, kennt ihren Lernstand, soweit er sich messen lässt, und trotzdem ist es für ihn unwägbar, wie sich sein Unterricht auf den einzelnen Schüler auswirkt oder was sich gar in dessen Erinnerung eingräbt. Ich jedenfalls vergesse von Hauptlehrer Schmidt niemals die eindrucksvolle Mulde, die er während der Pausen unmerklich getreten hatte. Sie ist seine weitaus beste Leistung, denn die Mulde gab mir eine Idee vom Wirken der Zeit, dem auch fest gefügte Backsteine nicht zu trotzen vermögen, wenn nur ein paar Ledersohlen beständig auf ihnen scharren.

Foto, Montage u. Gif-Animation: JvdL

Der Blaustein der Eifel ist etwa 400 Millionen Jahre alt. Wenn er verwittert, wird er hellgrau. Dem Eingang im Bild dient er einige hundert Jahre als Türschwelle und glänzt in seiner Mitte in mattem Blau. Viele Füße haben die Schwelle ausgetreten, haben sie wundersam verformt. Wem gehörten die Füße? Wer waren diese Menschen, und welche Schicksale führten sie hinein und hinaus? Die Geschichte jedes einzelnen ist verweht wie der winzige Abrieb, den sein Fuß von der Stufe nahm.

Der Pförtner des Hauses könnte vielleicht Auskunft geben. Doch man müsste ihn finden. Er zeigt sich nicht nur einmal in 100 Jahren wie das Vöglein, sondern alle drei Minuten.