Zehn Jahre Warten auf den Weltuntergang

Krankheitsbedingt habe ich die Zeitmarke verpasst: Am 10. September 2008, also vorvorgestern vor zehn Jahren ging der Teilchenbeschleuniger LHC an den Start. An der allgemeinen Panik, die Kollision von hochbeschleunigten Teilchen könnte ein Schwarzes Loch hervorrufen, das nach und nach die ganze Erde verschlingt, beteiligte sich natürlich auch das Teppichhaus Trithemius. Offenbar hat man am Cern bislang kein ordentliches Schwarzes Loch zustande gebracht. Teuer genug mit 3 Milliarden Euro wäre es. Darum ungetrübtes Viel Vergnügen!

Fotos vom Aachener Münsterplatz, Text und Animation: JvdL

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Mein Rücken schmerzt – Bringt die Clowns herbei!

kategorie surrealer-AlltagIch habe von Timo Wopp geträumt. Es gab zwei Formen, angemessen zu liegen, und für eine war er verantwortlich. Es hatte mit den Rückenschmerzen zu tun, die mich seit gut zwei Wochen quälen. Tagsüber spüre ich nur, dass da irgendwo Schmerzen lauern, aber sie sind quasi nachtaktive Raubtiere. Am heftigsten beißen sie mich, wenn ich aufstehen will. Kurz vorher beginnen sie bereits zu wüten, und in dieser Phase habe ich von Timo Wopp geträumt. Nachdem ich mich aus dem Bett gequält hatte, war ich einigermaßen erstaunt über seine Rolle in meinem Traum.

Gestern Abend hatte ich auf dem NDR zufällig die Sendung [Moment, ich muss in der Mediathek nachschlagen]: „Selten so gelacht“ – Ein „Best of“ der NDR Talkshows gesehen. Man hatte Szenen mit Komikern und Kabarettisten zusammengestellt, wie sie die launige Talkrunde gerade zum Wiehern brachten. Das war teilweise wirklich lustig, weshalb ich entgegen meiner Absichten eine Weile zuschaute. Und plötzlich saß da der Komiker Timo Wopp, und ich dachte: „Ach, den gibt es auch noch!“, weil ich immer wieder erstaunlich finde, wer alles auf den diversen TV-Kanälen seine Witze reißt und damit eine Familie ernähren kann. Wopp ist auch so ein Familienerzeuger und -ernährer, gehört zur Horde der jüngst gewordenen Vätern, die das Elternsein thematisieren, manchmal woppmäßig banal, dass man es sofort wieder vergisst, manchmal überdreht wie Florian Schröder, manchmal sprachlich geschraubt und höchst dramatisch wie Jochen Malmsheimer, aber immer so, dass du denkst, „Zounds, hat man das Kinderkriegen grad erst erfunden?“

Warum ich gerade Timo Wopp in meinen Schmerztraum eingebaut habe, weiß ich nicht. Ich habe nicht mal behalten, was er zur allgemeinen Erheiterung beigetragen hat. Für alle, die ihn nicht kennen, hier Wissenswertes über Timo Wopp: Der lustige Comedian und Vortragsredner sieht aus wie er heißt. Von Haus aus ist er Diplomkaufmann, 40 Jahre alt, war gestern im NDR-Fernsehen und kann auch jonglieren. Alles in allem kein Grund, ihn in einen Schmerztraum einzubauen.

Foto: Frank Schwichtenberg, CreativeCommons (CC) lizensiertvia Wikipedia

Barbara Schöneberger – Foto: Frank Schwichtenberg, Creative Commons (CC) lizensiert via Wikipedia

Weh getan hat während der Sendung eigentlich nur, dass die moderierende Barbara Schöneberger überall dazwischen gequatscht hat. Kennst du doch: Barbara Schöneberger, die blond gewordene Durchschnittlichkeit, der man auf keinem Kanal entkommen kann. Es gibt sogar eine beim Verlagshaus Gruner + Jahr erscheinende Zeitschrift nach ihr „Barbara“ benannt und mit ihr in der Redaktion. Warum eigentlich? Wie schafft diese Frau das? Ich fürchte, wenn dieser Planet mal an seiner eigenen Blödheit zugrunde gehen sollte, wird Barbara Schöneberger den Weltuntergang moderieren und die apokalyptischen Reiter zu Tode quatschen, jedenfalls wenn der NDR Regie führt. Immerhin, in meinen Alpträumen tauchte die omnipräsente Ulknudel noch nicht auf, – dank Timo Wopp.

Falsch gewaschen mit ohne k

Mir träumte, dass ich an einer mechanischen Schreibmaschine saß und einen Text tippen musste über Dr. Heinz Maurer, den Pionier des seifenfreien Waschens: „In den 1990-er Jahren provozierte der Mediziner die Fachwelt mit der Behauptung 2000 Jahre falsch gewaschen und sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Hautsäureschutzmantels. Maurer gründete seine seifenfreie Seifenfabrik.“ Plötzlich hing mein rechter Zeigefinger an der K-Taste fest. Ihr Typenhebel hatte sich durch die Haut meiner Fingerkuppe geschoben. Ich zog, die Haut der Fingerkuppe zerrte sich lang, doch es nutzte nichts. Der Finger kam nicht mehr von der Taste los.

Wenn der rechte Zeigefinger an der K-Taste festhängt, muss man mit der Finger der linken Hand um den rechten Zeigerfinger herumtippen. „Kopf“ zu tippen ist schon schwierig. Noch schwerer hat man es mit „Köln“. Ganz schwer um das K herum zu tippen ist „Plöm“. Glücklicher Weise gibt es dieses Wort nicht. Das K soll angeblich lustig sein, zumindest am Wortanfang. Mal testen: Katastrophe, Karambolage, katathymes Bilderleben. Künstliche Intelligenz, Knüppel, kaputt, Knochen, also bisher noch nicht so lustig – aber weiter gesucht: Kartoffelpuffer, Kichererbsen, Köttbullar, Kochtopfdeckel, Kamelhaarmantel, Kaffeepause, Käsekuchen, Kunstspucken, Keller.

Falschgewaschen Keller? Da muss ich denken an den Hausmeister der Schule, an der ich lange Zeit Lehrer war. Als guter Handwerker hielt er Ordnung in seinem Hausmeisterkeller. Eigentlich waren es ganze Kellerfluchten unter zwei Gebäudetrakten. Mit den Jahren hatte er sich immer mehr Keller angeeignet. Offenbar steigerte der Kellerbesitz sein Selbstwertgefühl. In seinem Lieblingskeller hatte er Regale, auf deren Bretter nichts lagerte. Vielmehr waren an deren Unterseite Deckel von Schraubgläsern befestigt und darin eingeschraubt die entsprechenden Gläser, gefüllt mit Nägeln und Schrauben, aber nicht durcheinander, sondern der Größe und der Länge nach sortiert, Nagelstifte, Holznägel, Stahlnägel, Holzschrauben, Dübel, Stahlschrauben, Schraubenmuttern. Man hätte dieses aufwändige Schraubenlager und die penible Ordnung für überflüssig halten können, denn wann braucht so ein Hausmeister überhaupt all das Zeug? Ausgenommen, die Welt wäre dabei unterzugehen, weil irgendein Verrückter just die Schraube aus der Schöpfung herausgedreht hat, die alles zusammenhält. Alle Menschen würden wie aufgescheucht herumlaufen, keiner wüsste, was zu tun ist, keiner hätte die passende Schraube. Spätestens dann käme die große Stunde des Hausmeisters. Gemessenen Schrittes würde er zu seinem Keller gehen, ihn aufschließen, an die Regale treten und mit traumwandlerischer Sicherheit das Glas mit den Weltrettungsschrauben abschrauben.

Hoffentlich lebt er noch. Es ist jetzt gut 16 Jahre her, dass ich ihn und sein Schraubenlager sah, nämlich etwa zur gleichen Zeit, da ich las, wir hätten uns 2000 Jahre falsch gewaschen. Jedenfalls wäre ein Weltuntergang blöd, derweil ich wegen der seifenfreien Seife an der K-Taste festhänge. Am Ende könnte ich nicht mitmachen beim Ragnarökkkkkkkkkkkkk-k-k-k.

Schönen Sonntag allerseits!