Zwischen Leine und Maschsee – Eine musikalische Reise durch den Vorfrühling


Der Titel „Instant Street“, mit dem ich das vom Fahrrad aus gedrehte Video frecherweise unterlegt habe, stammt aus dem Album „The Ideal Crash“ der belgischen Indie-Rockgruppe dEUS.

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Keine Idee mehr – und der Ölfleck ist auch weg

Mein USB-Stick ist in der Waschmaschine blitzsauber geworden. Ich hatte 60 Grad eingestellt sowie das Vorwäscheprogramm. Im Internet behaupten welche, ein Ölfleck auf einer Hose lasse sich gut beseitigen, wenn man den Fleck vor dem Waschen mit Butter einreibt. Altes Hausmittel. Der erste Versuch war daneben gegangen. Darum 60 Grad und Vorwäsche. Tatsächlich ist der Fleck weg. Jetzt weiß ich nicht, ob es am Hausmittel Butter oder an meinem versehentlich mitgewaschenen USB-Stick liegt. Der hat vielleicht Chemie freigesetzt, vor der jeder Fleck erblasst. Ich weiß auch nicht, ob der Film, der auf dem Stick ist, jetzt besonders leuchtende Farben hat.

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Herr Trittenheim sagt ab

ichAls ich Mitte der 1970-er Jahre zu studieren begann und ungefähr aussah wie auf dem Automatenbild, war an der Aachener Hochschule zu meinem Bedauern das Fach Psychologie völlig in Händen der Behavioristen. Diesen Reiz-Reaktions-Adepten war der menschliche Geist eine Blackbox. Sie bildeten mit den Verhaltensmodifizierern vom Fachbereich Pädagogik einen üblen Haufen, mit dem ich instinktiv nichts zu tun haben wollte. Denn wenn man das Verhalten von Schülern gezielt modifizieren will, muss man die Skrupellosigkeit haben, junge Menschen ohne ihr Wissen zu manipulieren. Das entsprach aber überhaupt nicht meinen Vorstellungen von einer emanzipatorischen Erziehung. Zur Verhaltensmodifikation ist die sogenannte Unterrichtsmitschau fast unerlässlich. Um Schüler im Unterricht beobachten zu können, hatte der Fachbereich Pädagogik ein komplett eingerichtetes Fernsehstudio mit Regie- und Schnittraum. Neben den festen Kameras im Studio gab es auch transportable Videokameras, zu einer Zeit, als die Videotechnik kaum verbreitet war. Etwa im Jahr 1977 fassten einige Kunststudenten, eine -studentin und ich den Entschluss, das Fernsehstudio und seine Geräte für etwas Anständiges zu nutzen, nämlich ein künstlerisches Video zu drehen. Es wurde daraus ein satirisches TV-Magazin. In einem Beitrag spiele ich mit, für zwei andere habe ich das Skript geschrieben.

Dieser Video ist kürzlich digitalisiert worden und soll zusammen mit anderen historischen Aufnahmen am 26. November in der Aachener Kultureinrichtung „Raststätte“ gezeigt werden. Natürlich hatte ich geplant, dabei zu sein. Denn wenn das Video wirklich 1977 entstanden ist, habe ich es 39 Jahre nicht gesehen, und von den Akteuren habe ich nur noch mit meinem Freund Nebenmann Kontakt, die anderen ebenso über 30 Jahre nicht getroffen. Ich war gespannt, was da noch an Wiedererkennen sein würde.

handschriftlicher Skriptentwurf (Auszug)

handschriftlicher Skriptentwurf (Auszug)

Textentwurf JvdL- zum Lesen bitte klicken

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Zu meinem großen Bedauern musste ich meine Aachenfahrt absagen, denn wie bereits mitgeteilt, habe ich Rückenprobleme und wage die Fahrt nicht, vor allem nicht, mit Gepäck zu hantieren, weil ich noch recht unbeweglich bin und einen Rückfall befürchte. Eventuell gibt es das Video demnächst bei YouTube zu sehen, also nicht das vom Rückfall, sondern „Kurzschluss“ mit dem schrägen Humor der 1970er Jahre. Die beiden im Bild zu sehenden Manuskripte habe ich eben im Papierarchiv gefunden. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir den absurden Text im TV-Studio aufgenommen, und einer, den ich so gerne wiedergetroffen hätte, hat es gesprochen. Schadeschade – ich weine.

Erinnerungen an Lisette – ab heute wieder erlaubt

lisette2Lisette? Sie lebt jetzt ein ganz anderes Leben. Und ich bin ja weggezogen. Unsere Trennung liegt jetzt zehn Jahre zurück. Vor einem Jahr habe ich sie noch mal getroffen. Sie ist schön wie eh und je. Da wollte sie nichts mehr wissen von der großen Liebe, die mal zwischen uns war, meinte, es wäre ja alles nur Sex gewesen. Aber ich habe noch dieses Lied, das mir Bilder in den Kopf setzt, wie wir es im Bett liegend gehört hatten, nebeneinander in wunderbarem Einvernehmen im Fluss unserer Gedanken. Und ich erinnere mich, wie sie sich an meinem Geburtstag über ein Geschenk freute, das sie für mich gekauft hatte, und derweil ich es auspackte vor lauter Übermut einen Kopfstand an meinem Bücherregal gemacht hat. Und da ist noch die Zimmerpalme, die ich Josie getauft habe. Mit dieser Palme, auch einem Geschenk von Lisette, habe ich eine seltsam innige Verbindung. Später werde ich mal davon berichten, weil Josie auch Einfluss auf mein Schreiben hat. Heute geht es um „Instant Street“.

Mit, besser zu diesem Lied der belgischen Rockgruppe dEUS habe ich vor Jahren ein Video gemacht. Als ich gerade in Hannover war, habe ich die Gegend mit dem Fahrrad erkundet und einiges vom Rad aus gefilmt. Es war nicht so einfach, denn ich hielt die Kamera mit einer Hand. Das Video war eine Weile nicht in Deutschland zu sehen, weil ich dreist die urheberrechtlichen Ansprüche von dEUS verletzt hatte.

Gestern bekam ich eine erfreuliche E-Mail, die in der Fülle der Kommentarbenachrichtigungen beinah untergegangen wäre. YouTube schrieb mir, der „urheberrechtliche Anspruch auf dein Video dEUS – Instant Street wurde zurückgezogen.“

Deshalb kann ich es heute im Teestübchen zeigen. Das Video wurde schon fast 53.000 mal angesehen. Es ist eigentlich eine Fahrt „zwischen Leine und Maschsee“ durch den Vorfrühling. Instant Street beginnt verhalten und melodisch, um dann in seinem zweiten Teil immer wilder und rauschhafter zu werden. Die Musik hat etwas absichtsvoll Schräges, das mir gut gefällt. Es ist noch eine Weile hin zum Vorfrühling, aber das heutige Wetter ist ein Versprechen darauf. Dazu viel Vergnügen!

Da war – ich bin – du bist! – Neues von der Historischen Avantgarde

Am rechten Gebäudeflügel des Rathauses löst sich gerade eine Hochzeitsgesellschaft auf. Vor mir über einen vom Regen aufgeweichten Weg vorbei am Maschteich stakst eine Frau mit silbernen Pömps durch den Matsch. Ein kleiner Junge, der wie ein mauretanischer Edelknabe verkleidet ist, trippelt an ihrer Seite, kann aber kaum Schritt halten. Sie denkt offenbar nicht daran, ihn unter den Schirm zu nehmen. Ihr Mohr darf ruhig nass werden, ihr roter Fummel jedoch nicht. Ich bedauere, keine Kamera bei mir zu haben, bevor ich realisiere, dass ich doch mit der eierlegenden Wollmilchsau in der Tasche meines Jacketts zumindest ein Bild knipsen könnte.
silberne-schuh
Obwohl die Frau auf ihren silbernen Pömps immer wieder einknickt, ist sie sehr schnell. Und bevor ich die Fotofunktion meines Smartphones gefunden habe, ist sie mir fast davongeeilt und hat ausgerechnet den lästigen Mohr fast abgehängt, so dass er mir ins Bild läuft. Da weiß ich sofort, das Bild ist verunglückt und wenn ich eine Karriere als Fotograf anstreben würde, könnte ich gleich nach Hause gehen.

Wie der Vlaamse Radio- en Televisieomroep (VRT) meldete, brachen in einem Brüsseler Kinocenter Krawalle aus, so dass es geräumt werden musste. Das Kinocenter hatte als Werbeaktion mit einem reduzierten Eintritt von 4 Euro gelockt und damit Tumulte ausgelöst.

Es ist Samstag. Der Erweiterungsbau des Sprengelmuseums Hannover wird eröffnet und der Eintritt ist nicht auf vier Euro reduziert, sondern sogar frei. Aber die steifen Hannoveraner verlieren nicht den Kopf, weil sie ein paar Euro sparen können. Tumulte bleiben aus. Es geht gesittet zu im vollen Eingangsbereich. In der Menge sehe ich meinen Blogfreund Merzmensch sofort. Seinetwegen bin ich hergekommen. Wir kennen uns als Blogger schon gut sieben Jahre, hatten uns vor Jahren schon einmal im Sprengelmuseum getroffen, als der junge Kunstwissenschaftler Merzmensch an einer Tagung über den Hannoveraner Dadaisten Kurt Schwitters teilgenommen hatte. Das Interesse an Kurt Schwitters verbindet uns. Schwittters hatte seine Spielart des Dadaismus Merz genannt, daher der Name Merzmensch. Die linksradikalen Berliner Dadaisten hatten den bürgerlichen Schwitters weitgehend abgelehnt. Dafür unterhielt Kurt Schwitters enge Kontakte zu El Lissizky, einem wichtigen Vertreter der russischen Avantgarde. Die beiden arbeiteten zusammen an der Zeitschrift MERZ.

Mein Freund Merzmensch kommt eigentlich aus Russland, ist aber ein weltgewandter Kosmopolit. Anders als ich ist er bestens ausgerüstet, mit Kamera, Objektivtasche und Laptop. Deshalb kann er über die Eröffnung des Erweiterungsbaus auch kompetenter berichten als ich, nämlich hier in seinem anregenden Wissenschaftsblog

Ich möchte etwas anderes zeigen, und zwar eine kuriose Parallele zwischen einem Video von mir und einem von Merzmensch. Bei 6:21 Minuten ist ein Interview mit einer Dame Pressesprecherin zu sehen, die vor lauter Erzählfreude nicht nur vergisst, was ich sie gefragt habe, sondern ein wenig selbstbezüglich meine Speicherkarte vollquatscht, bis …

Das Ende im Video von Merzmensch ist wie mir scheint, die sympathische Antwort.
Aber beide Videos lohnen sich natürlich, von Anfang an betrachtet zu werden. Viel Vergnügen!