Wenn Teebeutel philosophieren

Aus Gründen beginne ich den Morgen mit einer Kanne Tee. Eine der Sorten, die ich in letzter Zeit ausprobiert habe, erfreut den Konsumenten mit kleinen philosophischen Weisheiten, so mausklein, dass sie auf den Anhänger eines Teebeutels passen. Da steht beispielsweise; „Wir brauchen keine Liebe, wir sind die Liebe selbst.“ Hm? Das lässt mich grübeln. Mal die Ersatzprobe machen, um hinter den Sinn zu steigen. „Wir brauchen keine Phrase, wir sind die Phrase selbst.“ Besser noch: „Wir brauchen keine Geschwätz, wir sind das Geschwätz selbst.“

Natürlich, wir werden auf uns selbst verwiesen, müssen uns besinnen auf uns selbst. Ein wichtiger, geldwerter Denkanstoß. Wem wir diesen Denkanstoß verdanken, verrät die Packung: Yogi Bhajan, Meister des Kundalini Yoga.

Man wird mir mit Recht vorwerfen, dass ich die Teebeutel-Philosophie nicht zu würdigen weiß, weil mir die positive Grundhaltung fehlt, wie sie etwa die Komikerin Martina Hill mit Sketchpartnerin in einem TV-Sketch demonstriert. Die Sketchpartnerin liest Teebeutelphilosphisches, schaut beseelt und sagt verzückt: „Schön!“ Hill liest: „5 Minuten ziehen lassen“ und sagt ebenso verzückt: „Auch schön!“

Der Witz entsteht aus dem semantischen Gefälle zwischen der Teebeutelphilosophie und der Handlungsanweisung zur Teebereitung. Aber ist der Verweis auf notwendige Selbstbesinnung keine Handlungsanweisung? Doch. Darum:
„Werde eins mit dir und sei ein Teebeutel!“, sagt Yogi Teestübchen Trithamias. „LOVE!“