Upps, ein Erklärbär

Väter von Söhnen und mit großem Ego neigen dazu, als Erklärbären aufzutreten. Es gilt, die Söhne nach dem eigenen Vorbild zu formen, aber nicht im stillen Kämmerlein, sondern gerne vor Publikum, falls nämlich das Ego größer ist als der Verstand. Gestern erlebte ich im Supermarkt einen Erklärbär mit Sohn und eine ergeben schweigende Frau. Seine Erklärungen schallten aus allen Gängen. Dann standen sie  an der Kasse nebenan und der Sohn, dem das erkennbar peinlich war, musste sich anhören, dass er vom begehrten Schokoriegel die Preise zu vergleichen habe bei Penny, Lidl und Rewe, der arme Junge.

Da zeigt sich der Erklärbär als Problembär. Einen solchen Problembär habe ich mal abgeschossen. Es war bei einer Bundestagswahl, bei der ich Wahlvorstand war. Man hörte den Erklärbär schon im Treppenhaus der Schule und dann trat er mit zwei kleinen Söhnen und einer Ehefrau im Schlepp in den zum Wahllokal umfunktionierten Klassenraum, kam heran, zeigte seine Wahlbenachrichtigung und erklärte: „Das sind die Wahlhelfer. Sie schauen im Wählerverzeichnis nach, ob man wahlberechtigt ist, und haken den jeweiligen Namen ab, damit keiner zweimal wählen kann. Wenn alles korrekt ist, gibt einer den Stimmzettel aus. Damit betritt man diese Wahlkabine hier.“

Ich rief aus purer Bosheit: „Hallo! Sie dürfen Ihre Söhne nicht mit in die Wahlkabine nehmen. Sonst ist Ihre Stimme ungültig!“ Steckt er den Kopf raus und sagt: „Aber ich muss denen doch erklären, wie demokratische Wahlen gehen.“
„Dann zeigen Sie ihnen jetzt, was eine geheime Wahl ist und schicken sie aus der Wahlkabine!“
Es war natürlich übertrieben, denn die Söhne konnten vermutlich beide noch nicht lesen. Aber mir war es eine Genugtuung und seiner Frau hat es auch gefallen. Sie lächelte zufrieden und ich las in ihrer Miene: „Endlich zeigt’s dem einer!“

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Semmelknödel, njam njam


„Wo haben Sie denn Semmelknödel?“, frage ich die kleine, ältere Rewe-Mitarbeiterin, die gerade den Gang entlang eilt. Sie bleibt stehen und schaut sich um. „Spontan weiß ich es auch nicht. Ich sitze normalerweise an der Kasse!“, sagt sie. Nachdem sie versuchsweise in einen Gang geeilt ist und erfolglos die Regale gemustert hat, kommt sie wieder zurück. Im Vorbeihasten sagt sie: „ Ich muss so dringend, gleich mache ich mir in die Hose.“

Ich sage: „Halt! Dafür will ich keinesfalls verantwortlich sein. Vergessen Sie die Semmelknödel!“
Doch sie gibt keine Ruhe, fühlt sich bei der Berufsehre gepackt und eilt suchend durch alle Regalgassen. Besorgt gucke ich ihr hinterher, ob sie vielleicht eine Tröpfelspur hinterlässt . . . ….. dann hätten mir die Semmelknödel auch nicht mehr geschmeckt. Zum Glück hat sie keine gefunden.

Mentalcoach Kaffeemühlchen

InstitutAls er elf Jahr alt war, sei er jeden Morgen mit Herzrasen in die Schule gegangen, sagte Jeremias Coster, der dubiose Professor für Pataphysik und Leiter des Instituts für Nachrichtengeräte an der Technischen Hochschule Aachen. Nein, er habe nicht an Schulangst gelitten. Schuld sei seine Großmutter gewesen. Die habe ihm zum Frühstück einen Kaffee gemacht, worin der Löffel senkrecht hätte stehen können. Daran habe er sich erinnert, als er in der Küche von Freunden so ein hölzernes Kaffeemühlchen entdeckt habe, worin seine Großmutter die Kaffeebohnen immer frisch gemahlen hatte, um aus dem Pulver einen höllisch starken Filterkaffee aufzubrühen. Aber er habe den Sud immer tapfer ausgetrunken, denn mit einem Schuss Dosenmilch und drei gehäuften Löffeln Zucker sei der Kaffee durchaus trinkbar und wohlschmeckend gewesen. Noch im Klassenzimmer habe sein aufgeputschtes Herzchen heftig geklopft. Wenn er sich dann gespannt mit dem Oberkörper an sein Schulpult gelehnt, indem er seine verehrte Lehrerin beobachtet habe, wie sie an der Tafel beidhändig mit der Kreide kämpfte, weil sie doch an einem täglich auftretenden Chirospasmus gelitten, hätte das Holz seiner Schulbank wie ein Resonanzkörper das Pochen seines Herzens verstärkt, so dass die Lehrerin entnervt gerufen habe: „Wer trommelt da hinter meinem Rücken?!“
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