Standfoto der Woche – Abstellplätze gegen Probleme

aus: NÖN.at – Niederösterreichische Nachrichten/Regionalausgabe Neulengbach

Eine Baustelle in Kirchstetten macht nicht näher genannte Probleme an der 3,2 Kilometer entfernten Bahnstation Ollersbach. Darum ist ein anerkannter Problemlöser, nämlich kein geringerer als Landesrat Ludwig Schleritzko (mit der Brille in der Bildmitte hinter der Park&Ride-Tafel) extra aus der Landeshauptstadt St. Pölten angereist, um feierlich zehn Abstellplätze zu eröffnen. Nicht alle haben Grund zur Freude, zehn Abstellplätze und 14 Personen, da hat der ungenannte Pressefotografen der NLK (Niederösterreichische Landeskorrespondenz = Pressedienst der NÖ Landesregierung) vier von ihnen quasi illegal abgestellt. [Gefunden vom geschätzten Kollegen noemix.]

Laudatio
Problemlöser hin oder her, wie dargestellt, braucht es drei gestandene Mannsbilder und elf Unterstützer, eine Papptafel mit gewichtiger Botschaft zu halten. Die damit einhergehende Mühsal ist auf dem Foto nicht zu sehen. Es ist dem Fotografen gelungen, fröhlich in die Kamera lachende Herren abzulichten. Wie es sich für einen Problemlöser gehört, ist besonders dem Landesrat die Schilderlast nicht anzumerken. Die Botschaft: Problemlösen – für mich pipileicht. Im Bild nicht zu sehen, ob bei der feierlichen Problemlösung Alkohol geflossen ist und ob auch getanzt wurde. Leider hat sich keine Vertreterin des weiblichen Geschlechts bereit gefunden, an dem wichtigen Event teilzunehmen. Typisch die Frauen mal wieder.

Herzlichen Glückwunsch an den zu Unrecht ungenannten Pressefotografen der NLK
Drei Punkte auf der nach oben offenen Humorskala

Große Entdecker feiern – sich

Im August 2018 durfte sich der Bezirksstadtrat von Berlin Mitte für die Entdeckung eines 20 Meter langen Stücks der Berliner Mauer feiern, denn das war mal klar: „Die Mauer? Konnt ja keener wissen, wo det Ding jestanden hat.“

Im Herbst 2021 dürfen sich die Amtsträger aus Hannovers Stadtbezirk Mitte für eine noch überraschendere Entdeckung feiern. Schon 73 Jahre nach dem Tod des größten Künstlers der Stadt, Kurt Schwitters (* 20. Juni 1887 – † 8. Januar 1948), hat man sein Geburtshaus gefunden. JUHU! Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch berichtet der Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ): „Unser Stadtarchivar ist leider in Elternzeit.Trotz Doppelbelastung gelang es ihm herauszufinden, wo genau der berühmte Sohn das Licht der Weltstadt Hannover – Kuckuck! – erblickt hat, nämlich in der Rumannstraße 8. Ich habe mir einen Knoten ins Ohr habe natürlich sofort eine Gedenktafel aufstellen lassen, damit wir’s nicht wieder vergessen.“

HAZ vom 11. November 2021 – größer: Klicken

Der Ehrenpreis der Freunde verschmockter Zeitungsfotografie (FvZf) geht an die Fotografin Samantha Franson. Sie hat den Moment der Gedenktafelenthüllung kongenial im Bild festgehalten.

Im Vordergrund des prämierten Bildes sehen wir die üppig mit roten Bändern geschmückte noch verhüllte Gedenktafel, daneben Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch. Sie trotzt dem Regen allein mit einer Brille auf dem Kopf und liest vom Zettel, was ihre frierende Gehilfin (mit Rucksack) bei Wikipedia abgeschrieben hat. Links etwas zurück stehen vier Kulturschranzen „Honoratioren“ (HAZ) unter drei aufgespannten Schirmen in rot, grau und bleu (von links), eine sich ehrlich schämende fünfte Person hat sich hinter einem desinteressierten Würdenträger verborgen und muss zur Strafe im Regen stehen. Die Harmonie des Bildes wird gestört durch abgestellte Dinge, eine Tasche und drei Fahrräder, was schon mal zeigt, wie der Text auf der Gedenktafel lauten muss, nämlich: „Kurt Schwitters sein Geburtshaus. Fahrrad abstellen verboten – und Taschen auch!“ Am linken Bildrand ragt ein linker Fuß ins Bild, der hoffentlich ein rechtes Gegenstück hat. Sonst gehört der auch verboten. Der Text im Bildkasten ist überschrieben mit „Für Schwitters im Regen.“ Kurt Schwitters (z.Zt. Stadtfriedhof Engesohde) freut sich einen Keks.

Samantha Franson: 4 Punkte auf der nach oben offenen Humorskala!