50 Jahre Volkspost – eine Vorschau

Mein Jugendfreund Fritz [Name geändert] hat vor einiger Zeit im Teestübchen kommentiert und mir kürzlich ein Buch geschickt, womit sich unser verlorener Kontakt erneuerte. Eigentlich kenne ich Fritz schon aus Kindertagen. Sonntags hörte ich im Radio den Kinderfunk. Die Sendung ging von 14 bis 15 Uhr, aber gegen 14:30 musste ich mich auf den Weg zur Sonntagsandacht machen. Unterwegs traf ich Fritz. Er wohnte näher an der Kirche, hatte den Kinderfunk drum etwas länger hören können und konnte mir davon erzählen.

Später trommelten wir zusammen im Tambourkorps. Sein Onkel war der Tambourmajor. Er hatte eine Schreinerei, und bevor man uns Neulinge an echte Trommeln ließ, übten wir in der Schreinerei und trommelten auf den Hobelbänken. Fast habe ich noch den Klang von Holz auf Holz im Ohr. Als Jugendliche gaben Fritz, ein weiterer Freund und ich eine Zeitung für unser Dorf heraus. Sie hieß „Volkspost“ und erschien vor genau 50 Jahren. Wir legten sie in zwei Kneipen und beim Friseur zum Kauf aus. Bald nach den ersten vielbeachteten Ausgaben trat Fritz in die CDU ein, weil er hoffte, in der Partei leichter an Informationen zu gelangen. Aus Protest verließ ich die Volkspostredaktion. Ich verstand mich als Kommunist, las nur die damals linke Frankfurter Rundschau und kaufte mir unverdrossen die deutsche Ausgabe der kommunistischen Peking-Rundschau. Ihr Deutsch war tadellos, aber der Inhalt war Parteichinesisch, von dem ich kaum ein Wort verstand.

Ich Kommunist, war seit kurzem stolzer Besitzer eines eigenen Produktionsmittels, einer Halda-Schreibmaschine [deren Geschichte ist hier erzählt]. Daher verließ ich die Volkspostredaktion und gab eine eigene Zeitung heraus. Sie hieß „Dampfdruck.“ In Wahrheit wurden Volkspost und Dampfdruck nicht mit Dampfmaschinen gedruckt, sondern mit dem Spirit-Karbon-Umdrucker. Die älteren werden sich erinnern. Die Druckvorlagen waren Papiermatrizen. Man spannte sie zusammen mit einem beschichteten Blatt in die Schreibmaschine und beschriftete sie. Um ein klares Schriftbild zu erzielen, schaltete man an der Schreibmaschine das Farbband ab. Jeder angeschlagene Buchstabe druckte sich vom beschichteten Blatt spiegelverkehrt auf der Matrizenrückseite ab. Die Matrize wurde in den Umdrucker gespannt, in dem sie mit Spiritus getränkt wurde. Der Spiritus löste die Buchstaben auf der Matrize an und gab etwas Farbe ans Papier ab. Es ließen sich etwa 80-100 saubere Drucke erstellen. Entsprechend niedrig war die Auflage unserer Zeitungen. Wir legten die einzelnen Seiten als kleine Stapel auf den Tischen der Schule aus und rannten zusammentragend rundum. Leider besitze ich von der Volkspost und vom Dampfdruck kein Exemplar mehr. Wenn ich mich recht erinnere, erschien von Dampfdruck aber nur eine Ausgabe. Nachdem ich mich vom Schock von Fritzens CDU-Mitgliedschaft erholt hatte, trat ich wieder in die Volkspostredaktion ein.

Fritz schrieb mir, dass er sein Elternhaus, in dem sich der Redaktionsraum befunden hatte, kürzlich verkauft habe. Der Käufer habe im Schuppen einen Karton mit Manuskripten und Redaktionsprotokollen gefunden und ihm übergeben. Derzeit ist Fritz noch im Urlaub. Ich hoffe, den Inhalt des Kartons bald mit ihm sichten zu können. Bericht folgt.