Das Institut – Das System des Dr. Spiegel

[Folge 1] „Stellen Sie sich ein großes Haus vor, genauer ein Anwesen mit vielen Fenstern. Man braucht Heerscharen helfender Hände, um Gardinen und Vorhänge abzuhängen, zu waschen und wieder aufzuhängen. Da stehen die Mägde tagelang im feuchten Nebel des Waschhauses, breiten die Tuche zum Trocknen über Hecken und plätten sie anschließend mit heißen Eisen. Dann müssen Wäschekörbe und Leitern treppauf, treppab getragen werden, entlang der weitläufigen Gänge im Haupthaus und in den Seitenflügeln, und die längsten unter den Dienstboten recken sich hoch zu den unzähligen Vorhangstangen.“ Er redete schnell, so dass ich nur Stichworte notieren konnte.

„Die Vielzahl solcher niederen Aufgaben im Herrenhaus erfordert eine kleine Gesellschaft dienstbarer Geister. Es gibt unter den Dienstboten eine straffe Hierarchie, denn es wäre sehr mühsam, sie selber anzuweisen und ihre Arbeiten zu kontrollieren. Gerade unter den Knechten und Mägden ist eine strenge Abfolge von Befehlenden und Befehlsempfängern nötig. An ihrer Spitze steht der Verwalter, und nur er allein muss sich jenen verantworten, die in einem Herrenhaus mit so vielen Fenstern zu leben belieben. Die Hierarchie drückt sich aus in der Zahl derer, die jedem einzelnen untergeordnet sind, was wiederum die Höhe der Entlohnung bestimmt. Jedermann wird verstehen, dass den geringsten Lohn verdient, wer niemanden mehr unter sich zu befehligen hat.
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Das Institut – Paternoster

„Erlenberg, zum Verwalter! Auf die fünfte Etage, sofort!“, herrschte mich Kollege Norbert Delhey an, als ich pünktlich um 7:55 Uhr unser Kellergelass betrat. „Aber nehmen Sie die Treppe! Der Paternoster ist für Sie tabu. Herr Dr. Spiegel wird Ihnen einiges sagen. Machen Sie sich unbedingt Notizen!“
Ich kramte aus der Schublade Block und Stift hervor, ging zum Treppenhaus und stieg hinauf. Hinter mir knarrte der langsam auf- und abfahrende Paternoster. Auf jedem Treppenabsatz konnte ich sehen, wie sich Leute befördern ließen, sah jeweils ihre Köpfe oder ihre Füße zuerst. Die Füße kennzeichneten den Abstieg, die Köpfe den Aufstieg.

Plötzlich fuhr ein schönes Fräulein im grünen Kostüm von unten herauf. Ihr Blick streifte mich achtlos. Ich sah sie aufwärts schwinden, betrachtete fasziniert ihr hübschen Beine, was ich ungeniert tun konnte, derweil sie in der Geschossdecke verschwand, hastete die Treppe hinauf, um sie nochmals in ganzer Schönheit bewundern zu können. Zuerst erschien ihr rotblonder Haarschopf, dann ihr schöner Kopf mit dem ebenmäßigen Gesicht, dann ihre schlanke Gestalt bis hin zu den hübsch bestrumpften Beinen. Sie stand in roten Pumps, scharrte ungeduldig mit ihnen auf dem Paternosterboden, ein Geräusch, das ich sehr erotisch fand und mich in Kombination mit den Pumps entzückte. Es gelang mir, sie dreimal zu sehen. Mit diesem Spiel gelangte ich fast mühelos auf die fünfte Etage. Bedauernd musste ich sie nach oben entschwinden lassen.
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