Botschaft aus der nur unscharf berechenbaren Randzone

Hannovers Wetter ist selten extrem, meistens irgendwas dazwischen. Wenn woanders das „Schneechaos“ Dächer zum Einsturz bringt, haben wir in Hannover so gut wie gar kein Wetter. Ein bisschen Schnee fiel vor Tagen, war sofort wieder weg und wich Regen. Regen? Mit richtigen Pfützen auf den Wegen? Hatten wir höchst selten in letzter Zeit. Der ich lange in Aachen gelebt habe, das als Regenloch verschrien ist, vermisse ich Wetter, so richtiges Wetter, bei dem die Naturgewalten zeigen, wer hier das Sagen hat. Ich mag kräftig durchgepustet werden, mag natürlich auch Regengüsse und mag es, mit dem Fahrrad nach schwerem Landregen unterwegs zu sein, wenn die Welt wie frischgewaschen ist. Einmal bog ich außerhalb Aachens nah der niederländischen Grenze leichtsinnig in einen Weg ein, der selbst für mein Alltagsrad ungeeignet war, denn er entpuppte sich zunehmend als unbefahrbar. Die schweren Reifen von Traktoren hatten im unbefestigten Feldweg tiefe Spuren hinterlassen, in denen das Regenwasser schlammig stand. Ein blauer Himmel und die Sonne hatten mich ganz vergessen lassen, wie sehr es in den Tagen zuvor geregnet hatte. Es war kaum zu verhindern, vom schlammigen Mittelstreifen in eine der unergründlich tiefen Pfützen in der Karrenspur zu schliddern, wo der Vorderreifen pratschend, gurgelnd und schmatzend eine trüb-lehmige Bugwelle vor sich her schob. Mensch, Hund und Pferd hatten schon vor mir die selbstverständliche Schönheit der Karrenspurpfützen zertrampelt.

Ich schilderte diese Tour 2006 im Teppichhaus-Blog, dem Stammhaus des Teestübchens und schrieb, dass die chaotischen Randzonen zertrampelter Pfützen mathematisch nur annähernd zu beschreiben sind, nämlich mit Rekursionsformeln, wie ich später erfuhr. Die Wendung „nur unscharf berechenbare Randzone“ hat ein damaliger Blogfreund, der Wiener Musiker Martin Kratochwil, alias Kurzweil, in einem Kommentar geprägt:

Das ist die Bedeutung des Bloguntertitels: „Nachrichten aus der nur unscharf berechenbaren Randzone.“ Als Bloggerinnen und Blogger schreiben wir meist über Dinge, die in den Mainstream-Medien unbeachtet bleiben, mal Privates, mal Politisches, manchmal Skurriles, Witziges, Erstaunliches, Nachdenkliches, auch Poetisches, Alltägliches, Wissenswertes, selten Subversives, doch immer Freigeistiges, insgesamt nichts Weltbewegendes, aber trotzdem ist’s Kultur im wahrhaft sozialen Austausch, wie das Hannöversche Wetter eben doch Wetter ist.