Unterhaltung am Wochenende – Aus den Papieren des PentAgrion – Große Welt ist kleine Welt

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Papiere des PentAgrion bd 2Jeremias Coster, Prof. für Pataphysik und Leiter des Instituts für Nachrichtengeräte der RWTH Aachen, hat Käse gekauft, fünf Sorten. Er selbst isst keinen, also steht der Käse meinetwegen auf dem kleinen Balkontisch. Wenn man mehr haben kann als man will, das nennt man Luxus. Ich säbele mir Altamsterdamer Käse aufs Brötchen. Das ist schon mehr als ich brauche, denn eigentlich brauche ich wenig. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, da hegte man keine Ansprüche. Und genießen mag ich sowieso nicht, wo mein Herz doch vor Kummer einzufrieren droht.

Auf Costers Balkon, das ist wie über der Stadt zu sitzen. Coster hat seine Stadt unter sich, ist auf Augenhöhe mit den Kronen prachtvoller Bäume und hoher Türme. Der Blick geht bekanntlich zum Lousberg hinüber, und es sind Luftlinie mal gerade zweieinhalb Kilometer bis zur anderen Seite der Stadt. Das hat mir Coster in der Nacht gesagt, als wir bis 3 Uhr trinkend in seiner Küche saßen und er dachte, ich hätte „ein Loch im Glas“, weil er mir ständig nachgießen musste. Aber genau weiß ich es nicht mehr. Da aber Coster auch alles vergessen haben will, was wir in der Nacht beredet haben, kann’s mir egal sein. Wer schnell geht, ist jedenfalls in etwa 20 Minuten drüben.
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Unterhaltung am Wochenende – Aus den Papieren des PentAgrion (2) – Hellwach auf der Dornröschenbrücke

Eben erst leuchtete das Herbstlaub in der Sonne, jetzt kommen ihre letzten Strahlen kaum noch über die Dächer der Stadt hinweg. Die Leine liegt bereits im Schatten. Breit und behäbig fließt sie zur Stadt hinaus. Der ergiebige Regen der letzten Wochen hat sie selbstgewiss gemacht. Ihre Ufer sind gesättigt, und es fehlt nicht viel, dann wird ihr Wasser ansteigen und an den Leinewiesen lecken.

Ich habe angehalten auf der Dornröschenbrücke, mein Rad abgestellt und schaue hinunter auf den Fluss. Das Wasser ist beinah schwarz. Im Sommer habe ich oft auf dieser Brücke gesessen, mich ans Geländer gegenüber gelehnt wie viele andere auch. Hab das Hin und Her von Fußgängern und Radfahrern beobachtet und das milde Licht der Abendsonne genossen. Damals stand sie noch spät am Abend über dem Flusstal, ließ die Leine erst golden, dann silbrig glänzen. Und glitt ein Ruderboot heran, zog es Wellentäler hinter sich her, die den Spiegel brachen und gleich langen Schatten auf die Ufer zustrebten.
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