Gekritzelt – Verräterische Pumps

Schuss nicht gehört
VW-Werbung im flämischen Radiosender Studio Brussel,
[übersetzt von mir]:
Er: Schatz, ich muss dir was erzählen.
Sie. Ja?
Ich habe einen Volkswagen gekauft.
Sie: Ohh!
Ja, und meine Mutter zieht bei uns ein,
Sie: Ein Volkswagen, das ist sooo schön!

Verlockend
Im Vorabendprogramm des NDR-Fernsehens wurde ein Werbeclip fürs Frühstücksradio gesendet. Eine Moderatorin kommt ins Bild und verkündet freudig: „Natürlich wird auch bei uns morgen früh das Corona-Virus Thema sein.“
Und ich: „Oja, darauf freue ich mich schon.“ (Guter Witz.)

Verräterische Pumps
Ein Familienvater macht eine Kneipentour. In einer Bar lernt er eine schöne Frau kennen. Nach heftigem Flirt beschließen sie, ein wenig mit seinem Auto zu fahren. Auf einem Waldplatz ergreift die Erregung von ihnen Besitz. Doch da stellt der Mann fest, dass er es mit einem Transvestiten zu tun hat. Er wirft ihn aus dem Auto und fährt frustriert nach Hause.
Am nächsten Tag macht die Familie einen Ausflug nach Köln. Die Schwiegermutter sitzt auch im Auto. Nach einem Bremsmanöver sieht der Mann, dass ein roter Damenschuh unter seinem Sitz hervorgerutscht ist. Zum Glück muss eines der Kinder mal. Er hält auf einem Rastplatz, und während alle beschäftigt sind, wirft er den Schuh heimlich in einen Mülleimer. Am Ziel steigen alle freudig aus, nur die Schwiegermutter nicht. Sie kriecht am Boden rum und ruft: „Ich verstehe das nicht! Eben habe ich meine Schuhe ausgezogen und jetzt ist einer weg!“ [Gehört auf Hilversum III]

„O Tannenbaum“ und die schnöde Wahrheit

Kürzlich habe ich gestaunt darüber, dass es einen Verband der Weihnachtsbaumerzeuger gibt. Gestern habe ich in einer NDR-Reportage einen solchen Weihnachtsbaumerzeuger gesehen. Beim Zeugungsakt wurde er nicht gezeigt. Wohl war zu sehen, wie das „Pflanzbett“ bereitet wird. Man sah ihn aber nicht im Frühjahr lustvoll auf dem Acker liegen und den Samen in die Erde einbringen. Das Pflanzbett ist einfach zu groß. Es wird auch nicht besamt, sondern maschinell mit kleinen Homunkuli, den Setzlingen aus der Baumschule, bepflanzt.

Um das Verständnis zu wecken für den stattlichen Preis eines Weihnachtsbaums wurde in der Reportage gezeigt, wieviel Arbeit nötig ist, perfekte Weihnachtsbäume zu ziehen wie der Kunde sie wünscht, also mit dichtem Gezweig und gleichmäßig kegelförmigem Wuchs. Das Ernten durch osteuropäische Erntehelfer, also das finale Absägen, in Netze packen und Verladen ist lang nicht alles.

Weihnachtsbäume wachsen nicht einfach so. Sie sind ja natürliche Wesen, einfach Nadelbäume, haben begonnen als Samen aus dem Kaukasus, gekeimt in der Baumschule, und während sie in Reih und Glied im norddeutschen Acker aufwuchsen, hatten sie keine Ahnung davon, dass ihr Leben nach zehn Jahren enden wird, weil ihnen eine Existenz als Weihnachtsbaum zugedacht ist. Demgemäß müssen sie im Verlauf ihres Wachstums in die Weihnachtsbaumform gekappt und gezwackt werden. Stolz erklärte ein Weihnachtsbaumerzeugervorarbeiter, wie er das bewerkstelligt, natürlich nicht alleine, sondern mit einer Schar zu beaufsichtigender Mitarbeitern inmitten eines Weihnachtsbaumackers von der Größe von fünf Fußballfeldern. Den ersten Formschnitt bekommen die heranwachsenden Weihnachtsbäume mit der Motorheckenschere. Später kommen Männer mit Macheten. Der Vorarbeiter nahm einem die Machete ab und zeigte, wie den jungen Nordmannfichten die Spitzen abgeschlagen werden, die sie zu frech nach außen treiben. Auch das Höhenwachstum wird eingedämmt. Und zwar wird der Stamm mit einer dornigen Zwackzange dreimal verletzt, um den Fluss der Lebenssäfte nach oben zu verhindern.


Wer wie ich mit seiner Zimmerpalme redet, mag die brachiale Gewalt gegen die Natur nicht. Sie liegt auf einer Linie mit der betäubungslosen Ferkelkastration, dem Kükenschreddern und der tierärztlich geduldeten Tierquälerei in den Schlachthöfen. Mir hat die Reportage über die industrialisierte Weihnachtsbaumproduktion alle Illusionen genommen, von wegen „O Tannenbaum“, bei winterlicher Kälte aus dem verschneiten Tann geholt, auf den Schlitten gebunden und froh nach Hause gezogen. Bald werden wieder die osteuropäischen Wanderarbeiter frierend in Drahtkäfigen warten, um Nordmannfichten aus Monokulturen zu verkaufen – für den fadenscheinigen weihnachtlichen Glanz, der spätestens zum St.-Knuts-Tag ganz schnöde mit dem Hinauswurf der abgeschmückten Bäume endet.

In der Straßenbahn saß mir gegenüber ein kleiner alter Mann mit zerfurchtem Gesicht und Altersflecken auf der hohen Stirn. Die schlohweißen Haare hatte er akkurat nach hinten gekämmt. Er trug einen Rautenpullover, darüber ein dunkelbraunes Jackett, an den Beinen hatte er eine hellbraune Hose mit Kniff. Seine Füße standen in braunen etwas abgelatschten Halbschuhen. Mit Todesverachtung schlug er eine Zeitung auf und begann halblaut zu kommentieren, was er las. Dann sah er auf und sagte: „49 Prozent der Deutschen haben keinen Weihnachtsbaum, steht hier. Ich habe noch nie einen Weihnachtsbaum gehabt – so’n Scheißdreck!“