Schlechte Manieren am Kanal

Quer über den Mittellandkanal hinweg zeigte ich einem Paar am anderen Ufer den gereckten Mittelfinger – aus Gründen. Meine Freundin und ich waren mit den Rädern an der Schleuse Anderten. Der Weg dorthin am Kanal entlang ist steinig und uneben, eine Tortour für Mensch und Material.
„Zurück fahren wir auf der anderen Seite. Dort ist der Weg besser“, sagte sie. Er war aber nicht besser, sogar noch steiniger, so dass ich Mühe hatte, auf dem losen Schotter nicht wegzugleiten. Nach etwa drei Kilometern passierten wir ein junges Paar, das in trauter Zweisamkeit rechts vom Weg in der Böschung saß und den Sonnenuntergang genoss.

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Sommer in Hannover – Ein sehenswerter Heimatfilm

kategorie alltagsethnologieIn meiner visuellen Neugier bin ich schon immer ein gefräßiger Banalisierer gewesen. Nachdem ich von Aachen nach Hannover gezogen war, erkundete ich meine neue Heimatstadt und Umgebung mit dem Fahrrad. In Aachen hatten mich jeder Laternenpfahl, jeder Strauch begrüßt. In 25 Jahren war ich soviel mit dem Fahrrad rumgefahren, dass es nichts mehr zu entdecken gab. Ach, wie wunderbar war es da, eine Stadt neu zu entdecken. In dieser Zeit der ersten Begeisterung habe ich in Hannover und im Umland gefilmt. Anfangs war das aufregend, denn jede Weggabelung zwang mich zu einer Entscheidung und war begleitet vom Bedauern, dass ich den anderen Weg nicht nehmen konnte. Mit der Zeit fuhr ich die alternativen Abzweigungen oder ich gelangte von der anderen Seite hin und erkannte die Stelle. So löschte ich fast jeden weißen Fleck der Stadt auf meiner inneren Landkarte. Inzwischen habe ich auch Hannover entzaubert. Die Wege sind mir alltäglich geworden. Manchmal langweile ich mich, weil ich genau weiß, da ist dies und da das. Zum Ende des Jahres will ich weg sein aus Hannover. Folgendes Video aus dem August 2009 spiegelt noch meine anfängliche Begeisterung für diese Stadt, in der ich bald acht Jahre fast zuhause war. Und jetzt: viel Vergnügen beim Anschauen …

Übrigens, wer mein Trommelspiel am Mittellandkanal bei 2:20 ein wenig asynchron findet – ich hätte es besser gekonnt, die Filmmusik ist erst nachträglich zugefügt.