Die Dinge des Lebens – Der bunte Mann

Mit einem kräftigen „Guten Tag!“ betritt ein großer glatzköpfiger Mann das Wartezimmer. Er trägt eine orangefarbene Hose und einen türkisblauen Hoodie, statt Maske hat er einen dunkelblauen Rollkragen übers Gesicht gezogen. Er setzt sich kurz, steht dann plötzlich vor mir und sagt: „Können Sie mir kurz helfen?“, wobei er mir ein geöffnetes Taschenmesser in die Hand drückt. „Ich möchte den Faden abschneiden, aber mir fehlt dazu eine weitere Hand. Mit der Linken zieht er einen Faden von der Naht des Hodies an der Innenseite seines rechten Unterarms stramm. Ich prüfe mit dem Finger, wo die Schneide des Taschenmessers ist und schneide den Faden ab. Er bedankt sich, setzt sich wieder und beginnt aufmerksam in einem roten Büchlein zu lesen. Seine Welt ist wieder in Ordnung. Jetzt sehe ich, dass er auch orange und türkis geringelte Socken trägt. Seine Segeltuchtasche hat die Kombination Blau-Orange. Selten habe ich so einen selbstgewissen bunten Mann gesehen.

„Ich bin der Bischof von Bugolaland und brauche ein halbes Pfund Margarine.“
[Patricia Moyes; Murder Fantastical, dt. „… daß Mord nur noch ein Hirngespinst“]

Hübsche Kursiv der Bleistiftmarke Bruynzeel (hier falsch Bruynseel kalligrafiert von mir)

Die Vogelscheuche schreckt die Vögel wenig. Einst war sie der Gott der Grenzmarken.“ (Carl Faulmann) Vom Gott zum Lumpenhund: Die Banalisierung befällt auch das Göttliche.

Immer öfter passiert es mir, dass ich nach Verlassen eines Ladenlokals vergesse, die Maske abzustreifen. Ich bemerke an mir eine perverse Lust, Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Offenbar geht es nicht nur mir so. Manche fahren sogar mit der Maske Rad. Der Nutzen der Mund-Nasen-Bedeckung ist ja so gering, dass sich eine Ritualisierung andeutet. Die Maske als Erkennungszeichen einer Sekte, zu der man zwangsrekrutiert wurde. Rollt eine Straßenbahn vorbei, und aus allen Fenstern schauen welche mit Maske, muss ich denken, dass uns die herrschende politische Klasse endlich zu den Deppen gestempelt hat, für die sie uns schon lange halten.

Aus dem Off – Bitte wappnen Sie sich

Heute gegen sechs Uhr erwachte ich, mochte nicht aufstehen und geriet in einen dösigen Schlaf, einen von diesen, die gefährlich sind für die geistige Gesundheit. Da träumte ich den Unterschied zwischen einem Polizeieinsatz und einem Polizei-Einsatzkommando. Letzteres muss aus gegebenem Anlass angefordert werden. Ein Polizeieinsatz aber kann auch eine Gruppe von Polizisten sein, die eine Tonne hochvoll mit leeren Bierflaschen zur Pfandrückgabe bringt. Denn eine solche Tonne ist schwer zu fassen und zu tragen, so dass schon mal fünf (!) Polizisten Hand anlegen müssen.

Natürlich darf eine solche Polizeieinsatzgruppe mit Blaulicht zum Supermarkt fahren. Dort springen alle raus, die Leute denken: „Huch! Jetzt wird die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert!“ Wer keine Maske hat, zerrt wie dereinst Mr. Bean die Unterhose durch ein Loch in der Hosenttasche und zieht sich [Achtung! Bitte wappnen Sie sich! Jetzt folgt das hässlichste Wort der Welt] zieht sich den Schlüpper übern Kopf – aus virologischer Sicht hochproblematisch, aus linguistischer Sicht schwerst bedenklich. Die Polizei drückt ein Auge zu und lässt den Beschiss gelten, wenns kein Schlüpper mit Eingriff ist.

Derweil stürmt das Polizei-Einsatzkommando eine Veranstaltung namens Freiwillige-Corona-Ermüdungs-Abschlussvorstellung und knüppelt auf alle Besucherinnen und Besucher ein. Die meisten sind nämlich illegal. Geladen sind nur Haubitzen und Baulöwen.
Sie lesen, meine lieben Damen und Herren, wie es derzeit bestellt ist um mich. Drum muss ich die Blogpause leiderleider verlängern, etwa 20 Zentimeter für jedes Ohr.
Übrigens: Gummibänder sind das neue Klopapier.