Merz und Mars – Das InSight-Namen-Projekt

Lange bevor ein politischer Wiedergänger aus dem Sauerland auftauchte, sogar lange bevor dieser Mann geboren wurde, begründete in Hannover der Künstler Kurt Schwitters eine Spielart von Dada, seine MERZ-KUNST. Der Name MERZ stammt aus einer Collage, worin Schwitters den Schriftzug der Commerzbank eingearbeitet hatte, so dass nur noch merz zu lesen war. Nach der Schwitterschen Merzkunst hat sich Merzmensch benannt, mein Blogfreund aus frühen Blog.de-Zeiten, ein inspirierender Mann, der sich künstlerisch und wissenschaftlich mit Dada beschäftigt.

Ein Jahr ist es her, dass Merzmensch in seinem Blog auf die Möglichkeit der virtuellen Reise zum Mars aufmerksam machte. „Ich fliege im nächsten Jahr zum Mars“ schrieb er. Das erklärt vielleicht, warum ich bedauerlicher Weise schon so lange nichts von ihm gehört habe. Leider doch nicht. Denn nicht er ist gestern auf dem Mars gelandet, sondern sein Name, hinterlegt auf einem Chip wie der von Millionen anderer aus der Weltbevölkerung. Pioniere allesamt – und ich bin einer von ihnen. Nachdem ich die Sache in einem Kommentar im Merzmensch-Blog zuerst als moderne Erscheinung der Namenmagie abgetan hatte, entschied ich mich doch zum Mitfliegen, habe mich im November 2017 bei der NASA angemeldet und prompt die Bordkarte bekommen.


Was bedeutet nun, dass mein Künstlername sich jetzt auf dem Mars befindet? Spontan fiel mir ein „Der Name der Jecken steht an allen Ecken“, entsprechend zum berühmt-berüchtigten Wiener Hofbeamten Joseph Kyselak, der den Ehrgeiz hatte, überall seinen Namen zu hinterlassen, auch an unzugänglicher Stelle im Hochgebirge. Doch was bei Kyselak und seinen Nachfahren, den Graffiti-Taggern, eine Ich-war-hier-Marke ist, trifft ja auf das In-Sight-Namenprojekt nicht zu. In jedem Fall ist es eine bislang nie dagewesene Angelegenheit, die ein Gedankenspiel erlaubt, das vor der Marslandung nicht möglich gewesen wäre.

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Wissenswertes und Unterhaltsames vom Dienstag

Gleipnir hieß der magische Faden, mit dem die germanischen Götter des Geschlechts der Asen den Fenriswolf gefesselt haben. Gleipnir war unsichtbar. Die Zwerge hatten ihn geflochten aus lauter Dingen, die es seither nicht mehr gibt, aus den Wurzeln der Berge, dem Trittgeräusch der Katze, den Bärten der Frauen, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel. Der Fenriswolf war den Asen zu groß geworden, so dass man sich vor ihm fürchtete. Alle vorherigen Versuche, ihn zu fesseln, waren gescheitert. Er hatte selbst die schweren Ketten Leding und Dromi zerrissen. Als die Asen mit Gleipnir an den Fenriswolf herantraten, wurde er misstrauisch und wollte sich nicht binden lassen. Die Götter versprachen, ihn wieder zu befreien, sollte sich Gleipnir als unzerreißbar erweisen. Der Fenriswolf traute ihnen aber nicht und verlangte eine Garantie.
Tyr_and_Fenrir-John_BauerDer Kriegsgott Tyr legt ihm zum Pfand die rechte Hand ins Maul. Weil Gleipnir standhielt, die Götter sich aber weigerten, den Fenriswolf wieder loszubinden, biss er Tyr die rechte Hand ab, genau am Handgelenk, weshalb der dort am Außenriss zu tastende Knochen Tyrsknochen heißt. Was hat der Tyrsknochen mit dem Dienstag zu tun, diesem Untag, diesem Tag nicht Fleisch nicht Fisch? Der Dienstag ist genauso nach dem einhändigen germanischen Kriegsgott Tyr (auch Tiwaz, Tiu, Dies, bei den Römern: Mars) benannt wie der Knochen am Handgelenk, was freilich versinkendes Wissen zu sein scheint. Vier Einträge findet Google zum „Tyrsknochen“, drei sind von mir.
(Bildquelle: Wikipedia)

An diesem Dienstag heißt eine Kurzgeschichte aus dem 2. Weltkrieg von Wolfgang Borchert. In einer Episode wird ein Leutnant an der Front zum Nachfolger seines erkrankten Hauptmanns ernannt. Obwohl er ermahnt wurde, im Dunkeln nicht zu rauchen, zündet sich der Leutnant eine Zigarette an und wird prompt von einem Scharfschützen erschossen. „Nach dem Motto zum einen Ohr rein, zum anderen raus“, schrieb mal ein Schüler von mir in einem Aufsatz, womit er natürlich die ausgeschlagene Mahnung meinte, aber ungewollt eine ulkige Stilblüte schuf, die ich nie vergessen werde. Dieses ungewollt Komische ist irgendwie typisch für Dienstag.

The Rolling Stones, Ruby Tuesday (1966/67)