Wo ist Burglind Gorn?

Wo bleibt denn der Sturm, der uns gestern von den Wetterleuten angedroht wurde, fragte ich mich heute Morgen, als ich schon früh mit dem Rad unterwegs war. Als hätte ich ihn herbeigepfiffen, zog er auf, brachte Regen mit und hinderte mich bei der Rückfahrt, meinen bevorzugten Weg, nämlich den Anstieg der Badenstedter Straße hochzufahren. Er blies mir so heftig den Regen ins Gesicht, dass ich kaum noch etwas sehen konnte. Ich ergab mich dann und bog nach rechts in eine Nebenstraße ein, wo ich im Windschatten einer Häuserzeile weiterkam.

Eine Frau Burglind Gorn ist Besitzerin des Sturmtiefs, also sogenannte Wetterpatin. Von Jacob Grimm las ich einmal einen Aufsatz „Über versunkene Vornamen.“ Ich weiß noch, dass ich die Wortliste absuchte nach Namen, die noch nicht so tief versunken sind, dass man sie vielleicht wieder heben könnte, aber wurde enttäuscht. Die Namen, die Grimm Anfang des 19. Jahrhunderts in alten Urkunden gefunden hatte, klangen allesamt so fremd, als wären sie von der Agentur erfunden, die einst die Karstadt-Gruppe Arcandor genannt hat. „Burglind“ gehört sicher zu den noch nicht versunkenen, aber bereits versinkenden Namen. Burg kommt von althochdeutsch bergan = schützen, lind von linta = Lindenholzschild. Derweil Tagesschau.de unter der Headline „Burglind fegt über Deutschland hinweg“ schon Bilder der Zerstörungen verbreitet, wo Burglind eigentlich ihren schützenden Schild hätte ausbreiten sollen, frage ich mich, wo Frau Burglind Gorn sich wohl derzeit aufhält. Statt ihre Pflicht zu tun, sonnt sie sich vermutlich irgendwo auf der Südhalbkugel und lacht sich ins Fäustchen.

Im März 2008 habe ich mal über Tief Melli geschrieben. Es gehörte einer gewissen Melanie Irsch. Frau Irsch hat sich damals in meinem Teppichhausblog wenigstens entschuldigt:

Hallo, hier spricht Tief Melli.

Ich entschuldige mich hiermit für die nassen und ungemütlichen Tage, die ich euch beschert habe. Jedoch habe ich mich selbst noch nie so über schlechtes Wetter gefreut wie im April. Seien wir mal ehrlich, schlechtes Wetter soll doch nicht automatisch schlechte Laune bedeuten. Es heißt ja schließlich:“auch wenn die Wolken die Sonne verdecken, sie scheint trotzdem.“

Euer Tief Melli.

PS: war ein Geburtstagsgeschenk, und direkt bei der FU Berlin beantragt.

Als ich eben den Kommentar kopierte, wurde ich ganz traurig. Immer diese Flüchtigkeit im Internet. Wie mag es Frau Irsch inzwischen gehen? Na, egal. Ich musste noch mal raus, um etwas einzukaufen und bekam es mit Burglind Gorn zu tun. Zur Sicherheit bin ich zu Fuß gegangen. Einmal bin ich mit dem Alltagsrad im Städtchen Jülich gewesen, um Lisette zu treffen. Auf dem Rückweg auf offener Landstraße holte sie mich mit ihrem Auto ein. Sie wollte ihre Mutter zu deren Freund fahren. Lisette hielt am Randstreifen. Ich stellte mein Rad ab, trat ans Auto, und wir redeten ein paar Worte. Mit einem Mal rief Lisettes Mutter „Huch!“ Eine Windböe hatte mein Rad vom Radweg gut 25 Meter auf den tieferliegenden Acker geweht. Wie die dafür verantwortliche Dame hieß, weiß ich leider nicht.

Guten Abend

Gefangen im Netz der Fernkommunikation – Fragment

In der Zeit der Heimlichkeiten schaffte ich mir ein Handy an, obwohl ich den Handybesitz lange Zeit verächtlich gefunden hatte. Eines Abends klingelte es, und bevor ich dran gehen konnte, hörte es wieder auf. Es war ein Klingelgruß von ihr. Sie fing damit an, mich regelmäßig anzuklingeln, zuletzt in Intervallen von etwa vier Stunden und einmal noch vor ihrem Zubettgehen. Ich wurde zum Sklaven dieser Klingelei. Wenn sie für längere Zeit ausblieb, zog ich rastlos umher und begann mich zu sorgen. Dann, ach, die Erleichterung, es klingelte, ein kurzer Glücksmoment und Ruhe für einen Augenblick.

Lisette erfand Klingelregeln. Klingelte sie einmal, war ihr Mann in der Nähe, klingelte sie zweimal, war die Luft rein, und ich konnte zurückklingeln. Welch ein Bild des Jammers muss ich gewesen sein in dieser Zeit. Freunde schüttelten den Kopf über mich, denn Lisettes Klingeln erwischte mich immer und überall. Sie sahen mich hochschnellen, das Handy in die Hand nehmen wie einen Fetisch und eilig die Tasten drücken und wussten, dass ich ernstlich krank war.

Schon kurz nachdem wir uns kennen gelernt hatten, bemerkte ich, dass etwas Seltsames in mir vorging. Ich hatte einen zehrenden wehen Schmerz in der linken Brust, der mal außen, mal weiter innen saß. Manchmal lauerte er leise, manchmal brach er heftig auf. Als die Zeit der Klingelzeichen begann, entdeckte ich, dass das heftige Aufwallen des Schmerzes häufig dem Klingeln voranging. Es wurde so deutlich, dass ich erschrak, wenn das Klingeln ohne Schmerzankündigung kam. Irgendwann erzählte ich es ihr, und sie sagte: „Ja, dann lass ich es bei dir suppen!“ Dieses Herzsuppen wurde so arg, dass ich mir Sorgen machte, ob es nicht organische Gründe hätte. Weiterlesen

Globuli, Gras und hart am Wahnsinn schrammen

Anfangs wollte ich die Tastatur zurückgeben, denn sie war mir nicht neutral genug. Man sollte doch von einer Tastatur erwarten können, dass alle Tasten gleich klingen und der Schriftsprache keine Melodie anhängen. Aber genau das tat meine Tastatur. Beim Schreiben hörte ich in der Tastatur eine Melodie, genauer meine Sprachmelodie. Schrieb ich eine Frage, konnte ich der Tastatur anhören, wie sich die Stimme gegen Schluss des Satzes hob, gab ich eine Erklärung ab, dann kam nachdrückliche Betonung in meine Tastatur. Genauer kann ich es nicht beschreiben. Jedenfalls schien mir, dass die Melodie sich in meinen Blogtexten vermittelte, auf geheimnisvolle Weise auch zu lesen war und meinen Aussagen eine Überzeugungskraft gaben, die mir unheimlich wurde. Ich ging zu Frau Dr. Horn und sagte: „Sie müssen mich dämpfen. Ich mache alle Leute verrückt.“ Sie gab mir wieder fünf Globuli. Dann wurde es besser. Allmählich verklangen die Melodien meiner Tastatur.

Mit Frau Dr. Horns Globuli hatte alles begonnen. Ich war nach der Trennung von Lisette mit höllischem Liebeskummer zu ihr gegangen und hatte gesagt: „Ich bin an einer Frau erkrankt. Ich selbst glaube nicht an Homöopathie, aber sie, und weil in der Homöopathie Gleiches mit Ähnlichem bekämpft wird, komme ich zu Ihnen.“ Frau Dr. Horn sah mich zweifelnd an. Dann erzählte ich ihr noch den Witz, wie die Homöopathen eine Hühnersuppe machen.

„Sie stellen einen Topf Wasser in die Sonne und scheuchen ein Huhn vorbei, und zwar so, dass der Schatten des Huhns auf das Wasser fällt. Aber sie müssen das Huhn schnell vorbeitreiben, damit die Suppe nicht zu kräftig wird.“

Dr. Horn schmunzelte und fragte: „Warum haben Sie sich nicht rasiert?“ „Äh?“ während ich nach einer plausiblen Antwort suchte, wurde mir klar, dass sie mit dieser Frage die Hierarchie wieder hergestellt hatte. Nachdem sie mich etwa eine Stunde befragt hatte, wusste sie genug, las in aller Ruhe in zwei dicken Büchern, klappte sie zu, ging zum Schrank, suchte ein Gläschen Globuli heraus und gab mir fünf Kügelchen. Ich fragte: „Und jetzt? Muss ich nochmal wiederkommen?“ „Nein, das reicht“, sagte Dr. Horn. An den folgenden Tagen litt ich wie ein Hund an der Erstverschlimmerung. Dann ging ich durch die Decke, und in meine Tastatur kamen die Melodien.

Im Sommer darauf sagte ich zu ihr: „Damals schrammte ich hart am Wahnsinn vorbei.“
„Ja,  ich hatte ein bisschen Schiss“, sagte Frau Dr. Horn.
Ich bin mir nicht sicher, aber es lag wohl an der Wechselwirkung zwischen den Globuli, Gras und Bloggen.

Am Bahndamm – oder von einem, der Joseph Beuys ins Gesicht geschlagen hat

Am vorletzten Haus vor dem Bahndamm riecht es nach Bratwurst. Vier sitzen vor dem Haus und grillen. Hinterm Haus wird kein Platz sein, zumindest kein schöner Ort. Im spitzen Winkel kommt der Bahndamm heran, und oben donnern die Güterzüge vorbei. Aber auch vor dem Haus würde ich nicht grillen wollen, der düsteren Atmosphäre wegen. Die Leute scheinen dagegen anzugrillen, um dem Ort etwas Normalität abzutrotzen. Ich kannte mal eine Frau mit einem feinen Sensorium für solche Stimmungen. Sogar an harmlos wirkenden Orten witterte sie: „Schlechte Vibration!“
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Angst vor Spinnen

Kategorie KopfkinoDer Physiotherapeut hat mich bis zum Hals eingepackt. Eine halbe Stunde werde ich wegen meiner Rückenschmerzen auf einer Fangopackung liegen. Es ist wohltuend und entspannend, so dass ich mehrmals wegdämmere. Im Halbschlaf höre ich, wie der Raum nebenan betreten wird. Die Wände müssen sehr dünn sein, denn fast alles, was die beiden Frauen sprechen, kann ich verstehen. Die jüngere Stimme gehört einer Physiotherapeutin. Sie reden über den Ekel vor Spinnen und bestätigen sich gegenseitig, wie furchtbar sie es finden, wenn eine Spinne in der Wohnung auftaucht.

Meine Gedanken driften ab. Ich erinnere mich, dass ich mal mit Lisette in der Düsseldorfer Universität gewesen bin. Per Anzeige in der Tageszeitung hatte die psychologische Fakultät nach Frauen mit Angst vor Spinnen gesucht. Lisette hatte bei der angegebenen Telefonnummer angerufen und sich einladen lassen. Sie nahm mich als Verstärkung mit. Dann saß ich als einziger Mann in einem Hörsaal mit etwa 40 Frauen. Der Psychologe projizierte Fotografien von Spinnen an die Wand. Die Frauen sollten ihre jeweilige Befindlichkeit auf einem Fragebogen ankreuzen. Einige Frauen wurden tatsächlich kreidebleich, eine hatte Atemnot, und eine rannte aus dem Raum. Nicht so Lisette. Nur beim Bild einer fiesen haarigen Spinne ist sie mal kurz in mich reingekrochen. Jedenfalls wurde Lisette zur nächsten Testreihe nicht mehr eingeladen. Sie hatte auf ihrem Fragebogen einfach zu schlecht abgeschnitten. Danach war ihre Spinnenphobie weg. Sie konnte sogar Spinnen mit der Hand nehmen und sie nach draußen tragen.

Die Physiotherapeutin erzählt gerade von ihrer probaten Methode, eine Spinne aus der Wohnung loszuwerden. Sie nimmt den Staubsauger. „Och nein“, ruft ihre Patientin, „die armen Spinne lebt doch im Staubsaugerbeutel noch!“ Ich öffne die Augen und schaue nach oben. Wie herbeigerufen taucht zwischen den Deckenpaneelen eine Spinne auf und krabbelt die Decke entlang. Stimmt es eigentlich, dass lebensmüde Spinnen sich von der Decke in den offenen Mund von Schläfern abseilen, so dass jeder Mensch im Leben durchschnittlich acht Spinnen verschluckt? Nein, stimmt nicht. Die Journalistin Lisa Holst hat diese Behauptung im Jahr 1993 in die Welt gesetzt, um zu beweisen, wie leicht sich solche Märchen verbreiten. Aber was, wenn die Spinne über mir nicht weiß, dass es eine urban legend ist? Ich bin bis zum Hals eingepackt und kann mich nicht bewegen! Denken wir an etwas anderes.

Eines Tages krabbelte eine kleine Spinne über das Tastenboard meines Computers. Ehe ich es verhindern konnte, war sie zwischen den Tasten verschwunden. Als ich Tags darauf einen längeren Text tippte, tauchte sie plötzlich zwischen ghbn auf, um zu gucken, was da für eine Hektik sei, und tauchte wieder ab. Da dachte ich, wenn sie klug ist, wird sie sich zwischen selten gebrauchten Tasten verstecken. Ich weiß ja nicht, wie lange Abfolgen sich eine Spinne merken kann, aber Wörter mit drei Buchstaben sollte sie wiedererkennen. Wenn ich beispielsweise „un“ tippe, sollt sie sich anschließend nicht unter dem „d“ verstecken. Es ist natürlich keine wahre Erkenntnis in der Spinne, wenn sie lernt, welche Buchstaben und welche Buchstabenverbindungen in der deutschen Schriftsprache wann vorkommen. Sie versteckt sich auf Deutsch, hat aber keine Idee von der Bedeutung der Buchstaben und weiß nichts vom Inhalt eines Textes, sondern reagiert rein mechanisch.

Ebenso mechanisch verfährt ein Programm, mit dessen Hilfe man die Lesbarkeit eines Textes ermitteln kann. Es beruht auf dem „Flesch-Test“. Benannt ist die Formel des Flesch-Testes nach Rudolf Flesch, einem gebürtigen Wiener, der 1938 in die USA ausgewandert ist.

FI = 206,835 – 84,6 x WL – 1,015 x SL

* FI = Flesch-Index für Leseleichtigkeit (Reading Ease, Lesbarkeit)
* WL = durchschnittliche Wortlänge in Silben (ohne Schluss-e)*
* SL = durchschnittliche Satzlänge in Wörtern

Ein sinnloser Text aus dem Blindtextgenerator hat z.B. den Fleschwert von 48, was etwa dem Berufsschulniveau entspricht. Man sieht daran, dass mit der Formel nur die äußere Form eines Textes getestet werden kann, nicht seine inhaltliche Schlüssigkeit. Wer jedoch danach strebt, einfach und verständlich zu schreiben, hat mit der Fleschformel einen guten Maßstab. Kannst du bitte mal testen, welchen Fleschwert dieser Text hier hat? Einfach kopieren und in die Maske einfügen. Inzwischen beobachte ich die Spinne über mir. Sie hat sich von der Decke gelöst und hängt grad an einem Fädchen …

Josie und die heilsame Besinnung auf Namen

Kategorie KopfkinoCatherine Douglas und Peter Rowlinson von der Universität Newcastle haben in einer Studie belegt, dass Kühe mehr Milch geben, wenn sie einen Namen haben. Das hätte ich ihnen vorher sagen können, denn wenn eine Kuh nur eine Nummer auf einem Chip im Ohr hat, wird sie vom Bauern wie eine Nummer behandelt und fühlt sich unwohl. Die Erkenntnis, dass Kühe einen Namen brauchen, ist nicht neu, sondern nur durch die Massentierhaltung verloren gegangen.

Nicht seriös wissenschaftlich erforscht ist das Verhältnis Mensch zu Pflanze. Die Theorien dazu sind esoterischer Natur und für mich nicht von Interesse. Ich werde mich hüten, mir eine Theorie auszudenken, denn es ist der Sache selbst gar nicht zuträglich. Warum soll das Leben nicht einige seiner Geheimnisse für sich behalten? Daher will ich nur von persönlichen Erfahrungen berichten.

Josie - Foto: Jvdl - größer: Bitte klicken

Josie – Foto: Jvdl – größer: Bitte klicken

Vor einigen Jahren schenkte Lisette mir eine Zimmerpalme. Zimmerpalmen gefielen mir schon immer gut. Ihr Blattwerk ist elegant geschwungen und bildet mit seinen Überschneidungen sehenswerte grafische Strukturen. Meine Zimmerpalme taufte ich Josie. Nach kurzer Zeit kümmerte Josie, obwohl sie einen hellen Platz hatte und regelmäßig gegossen wurde. Josie schien meinen eigenen Seelenzustand zu spiegeln. Eines Morgens hatte sie sich komplett zum Fenster hin geneigt, als wollte sie sich davon machen. Sie hatte allen Grund dazu, denn mir ging es von Tag zu Tag schlechter. Als sich Josie derart von mir abwandte, beschloss ich, etwa gegen mein Leid zu tun und eröffnete ein Blog. Anfangs hieß es Wolfsburggeschichten und war insgesamt so düster wie der Name verspricht. Josie hing weiterhin schräg zum Fenster und ließ einige ihrer Wedel austrocknen.

Nach etwa zwei Wochen Blogschreiben begriff ich endlich, welch ein vielfältiges künstlerisches Ausdrucks- und Kommunikationsmittel ein Blog ist, machte einen Ausverkauf der schlechten Gefühle und eröffnete das frisch renovierte Teppichhaus. Inzwischen hatte ich in Jim Krauses wunderbarem Büchlein “Creative sparks” (dt. “Funkenflug“) gelesen, man solle zur Steigerung der Kreativität ab und zu einen Baum umarmen. So stieg ich manchmal auf den Aachener Lousberg, wartete, bis keiner zusah, und umarmte mal eine Eiche, mal eine der hoch aufragenden Buchen. Zur Not tue es auch eine Zimmerpflanze, schreibt Krause. Das tat ich mit Josie. Es schien ihr zu gefallen, denn mit den Wochen richtete sie sich langsam wieder auf. Mir ging es ähnlich. Und ich fand, dass meine Texte stets  rund und schlüssig gerieten, wenn ich zuvor Josie angefasst und mit ihr geredet hatte. Aus dieser Zeit rührt meine Beziehung zu einer Zimmerpalme.

Was geschieht, wenn man sich für einen Moment einer Pflanze zuwendet? Du greifst nach einem Wesen, das zwar den Raum mit dir teilt und trotzdem in einer in sich schlüssigen Welt lebt, die völlig verschieden von deiner ist. Das klärt den Blick. Meist ist der Mensch geneigt, seine Wirklichkeit als die einzige Wirklichkeit anzusehen. Damit bestreitet er der Welt ihre Vielfalt und Tiefendimension. Sich als der Nabel der Welt zu betrachten, ist ein Anschlag auf die eigene seelische Gesundheit, denn diese Haltung macht Denken und Fühlen oberflächlich und insgesamt unzufrieden und unglücklich. Dagegen hilft ein Augenblick der Besinnung auf die stille Welt der Pflanzen. „Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagt Paul Watzlawick in seiner Untersuchung “Menschliche Kommunikation”, denn auch Schweigen ist eine Form der Kommunikation. In diesem Sinne findet eine Interaktion zwischen dir und der Pflanze statt. Diese Interaktion ist wie ein Eintauchen in eine Zwischenwelt, die nicht ganz pflanzlich ist, nicht ganz menschlich. Das verändert beider Leben in den jeweiligen Wirklichkeiten. Denn auch die Pflanze spürt die Berührung und reagiert durch Wohlgefallen oder nicht.

Wenn ich ein Unternehmen zu leiten hätte, bekäme jeder Mitarbeiter eine Pflanze. Die Pflanze seiner Wahl würde ihm hingestellt, und er hätte sich während seiner Arbeitszeit um ihr Wohlergehen zu kümmern. Denn ich glaube, dass man am Zustand seiner Pflanze ablesen könnte, wie es um ihn bestellt ist. Würde die Pflanze dahinkümmern oder gar vertrocknen, wäre das ein Grund für ein vertrauliches Gespräch, um zu klären, ob den Mitarbeiter etwas bedrückt und ob er Hilfe benötigt. Wenn wir uns nämlich fragen, woher der derzeit desolate Zustand unserer Gesellschaft stammt, dann müssen wir auf die Unternehmen schauen, deren Schalten und Walten die Geschicke der Gesellschaft bestimmt. Viele, wenn nicht die meisten Unternehmen werden nicht ordentlich geführt. Man behandelt die Menschen wie Hochleistungsrindviecher, die keinen Namen haben, sondern eine Nummer am Ohr. Das gilt es zu ändern.

Zerbrochener Marmor – #Kramladengeschichten

Die Biographie der Dinge

Da ich unter Pseudonym schreibe, kann ich ein Bekenntnis wagen, das ich vorausschicken will, um zu erklären, warum auf meiner Fensterbank Bruchstücke einer Grabplatte liegen. Der Grund ist nicht morbid wie es scheinen mag, sondern nur schräg wie die Phase in meinem Leben, wozu die Bruchstücke gehören. Mit 48 Jahren stand ich vor den Bruchstücken meiner Ehe. Meine Frau hatte sich von mir abgewandt, unsere gemeinsamen Kinder waren inzwischen selbstständig – mein Leben dümpelte dahin. In dieser Phase lernte ich eine zehn Jahre jüngere Frau kennen. Ich nenne sie in meinen Texten Lisette. Sie trug zwar einen Ehering, doch ihr Mann war ein Jahr beruflich im Ausland, und sie erweckte den Anschein, dass ihre Ehe nur noch auf dem Papier bestünde. Als der Mann nach drei Monaten zurückkehrte, fand er das gar nicht, aber ich war bereits rettungslos in seine Frau verliebt. Es folgten fünf Jahre einer innigen Beziehung voller Heimlichkeiten und emotionalem Stress für alle Beteiligten, bis sie sich endlich von ihrem Mann trennte. Erst nach sieben Jahren gelang es mir, mich aus der Verstrickung zu befreien. Aber es war, als würde ich mir einen Arm absägen. Aus diesem Gefühl heraus begann ich zu bloggen. Ich schrieb mich frei.

Während der Zeit der Heimlichkeiten fuhr Lisette einmal mit ihrer Mutter nach Banneux, einem Wallfahrtsort in den belgischen Ardennen. Kurz vor dem Ortseingang sah sie einen Feldweg, dessen tiefe Schlaglöcher nicht mit gewöhnlichem Schutt zugekippt waren, sondern mit Bruchstücken von Grabplatten, wie man sie überall auf wallonischen Friedhöfen findet. Bei aufgegebenen Gräbern ist man in der Wallonie nicht zimperlich. zerschlägt die Grabplatten mit Vorschlaghämmern und lässt die Trümmer pietätlos herumliegen. Hier dienten sie sogar der Wegbefestigung für die Reifen von Traktoren. Lisette hielt ihr Auto an und sammelte einige Bruchstücke für mich ein, weil sie wusste, dass ich mich für alle möglichen Aspekte von Schriftverwendung interessierte.

VotivtafelZu sehen ist eine in die Marmorplatte gemeißelte englische Schreibschrift. Einst war sie mit Goldfarbe ausgelegt. Sie ist aber verblasst. „iements grâce“ ist vermutlich der Überrest von „remerciements (…) grâce“. Wenn es „danke (…) Gnade“ heißt, stammen die Bruchstücke vielleicht nicht von einer Grabplatte, sondern von einer Votivtafel, mit der sich gläubige Katholiken in Wallfahrtskapellen für beispielsweise die Heilung von einer Krankheit bedanken. Diese Interpretation ist mir lieber.

Als letztens die Fenster bei mir geputzt wurden, lagen die Bruchstücke im Weg. Dadurch wurde die Erinnerung wieder lebendig, denn eigentlich liegen sie schon so lange auf den Fensterbänken, zuerst in Aachen, jetzt in Hannover, dass ich sie nicht mehr beachte.

Erinnerungen an Lisette – ab heute wieder erlaubt

lisette2Lisette? Sie lebt jetzt ein ganz anderes Leben. Und ich bin ja weggezogen. Unsere Trennung liegt jetzt zehn Jahre zurück. Vor einem Jahr habe ich sie noch mal getroffen. Sie ist schön wie eh und je. Da wollte sie nichts mehr wissen von der großen Liebe, die mal zwischen uns war, meinte, es wäre ja alles nur Sex gewesen. Aber ich habe noch dieses Lied, das mir Bilder in den Kopf setzt, wie wir es im Bett liegend gehört hatten, nebeneinander in wunderbarem Einvernehmen im Fluss unserer Gedanken. Und ich erinnere mich, wie sie sich an meinem Geburtstag über ein Geschenk freute, das sie für mich gekauft hatte, und derweil ich es auspackte vor lauter Übermut einen Kopfstand an meinem Bücherregal gemacht hat. Und da ist noch die Zimmerpalme, die ich Josie getauft habe. Mit dieser Palme, auch einem Geschenk von Lisette, habe ich eine seltsam innige Verbindung. Später werde ich mal davon berichten, weil Josie auch Einfluss auf mein Schreiben hat. Heute geht es um „Instant Street“.

Mit, besser zu diesem Lied der belgischen Rockgruppe dEUS habe ich vor Jahren ein Video gemacht. Als ich gerade in Hannover war, habe ich die Gegend mit dem Fahrrad erkundet und einiges vom Rad aus gefilmt. Es war nicht so einfach, denn ich hielt die Kamera mit einer Hand. Das Video war eine Weile nicht in Deutschland zu sehen, weil ich dreist die urheberrechtlichen Ansprüche von dEUS verletzt hatte.

Gestern bekam ich eine erfreuliche E-Mail, die in der Fülle der Kommentarbenachrichtigungen beinah untergegangen wäre. YouTube schrieb mir, der „urheberrechtliche Anspruch auf dein Video dEUS – Instant Street wurde zurückgezogen.“

Deshalb kann ich es heute im Teestübchen zeigen. Das Video wurde schon fast 53.000 mal angesehen. Es ist eigentlich eine Fahrt „zwischen Leine und Maschsee“ durch den Vorfrühling. Instant Street beginnt verhalten und melodisch, um dann in seinem zweiten Teil immer wilder und rauschhafter zu werden. Die Musik hat etwas absichtsvoll Schräges, das mir gut gefällt. Es ist noch eine Weile hin zum Vorfrühling, aber das heutige Wetter ist ein Versprechen darauf. Dazu viel Vergnügen!

Bericht von meiner ethnologischen Forschungsreise von Hannover nach Aachen und zurück (Folge 6)

Folge 1Folge 2Folge 3Folge 4Folge 5

Es regnet, als wir vor die Tür treten. Ein Kollege holt mich unter seinen Schirm, unter dem auch mein alter Freund und Radsportkamerad Wolf schon steht. Da kommt Max, mein Gastgeber, hinzu und gibt mir sein Schlüsselbund, falls ich frühzeitig nach Hause will. Ich ahne, dass Wolf sich erinnert, wie oft er mir damals seinen Wohnungsschlüssel überlassen hat, damit ich mit Lisette allein sein konnte, am Anfang der Beziehung, in der Zeit der Heimlichkeiten und ungeordneten Verhältnisse. Ein Stückchen bummeln wir zu Dritt unter dem Schirm Richtung Dom, dann verabschiede ich mich. Der Regen hat nachgelassen.
MünsterplatzAachener Münsterplatz – Foto: Trithemius (Größer: Klicken)

Ich gehe über den Münsterplatz Richtung Elisengarten. Dort sind vor Jahren die Archäologen auf allen Vieren durch eine weite Grube gekrochen und haben hingebungsvoll die kärglichen menschlichen Spuren aus Jahrtausenden gesichert. Die Grube war von einem Zeltdach gegen Regen geschützt gewesen. Jetzt steht ein gläserner Pavillon über dem Loch. Durch ein großes Archäologisches Fenster schaue ich hinab in 5000 Jahre Siedlungsgeschichte. Es gibt sechs mit Schildchen datierte Ebenen. Wie schwierig wird es gewesen sein, alle Ebenen sauber auseinander zu halten? Haben Maulwurf, Wühlmaus oder Erdratte die Jahrhunderte nicht durcheinander gebracht?

Noch unsicherer sind ja menschliche Erinnerungen geordnet. So viele Erlebnisse ragen willkürlich aus unterschiedlichen Vergangenheitsschichten hinauf in die Gegenwart. Das eigene Ich besteht fast ausschließlich aus Vergangenheit, die sich in Erinnerungen verfestigt hat. Daher findet man das Leben auch am Morgen genauso vor, wie man es am Abend verlassen hat.

Drüben am Beginn der Fußgängerzone an einem Samstagmorgen. Plötzlich tauchte Lisette aus dem Menschengewühl auf, und für einige Augenblicke wagten wir, Seit an Seit zu gehen, obwohl ihr Mann ebenfalls in der Innenstadt unterwegs sein könnte. Sie hatte dunkle Schatten unter ihren Augen, die Spuren einer schlaflosen Nacht.
„Was ist mit dir?“
„Letzte Nacht im Bett hatte ich mit Alois eine Auseinandersetzung ohne Worte“, sagte sie, und ein bitterer Zug war um ihren Mund. „Für einen Moment wollte ich nachgeben, doch ich konnte mich nicht öffnen.“

Hast du je ein Wort gehört, dass dir einen solchen Schmerz bereitet? Die Stelle in meinem Gehirn, in die sich diese Vorstellung eingebrannt hat, wie gerne hätte ich sie veröden lassen. Damals wollte ich oft nicht mehr in meinem Kopf sein, wollte die zehrende Sehnsucht, die quälenden Verlustängste und Eifersuchtsgefühle nicht mehr haben. Warum, habe ich mich da oft gefragt, warum kann ich beim Erwachen nicht jemand anders sein? Ein Seehund zum Beispiel, der einen bunten Ball auf seiner Schnauze balanciert. Und habe ich meine Sache gut gemacht, wirft man mir vom Beckenrand köstlichen Fisch zu.

Gut, dass mit den Jahren alles versteinert. Seltsam hellsichtig hatte mein junger Freund Herr Leisetöne mir letztens in unserer Hannoveraner Stammkneipe Vogelfrei gesagt, mein Gehirn habe eine kristalline Struktur und deshalb wäre ich nicht mehr so rasch im Denken. Ich hatte das unverschämt gefunden und die Idee weit von mir gewiesen. Obwohl die Vorstellung von einer verzweigten, unermesslichen Höhle mit Hallen voller Erinnerungen aus blitzenden Kristallstufen, in deren Prismen sich die Gedankenfunken tausendfach brechen, so dass sie aufgespalten werden in sich überlagernde Haupt- und Nebenregenbögen, recht artig ist.

Leider musste ich die Schilderung meines wunderbaren kristallinen Gehirns abbrechen, weil ich niemandem einen noch längeren Satz zumuten will, in dem das bedeutungstragende Verb erst ganz am Schluss erscheint, wobei „ist“ ja nur ein Hilfsverb ist und noch dieses Satzadjektiv “artig” braucht. Über Grammatik war ich später mit Leisetöne in Streit geraten, in dessen Verlauf wir uns anschrien. Ich habe das aber genossen, denn ich hatte mich noch nie zuvor mit jemandem wegen Grammatik angeschrien. Es ging um starke und schwache Nerven äh Verben.

Die meisten meiner Kollegen, die sich jetzt da drüben den Dom anschauen, hatten am liebsten über ihre Reisen, ihre Autos oder ihre Kreditkarten gesprochen, wo sie gut gegessen und wo in der Provence sie ein kleines Weingut entdeckt hatten, bei dem sie jetzt immer ihren Wein holen. Anders mein Gastgeber Max. Er ist ein vielseitig interessierter Mann, kompetenter Biologe und leidenschaftlicher Fossiliensammler, hat überall in der Wohnung Vitrinen mit Fossilien aus dem Schwarzwald, die er selbst gefunden und präpariert hat. Am Abend sitzen wir in geselliger Runde inmitten von Millionen Jahren der Erdgeschichte, Max, seine Partnerin Judith und ich. Allein diese launigen Abende rechtfertigen meine lange Reise von Hannover nach Aachen. Von der Rückfahrt gibt es kaum etwas zu berichten, nur, dass ich inzwischen wieder zu Hause bin.
E N D E

Bericht von meiner ethnologischen Forschungsreise von Hannover nach Aachen und zurück (Folge 5)

Folge 1Folge 2Folge 3Folge 4

middelbergDas Treffen der Kolleginnen und Kollegen soll im Café M. in der Altstadt sein, und anschließend wird es eine Domführung geben. An der werde ich nicht teilnehmen, weil ich den Dom und die Domführung kenne und noch durch die Stadt streifen will. Als ich im Juli die Einladung bekam und den Namen des Cafés las, konnte ich mich nicht erinnern, je dort gewesen zu sein. Aber wie wir das Caféhaus betreten und zur ersten Etage hinaufsteigen, wo ein Raum für uns reserviert ist, erkenne ich die Treppe an ihrem goldenen Handlauf. Nach dem Hallo der Kolleginnen und Kollegen, nach Händeschütteln und Umarmungen, als alle gut sitzen, schwingt sich ein besonders redefreudiger Kollege auf, den ganzen Tisch mit rasend interessanten Reiseerlebnissen zu unterhalten. Früher konnte man seine Mitmenschen quälen mit Dia-Abenden, wo alle 500 Urlaubsdias vorgeführt wurden. Das hier ist ähnlich. Da schweift meine Aufmerksamkeit ab, denn ich kann von meinem Platz aus die Rückwand des Hauptraums sehen, wo in einer Nische zwei Tische stehen. Da geht ein archäologisches Fenster auf und ich sehe hinab in den Dezember 1998.

Damals war mein geordnetes Leben auseinander geflogen, und es geschah in Zeitlupe, so dass ich die Explosion und ihre verheerenden Folgen beobachten konnte. Ich hatte eine verheiratete Frau kennen gelernt, derweil ihr Ehemann beruflich für ein Jahr in Afrika war. Sie hatte den Eindruck erweckt, hatte es wohl auch selbst geglaubt, die Ehe bestünde nur noch auf dem Papier. Als er arglos zurückkam und seiner Ehe wieder Bestand verleihen wollte, war ich schon rettungslos in seine Frau verliebt. Ich liebte sie wie ich nie zuvor geliebt hatte, zumal meine Ehe lange Zeit nur noch Familienroutine gewesen war. Es folgte eine schreckliche Zeit der Heimlichkeiten in dieser engen Stadt Aachen, wo fast jeder jeden kennt.

Wir saßen im Café M., genau an der Stelle, an der einmal Lisettes Bett gestanden hatte, vor dem Umbau des Hauses, als auf der ersten Etage noch Wohnungen gewesen waren. Es war ein kalter Dezembertag, wir hatten uns am windigen Markt getroffen und uns besonders unbehaust gefühlt. Ich wünschte mir eine Zeitreise, dass wir uns in ihr Bett legen könnten, und ich würde sie aufwärmen. Freilich müsste dann etwas mit all den anderen Caféhausbesuchern geschehen. Am besten würden sie in eine Art Zeitstarre fallen, damit wenigstens Lisettes Zimmer von ihnen befreit werden könnte. Ich stellte mir vor, sie in der Garderobenecke aufzustapeln. Da hätte ich eine Menge zu tun. Als wir ankamen, hatte eine Türsteherin am Eingang den Besucherverkehr geregelt und uns zunächst gar keine Hoffnung auf einen Platz gemacht. Lisette war jedoch einfach vorangegangen, und als wir oben ankamen, standen gerade zwei feine Damen auf, richteten ihre Hütchen, hüllten sich in Mäntel, sammelten die unzähligen Einkaufstüten ein und verzogen sich. Ich betrachtete sie genau und versuchte etwas in ihnen zu entdecken, was meinen Verdacht bestätigte, die zwei wären nur Platzhalterinnen gewesen, die der kosmische Schachspieler wunschgemäß abzog, als Lisette eintraf. Ich allein hätte mich niemals freiwillig in diesen Raum begeben, in dem die Tische so klein waren, so nah beieinander standen und ein Publikum aus gut situierten älteren Damen und wenigen Herren derart dicht an dicht saß, dass mir das Herz eng wurde. Wir redeten nur halblaut, und trotzdem fühlte ich mich von dem Ehepaar gleich nebenan belauscht. Lisette rührte in ihrer heißen Schokolade und erzählte von ihrem Arztbesuch.
„Ich dachte, du wärst in deiner Ehe glücklich“, hatte Dr. Herwig gesagt und nach mir gefragt, der ich auch sein Patient war, was sie denn mit mir zu tun habe.
„Aber ich habe dichtgemacht“, sagte Lisette. „ich lasse mich doch von dem nicht aushorchen.“
„Vermutlich wird er sich seinen Teil dazu denken, dass wir beide fast gleichzeitig mit Sturzverletzungen bei ihm gewesen sind.“
Wir lachten. Lisette legte ihren Tabak auf den Tisch und ließ sich von mir eine Zigarette drehen, ein Zeichen, dass sie ihre Erkältung endlich überwunden hatte.
„Im Niederländischen gibt es das Wort ‚valpartij‘“, sagte ich. “Wenn es bei einem Radrennen zu einem Massensturz kommt, dann rufen die Reporter aufgeregt: ‚Valpartij, valpartij‘. Das klingt, als wäre es eine gesellige Veranstaltung, ein Ausflug, wie im Deutschen bei dem Wort Landpartie, Kahnpartie oder so. Was wir im November zusammen hatten, das war auch eine valpartij.“ „Ja, mit unserer valpartij hat alles angefangen“, sagte Lisette.

Der Kollege am Tisch schwärmt noch immer von seiner Reise und der gestohlenen Brieftasche und wie er alle seine Kreditkarten hat sperren lassen haben musste, gehabt worden zu sein, äh … Dingenskirchen. Ich kann ein Gähnen kaum unterdrücken. Das archäologische Fenster trübt sich ein und schließt sich.

Fortsetzung