Gekritzelt – Verliebte Kater im Teestübchen

Das Internet ist eine Sphinx. Mal schickt sie Besucher vorbei, mal nicht, völlig rätselhaft und unwägbar. Dann gibt es plötzlich einen großen Menschenauflauf im Teestübchen. Am 28. Februar kamen 2155 Besucher, am 1. März immerhin noch 508. Was war da los? Ist über Nacht das große Interesse für Nachrichten aus der nur unscharf berechenbaren Randzone ausgebrochen? Wohl kaum, ahnte ich. Die Suchphrasen im WP-Statistiktool brachten es an den Tag. Die Leute suchten nach Dr. Martina Kratz. Wer is’n das? Vor einem Jahr habe ich in einem Artikel über Karneval das geschrieben: „Nahezu verliebt habe ich mich in die reizende Präsidentin der Kölner Mädchensitzung (ZDF), Martina Kratz, im Zivilberuf Dr. der Rechtswissenschaft an der Uni Köln.“ Am 28. Februar übertrug das ZDF erneut die Mädchensitzung, wiederum moderiert von Dr. Martina Kratz, was wohl dazu führte, dass viele Zuschauer im Internet nach ihr suchten. Und Google schickte die verliebten Kater alle zu mir. Zum Glück verhielten sie sich ruhig. Das hätte ein Gejaule geben können.


Asche
Gestern wurde in Köln der Nubbel verbrannt, heute morgen holten sich gläubige Katholiken das Aschenkreuz ab. Als Kind bin ich am Aschermittwoch brav in die Frühmesse gerannt. „Memento mori“, sagte der Pastor, während er mir mit breitem Daumen ein Aschenkreuz auf die Stirn malte. Bis zum 2.vatikanischen Konzil 1962 bis 1965 wurde in der katholischen Kirche die „Sprache der Engel“ (Latein) gesprochen. Heute lautet die Formel: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ Als Kind bedenkt man das nicht, obwohl uns die Übersetzung von Memento mori bekannt war, nämlich „Sei dir der Sterblichkeit bewusst.“ Die Asche kommt übrigens nicht vom verbrannten Nubbel, sondern von verbrannten Palmzweigen. Das waren bei uns Zweige vom Buchsbaum, die beim vergangenen Palmsonntag geweiht worden waren.

Es gilt das gesprochene Wort
Eine Freundin erzählte mir von der Religion der Quäker, und ich schrieb mir auf „Das Gesprochene ist unantastbar.“ Ich weiß nicht die religiöse Bedeutung, aber die Wendung gefällt mir. Die großen Weltreligionen sind Schriftreligionen, berufen sich auf Bücher, wie die Bibel, den Koran, die Tora. Seit es das Smartphone gibt, wird das Gesprochene ständig angetastet. Jede Aussage kann sogleich überprüft werden. Da wird der Wahrheitsanspruch des Schriftlichen auf das Mündliche übertragen. Es verändert unsere Gesprächskultur. In „Das Gesprochene ist unantastbar“ schwingt noch die archaische Idee des Machtwortes, des einmal gegebenen Wortes.

Briefträgerverwirrung

Zum zweiten Mal habe ich ungewollt unseren Briefträger erschreckt. Nachdem er bei allen geklingelt hat, um ins Haus zu kommen, lehnt er sich mit dem Rücken gegen die Haustür. Wenn ich dann die Tür öffne, um zum Bäcker zu gehen, fällt er nach innen. Heute sah ich ihn wieder durch die Milchglasscheibe an der Tür lehnen, öffnete darum ganz vorsichtig. Er erschrak trotzdem und stammelte verwirrt: „Guten Morgen.“

Wasserkochen mit Licht
Ich habe mir einen neuen Wasserkocher aus Glas gekauft. Für knapp 15 Euro beleuchtet er das Wasser von unten mit blauem LED-Licht. Ja, ist denn sprudelndes und blubberndes Wasser nicht ansehnlich genug? Muss da noch eine Lightshow her? Irgendwie macht mir das blaue Licht Angst. Es wirkt chemisch. Hätte ich das vorher gewusst …

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