Mail-Art-Projekt „Hannover“

Liebe Leute vom „Hannover“-Ansichtskarten-Projekt!
Allmählich müssten die Umschläge von mir mit den Karten-Sets bei euch eingetroffen sein. Um das soziale Mail-Art-Projekt abzurunden, schlage ich vor, dass wir Projektteilnehmerinnen und Projektteilnehmer einen Teil der Postkarten auf dem Postweg tauschen, also uns wechselseitig zuschicken,
Beispiel: Alice schickt Karte 8 und 12 an Andrea, Andrea schickt Karte 12 und 8 an Alice. Auf diese Weise bleibt das Kartenset vollständig, nur dass die eigenen Karten postalisch gelaufen sind, also Briefmarke, Stempel und handschriftliche Nachricht haben.
Weiter schickt …
Anna, Karte 4 und 2 an Feldlilie, Feldlilie Karte 2 und 4 an Anna;
Christian, Karte 5 und 1 an Jules, Jules Karte 1 und 5 an Christian;
Andrea, Karte 7 und 8 an Jules, Jules Karte 8 und 7 an Andrea.
Karten 3, 10 und 6 gebe ich an Freunde. 9 tausche ich mit dem Buchdruckmuseum
Bitte gebt mir Bescheid, ob ihr mitmachen wollt und tauscht euch wegen Adressen untereinander aus.

Digital wird Material – Gemeinschaftsprojekt Kurt Schwitters: „Hannover“

„Es ist etwas dazwischen gekommen!“, empfing mich mein Gewährsmann Peter im Buchdruckmuseum. Man werkelte zu Dritt an der Abzugspresse. Es musste eine andere Form abgezogen werden für eine Gruppe, die am Vortag überstürzt hatte aufbrechen müssen und heute wiederkommen wird.
„Und wann können wir meine Karten abziehen?“
„Am besten nächsten Mittwoch.“
Mist und dafür bin ich schon um 9 Uhr eingetroffen. Bis zum kommenden Mittwoch wollte ich nicht warten, ging einige Häuser weiter zum Kopierladen und besprach die zu druckenden Karten. Glücklicherweise existiert Karte 9 ja auch als Vorlage für den Digitaldruck. Mittags sandte ich von zu Hause die drei Dateien, musste nach telefonischer Rücksprache mit einer Frau C. bei einigen die Größe korrigieren; um 17 Uhr holte ich die Karten ab. Prächtig! Soeben habe ich sie eingetütet und versende sie gleich.
Update 12:56 Uhr: Ist auch erledigt.

Wer keine Arbeit hat – macht sich welche

Bei der Collage der Schwitterschen Rathausforderung hat mir missfallen, dass die Gesichter von Unbeteiligten zu erkennen waren. Ich hatte sie aus einem Foto ausgeschnitten, das ich bei der Occupy-Demonstration in Hannover geknipst hatte. Dann lieber doch mit einem Foto von mir und prominenter Verstärkung (von links: Kurt Schwitters, Trithemius, Josef Beuys). Was es mit dem Bierfilz in meinem Gesicht auf sich hat lies hier.

Rathausforderung alt

Rathausforderung neu


Weiter unten das Ausgangsmaterial für die Collage. Eigene Fotos:

Alles geht schneller, dauert nur länger

Digital geht alles schneller, es dauert nur länger – Am Sonntag habe ich die Postkarten für den Digitaldruck zusammengestellt, vier Nutzen auf DIN A4, zum Beschnitt auf DIN A6, im Original als PDF. Die Grafiken mit Farbe befinden sich auf einem Standbogen. Weil nur drei Entwürfe Farbe hatten, habe ich die Collage vom Rathaus Hannover mit zweiter Farbe als Duplexdruck angelegt. Namen der Gestalterinnen und Gestalter unter den Arbeiten. Ich bitte um Prüfung oder ggf. Änderungswünsche. Sonst gebe ich die Karten so in den Druck.


„Hannover“ hat fertig – update 16 Uhr

„Oweh, meine Telefonkritzelei ist irgendwie keine Kunst“, schrieb Kollegin Feldlilie, nachdem ich ihr mitgeteilt hatte, dass ich aus unserem Gemeinschaftswerk eine Serie Kunstpostkarten machen will. Tatsächlich hatte sie die Zeichnung nebenher bei einem Telefongespräch gedoodelt, was das Skizzenhafte erklärt und mich an ein früheres Gemeinschaftsprojekt erinnert: „Doodeln ohne Draht.“ Selbst wenn Feldlilie mit ihrer Zeichnung keinen künstlerischen Anspruch verknüpft, die gesamt Serie ist ein soziales Kunstprojekt, keine „soziale Plastik“ im Beuysschen Sinne, weil zunächst nur digital. Aber das Ergebnis hat noch eine Metaebene, auf der es durchaus eine soziale Plastik ist. Durch Zeit und Raum getrennt, verstreut in Franken, in Niedersachsen, im Münsterland, im Ruhrgebiet und in Hamburg haben Menschen sich hingesetzt und gestaltet, jede, jeder in ihrer/seiner Lebenswelt hat eine gemeinschaftliche Idee verfolgt und etwas geschaffen, das in früheren Zeiten unmöglich gewesen wäre.

So unterschiedlich die Ergebnisse sind, fügen sie sich ins Konzept und wir lesen „Hannover“ von Kurt Schwitters, gestaltet von Alice, Anna Socopuk, Andrea Heming, Feldlilie, Christian Dümmler und mir. Der in Kupfer getriebene Text „Hannover“ in Hannovers Altstadt ist größer und wuchtiger, unser Text ist vielfältiger und schillernd. Man sehe, lese und staune:


Ich danke allen recht herzlich fürs Mitmachen. Heute Nachmittag werde ich versuchen, im Druckerei Museum Linden den neunten Satz (links unten) im Stil von „Die Scheuche“ aus typografischem Material zu setzen. Im Nachhinein finde ich, das Projekt ließe sich auch gut als Kalender gestalten – eventuell eine Idee fürs Jahresende. Einstweilen werde ich die Karten bald in limitierter Auflage herstellen.

Update 16 Uhr
Mein Gewährsmann im Buchdruckmuseum, der Schriftsetzer Peter Thiel (?), hatte leider keine Zeit, denn zwei Ärzte waren zu einer Führung gekommen. Die anderen Schriftsetzer wiegten bedächtig das Haupt und meinten, dass mein Entwurf zu schwer wäre umzusetzen. „Diesen Schrägsatz traue ich mir gar nicht mehr zu“, sagte Kollege Ludger. Sie holten Peter kurz dazu, der wiederum kein Problem darin sah. Wir verabredeten uns für Freitagmorgen zum Setzen meines Entwurfes. Ich werde berichten.

Abenteuer mit dem ABC und Kurt Schwitters

Trithemius -Größer: Klicken!

Nachdem ich am Sonntag das fehlende Blatt zehn gestaltet hatte und wähnte, ich könnte jetzt das komplette Gemeinschaftswerk veröffentlichen, stellte ich fest, dass aus „Hannover“ noch Satz sechs fehlte:

    „Das Wort „re“ kann man verschieden übersetzen: „rückwärts“ oder „zurück“.“

Um „re“ zu visualisieren suchte ich in meinen Dateien Skatspieler mit der Sprechblase „re“, fand sie nicht, stattdessen ein ABC, das ich im Straßenbild fotografiert habe, und gestaltete das Blatt damit. Schwitters war immer bestrebt, verschiedene Künste zu vereinen: Malerei, Grafik, Typografie, Skulptur, Lyrik, Prosa, warum nicht die Fotografie hinzu nehmen? Er hätte die heutigen technischen Möglichkeiten auch genutzt.

Voilà, hat fast keine Arbeit gemacht, wie es aussieht, aber mich länger beschäftigt, als hätte ich alles gemalt. Die Fotos des Alphabets im Straßenbild habe ich etwa im Jahr 2000 mit einer analogen Spiegelreflexkamera gemacht, die mir Lisette geschenkt hatte. Ich war mit ihr in Bonn, wo sie einen Auftrag ihrer Agentur erledigte, nämlich die Mitgliedinnen einer Frauen-Selbsthilfegruppe für einen Prospekt zu fotografieren. Ich erinnere mich, später auf einem Foto gesehen zu haben, dass die eine einen langen hängenden Schnurrbart hatte, so einen pisseligen wie von einem wilden mongolischen Reiter. Derweil Lisette die schurrbärtige Frau und Kolleginnen fotografierte, streifte ich durch Bonn, auf der Suche nach Einzelbuchstaben im Straßenbild.
Später habe ich das Alphabet an anderen Orten vervollständigt. Für das abgebildete „E“ bin ich eigens in Stolberg (Rhld) aus dem Zug gestiegen, und wer Stolberg (Rhld) kennt, genauer, wer den Gestank gerochen hat, der immer über dem Bahnhof hängt, weiß meinen Einsatz zu schätzen. Selbst wenn der Zug mit geschlossenen Fenstern durchfährt durch Stolberg (Rhld), dann stinkt es nach faulen Eiern. Niemand, der es nicht muss, steigt aus in Stolberg (Rhld).

Mit diesem Alphabet gestaltete ich eine Weihnachtskarte für ein medienpädagogisches Institut. Dem Geschäftsführer gefiel sie nicht. Er saß mit diversen Leuten im Konferenzraum. Dabei war eine Dame von der Fazit-Stiftung, dem Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Als ich hinzukam, zog der Geschäftsführer meinen Entwurf aus einer Mappe, zeigte ihn der Dame und fragte, was sie davon halte, wobei klar war, dass er den Entwurf doof fand. Die Dame schloss sich sogleich seiner Meinung an und sagte: „Ich sehe den deutschen Schilderwald!“
„Verflucht!“, dachte ich. „Da muss das blöde Weib mich schlachten, nur um sich beim Chef einzuschleimen.“ Mein Entwurf wurde trotzdem gedruckt, weil die oberste Chefin es verfügte. Bei ihr hatte ich nämlich einen Stein im Brett. Rückblickend fand ich die Weihnachtskarte selbst nicht gut. Besser ist das Gedicht, das ich mal fürs Blog daraus gemacht habe.