Jüngling der Schwarzen Kunst – Etikettenschwindel

„Wann soll ich das noch esssen?“, maulte Sigfried Hof, als Hannes ihm das Paket aus der Imbissbude mit Currywurst und Pommes auf den Tisch stellte, „die Pause ist gleich vorbei! Hast mal wieder überall herumgetrödelt. Beeil dich nächstens, du Lahmarsch!“ Hannes schluckte. Seine Pause war auch gleich vorbei. In der war er nur herumgelaufen und hatte überall warten müssen, Ewald hatte aus der Metzgerei Knoblauchwurst geordert, Winges hatte Zigaretten, Cola und den Mittag aus dem Kiosk gewollt, und für Hof hatte er 15 Minuten in der Imbissbude angestanden. Hannes setzte sich zu den anderen in den Pausenraum. Hastig löffelte er seinen Henkelmann leer. Er freute sich auf den neuen Lehrling, der für April angekündigt war. Der könnte dann den Laufjungen spielen. Selbst wenn Hannes ihm half, würden sich die Bestellungen der Gesellen auf zwei Lehrlinge verteilen. Auch wären sie mit dem täglichen Kehren des Setzereisaals rascher fertig, und das samstägliche Maschinenputzen könnte der Neue ganz übernehmen. Schöne Aussichten. Weiterlesen

Plausch mit Frau Nettesheim – über den Jüngling der Schwarzen Kunst

Trithemius
Als ich junger Lehrer war, gab es eine Kollegin am Tisch im Lehrerzimmer, die beteuerte, keine Kinder haben zu wollen. Als sie dann doch schwanger wurde und ein Kind zur Welt brachte, hatte sie plötzlich das Muttersein erfunden und erklärte den anderen Müttern haarklein, wie das geht.

Frau Nettesheim
Warum erzählen Sie von dieser albernen Person?

Trithemius
Als Aufhänger für eine andere alberne Person: Gestern sah ich im TV zufällig Thomas Gottschalk.

Frau Nettesheim
Überraschend schwanger?

Trithemius
No. Der hat das Altsein erfunden, tingelt jetzt rum als Senilitätshausierer. Ich hatte zwar schon länger gedacht, wenn er in den Medien auftauchte, ‚ist der grau geworden – im Gesicht‘, aber jetzt ließ er sich von einer Frau Maischberger zum Altsein interviewen, weil er nämlich ein Buch darüber geschrieben hat. Gottschalk erzählte soviel törichtes und wirres Zeug, dass ich mich gleich fünfzehn Jahre jünger fühlte.

Frau Nettesheim
Das Leben geht leichter mit einem passenden Gegenbild vor Augen.

Trithemius
Ja, dazu ist er gut. Aber noch was, Frau Nettesheim, als ich zu Bett ging, beschäftigte mich die Frage, wie ich das textliche Kleinklein des Bloggens vereinbaren kann mit der Arbeit an meinem größeren Projekt, weil die Zeit langsam drängt. Einmal muss es geschrieben sein, bevor ich so blöd bin wie Gottschalk, und zum anderen, damit es mir nicht geht wie Dr. Samuel Johnson. Als er sein Dictionary of the English Language vollendet hatte, wurde er gefragt, ob er nicht stolz sei auf sein Werk. Er sagte, ach, die meisten, denen er damit habe imponieren wollen, seien längst schon gestorben.

Frau Nettesheim
Glücklicherweise ist ihr Freundeskreis noch recht jung.

Trithemius
Ja, und so eine alterslose Schönheit wie sie erst, Frau Nettesheim. Ihnen möchte ich schon gern imponieren. Jedenfalls fange ich morgen mit neuen Episoden zum Roman Jüngling der Schwarzen Kunst an. Das ist doch eine prima Weise zu schreiben, denn so sind die Kommentierenden, ob sie wollen oder nicht, an der weiteren Entstehung des Romans beteiligt.

Frau Nettesheim
Interaktives Schreiben? Dann man tau.