Wundersames Titanic-Magazin [#Humorkritik]

Es gibt ja so Ideen, bei denen jeder spontan rufen mag:
„Ja, das ist es!“, die sich aber bei näherer Betrachtung als Ideen erweisen, die man besser für sich behält. Mindestens die Hälfte aller Werbespots beruhen auf solche Ideen.
In der Reha besuchte mich ein Freund aus Studientagen und brachte mir ein aktuelles Titanic-Magazin mit, dachte wohl, ich könnte eine professionelle Aufmunterung vertragen. Zuerst fiel mir auf, dass das Magazin auf dickerem Papier als früher gedruckt ist, so dass ich immer wieder dachte, ich hätte zwei Seiten zwischen den Fingern, und wenn es mir gelänge, die auseinander zu fummeln, spränge mich der bislang verborgene Witz an, würde mich quasi aus den Socken hauen.

Dass ich meine Socken anbehalten konnte, spricht schon mal für das dickere Papier. Ich will nichts Falsches behaupten, aber alles, was ich las, kam mir vor wie von einem KI-Programm geschrieben, das die Witze der Welt zusammengeklaubt hat und daraus künstlichen Humor generiert. Vielleicht war das Heft ein Test. Vielleicht wollten pfiffige Verlagskaufleute herausfinden, ob die treuen Titanicleser den Fake merken. Wenn keiner aufmuckt, ließe sich viel Geld sparen. Und wenn sich mal einer beschwert: „Ich musste nicht schmunzeln“, sagen die schlau: „Sie haben einfach zu viele Seiten überschlagen.“ Ehrlich gesagt, ist das eine von den Scheißideen, von denen eingangs die Rede war.

Gekritzelt – Kühe wundern sich über neue Melkzeiten

Weil ich vergessen hatte, Öl zu kaufen
Vor 20 Jahren nahm ich an einem bundesweiten Fortbildungsseminar teil. Bei einer gemeinsamen Busfahrt saß ich neben einer Kollegin aus dem Ruhrgebiet. Sie erzählte mir, dort existiere ein Geheimcode zur sexuellen Kontaktaufnahme im Supermarkt. Er: „Wissen Sie, wo hier das Öl ist?“ Sie: Kochöl oder Körperöl?“, schon ist der Kontakt hergestellt. Der Kode hat sich wohl in den 20 Jahren nicht verbreitet. Ich bin noch nie von einem Mann nach Öl gefragt worden.

Die Kühe wundern sich über veränderte Melkzeiten

Habe brav die Uhren umgestellt. Keiner kann einen vernünftigen Grund benennen, 60 Prozent der Bevölkerung und Politiker, ganze Parteien sind dagegen, aber gemacht wird es trotzdem. Warum? Weil die mächtige EU-Kommission es kann. In der Pädagogik gibt es den Begriff des „heimlichen Lehrplans“ [hidden curriculum]. Das erklärte Lernziel der Schule ist Selbstständigkeit und Emanzipation, aber gelernt werden Anpassung und Unterwürfigkeit. Der heimliche Lehrplan der Zeitumstellung ist eine halbjährliche Einübung in Ohnmacht und Unterwerfung.

Heute-Show (ZDF)

Satire und Show sind siamesische Zwillinge, die sich gegenseitig besinnungslos schlagen. Die satirische Heute Show greift politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen auf, und ein vom Anheizer (Warm-Upper) aufgedrehtes Publikum hüpft klatschend und Füße stampfend auf den Sitzen, als würden sie ihren eigenen Kriechgang in die Verarsche bejubeln. Da diese Duracell-Äffchen stellvertretend für das Millionenpublikum vor den Bildschirmen agieren, wirkt auch hier ein heimlicher Lehrplan: Allwöchentlich wird mit Witz und Dollerei der Irrsinn unserer Welt gezeigt. So wird Kritik zum folgenlosen Konsum aufbereitet. Es reicht, wenn wir mal ordentlich ablachen, damit es gleich weitergehen kann wie vorher.

Nach oben offene Liste der TV-Plagegeister, bei denen ich nicht schnell genug wegzappen kann

– Dieter Nuhr (penetranter Namenwitz)
– Hazel Brugger (Schweiz gewordener Sauertopf)
– Guido Cantz (grinsender Priapismus)
– Barbara Schöneberger (unerlaubte Bilokation)
– Dr. Eckart von Hirsch (Keine Praxis, nur Hausbesuche)
– Olaf Schubert (Faselhannes)

Aus der Abteilung: Schlechte Witze

„Wer ist denn da drüben das kurzbeinige Kind mit dem furchtbaren Wasserkopf?“
„Bitte?! Das ist mein Sohn!“
„Oh! Steht ihm aber gut.“