Vergesslich

kategorie surrealer-AlltagMein lieber Herr Gesangsverein, bin ich manchmal in Gedanken! Ich stehe in der Bäckerei an der Ladentheke, kaufe mir Brötchen, bezahle und will hinaus, da ruft die Verkäuferin: „Ihr Wechselgeeeld!“
Es gab eine Zeit, da passierte mir derlei immer wieder. Eigentlich hätte ich damals eine Armbinde gebraucht, wie die Blinden eine haben. Doch statt der drei Punkte hätten drei Sätze darauf stehen müssen:

1. Bitte erinnern Sie mich an mein Wechselgeld!
2. Sagen Sie mir auch, was ich hier will!
3. Und was und wer bin ich?

Die Bäckerin läse meine Armbinde und würde sagen: „Bittschön, Herr Trithemius, Ihre Brötchen und Ihr Wechselgeld!“ Das wäre in jedem Fall ein schöner Satz. Schade, dass man heutzutage dafür eine Armbinde tragen müsste. Da stehen ja auch keine wohlgerundeten Bäckerinnen mehr hinter der Theke, sondern schmale Bäckereifachverkäuferinnen. Aber eigentlich will man ja Brot und und nicht gleich ein ganzes Bäckereifach kaufen, weshalb die Bäckereifachverkäuferin oft schon durch eine ausgemergelte 400-Euro-Hilfskraft vertreten wird, die manchmal vor der Tür steht und hastig raucht.

Gestern hatte ich mal wieder meine Gedanken nicht bei mir. Ich stand im Supermarkt in der Schlange und dachte mir den Text hier aus. Da schubste mir von hinten eine kleine alte Frau ihren Einkaufswagen in die Beine, eine kleine, hastige Frau, die nicht warten konnte. Ich sagte nichts, denn ich war an der Reihe. Zahlte dann in Ruhe meine Sachen, sagte Tschüss und wollte gehen. Da rief die Kassiererin: „Hallo, Ihre Sachen, die Sie bezahlt haben!“

Mist. Und die kleine hastige Frau lachte hämisch: „Hehehe!“

Vorsicht! Ganz dünnes Eis!“, dachte ich, „denn in meinem Text kann ich mich grausam rächen.“ Zu ihrem Glück hatte ich das draußen schon wieder vergessen.

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