Unter Gemüseschnitzern (3) – Kein Glück ohne Schatten

„Warum noch darüber reden? Das alles macht mir Weltschmerz. All den Lug und Betrug aus den Reihen der machtgeilen Politik, das Leid, dass diese Leute im Dienste eines angeblichen Infektionsschutz bei Alten, Kranken, Familien und Kinder angerichtet haben, die Ignoranz unserer Medien, die inquisitorische Weise, in der man Kritiker mundtot machen will, kann ich kaum ertragen. Und mich schmerzt, dass Freunde und Freundinnen, deren Intelligenz und Urteil ich geschätzt habe, der Panikmache und Angstmacherei zum Opfer gefallen sind.“

„Ich heule gleich“, sagte der Schriftsteller.

„Na na, der Lockdown war nötig, stand in meiner geliebten FAZ“, sagte Frau Spangenberg.

„Aber unser Gesundheitssystem war zu keiner Zeit überlastet. Und die alberne Maskenpflicht wurde erst eingeführt, als der magische „R-Wert“ weit unter 1 war und die Intensivstationen in unseren Krankenhäusern leer standen.“

Der Weg führte nun steil bergab. Inzwischen sahen wir unter uns in die Mauereinfassung der Grabanlage mit der zentralen Pyramide, die der Graf von Münster sich hatte erbauen lassen.

„Wie glücklich die Zeiten, als die Eliten sich mit derlei Quatsch begnügt haben“, sagte ich.

„Das werden die Dienstboten anders gesehen haben, als sie dem Fürsten zu Lebzeiten die Genüsse den Berg hinaufschaffen und servieren mussten, nur damit er Tee schlürfend den Blick auf sein Anwesen und die Ländereien genießen konnte“, wandte der Schriftsteller ein,

„Da sind sie wenigstens fit geblieben“, sagte Frau Spangenberg,

„Inzwischen ist auch der die Fitteste von ihnen längst tot“, sagte der Schriftsteller düster und ließ sich auf eine Bank sinken. „Fitness wird total überschätzt. Ich gehe keinen Schritt mehr weiter.“

„Ob sich aber ein Dummer findet und Ihnen das Abendessen bringt?, lachte Frau Spangenberg.

„Der Hunger treibt ihn schon rein“, sagte ich und ging weiter. Die Aussicht, mit Sibylle Spangenberg alleine weiter zu bummeln, war höchst erfreulich. Zum Glück blieb der Dicke sitzen.

„Sie hätten ihn ruhig ermuntern können“, rügte sie.

„Warum sollte ich? Ihre aparte Gesellschaft reicht mir.“

„Mich beunruhigt, dass Sie so düstere Gedanken denken. Können Sie auch anders?“, fragte Sibylle Spangenberg.

„Oja. Es gibt auch bei mir seltene Minuten, da ich von innerer Zufriedenheit durchdrungen bin, dass mir nichts zu fehlen scheint.“

Der Weg folgte nun den Windungen eines Baches. Im dichten Buschwerk der Uferböschung erhob sich ein Kirschbaum mit leuchtend roten Früchten.

„Die hängen leider zu hoch“, sagte ich.

„Wieso?“ Frau Spangenberg stieg in die Böschung, reckte sich zu einem Zweig hin, der voller Kirschen hing und pflückte sie.

„Mein Bruder hat gesagt: ‚Mit einer großen Frau ist nicht gut Kirschen essen‘.“

„Ihr Bruder hatte wohl keine Ahnung“; sagte sie lachend und gab mir ihre Handvoll Kirschen. Sie schmeckten köstlich. Aber ich biss mir auf die Zunge und schmeckte Kirschsaft mit einer Ahnung von Blut. Kein Glück ohne Schatten.

Links: Die gesponserte Pandemie

Die Ballerman-Hysterie

Covid19-Entscheidungen und -Debatte sind wie der Offenbarungseid einer beschränkten Politik und abnickender Medien


Unter Gemüseschnitzern (2) – Weltschmerz

Wie warteten, bis Frau Spangenberg heran gekommen war, nahmen sie in die Mitte und stiegen gemeinsam hinan. Im Wald hatte man im großen Stil Bäume gefällt, die Stämme seitlich des Wegs aufgestapelt, das Knüppelholz aber achtlos im Wald und sogar über den Weg verstreut. Stellenweise mussten wir hintereinander gehen. Ich hatte Mühe, nicht zu straucheln, während die Spangenberg hurtig bergan eilte und scheinbar mühelos wie das göttliche Kind über alle Hindernisse hinweg schritt.

„Ich möchte nicht wissen, wie es bei dem Förster zu Hause aussieht, der das Chaos hier zu verantworten hat“, sagte ich.

Frau Spangenberg lachte. Bringst du eine Frau zum Lachen, hast du schon gewonnen, freute ich mich. Der korpulente Schriftsteller blieb schnaufend zurück und schien aufgeben zu wollen. Frau Spangenberg wusste ihn zu motivieren. „Oben am Teehaus gibt es eine Bank. Da können Sie verschnaufen und uns erzählen, was sie schreiben.“

„Meistens schreibe ich Dystopien“, sagte der SF-Schriftsteller düster.

„Gibt es nicht genug? Das Genre ist doch schon voll von Dystopien“, wandte ich ein.

„Man kann sich schlechte Welten einfach besser vorstellen, wenn man derzeitige negative Entwicklungen weiter in die Zukunft denkt.“

Wir erreichten die Bank und setzten uns. Vor uns erhob sich auf einem Sockel das unförmige Teehaus, einem dorischen Tempel nachempfunden, den der Hannoveraner Architekt Georg Ludwig Friedrich Laves im Jahr 1827 dem Grafen auf den Berg baute. Sagt man so, obwohl Laves keine Steine geschleppt haben wird.

„Hauptsache plausibel. Die Menschen mögen es, wenn die Entwicklungen so dargestellt sind, dass jeder mitkommt“, sagte ich.

„Ich weiß nicht“, widersprach Frau Sprangenberg. „Die menschliche Erfahrung lehrt etwas anderes. Schon der Blick in die Vergangenheit zeigt genau das Gegenteil von Plausibilität: “ Sie deutete mit ihrer schönen Hand in die Runde: „Der griechische Tempel hier, die Grabpyramide im Tal und die Fischerhäuser an der Straße. Das architektonische Ensemble mit dem Schloss und den weitläufigen Gebäuden der Meierei. Plausibel ist doch nur das umgebende Idyll. Wenn wir nicht wüssten, dass die Anlage einst ein Zisterzienserkloster gewesen ist und ein Fürst es im 19. Jahrhundert der Kirche entrissen hat, um das Haupthaus im Tudorstil zum Schloss umzubauen, stünden wir vor einem Rätsel und würden nichts mit unserer Gegenwart zusammenbringen können.“

„Das deprimiert mich ja so“, sagte der Schriftsteller. „Wenn man die derzeitige Entwicklung unserer Gesellschaft zur Gesundheitsdiktatur betrachtet, so ist auch nichts plausibel. Schon die handelnden Figuren sind es nicht. Die Charaktere sind so schlecht entwickelt, einfach dumm. Kein Verlag würde mir ein Manuskript abnehmen mit Figuren wie Frau Merkel, Jens Spahn, Karl Lauterbach und so weiter. Dass derlei banale Menschen die Akteure sind, hätte ich nie erwartet. Und dass es kaum gesellschaftlichen Widerstand gibt, das völlige Versagen der Leitmedien als kontrollierende Vierte Gewalt, ihr arrogantes Ignorieren der Fakten, das alles ist nicht plausibel. Einzig wie sie Abweichler, Zweifler und Kritiker dämonisieren, das erinnert an längst bekannten religiösen Eifer.“

„Plausibel ist die Entwicklung schon“, sagte ich. „Ich muss immer denken an Warren Buffetts Befund, dass die Klasse der Superreichen einen Klassenkampf begonnen hätten.’There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.‘ Waren das nur Worte des zweitreichsten Mannes der Welt oder gab es konkrete Kriegshandlungen?“

Müde bestätigte der Schriftsteller: „Er hat das anlässlich der Finanzkrise gesagt. Banken wurden mit Steuergeldern gerettet, und am Ende waren die Superreichen noch reicher geworden. Das Geld wurde also von unten nach oben geschaufelt.“

„Hinsichtlich der Kriegsmetapher war die Finanzkrise ein Scharmützel“, warf Frau Spangenberg ein.

„Ja, die nächste Kampfhandlung, der nächste Angriff muss heftiger sein. Wie könnte es weitergehen? Entwickeln Sie ihre Dystopie, Herr Schriftsteller!“, sagte ich.

„Zuerst bringt die Pharmaindustrie die WHO dazu, die Definition der Pandemie zu ändern, damit man eine ausrufen kann trotz geringer Todesfälle wie damals bei der Schweinegrippe. Dann versetzt man die Leute durch geschicktes Marketing in Todesangst, so dass sie nicht mehr geradeaus denken können. Dann macht man mit Shotdowns und Lockdowns den Mittelstand kaputt, so dass die großen Wirtschaftsplayer sich deren Marktanteile unter den Nagel reißen können.“

„Nicht besonders originell“, sagte ich. Genau das ist doch passiert oder passiert derzeit. Die Auswirkungen können wir jetzt schon sehen an Amazon und dem Bankrott von Karstadt/Galeria Kaufhof.“

„Ich bin halt müde. Wie kann ich mir eine eigenständige Dystopie ausdenken, wenn die Welt erkennbar auf eine zustrebt?“, fragte der Schriftsteller. „Wenn der Krieg bereits im Gange ist und in so großem Stil geführt wird, wie Sie sagen, ist eh alles verloren. Dann bleibt uns nur Gemüseschnitzen und sonstiger Eskapismus. Warum sollten wir noch über die derzeitige Entwicklung reden?“

Fortsetzung: Kein Glück ohne Schatten

Gekritzelt – Immerzu Gerappel und Geklingel

Tata-Taataataaaaa
Eine Unterkategorie der Science Fiction ist die Dystopie. Dystopien zeigen pessimistische Gegenbilder der Utopie, totalitäre Gesellschaften wie etwa in Georges Orwells Roman „1984“, Ray Bradburys „Fahrenheit 451“, in Terry Gilliams bedrückendem Film „Brazil“ oder in der verfilmten Romantrilogie „Hunger Games“ von Suzanne Collins. Was hat es zu bedeuten, dass die Tagesschau-Titelmelodie neuerdings exakt klingt wie aus einer der filmischen Dystopien? Ist das Versehen oder schreckliche Drohung?

Tee von gestern
Ich achte handwerkliche Leistung bis zur Selbstaufgabe. Wenn beispielsweise mein Friseur mir mehr von den Haupthaaren abschneidet als vereinbart, verkneife ich mir Protest. Daher ging ich letztens mit einer Halbseitenglatze nach Hause – und gab sogar Trinkgeld. Darum würde ich nie machen, was einer bei Fräulein Schlicht tat. Er trat an die Theke und sagte schwäbelnd ungefähr das: „Erkläre bitte deiner Mitarbeiterin von gestern, wie Früchtetee gemacht wird. Sie schaufelte Löffel um Löffel hinein, und mir war klar: „Das wird Schwarztee, aber kein Früchtetee.“ ZOUNDS! Das ist ja noch schlimmer als eine Halbseitenglatze. Aber warum beschwert er sich erst tagsdrauf? Hat er heute Morgen Korinthen kacken mussen?

Die Wahrheit über Dada
In seinem wunderbaren Buch „Agar agar zaurzurim – Zur Naturgeschichte des Reims und der menschlichen Anklangsnerven“ verrät Peter Rühmkorf, dass Dada im Malaysischen die weibliche Brust meint.

Die Glasknochen der Erinnerung
Manche Erinnerungen sind so fragil, wenn man nach ihnen greift, um sie aufzuschreiben, zerbröseln sie.

Wütend vor Angst
Im Haushalt meiner Patentante Liesl lebte ihr alter Vater, der Opa Happ. Als ich mal bei ihr in Ferien war, hatte er herausgefunden, dass er mich abends ärgern konnte, wenn er befahl: „Husch husch ins Körbchen!“ Das machte mich wütend, und darüber freute sich Opa Happ, aber es lag gar nicht an den Worten. Ich mochte nie gern zu Bett gehen, weil im Schlafzimmer oben auf dem Kleiderschrank meiner Tante alte Puppe Gundula saß. Vor Gundula hatte ich im Dunkeln eine Scheißangst. Opa Happ und Gundula, das Alptraumpaar.

Homunculi
Als ich Sonntag aus dem Fenster schaute, habe ich erblickt, wie zwei Männer im Pitbullsmoking von Addidas auf dem Spielplatz unten einen Grill aufgebaut und mächtigen Qualm produziert haben. Schaue ich zum zweiten Mal hinaus, sitzt hinter der Qualmwolke ganz schemenhaft ein weiterer Mann im Pitbullsmoking. Und klar, 15 Minuten später lungert ein Vierter um die Feuerstelle herum. Die Alchemisten haben geglaubt, wenn sie eine Phiole mit Sperma für eine Weile im dampfenden Kuhmist vergraben, dass in der Phiole ein Homunculus, also ein Menschlein heranwachsen würde. So glaube ich, dass im Qualmen und Rauchen eines Tankstellengrills Männer mit Pitbullsmoking erzeugt werden.

Immerzu Gerappel und Geklingel …
… ist die Überschrift und hier die Unterschrift:

Retro total – Über die bald mögliche Simultanität der Zeiten und wie sie das Ende der Menschheit bringt

Kategorie KopfkinoWie derzeit das Akustische und Visuelle vergangener Zeiten sehr genau reproduziert werden kann, zeigen Schallplatte und Film aus den 1960-er Jahren. Wie heute sogar dreidimensionale Klänge und Bildwelten sich digital speichern lassen und jederzeit reproduzierbar sind, so könnte es eines Tages gelingen, auch den haptischen Erfahrungsbereich sowie Gefühle perfekt zu konservieren und für spätere Zeiten reproduzierbar zu machen. Zusammen mit Bild und Ton ergäbe das die Simultanität der Zeiten ohne Zeitparadoxon, denn insgesamt schritte der Mensch weiter in der Zeit voran. Weiterlesen