Aus dem Netz gefischt – Drum Battle

Wir hatten ja nichts als Jugendliche auf dem Dorf der 1960-er Jahre. Der kulturelle Höhepunkt: Sonntagmorgens öffnete die Borromäus-Bücherei, wo wir bis Mittag in der Abteilung Kinder- und Jugendbücher eine Sitzgruppe in Beschlag nahmen. Entsprechend bestand meine Freizeitgestaltung aus Lesen. Freitagabend, ich lag lesend auf dem Sofa, als meine Mutter keine Ruhe gab und mich drängte, doch zu den Übungsstunden des Tambourcorps zu gehen. Zwei meiner Freunde würden auch hingehen. Ich hatte nicht die geringste Lust, doch weil sie nicht locker ließ, bin ich hin.

Wir übten zunächst in der Schreinerei des Tambourmajors, trommelten dort auf der Hobelbank. Das ging besser als man denken konnte. Die Sticks federten auf dem Hartholz schön zurück. Es muss Winter gewesen sein. Ich erinnere mich, dass ich in der ungeheizten Werkstatt lausig gefroren habe. Meine ersten Sticks mochte ich nicht. Sie waren schwarz lackiert und hatten an den Enden je eine Hülse aus Messing. Generationen vorher hatten schon damit getrommelt. Der Lack war an verschiedenen Stellen abgesplittert und an den Köpfen war der Lack ganz abgetrommelt. Als wir einen ordentlichen Trommelwirbel spielen konnten, war Frühjahr. Irgendwann bekamen wir Trommeln und durften mit den Großen üben. Das Tambourcorps traf sich am Trafohaus, am Ortsein- oder Ausgang von Nettesheim. Meine Begeisterung fürs Trommeln wuchs und hat mich nie mehr verlassen.

Mit 18 trat ich aus Protest aus dem Tambourcorps aus, weil mir zugetragen wurde, witziger Weise vom Dorffriseur, ältere Mitglieder des Tambourcorps hätten gesagt, wenn ich mir nicht bald die Haare abschneiden ließe, würde ich rausfliegen. Das war im Jahr 1968. Inzwischen hatte ich ein Schlagzeug und andere Interessen. Trotzdem hat sich die Zeit des Trommelns im Tambourcorps bei mir eingeprägt. Ich könnte noch heute bestimmte Märsche aus dem Gedächtnis spielen, wenn ich nicht durch den Schlaganfall die Taktsicherheit der Linken Hand eingebüßt hätte. Aber ich übe und versuche sie zurückzuerlangen. Es geht leider nur langsam voran. Kürzlich entdeckte ich bei YouTube ein sogenanntes Drum-Battle zwischen einer weiblichen Trommelgruppe aus der Ukraine, den Crazy Drummers, und einer niederländischen Männergruppe, European X.
Viel Vergnügen!

Leider muss sich die kesse Grazie der Ukrainerinnen der geballten Professionalität der Niederländer geschlagen geben, wie das zweite Video zeigt.

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