Die letzte Freinacht (8) – Heller Morgen mit Hannah

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Am Abend war ich kurz bei Hannah gewesen und hatte ihr versprechen müssen, sie in der Nacht noch einmal zu besuchen. Ihr Elternhaus hat einen großen Vorgarten aus Rasenfläche. Ich öffne das Törchen in der Gartenmauer und gehe über den Rasen auf das helle Gebäude zu. Unten am Haus suche ich ein paar kleine Kiesel und werfe sie nach ihrem Fenster. Sie hat den linken Fensterflügel offengelassen. Ein Kiesel fliegt hindurch, der andere plinkt an die Scheibe.
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Die letzte Freinacht (7) – Peters Onkel seine Leiter

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Auf elegante Weise sind Mütter die Tugendwächterinnen ihrer Töchter, indem sie uns einen Blick in die Zukunft werfen lassen. Wir müssen uns nur noch daneben denken, in Pantoffeln und mit bitteren Mundwinkeln, die im gleichen Grad herabhängen wie unsere Schultern. Aber nein, das stimmt nicht, Mareikes Mutter ist eine liebe Frau. Sie steht im Morgenmantel da und flüstert nur, um ihren Mann nicht zu wecken, diesen bärbeißigen Klotz, der fast den ganzen schönen Hof schon versoffen hat. Trotzdem, dass sie so prompt in der Tür auftauchen muss.
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Die letzte Freinacht (6) – Mareike

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„Mensch Toni, halt‘ die Tür auf!” rufe ich und versuche, die Leiter in die Waagerechte zu bringen. Toni hält halbherzig die Tür, zieht ein wenig an der Leiter, und plötzlich ist er auch weg. Ich murkse mich durch die Türöffnung, gerate in Panik und versuche viel zu früh, nach rechts abzubiegen, so dass sich die Leiter verkantet. Ich hänge fest. Wieder gerade, etwas zurück, dann vorwärts, bis die Leiter ganz draußen ist, das kostet Nerven. Dann endlich kann ich nach rechts abbiegen und um die Ecke flüchten. Wenn der Alte gewollt hätte, hätte er mich dreimal erwischen können.
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Die letzte Freinacht (5) – Sabines Bruder

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„Jetzt besuchen wir Sabine, das scharfe Luder!“, hat Neuhaus gesagt. Sie ist eine erst kürzlich Zugezogene und erregt unsere Phantasie. Im Schein der Straßenlaterne legen wir an der Front des Hauses die Leiter an. Im Giebel sitzt ein einziges Fenster, und dahinter soll Sabine schlafen. Neuhaus gibt mir die Taschenlampe, und ich klettere die Leiter hoch. Am Fenster knipse ich die Lampe an und leuchte ins Zimmer. Natürlich hatte ich erwartet, Sabine zu sehen. Ein scharfes Luder zwischen den Kissen. Aber wie der Lichtkegel durch das Zimmer wandert, wird ein Plumeau hochgerissen und eine Gestalt taucht weg. Und dann ruckt und zuckt es komisch unterm Plumeau. Eine ganze Zeit beleuchte ich das Gezappel, doch dann tut sich plötzlich nichts mehr. Auch als ich mit der Lampe an die Scheibe ticke, bekomme ich nicht mal eine Nasenspitze zu sehen.
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Die letzte Freinacht (4) – Langer Heimweg

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Wie wir den Baum freudig durch den Wald begleiten, kommt einer von der Straße her. Er trägt sein Fahrrad durch den Matsch. Den Förster hat er gesehen. Der lauert oben am Beginn der zweiten Bruchstraße, und allein wär er auch nicht. Das ist schlechte Nachricht. Solche überbringt man nicht. Zur Strafe müsste der Bote geschlagen werden. Dann werden wir eben einen Umweg machen, entscheiden die Jungbauern. Soll er warten bis er schwarz wird, der Scheißförster. Wenn wir uns weiter links halten, können wir einen Bogen beschreiben.
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Die letzte Freinacht (3) – Der Baum muss dran glauben

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Es ist einsam im Bruch. Und trotzdem müssen wir uns vor dem Förster in Acht nehmen. Am Wald wird der Anhänger entladen und abgekoppelt. Die schwere Kette wird um die Anhängerkupplung des Traktors gewunden, Sägen und Äxte müssen wir tragen. Der Traktor fährt voran, biegt bald in einen matschigen Weg ein, wo er schwer mit den Hinterreifen arbeiten muss. Schlammspritzer fliegen vom Profil der durchdrehenden Reifen, und wir belachen die Leichtsinnigen, die direkt dahinter gegangen sind. Kletschauge und Schmiermaul.
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Die letzte Freinacht (1) – Der Maibaum wird geholt

Die Tür zur Kneipe wird aufgestoßen, und Mistgeruch weht herein. Büb, der Jungbauer, steht in der Tür. Er hat sein Gespann draußen, es kann los gehen. Wir sind guter Dinge, die Dämmerung naht. Es geht durch den Hohlweg in den Bruch hinunter. Im Ausläufer des mächtigen Auwaldes finden wir unseren Baum. Die meisten von uns sitzen auf dem Anhänger, wo Äxte und Sägen und eine schwere Kette liegen. Will und ein anderer stehen hinten auf dem Traktor, rechts und links der Anhängerkupplung, und manchmal rufen sie Büb etwas in den Nacken.
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