Hävve de hävvedemm? Rapsraifes sangai!

Ein Ziegel von einem Buch. Ich nahm ihn mit aufs Klo, um die erste Seite zu lesen. Wollte mich erinnern, wie der grandiose Roman anfängt. Gut 20 Jahre nach dem ersten Lesen darf man das vergessen haben. Letzte Woche beim HaCK-Treffen im Leinau3 waren wir zu siebt gewesen. Filipe, der sich in den Wochen zuvor rar gemacht hatte, war spät noch gekommen und hatte das Geburtstagsgeschenk für Freund Leisetöne mitgebracht. Dessen Geburtstag lag schon zwei Monate zurück. Damals hatte er einen Gutschein von uns bekommen, von Herrn Putzig, Filipe und mir.

Filipe hatte das  890 Seiten starke Buch nun endlich besorgt: Das Leben Gebrauchsanweisung von Georges Perec. Filipe zwängte sich neben mich aufs Sofa, wo ich immer sitze, quasi einen Stammplatz habe, links von Herrn Leisetöne, an der Rückwand des Raucherzimmers, um mit mir gemeinsam eine Widmung ins Buch zu schreiben.
Ich diktierte: „Lieber S. Viel Vergnügen beim Lesen wünschen dir deine Bierfreunde von HaCK.“ Filipes Kugelschreiber eilte geläufig über die Leerseite des Schmutztitels. Ob er genau das schrieb, konnte ich nicht sehen, denn ich hatte die Lesebrille nicht aufgesetzt. Filipe malte noch ein Pferd unter den Text. Warum ein Pferd, weiß ich nicht. Er gab mir den Kugelschreiber, und ich kritzelte ein Männlein daneben, sah aber nicht, was ich tat, einmal der fehlenden Lesebrille wegen und weil wir schon den dritten Elferkranz Kölsch geleert hatten, von denen fünf, sechs Glas mindestens meine Kehle runtergeflossen waren. Dieses Männlein muss etwas ganz Besonderes sein, weil unter erschwerten Bedingungen geboren, und trotzdem steht es aufrecht neben Filipes Pferd im Buch. Kann es ein ehrlicheres Männlein geben?

Jetzt habe ich mich fest gelesen, Perec hat mich in seinem Bann. Das ist aber blöd, dachte ich, und eine alberne Nachricht: Der Mann, der wegen eines dicken Buches nicht mehr vom Klo herunter kam. Apropos Schmutztitel: Auf dem Weg zum Leinau hatte ich in der Kälte drei guterhaltene Duden-Bände ausgesetzt gefunden. Grammatik- und Fremdwörterduden habe ich schon, legte die Bände zurück auf die Fensterbank. Den Aussprache-Duden nahm ich mit, vergaß ihn auch nicht, als wir spät aufbrachen. Dabei ist er der nutzloseste Duden überhaupt, jedenfalls für einen wie mich, der redet wie er will und sowieso mehr schreibt. Mit der Buch gewordenen Nutzlosigkeit unterm Arm ging ich den Kötnerholzweg heimwärts. Plötzlich fragte der klüger ist in mir, wo mein Hausschlüssel sei. Ich fand ihn jedenfalls nicht in meiner Tasche. Er musste herausgefallen sein, als ich meine Jacke zur Seite räumte, damit Filipe sich neben mich setzen konnte. Also trug ich meinen Ausspracheduden wieder zurück ins Leinau.

„Hast du noch nicht genug?!“, rief die Kellnerin Jessy von hinter der Theke. Ihre hilfsbereite Kollegin Julia fragte mich an der Treppe zum Raucher, ob ich alleine klarkäme. Ja, war nämlich einfach: Auf dem Sofa lag frech und offen mein Schlüsselbund. Zu Hause fand ich auf dem Schmutztitel des Aussprachedudens den abgebildeten Eigentumsstempel. Was ist los in Aligse?
„Mama, unsere Lehrerin hat den Ausspracheduden weggeworfen. Wir müssen jetzt Klingonisch reden!“

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