Unter Gemüseschnitzern (3) – Kein Glück ohne Schatten

„Warum noch darüber reden? Das alles macht mir Weltschmerz. All den Lug und Betrug aus den Reihen der machtgeilen Politik, das Leid, dass diese Leute im Dienste eines angeblichen Infektionsschutz bei Alten, Kranken, Familien und Kinder angerichtet haben, die Ignoranz unserer Medien, die inquisitorische Weise, in der man Kritiker mundtot machen will, kann ich kaum ertragen. Und mich schmerzt, dass Freunde und Freundinnen, deren Intelligenz und Urteil ich geschätzt habe, der Panikmache und Angstmacherei zum Opfer gefallen sind.“

„Ich heule gleich“, sagte der Schriftsteller.

„Na na, der Lockdown war nötig, stand in meiner geliebten FAZ“, sagte Frau Spangenberg.

„Aber unser Gesundheitssystem war zu keiner Zeit überlastet. Und die alberne Maskenpflicht wurde erst eingeführt, als der magische „R-Wert“ weit unter 1 war und die Intensivstationen in unseren Krankenhäusern leer standen.“

Der Weg führte nun steil bergab. Inzwischen sahen wir unter uns in die Mauereinfassung der Grabanlage mit der zentralen Pyramide, die der Graf von Münster sich hatte erbauen lassen.

„Wie glücklich die Zeiten, als die Eliten sich mit derlei Quatsch begnügt haben“, sagte ich.

„Das werden die Dienstboten anders gesehen haben, als sie dem Fürsten zu Lebzeiten die Genüsse den Berg hinaufschaffen und servieren mussten, nur damit er Tee schlürfend den Blick auf sein Anwesen und die Ländereien genießen konnte“, wandte der Schriftsteller ein,

„Da sind sie wenigstens fit geblieben“, sagte Frau Spangenberg,

„Inzwischen ist auch der die Fitteste von ihnen längst tot“, sagte der Schriftsteller düster und ließ sich auf eine Bank sinken. „Fitness wird total überschätzt. Ich gehe keinen Schritt mehr weiter.“

„Ob sich aber ein Dummer findet und Ihnen das Abendessen bringt?, lachte Frau Spangenberg.

„Der Hunger treibt ihn schon rein“, sagte ich und ging weiter. Die Aussicht, mit Sibylle Spangenberg alleine weiter zu bummeln, war höchst erfreulich. Zum Glück blieb der Dicke sitzen.

„Sie hätten ihn ruhig ermuntern können“, rügte sie.

„Warum sollte ich? Ihre aparte Gesellschaft reicht mir.“

„Mich beunruhigt, dass Sie so düstere Gedanken denken. Können Sie auch anders?“, fragte Sibylle Spangenberg.

„Oja. Es gibt auch bei mir seltene Minuten, da ich von innerer Zufriedenheit durchdrungen bin, dass mir nichts zu fehlen scheint.“

Der Weg folgte nun den Windungen eines Baches. Im dichten Buschwerk der Uferböschung erhob sich ein Kirschbaum mit leuchtend roten Früchten.

„Die hängen leider zu hoch“, sagte ich.

„Wieso?“ Frau Spangenberg stieg in die Böschung, reckte sich zu einem Zweig hin, der voller Kirschen hing und pflückte sie.

„Mein Bruder hat gesagt: ‚Mit einer großen Frau ist nicht gut Kirschen essen‘.“

„Ihr Bruder hatte wohl keine Ahnung“; sagte sie lachend und gab mir ihre Handvoll Kirschen. Sie schmeckten köstlich. Aber ich biss mir auf die Zunge und schmeckte Kirschsaft mit einer Ahnung von Blut. Kein Glück ohne Schatten.

Links: Die gesponserte Pandemie

Die Ballerman-Hysterie

Covid19-Entscheidungen und -Debatte sind wie der Offenbarungseid einer beschränkten Politik und abnickender Medien


Unter Gemüseschnitzern (2) – Weltschmerz

Wie warteten, bis Frau Spangenberg heran gekommen war, nahmen sie in die Mitte und stiegen gemeinsam hinan. Im Wald hatte man im großen Stil Bäume gefällt, die Stämme seitlich des Wegs aufgestapelt, das Knüppelholz aber achtlos im Wald und sogar über den Weg verstreut. Stellenweise mussten wir hintereinander gehen. Ich hatte Mühe, nicht zu straucheln, während die Spangenberg hurtig bergan eilte und scheinbar mühelos wie das göttliche Kind über alle Hindernisse hinweg schritt.

„Ich möchte nicht wissen, wie es bei dem Förster zu Hause aussieht, der das Chaos hier zu verantworten hat“, sagte ich.

Frau Spangenberg lachte. Bringst du eine Frau zum Lachen, hast du schon gewonnen, freute ich mich. Der korpulente Schriftsteller blieb schnaufend zurück und schien aufgeben zu wollen. Frau Spangenberg wusste ihn zu motivieren. „Oben am Teehaus gibt es eine Bank. Da können Sie verschnaufen und uns erzählen, was sie schreiben.“

„Meistens schreibe ich Dystopien“, sagte der SF-Schriftsteller düster.

„Gibt es nicht genug? Das Genre ist doch schon voll von Dystopien“, wandte ich ein.

„Man kann sich schlechte Welten einfach besser vorstellen, wenn man derzeitige negative Entwicklungen weiter in die Zukunft denkt.“

Wir erreichten die Bank und setzten uns. Vor uns erhob sich auf einem Sockel das unförmige Teehaus, einem dorischen Tempel nachempfunden, den der Hannoveraner Architekt Georg Ludwig Friedrich Laves im Jahr 1827 dem Grafen auf den Berg baute. Sagt man so, obwohl Laves keine Steine geschleppt haben wird.

„Hauptsache plausibel. Die Menschen mögen es, wenn die Entwicklungen so dargestellt sind, dass jeder mitkommt“, sagte ich.

„Ich weiß nicht“, widersprach Frau Sprangenberg. „Die menschliche Erfahrung lehrt etwas anderes. Schon der Blick in die Vergangenheit zeigt genau das Gegenteil von Plausibilität: “ Sie deutete mit ihrer schönen Hand in die Runde: „Der griechische Tempel hier, die Grabpyramide im Tal und die Fischerhäuser an der Straße. Das architektonische Ensemble mit dem Schloss und den weitläufigen Gebäuden der Meierei. Plausibel ist doch nur das umgebende Idyll. Wenn wir nicht wüssten, dass die Anlage einst ein Zisterzienserkloster gewesen ist und ein Fürst es im 19. Jahrhundert der Kirche entrissen hat, um das Haupthaus im Tudorstil zum Schloss umzubauen, stünden wir vor einem Rätsel und würden nichts mit unserer Gegenwart zusammenbringen können.“

„Das deprimiert mich ja so“, sagte der Schriftsteller. „Wenn man die derzeitige Entwicklung unserer Gesellschaft zur Gesundheitsdiktatur betrachtet, so ist auch nichts plausibel. Schon die handelnden Figuren sind es nicht. Die Charaktere sind so schlecht entwickelt, einfach dumm. Kein Verlag würde mir ein Manuskript abnehmen mit Figuren wie Frau Merkel, Jens Spahn, Karl Lauterbach und so weiter. Dass derlei banale Menschen die Akteure sind, hätte ich nie erwartet. Und dass es kaum gesellschaftlichen Widerstand gibt, das völlige Versagen der Leitmedien als kontrollierende Vierte Gewalt, ihr arrogantes Ignorieren der Fakten, das alles ist nicht plausibel. Einzig wie sie Abweichler, Zweifler und Kritiker dämonisieren, das erinnert an längst bekannten religiösen Eifer.“

„Plausibel ist die Entwicklung schon“, sagte ich. „Ich muss immer denken an Warren Buffetts Befund, dass die Klasse der Superreichen einen Klassenkampf begonnen hätten.’There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.‘ Waren das nur Worte des zweitreichsten Mannes der Welt oder gab es konkrete Kriegshandlungen?“

Müde bestätigte der Schriftsteller: „Er hat das anlässlich der Finanzkrise gesagt. Banken wurden mit Steuergeldern gerettet, und am Ende waren die Superreichen noch reicher geworden. Das Geld wurde also von unten nach oben geschaufelt.“

„Hinsichtlich der Kriegsmetapher war die Finanzkrise ein Scharmützel“, warf Frau Spangenberg ein.

„Ja, die nächste Kampfhandlung, der nächste Angriff muss heftiger sein. Wie könnte es weitergehen? Entwickeln Sie ihre Dystopie, Herr Schriftsteller!“, sagte ich.

„Zuerst bringt die Pharmaindustrie die WHO dazu, die Definition der Pandemie zu ändern, damit man eine ausrufen kann trotz geringer Todesfälle wie damals bei der Schweinegrippe. Dann versetzt man die Leute durch geschicktes Marketing in Todesangst, so dass sie nicht mehr geradeaus denken können. Dann macht man mit Shotdowns und Lockdowns den Mittelstand kaputt, so dass die großen Wirtschaftsplayer sich deren Marktanteile unter den Nagel reißen können.“

„Nicht besonders originell“, sagte ich. Genau das ist doch passiert oder passiert derzeit. Die Auswirkungen können wir jetzt schon sehen an Amazon und dem Bankrott von Karstadt/Galeria Kaufhof.“

„Ich bin halt müde. Wie kann ich mir eine eigenständige Dystopie ausdenken, wenn die Welt erkennbar auf eine zustrebt?“, fragte der Schriftsteller. „Wenn der Krieg bereits im Gange ist und in so großem Stil geführt wird, wie Sie sagen, ist eh alles verloren. Dann bleibt uns nur Gemüseschnitzen und sonstiger Eskapismus. Warum sollten wir noch über die derzeitige Entwicklung reden?“

Fortsetzung: Kein Glück ohne Schatten

Die Malkunst der Virologen

„Haben Sie viele Coronafälle?“, frage ich meine Ärztin., die ich quasi routinemäßig aufgesucht hatte.
„Nein!“, sagt sie.
„Bei den geringen Fallzahlen in Hannover ist es wohl wahrscheinlicher von einem Auto überfahren zu werden“, ergänze ich. Das findet sie auch und sagt, dass sie diesem Coronagedöns [mein Wort] kritisch gegenüber stehe. Sie halte sich natürlich an die Vorgaben, was ich bestätigen kann. So setzt sie sich eine Maske auf, bevor sie mein Herz abhört, aber sagt: „Im letzten Jahr hatten wir 20.000 Grippetote. Da krähte kein Hahn nach.“ Ein Aushang an der Tür besagt, dass nur eine Maske tragen solle, wer eine Atemwegserkrankung habe. Bei anderen bestünde keine Evidenz des Nutzens. Ich bin zweimal beruhigt, einmal eine Meinung aus der ärztlichen Praxis zu hören, die meine Ansichten bestätigt, und zum anderen, weil mein Herz brav geklopft hat.

Die Praxishelferinnen tragen zur Tastaturbenutzung Latexhandschuhe. Ich sehe bei der einen schweißfeuchte Stellen in den Handschuhen, der Nährboden für Bakterien. Arme Frau. Warum sind die Schutzmaßnahmen so disfunktional? Denkt da keiner richtig nach? Sind denn alle einem kollektiven Irrsinn verfallen? Wenn man böse Drahtzieher wie dem James-Bond-Film entsprungen ausschließt, bleibt nur dieser Schluss. Unsere Entscheidungsträger sind Opfer der von ihnen selbst geschürten Panik, haben den Teufel an die Wand gemalt und erschrecken jedes Mal, wenn sie seiner ansichtig werden. Freilich lassen sie ab und zu einen Virologen mit dem Farbtopf ran, damit die Darstellung nicht verblasst. Und die Kerle können nicht mal gut malen. Zum Erschrecken reicht wohl deren schlichte Maumännchen-Kunst.

Ein Spaziergang führte uns über einen recht breiten Weg an einem Waldrand entlang. Auf der anderen Seite war ein Graben. Vor uns hielten zwei Radfahrer am Wegesrand. Das ältere Paar betrachtete uns ängstlich und wäre wohl lieber in den Graben gefallen als unsere Nähe zu ertragen. Soziale Distanz kann auch gefährlich sein.

Fragen eines mündigen Bürgers

„Bisweilen übliche Übertreibungen und Zuspitzungen“ hat mir eine Kommentatorin attestiert, und ich will mich diesbezüglich zurückhalten, nichts behaupten oder interpretieren, sondern darlegen, was in mir denkt und fragen. Was geschieht derzeit mit uns? Wohin driftet unsere Gesellschaft? Mit welchem Recht stellen sich gewählte Politiker über unsere Verfassung? Warum ist unser Grundgesetz nicht mehr Richtschnur des politischen Handelns, sondern der Rat von wenigen Virologen? Wieso werden uns Maßnahmen zur Coronabekämpfung auferlegt, obwohl die Zahlen der Erkrankungen das nicht hergeben? Wozu die Panikmache in unseren Medien? Wieso verspielen Politik und Medien leichtfertig ihre Glaubwürdigkeit? Als vor Wochen die Bedrohung durch das Coronavirus festgestellt wurde, als uns Bilder von der Situation in Italien erreichten, mag es sein, dass unsere politische Entscheidungsträger erschrocken waren. Man hatte unser Gesundheitssystem privatisiert und dem Profitstreben von Kapitaleignern ausgeliefert, hatte auf Rat der Bertelsmannstiftung „unrentable“ Krankenhäuser geschlossen, wusste um den Pflegenotstand in der Altenpflege. Die Angst, dass ihnen das alles auf die Füße fallen würde, muss groß gewesen sein. Zwar wurde Gesundheitsminister Jens Spahn noch am 27. Januar vom ZDF zitiert mit: „Wir sind gut vorbereitet“, doch war das vermutlich ein Pfeifen im dunklen Wald. Denn vorbereitet war man nicht, obwohl das RKI schon im Jahr 2012 vor einer drohenden Pandemie und vor Versorgungsengpässen bei Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung gewarnt hatte.

Die nun folgende Überreaktion brachte eine unfassbare Brutalität von Maßnahmen. Darüber habe ich bereits hier geschrieben. Noch heute staune ich, wie irrational das alles ist. Man hört auf Virologen, die sich überwiegend mit Partikeln beschäftigen, virale Tröpfchen zählen und deren Verbreitung in der Atemluft erforschen und bei dieser perspektivischen Verengung keinen Blick haben für das, was gesamtgesellschaftlich geschieht. Wenn es um den gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung geht, wieso setzt man Kinder, Familien und Alte einer unfassbaren psychischen Belastung aus? Wieso lässt man zu, dass Menschen krank werden, weil sie massive Existenzängste haben? Wieso predigt man soziale Distanz, appelliert aber gleichzeitig an Zusammenhalt? Was soll die Maskierung, dass man seinen Mitmenschen nicht mehr ins Gesicht sehen kann?

Ein persönliches Wort: Ich gehöre per Definition zur Risikogruppe, mit einer Vorerkrankung des Herz-Kreislaufsystems. Wenn ich beim Einkauf eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen muss, bekomme ich Atemnot. Seit Wochen stolpert mein Herzschlag. Ich müsste zum Arzt gehen, um mir ein Attest zu holen, dass ich von der Maskenpflicht befreit werde. Wie soll das praktisch gehen? Muss ich beim Betreten eines Geschäfts mit dem Attest wedeln? Und soll ich misstrauischen MitbürgerInnen auf die Nase binden, dass ich vom Tragen einer Maske befreit bin, weil … Das geht doch niemanden was an. Das alles wegen einer Maßnahme, deren Sinn höchst umstritten, in meinem und in vielen Fällen sogar schädlich ist?

Selbstdiagnose rettet den Jasper nicht.
Text: Bitte Bild klicken!

Ich stelle nur Fragen, damit ich nicht in den Ruch komme, Verschwörungstheoretiker zu sein. Aber auch wer fragt oder sich rein sachlich mit Statistiken und der berühmten R-Zahl beschäftigt, wird sogleich mit Aluhutträgern und Rechtsextremen in einen Sack gesteckt. Wer nicht glaubt, ist Ketzer und wird ins Glied zurückgetreten.Woher kommt der rüde Ton gegenüber Andersdenkenden, für die FAZ-Geistesgröße Jasper von Altenbockum ein beschämendes Beispiel gibt? Wenn schon unsere verfassungsmäßigen Rechte außer Kraft gesetzt sind, muss doch eine Diskussion dessen erlaubt sein. Vor Tagen hatte ich bereits über das kollektive Versagen der TV-Satiriker, Welke, Puffpaff, Ehring geschrieben. Bislang war auf die Verlass, wenn unsere Leitmedien ihre Kontrollfunktion nicht mehr wahrnehmen, sondern zu regierungsamtlichen Verlautbarungsorganen verkommen. Der Kabarettist Matthias Richling muss von diesem Vorwurf ausgenommen werden, wie ich hier gelesen habe.

Wie wäre es mit einer zweiten Meinung, wie sie bei ärztlichem Rat immer angezeigt ist?

Wer sich die aktuellen Zahlen anschauen möchte:

Aus dem Off – Bitte wappnen Sie sich

Heute gegen sechs Uhr erwachte ich, mochte nicht aufstehen und geriet in einen dösigen Schlaf, einen von diesen, die gefährlich sind für die geistige Gesundheit. Da träumte ich den Unterschied zwischen einem Polizeieinsatz und einem Polizei-Einsatzkommando. Letzteres muss aus gegebenem Anlass angefordert werden. Ein Polizeieinsatz aber kann auch eine Gruppe von Polizisten sein, die eine Tonne hochvoll mit leeren Bierflaschen zur Pfandrückgabe bringt. Denn eine solche Tonne ist schwer zu fassen und zu tragen, so dass schon mal fünf (!) Polizisten Hand anlegen müssen.

Natürlich darf eine solche Polizeieinsatzgruppe mit Blaulicht zum Supermarkt fahren. Dort springen alle raus, die Leute denken: „Huch! Jetzt wird die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert!“ Wer keine Maske hat, zerrt wie dereinst Mr. Bean die Unterhose durch ein Loch in der Hosenttasche und zieht sich [Achtung! Bitte wappnen Sie sich! Jetzt folgt das hässlichste Wort der Welt] zieht sich den Schlüpper übern Kopf – aus virologischer Sicht hochproblematisch, aus linguistischer Sicht schwerst bedenklich. Die Polizei drückt ein Auge zu und lässt den Beschiss gelten, wenns kein Schlüpper mit Eingriff ist.

Derweil stürmt das Polizei-Einsatzkommando eine Veranstaltung namens Freiwillige-Corona-Ermüdungs-Abschlussvorstellung und knüppelt auf alle Besucherinnen und Besucher ein. Die meisten sind nämlich illegal. Geladen sind nur Haubitzen und Baulöwen.
Sie lesen, meine lieben Damen und Herren, wie es derzeit bestellt ist um mich. Drum muss ich die Blogpause leiderleider verlängern, etwa 20 Zentimeter für jedes Ohr.
Übrigens: Gummibänder sind das neue Klopapier.

Dinge des Lebens – Corona-Report, Tag 4

Die Frage, warum die Leute Toilettenpapier hamstern, beantwortet im Fernsehen eine Supermarktkassiererin so:
„Man muss denen nur in die Augen schauen. Da steht: ‚Ich, ich, ich!’“ Der rücksichtslose Egoismus ist freilich kein Produkt der Krise, tritt jetzt unter den Extrembedingungen nur stärker hervor. In Frau Merkels „marktkonformen Demokratie“ herrscht die neoliberale Doktrin der Individualisierung und Konkurrenz, mithin der Entsolidarisierung. Wo jede/jeder auf sich selbst gestellt ist, wirkt die epidemiologische Forderung nach „sozialer Distanzierung“ wie ein Brandbeschleuniger. Was soll da nur werden? Am Ende ist die Corona-Krise überwunden, aber jeder des anderen Feind.

Im Supermarkt sind die Regale am frühen Nachmittag noch gut bestückt. Nur Toilettenpapier ist weiterhin nicht zu bekommen. Wo es sonst aufgestapelt ist, stehen jetzt Konserven. Das dürfte hart und schmerzhaft werden. Der amerikanische Wissenschaftler Alan Dundes, Professor für Anthropologie und Völkerkunde an der University of California in Berkeley, hat schon 1987 in einer humoristischen Studie den deutschen Nationalcharakter als analfixiert beschrieben. Vermutlich hat er Recht.

Eine Freundin, deren Tochter Kinderpsychologin ist, macht mich auf den derzeitigen Stresstest für Familien aufmerksam. Die Schließung aller Schulen, Kindergärten, Kitas und der Spielplätze trifft natürlich das Prekariat am stärksten. Man mag sich gar nicht vorstellen, was derzeit in Familien geschieht, die ohnehin am Limit ihrer Belastbarkeit sind, in kleinen Wohnungen ohne Balkon und Garten, zusätzlich von materiellen Ängsten geplagt, von häuslicher Gewalt gar nicht zu reden. Und ist bei den Milliardenhilfen, die die Bundesregierung verspricht, wenigstens sichergestellt, dass die Energieversorger derzeit nirgendwo den Strom abstellen? Zwangsräumungen gibt es jedenfalls noch, wie Blogfreund Schreibenwaermt berichtet.

Meine Hände wundern sich, weil sie noch nie so oft und gründlich gewaschen wurden. Um den zusätzlichen Wasserbrauch nicht zu übertreiben, schnitt ich heute erstmalig in meinem Leben meinen Obstsalat mit Handschuhen. Es hat mich aber immer schon geschüttelt, wenn namhafte TV-Spitzenköche ihre Kreationen mit den bloßen Fingern angerichtet haben. Ich hoffe, sie tuns nicht mehr oder sind etwa die Mikroben von den Händen der Sterneköche wichtig für den Geschmack?

Vor Wochen schon sagte ein Freund am Biertisch: „Jens Spahn macht einen guten Job.“ „Warum findest du das?“, fragte ich, „weil er jetzt so oft im Fernsehen zu sehen ist?“ Wie gut er seinen Job macht, wissen wir nicht wirklich. Eine Freundin fand es hingegen beachtlich, dass ein Mann mit erst 39 Jahren eine derartige Aufgabe stemmen könne.“ Ich hielt dagegen, dass er in seinem Ministerium hochqualifizierte Fachleute habe, die im zuarbeiten. Sie wehrte ab: Natürlich habe der eine ganze Corona hinter sich. Sternstunde des Wortspiels! Corona, lat. für Kranz. Daher stammt unser Lehnwort „Krone.“ Jo mei, Corona ist Krone? Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.

Dinge des Lebens – Corona-Report, Tag 3

Ich rufe beim Augenarzt an. Nachdem ich meinen Namen und den heutigen Termin genannt habe, sagt die Arzthelferin:
„Wir wollten den Termin schon absagen, aber Ihre Nummer ging nicht“
„Dann hat sich das ja erledigt, denn ich habe ebenfalls absagen wollen.“
Eine Weile werde ich wohl mit der alten Lesebrille auskommen müssen. Da ich jetzt Zeit eingespart und grad nichts Besseres zu tun habe, erzähle ich die extrem langweilige Geschichte meiner Lesebrille. Ich warne dringend davor, weiter zu lesen. Reklamationen nehme ich nur noch bis zum Doppelpunkt entgegen:

Es muss etwa im Jahr 1998 gewesen sein, als ich noch Deutschlehrer an einem Aachener Gymnasium war. In der 7. Klasse lesen wir einen Text aus dem Lesebuch. Links daneben ist ein zeittypisches Gemälde abgedruckt. Ich frage lahm: „Weiß jemand von euch, aus welcher Zeit das Gemälde stammt?“
Meldet sich ein Junge und sagt: „1847!“
„Ich erstaunt: „Woher weißt du das so genau?“
„Steht doch drunter, Herr van der Ley!“
Da war tatsächlich eine winzige Unterzeile, die ich nicht hatte lesen können. Da wusste ich, dass ich eine Lesebrille brauchte. Gleich am ersten Tag als Brillenbesitzer, habe ich sie auf einem Sessel abgelegt und mich drauf gesetzt. Das Ersatzgestell habe ich bei einer Radtour im Umland von Hannover verloren. Die Sehschärfe ist aber bei allen Brillen gleich geblieben. Da man über kein vergleichendes System verfügt, habe ich erst in den letzten Monaten gemerkt, dass sich meine Sehschärfe verschlechtert hat. Deshalb habe ich vor einer Woche den Termin beim Augenarzt gemacht, der jetzt beidseitig abgesagt wurde.

Unser Treppenhaus wird geputzt. Den Putzleuten gilt meine Hochachtung und Dankbarkeit. Dafür können sie sich nichts kaufen und beeilen sich wegzukommen. Kurz darauf steigt ein Paketbote aus den oberen Etagen herab. Die Arbeit der Paketboten ist nicht wirklich leichter geworden. Früher stiegen sie höchstens bis zur ersten Etage und gaben Pakete bei mir ab, derzeit müssen sie weiter hinauf steigen, denn sie treffen die Kunden zu Hause an. Das erinnert mich an einen Spruch, den ich mal hörte, Picasso oder Dali zugeschrieben: „Die Inspiration trifft mich beim Arbeiten an.“

Aus dem Gebäude der Musikhochschule kommen keine Klänge. Sonst habe ich hier schon gehört, wie leichthändiges Klavierspiel durch offene Fenster auf den Vorplatz wehte. Jetzt ist da nur das eintönige Klimpern von drei Fahnenstangen, an denen magentafarbene Banner flattern. Ich würde erwarten, dass die Fahnenstangen vor einer Musikhochschule verschieden gestimmt sind. Freilich weiß ich nicht, was man mit drei Tönen ausrichten kann. Irgendeine Harmonie sollte möglich sein. Schließlich beherbergt eine Musikhochschule Experten für Wohlklang. (Derzeit leider nicht.)

Das studentische Volk im Georgengarten erfreut sich leichtlebig am Frühlingswetter. Man lagert zusammen auf Wiesen, treibt gemeinsam Sport und kaum jemand kümmert sich um die regierungsamtliche Verordnung zur Absonderung, im Wortlaut „Gesamte Rechtsvorschrift für Absonderung Kranker, Krankheitsverdächtiger und Ansteckungsverdächtiger (…)“, Fassung vom 18.03.2020. Auf der Straße wird wohl Abstand gehalten. „Die Leute halten Abstand und schauen einem nicht mehr in die Augen“, sagte am Telefon Anna Socopuk. Offenbar fällt soziale Distanzierung ohne Augenkontakt leichter.

Soziale Distanz ist der feuchte Traum neoliberaler Demokratiefeinde. Dagegen hilft nur Gemeinschaftssinn. Am Laternenmast vor einem Supermarkt an der Limmerstraße fordert ein handgeletterter Aushang demgemäß: „Solidarität statt Hamstern!“
Schaut einander in die Augen!

Morgens denke ich, dass Toilettenpapier bald die neue Währung sein könnte, mittags zeigt mir eine Freundin einen Videoclip, der bei WhatsApp kursiert. Ich habe meine Lesebrille vergessen, aber meine gesehen zu haben, wie ein Mann in einer Bar seine Cocktails mit Abrissen von einer Klopapierrolle bezahlt.

Dinge des Lebens – Corona-Report, Tag 2

10 Uhr. Ein junger Arbeiter im Blaumann mit Werkzeuggürtel kauft in der Bäckerei frohgemut sein Frühstück ein. Die Summe von 3,65 Euro will er mit einem 50-Euro-Schein bezahlen. Die Bäckereifachverkäuferin lehnt den Schein ab. Bei den wenigen Kunden bislang habe sie kaum etwas eingenommen, so dass sie nicht wechseln könne. Der junge Mann ist zu schnell für mich. Bevor ich reagieren kann und seinen Einkauf bezahle, greift er seinen Schein und eilt davon. Dass ich so langsam war, tut mir doppelt leid, denn er wirkte mit seinem punkig rasierten Schädel und dem Zopf ein wenig rachitisch auf mich – wie einer, den man in seiner Kindheit kaum beachtet hat. Dem hätte es gut getan.

Auf der im Zeitungsständer ausgelegten Bildzeitung fordert Bayerns Ministerpräsident Söder, die Fußballstars sollten auf Millionen verzichten, um die Vereine vor Insolvenz zu bewahren. Welch ein Segen, dass auch an die Multimillionäre und die millionenschweren Vereinsunternehmen gedacht wird. Ich hatte mir schon vor lauter Sorge die Fingernägel abgekaut.

Auch meinen mitgebrachten Brötchenbeutel lehnt die Bäckereifachverkäuferin ab. Natürlich ist die Papiertüte hygienischer, denke ich und stecke den Beutel wieder ein. Beim Einkauf Ressourcen zu schonen, ist derzeit schwer. Ich kaufe wieder abgepacktes Gemüse, denn wer möchte schon kaufen, was 25 „Gemüseexperten“ vorher abgetatscht haben. Auch mag ich gar nicht an all die lebendigen Bäume denken, die jetzt den Klopa-Hamsterkäufen geopfert werden. Die Hersteller von Toilettenpapier wie die WEPA Industrieholding SE können sich über ein fettes Geschäftsjahr freuen und mit ihr der Vorsitzende des Aufsichtsrats Friedrich Merz. Gestern wurde bekannt, dass er positiv auf Corona getestet wurde, obwohl er in Klopapier baden könnte. Scheint also nicht zu helfen.

Teestübchen-Blog-Freund Schreibenwaermt teilt in einem Kommentar mit, dass in Frankfurt die Bordelle geschlossen wurden, weil sie entgegen aller Erwartungen doch nicht systemrelevant seien.

Den Fußweg hoch kommt ein alter Mann, sicher weit über 80 Jahre. Er geht, aufrecht zwar, aber ganz langsam, denn er trägt links und rechts in Beuteln schwer an seinem Einkauf. Für einsame alte Menschen ist diese Zeit doppelt bedrohlich.

In der Natur geht das Grünen und Blühen, das Tirili der Vögel unverdrossen weiter. Es fällt schwer, das mit der Coronabedrohung überein zu bringen. Der Mikrokosmos der Viren und Bakterien ist ja auch Natur. Wäre unser Planet ein Organismus, dann wehrt er sich gerade mit seinem kleinsten gegen den größten Schädling, wobei in Covid 19 einen Schädling zu sehen, die menschliche Sicht ist. Vage erinnere ich mich an eine Fabel. Darin wundern sich die Gänseblümchen: Warum schimpft man über den Wolf, wo er doch die Schafe frisst, die uns abrupfen? Wer kennt die Fabel und kann sie mir nachweisen?

Gegen Blödheit hilft kein Händewaschen

Vorsicht, dieser Text beginnt flapsig und endet im blutigen Ernst. Es hat mich nämlich unterwegs schreibend aus der Kurve getragen. Eingangs gestehe ich, den Untergang dieses Planeten leichtfertig mit verschuldet, wenn nicht hauptsächlich sogar herbeigeführt zu haben. Vor gut drei Jahren besuchten mich winzige intergalaktische Botschafter und ich habe sie düpiert. Als mir diese Botschaft zuteil wurde: „Hallo Erdbewohner! Wir grüßen euch und bieten euch den intergalaktischen Weltfrieden! Gehet hin und verbreitet die frohe Botschaft!“, habe ich gesagt:

    „Wie bitte? Soll ich etwa damit an die Öffentlichkeit gehen? Die Leute werden sagen, was kümmern uns Friedensangebote von Außerirdischen, deren Raumschiffe wie winzige Fruchtfliegen aussehen?“

Lag es an der latenten Lust am Untergang, die nicht nur in meinem Unterbewusstsein schwelt, sondern unter Erdbewohnern weit verbreitet ist? Friedensangebot ausgeschlagen, und jetzt haben wir den Salat: Winzige außerirdische Invasoren okkupieren die Erde und meucheln die Menschheit. Unsere komplett ahnungslosen Eliten in Medizin, Medien und Politik schwafeln vom Corona-Virus. Alle machen sich zu den Handlangern der Aliens, indem sie Panik verbreiten, so dass die verunsicherten Menschen weltweit wie bekloppt Klopapier kaufen. Warum? Aus Schiss. In Australien, wurde gemeldet, erschien jüngst die Lokalzeitung NT News mit acht leeren Extraseiten zum Zurechtschneiden als Arschwisch. Prächtige Selbsteinschätzung dieser Zeitung, der heimischen Dreckspress zur Nachahmung empfohlen. Hier hört der Spaß auf.

Tagesschau.de vom 27.02.2020 Klick aufs Bild ist Link zur Seite

Lebensbedrohliches wie etwa der Straßenverkehr wird in unserer Kultur von den Presseabteilungen der Autoindustrie bzw. von den Handlangern und Speichelleckern in unseren Redaktionen grundsätzlich als Erfolg gemeldet. Da heißt es nicht etwa, „Leute meidet die Straßen, bleibt lieber zu Hause, um euch und eure Lieben gegen den schrecklichen und rundum tragischen Unfalltod im Straßenverkehr zu bewahren!“ Es werden keine Großveranstaltungen abgesagt. Da tritt kein Minister vor die Kamera und verkündet Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, sondern es gibt Jubelmeldungen wie hier von Tagesschau.de mit dem Tenor: Kein Grund zur Sorge. „So wenige Verkehrstote wie noch nie!“ Das ist auch der Mutter ein Trost, wenn ihr hoffnungsfrohes Kindlein von einem abbiegenden LKW zerquetscht wurde und auf dem Asphalt in seinem Blute liegt: „Gott sei Dank!“, wird die Mutter ausrufen, „mein Kind ist tot, aber es gibt einen rundum erfreulichen Tiefstand bei Verkehrstoten. Halleluja!“

Wichtigtuerische Medienschranzen, Apologeten des Untergangs „Hallo Frau Will!“ haben nicht den leisten Schimmer, wo die tatsächliche Bedrohung für die Menschheit sitzt, nämlich in der selbstmörderischen Antiquiertheit ihres Denkens. Alljährlich ärgere ich mich über die Verkehrstoten-Erfolgsmeldungen und frage mich, wie schafft es die Autoindustrie nur, sämtliche Redaktionen zu schmieren, dass alle unisono die Statistik der Verkehrstoten bejubeln? Sie müssen nicht geschmiert werden. Das selbstmörderisch antiquierte Denken rumpelt durch derart tiefeingefahrene Karrenspuren, ist quasi ein Selbstläufer des Schon-immer-so-gedacht und Immer-so-gemacht. Verkehrstod ist die selbstverständlich geduldete Gewalt gegen Menschen zum Segen der Aktionäre unserer Autoindustrie. Alljährlich Tausende Opfer, Millionen weltweit! Aber mit Corona machen sie die Leute jeck.

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