Beinah ohne Hose – aus einem Büroalltag

Frau Walden rief zu ungünstiger Stunde bei Erlenberg an und sagte: „Wir haben einen neuen Mitarbeiter, den Doktor Mobenbach. Der soll ein Buch machen, weiß aber nicht, wie das geht. Sie müssen ihm helfen!“
Erlenberg sagte, er habe noch einen Termin und verabredete, um 15 Uhr ins Institut zu kommen. Sein Termin war, mit Helen in ein Wäldchen südlich der Stadt zu fahren, wo sie an einem Teich in der schon wärmenden Frühlingssonne sitzen wollten. Helen freute sich wie ein Kind auf die Kaulquappen, die sie im letzten Jahr dort gesehen hatten. Aber wie das immer ist, auch kleine Sensationen lassen sich nicht beliebig wiederholen. Rasch verlor sie das Interesse, wollte unbedingt kiffen, und was sie danach taten, führte dazu, dass sie mit seiner Hose weglaufen konnte. Es dauerte eine Weile, bis er sie überredet hatte, die Hose nicht hoch in einen Baum zu werfen, sondern rauszurücken, so dass er ziemlich abgehetzt und derangiert im Institut eintraf. Frau Walden und Dr. Mobenbach erwarteten ihn im kleinen Konferenzraum. Weiterlesen

Die Weihnachtskarte – Aus einem Büroalltag

Das Telefon klingelte und Frau Walden bat ihn zu sich. Erlenberg schloss die Datei, an der er gerade arbeitete, stieg die Wendeltreppe hinauf und hoffte, ungesehen durch die zweite Etage zu kommen, denn er hatte keine Lust auf ein Gespräch mit Herrn Walden, der dort sein Büro hatte. Zu oft hatte sich Walden als distanzlos erwiesen. Helen, Erlenbergs Freundin, arbeitete als Kamerafrau beim WDR. Ein einziges Mal hatte sie als Komparsin in einer Soap mitgespielt. Nachdem Erlenberg das arglos erzählt hatte, fragte Walden bei jeder Gelegenheit: „Sind Sie noch mit der Schauspielerin zusammen?“, wobei er verstand dem Wort „Schauspielerin“ den Beiklang von „Hure“ zu geben. Erlenbergs Einwand, sie sei nur Komparsin gewesen und im seriösen Beruf Kamerafrau beim WDR, ignorierte er einfach. Leider war Erlenberg Beziehung eine Achterbahnfahrt und kostete ihn viel Kraft, was bei Walden den Eindruck verstärkt, dass Erlenberg einer losen Person, einer „Schauspielerin“ eben, in die Hände gefallen war, die nichts anderes im Sinn hatte, als ihn zu verderben. Weiterlesen