Darum musste der Melker sterben. Eine schauerliche Moritat im Konjunktiv II

Kategorie MedienKomisch, beim Aussterben erwischt es zuerst die Starken. Ich weiß nicht, ob es in der Biologie ähnlich ist, aber in der Sprache trifft es zu. Wir kennen im Deutschen die Klasse der „starken Verben.“ Starke Verben haben die Besonderheit, dass sie bei der Konjugation (Beugung) ihren Stammvokal verändern, Beispiel: „singen, sang, gesungen”,rinnen, rann, geronnen ” oder „helfen, half, geholfen.” Im Konjunktiv II nehmen sie überdies befremdlich klingende Formen an, die in den Ohren der meisten Deutschsprecher falsch oder zumindest veraltet klingen. Wer solche Klänge vermeiden will, behilft sich mit der Ersatzform „würde + Infinitiv“, sagt also nicht: „Ich sänge ja mit, wenn ich den Text könnte.“ sondern „Ich würde mitsingen, …“ – eigentlich schade, denn auch eine lebendige Sprache braucht Vielfalt. Vor einigen Jahren habe ich einen kurzen Text geschrieben, in dem starke Verben im Konjunktiv II vorkommen. Zur Förderung der grammatischen Biodiversität erscheint er im Teestübchen in typografisch gestalteter und animierter Form. Gute Unterhaltung.

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Krimiabend – Hunde

Die Vorgeschichte: Zwischenfall auf der Autobahn
Tod im Mausoleum

Straberg erreichte den Ortsrand von Verviers gegen 21 Uhr. Hier folgte er noch kurz der Rue de Hèvremont, dann bog er nach links in die Rue de la Cité. Nach etwa 50 Metern zweigte die Rue du Cimetière ab. Wieder ging es nach links, so dass er zurück nach Osten fuhr. Doch die Rue du Cimetière führte steil den Hang hinauf. Je weiter sie anstieg, umso öder wirkten die Häuser an der Straße. In der Nähe des Friedhofs lagen die Bauten verstreut. Dazwischen Brachgelände und kleine Gewerbehöfe.
Dann sah er den Friedhof. Seine gewaltige Ausdehnung ließ sich nur erahnen, denn das Gräberfeld erstreckte sich noch weit den Hang hinauf.
Von der Straße zweigte eine Rampe zum Hauptportal ab. Unterhalb der Rampe parkte Straberg den Laguna. Er blieb noch einen Augenblick sitzen und versuchte sich zu sammeln. Dann stieg er aus und schloss den Wagen ab.
verviersfriedhofFriedhof in Verviers – Foto: Gudrun Petersen

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Krimiabend – Tod im Mausoleum

Die Vorgeschichte: Zwischenfall auf der Autobahn

Das Mausoleum der Familie Geraets war eines der Größten und Prächtigsten auf dem Friedhof von Verviers. Der Urgroßvater Boudewijn Geraets hatte es 1897 aus dem Blaustein der Region erbauen lassen. Die eigentliche Gruft bestand aus einem schmalen Gang. Links und rechts befanden sich insgesamt 28 Grabkammern, je sieben in einer Reihe, zwei Reihen übereinander.
Es waren noch zwei der Grabplatten unbeschriftet, doch eigentlich gab es drei leere Grabkammern. Rodrigo Geraets war der letzte männliche Nachfahre der Hauptlinie. Deshalb hatte er vor vier Jahren bereits seine eigene Grabplatte anfertigen lassen. In klaren römischen Kapitalis-Buchstaben waren dort sein Name und seine Geburtsdaten eingemeißelt.
In seiner aktiven Zeit als Sonderermittler der Staatsanwaltschaft hatte es immer wieder Hinweise aus der Lütticher Unterwelt gegeben, dass man ihm nach dem Leben trachtete. Zweimal war er nur knapp einem Anschlag entkommen. Deshalb hatte er auf einen plötzlichen Tod vorbereitet sein wollen. Seinen Verwandten mütterlicherseits vertraute er in dieser Sache nicht.
verviersfriedhofFriedhof in Verviers – Foto: Gudrun Petersen

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Unterhaltung am Wochenende – Zwischenfall auf der Autobahn – eine Krimalkurzgeschichte

verviers

„Verdammt, Alter, sorg endlich dafür, dass die Scheißköter das Maul halten und sich hinlegen! Da soll sich einer auf’s Fahren konzentrieren!“
Rosen fuhr nah auf einen LKW auf und zog erst im letzten Moment auf die Überholspur hinüber.
„Jetzt reg dich ab, pass lieber auf, wo du hinfährst, du bringst uns noch in die Kiste mit deiner bescheuerten Fahrweise. Du fährst, als hättest du deinen Bock unterm Arsch!“
„Ja, wollte ich auch! Stattdessen kutschieren wir die stinkenden Viecher da hinten durch die Gegend! – Wieso können wir dem Kerl nicht einfach den Hals durchschneiden?“
„Weil Piano gesagt hat, wir sollen ihn mit den Hunden fertig machen! Also halt endlich die Schnauze und fahr vernünftig. Hab keine Lust, deinetwegen in eine Polizeikontrolle zu geraten!“
„Du hast Schiss vor den belgischen Bullen?“
Rosen lachte. „Die werden nicht wagen, uns anzuhalten, verstehst du! Danziger lässt ihnen sonst den Arsch bis zum Hals aufreißen!“
Recker drehte sich um und sah die beiden Hunde auf der Ladefläche des Kombis an. Er wies mit dem Zeigefinger auf den Teppich, und die weißen Schäferhundmischlinge legten sich winselnd nieder.
Eine Weile fuhren sie schweigend auf der Überholspur. Vor ihnen auf der rechten Spur tauchte ein Wohnwagengespann auf, das auf einem Fahrradständer am Heck zwei Erwachsenenfahrräder und zwei Kinderräder transportierte. Kurz vor ihnen scherte das Gespann aus, um einen Lkw zu überholen. Rosen musste voll in die Eisen!
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