Aus dem Netz gefischt – Das Gurkenkondom

In meiner linksrheinischen Heimat heißt die Schlangengurke „Komkommer“, genau wie im Niederländischen. Entsprechend stark alliteriert die niederländische Neubildung: „Komkommercondoom“, womit die Plastikhülle gemeint ist, in die in Supermärkten der EU die „Biogurke“ eingeschweißt ist, quasi DAS Symbol für den Plastikwahnsinn. Das Wort „Gurkenkondom“ ist mir im Videoblog der flämischen Radiomoderatorin Linde Merckpoel begegnet, worin sie mit dem Fernsehmacher Dieter Coppens einkauft, anschließend allen Plastikmüll in den Supermarkt zurückbringt und den Filialleiter darauf verpflichtet, ins Management der Supermarktkette zu melden, dass die Kunden den Plastikmüll nicht mehr wollen. Zur Nachahmung empfohlen. Das Video ist natürlich Flämisch, aber trotz Sprachbarriere sehenswert, weil es zeigt, wie sich der Plastikwahn in den Supermärkten kreativ anprangern lässt. Zusätzlich steht das Video exemplarisch für die stilistische Machart heutiger YouTube-Videos, geprägt durch schnelle Schnitte, rasch wechselnde Perspektiven und virtuose Schrifteinblendungen.

Gif-Montage aus Standfotos vom Video: JvdL

Supermarkt aangevallen met Dieter … [Supermarkt überfallen mit Dieter …]

Hartelijk dank. Goed gedaan, Linde & Dieter!

Werbeanzeigen

Aus dem Netz gefischt – Lob vom Rentner

„Die Europawahl bzw EU-Wahl steht vor der Tür. Ob CDU, SPD oder AfD gute Parteien sind, die im Einklang mit Wissenschaft und Logik stehen, versuche ich in diesem Video zu beantworten. In jedem Fall: Geht wählen am nächsten Wochenende. Sonst entscheiden Rentner über eure Zukunft“, schreibt YouTuber Rezo unter seinem bereits 4 Millionen mal aufgerufene YouTube-Video. Ich muss gestehen, dass ich bislang die Riege der YouTuber ignoriert habe. Dank Xeniana und ihrer Tochter Anna wurde ich auf Rezos erhellendes Video zur Europawahl aufmerksam, worin er die herrschende politische Klasse abmeiert, und zwar auf eine Weise, die man in unseren klassischen Medien vermisst. Mir scheint Rezos Kritik gut belegt und recherchiert zu sein. Dass er sich beim Podcaster Tilo Jung bedient, dem Schrecken unserer Regierungssprecher, hilft, so manche Ungereimtheit der Regierungspolitik zu entlarven. Also auch von mir als Rentner: Daumen hoch, Rezo!

Aus dem Netz gefischt – Drum Battle

Wir hatten ja nichts als Jugendliche auf dem Dorf der 1960-er Jahre. Der kulturelle Höhepunkt: Sonntagmorgens öffnete die Borromäus-Bücherei, wo wir bis Mittag in der Abteilung Kinder- und Jugendbücher eine Sitzgruppe in Beschlag nahmen. Entsprechend bestand meine Freizeitgestaltung aus Lesen. Freitagabend, ich lag lesend auf dem Sofa, als meine Mutter keine Ruhe gab und mich drängte, doch zu den Übungsstunden des Tambourcorps zu gehen. Zwei meiner Freunde würden auch hingehen. Ich hatte nicht die geringste Lust, doch weil sie nicht locker ließ, bin ich hin.

Wir übten zunächst in der Schreinerei des Tambourmajors, trommelten dort auf der Hobelbank. Das ging besser als man denken konnte. Die Sticks federten auf dem Hartholz schön zurück. Es muss Winter gewesen sein. Ich erinnere mich, dass ich in der ungeheizten Werkstatt lausig gefroren habe. Meine ersten Sticks mochte ich nicht. Sie waren schwarz lackiert und hatten an den Enden je eine Hülse aus Messing. Generationen vorher hatten schon damit getrommelt. Der Lack war an verschiedenen Stellen abgesplittert und an den Köpfen war der Lack ganz abgetrommelt. Als wir einen ordentlichen Trommelwirbel spielen konnten, war Frühjahr. Irgendwann bekamen wir Trommeln und durften mit den Großen üben. Das Tambourcorps traf sich am Trafohaus, am Ortsein- oder Ausgang von Nettesheim. Meine Begeisterung fürs Trommeln wuchs und hat mich nie mehr verlassen.

Mit 18 trat ich aus Protest aus dem Tambourcorps aus, weil mir zugetragen wurde, witziger Weise vom Dorffriseur, ältere Mitglieder des Tambourcorps hätten gesagt, wenn ich mir nicht bald die Haare abschneiden ließe, würde ich rausfliegen. Das war im Jahr 1968. Inzwischen hatte ich ein Schlagzeug und andere Interessen. Trotzdem hat sich die Zeit des Trommelns im Tambourcorps bei mir eingeprägt. Ich könnte noch heute bestimmte Märsche aus dem Gedächtnis spielen, wenn ich nicht durch den Schlaganfall die Taktsicherheit der Linken Hand eingebüßt hätte. Aber ich übe und versuche sie zurückzuerlangen. Es geht leider nur langsam voran. Kürzlich entdeckte ich bei YouTube ein sogenanntes Drum-Battle zwischen einer weiblichen Trommelgruppe aus der Ukraine, den Crazy Drummers, und einer niederländischen Männergruppe, European X.
Viel Vergnügen!

 

Aus dem Netz gefischt: Stackenblochen

In Hannover kannte ich eine Frau näher, die neben diversen Vorzügen auch einen winzigen Tick hatte. Alle Packungen auf einem offenen Küchenregal, das Salz, die Nudeln, der Reis, die Cornflakes musste in einem Winkel von 45 Grad ausgerichtet sein, sonst wurde sie unruhig. Nachdem ich mittags für ihre achtjährige Tochter gekocht hatte, konnte ich beobachten, wie sie die obligatorische Ordnung mit geübten Handgriffen wieder herstellte. Dass Deutsche nicht 45 Grad, sondern den rechten Winkel bevorzugen, könnte man glauben, wenn man die Nachkriegsarchitektur betrachtet oder überhaupt weiß, dass gemäß dem deutschen Nationalcharakter in Deutschland alles recht geordnet sein muss. Das Außenbild ist so falsch nicht. Nachdem auf dem niederländischen Musiksender Hilversum II der Titel „Engel“ der deutschen Rockgruppe Rammstein gelaufen war, fragte der Moderator seinen Kollegen: „Hoe ziet hij er volgens jou uit, een Duitse engel?“ [Wie sieht er wohl aus, ein deutscher Engel?] Der wusste: „Paniert!“ Tatsächlich passen panierte Engel zum Brachial-Rock Rammsteins wie Arsch auf Eimer.

In der US-Late Night Show von Conan O’Brien ist ein Ausschnitt einer angeblichen deutschen Game Show zu sehen, eine Prüfung namens „Stackenblochen“, bei der die Kandidatin in kurzer Zeit Gegenstände auf dem Tisch im rechten Winkel anordnen muss. Vorsorglich weise ich darauf hin, dass die überaus verstörenden Bilder fiktiv sind und der Schäferhund nicht zu Schaden kam. Die Veralberung der deutschen Sprache und das hier vermittelte Bild der Deutschen ist ziemlich schräg, aber so falsch nicht, wenn man bedenkt, dass mit dem NS-Staat und der DDR zwei Diktaturen aufeinander folgten und in Deutschen Parlamenten eine Partei sitzt, die sich die alten Nazizeiten zurückwünscht. In deren Welt passt pfeilgrad „Stackenblochen.“ Das Video lässt sich leider nur auf YouTube ansehen. Bitte klicken!

(Dank an Tammo für den Nachweis)