Plausch mit Frau Nettesheim – Herbstliche Trägheit


Trithemius
Mir fehlen die Herbststürme, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
So, warum?
.

Trithemius
Früher hat’s doch manchmal im Herbst gestürmt, der Sturm blies die Regentropfen gegen die Fensterscheiben, dass es nur so prasselte. Mit den Oberschenkeln an den Heizkörper gelehnt, schaute ich hinaus in die langsam herabsinkende Dämmerung und dachte: Wohl dem, der jetzt ein Dach über dem Kopf hat. In meiner Nachbarschaft, wo die Straße die alte Bahnlinie überquert, wohnte mal ein Obdachloser unter der Brücke. An den und seine zugige Bleibe dachte ich. Er hatte wohl ein Dach überm Kopf, doch es fehlten mindestens drei der vier Wände, die den Unterschied ausmachen zwischen behaust und unbehaust.

Frau Nettesheim
Sie haben irgendwann geschrieben: „Wer Licht wahrnehmen will, muss auch Schatten haben. Wo nur Licht ist, erkennst du nichts, weshalb die nah am Licht sich den Schatten holen, indem sie das Elend der unter ihnen betrachten.“

Trithemius
Das Weib versucht, mich mit den eigenen Worten zu schlagen. Glauben Sie wirklich, ich wäre so unverschämt nah am Licht, dass es mich blendet, Frau Nettesheim? Ich versuchte nur die herbstliche Stimmung zu schildern, die mir fehlt. Einst war genau das die Zeit, in der ich kreativ wurde. Aber jetzt steht der Herbst einfach nur da und ich sitze genau so antriebslos herum, freue mich nach dem Frühstück schon auf den Mittagsschlaf.

Frau Nettesheim
Kommen auch wieder andere Zeiten.